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MAGNESITBERGWERK
TUX - Bergbau im Zillertal |
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Magnesitbergwerk Tux in vollem Produktionsbetrieb
Magnesitbergbau Lanersbach Der Mineraloge Prof. Dr. Bruno Sander (1884 - 1979) entdeckte 1910 das
Obertagevorkommen an Magnesit (MgCO3) im Lager "Wiese" und "Wangl"
in Tux. Bereits 1911 erwarben die Veitscher Magnesitwerke die Abbauberechtigung
auf dem Hosergut, das damals 7 Geschwistern gehörte. 1) In Tux wurde kristalliner Magnesit abgebaut. Auf einzelnen Abbau-Etagen wurde der Magnesit aus dem Felsen gesprengt und gebrochen. Es war eine schwere und gefährliche Arbeit. Die nach der Sprengung (täglich um 9.00 und um 17 Uhr) herum liegenden Gesteinsbrocken mussten noch zerkleinert werden, bevor die Männer die oft bis zu 80 kg schweren Gesteinsstücke mit bloßen Händen auf die Hunte luden. 3) Als auf der Wiese die Höffigkeit beim obertägigen Bergbau zurück ging, begann man etwa 1946/47 mit Schurfstollen die Ergiebigkeit unter Tage zu erkunden. 1948 baute man im Barbarastollen bereits untertägig Magnesit ab. 4) In einer Brechanlage im Werk wurden die magnesithaltigen Steine vom Brecher auf Faustgröße zerkleinert. Dann gingen sie auf eine Ofenreise, worunter man das Beschicken des langen Drehrohrofens mit dem gebrochenen Material, das gesintert (verdichten durch einen durch Hitzeeinwirkung erfolgten, kontrollierten Schmelzprozess) werden musste, versteht. Der Drehrohrofen war 60 Meter lang, hatte 2 Meter Durchmesser und wurde von innen befeuert (700 - 900°C). Anschließend an den Brand wurden die Steine gemahlen. Zur Effizienzsteigerung experimentierte man immer wieder mit neuen Mühlen. Stabmühlen, Kugelmühlen, Hammermühlen, Maschinen mit kubischen oder quadratischen Mahlkörpern probierte man aus, um einen möglichst optimalen, feinen Magnesitstaub zu erhalten. Das Material kam als Steinbrocken in die Mühle, wurde dort zerkleinert und über einen Sichter abgesaugt. Nur Staub von bestimmter Körnung wurde von den Ventilatoren angesaugt. Das restliche Material blieb so lange in der Mühle, bis es ausreichend fein vermahlen war. 5) Das "weiße Gold" (Magnesitpulver) wurde über eine, in den Jahren 1924 bis 1926 errichtete, Materialseilbahn vom Werk über den Hoarberg nach Bühel (2 km nördlich von Mayrhofen) gebracht. Die Seilbahn war 9,2 km lang und es dauerte fast 60 Minuten, bis die beladenen Kübel an der Bahnverladestation in Bühel ankamen. Im Gegenzug wurde Heizöl, das man zur Befeuerung des Drehofens benötigte, in 200-Liter-Fässern auf den Berg geliefert. Aus Tuxer Magnesit wurde 'Heraklith' produziert: Holzwolle vermischt mit dem Bindemittel kaustisches Magnesit wurde und wird zu Baustoffplatten gepresst. Die Magnesiumsulfatlauge hält die Sägespäne bzw. die verwendete Holzwolle zusammen und kann so zu Platten gepresst werden. Man verwendet sie nach wie vor als Isoliermaterial im Baugewerbe. Durch die Verwendung des Magnesiumsulfates als Bindemittel wurde das Holz imprägniert und unbrennbar. Der Magnesit aus Tux wurde in Simbach am Inn zu Verbundplatten verarbeitet. 6) Neben Magnesit wurde im Bergwerk ab 1971 (inoffiziell seit den 1950er Jahren) auch Wolfram (Scheelit) abgebaut. Das Wolfram kam in einer Quantität von durchschnittlich 1,8% vor, was weltweit einmalig war. 7) 1953 wurde bei der Schrofenalm in ca. 1700 m Seehöhe die "Barbarakapelle" errichtet, die von dem Innsbrucker Maler Max Weiler (1910 - 2001) künstlerisch ausgestaltet (Fresko über Fluch und Segen des Bergbaues) wurde. Die Kapelle wird vom heutigen Besitzer des Areals in bestem Zustand gehalten. 8) 1972 wurde die Stillegung des Werks beschlossen und am 21. Dezember 1976 die letzte Schicht gefahren. Das Werk wurde abgetragen und die Landschaft renaturiert und rekultiviert. 9) Die Arbeitsbedingungen in diesem ganzjährig betriebenen Hochgebirgsbergwerk
waren extrem.
Magnesitbergbau Lanersbach
Magnesitbergbau Lanersbach
Magnesitbergbau Lanersbach In den Jahren 1980 / 1981 wurde das hier in Bildern dokumentierte Werksgelände mit Ausnahme der "Barbarakapelle" vollständig demontiert und ist heute in der Landschaft kaum mehr zu erkennen.
Magnesitbergbau Lanersbach
Talstation der stillgelegten Schrofenbahn
in Lanersbach, die als "neuer" Zubringer 1961 errichtet wurde
Bergstation der stillgelegten Schrofenbahn
in Tux
Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol 1) Schneider 2001, 41 Quelle: Max Schneider, Arbeiterkultur und
Sozialverhalten im Bergbau am Beispiel des Magnesitbergbaues Tux im Zillertal
von 1921 bis 1976, Diplomarbeit Europäische Ethnologie / Volkskunde,
Innsbruck 2001 Weitere Literatur: Bildband Magnesitwerk Tux von Dietmar Walch, 50 Seiten.
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