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MAGNESITBERGWERK TUX - Bergbau im Zillertal

 

 

Magnesitbergwerk Tux © Joachim Weidner

Magnesitbergwerk Tux in vollem Produktionsbetrieb
© Joachim Weidner, Juli 1969
Email-Zusendung von Andreas Weidner, August 2009

 

Magnesitbergwerk Lanersbach © H. Spötl

Magnesitbergbau Lanersbach
nach der Einstellung des Bergwerks
© H. Spötl, 28. Mai 1978

Der Mineraloge Prof. Dr. Bruno Sander (1884 - 1979) entdeckte 1910 das Obertagevorkommen an Magnesit (MgCO3) im Lager "Wiese" und "Wangl" in Tux. Bereits 1911 erwarben die Veitscher Magnesitwerke die Abbauberechtigung auf dem Hosergut, das damals 7 Geschwistern gehörte. 1)

Das Bergwerk wurde 1921 eröffnet, mit der Magnesitgewinnung und der Inbetriebnahme der Brenn- und Mahlanlage 1927 begonnen. Das Abbau- und Schurfgebiet reicht ab einer Höhenlage von 1700 m bis über 2000 m hinauf. Ganz oben thront der Kristaller. Ein Bergstock, der seinen Namen davon ableitet, dass er in der Sonne wie ein Kristall glänzt. In einem Gebiet von über 180 ha wurden auf der Wangl-Alpe die Materialabbaue vorgenommen. 2)

In Tux wurde kristalliner Magnesit abgebaut. Auf einzelnen Abbau-Etagen wurde der Magnesit aus dem Felsen gesprengt und gebrochen. Es war eine schwere und gefährliche Arbeit. Die nach der Sprengung (täglich um 9.00 und um 17 Uhr) herum liegenden Gesteinsbrocken mussten noch zerkleinert werden, bevor die Männer die oft bis zu 80 kg schweren Gesteinsstücke mit bloßen Händen auf die Hunte luden. 3)

Als auf der Wiese die Höffigkeit beim obertägigen Bergbau zurück ging, begann man etwa 1946/47 mit Schurfstollen die Ergiebigkeit unter Tage zu erkunden. 1948 baute man im Barbarastollen bereits untertägig Magnesit ab. 4)

In einer Brechanlage im Werk wurden die magnesithaltigen Steine vom Brecher auf Faustgröße zerkleinert. Dann gingen sie auf eine Ofenreise, worunter man das Beschicken des langen Drehrohrofens mit dem gebrochenen Material, das gesintert (verdichten durch einen durch Hitzeeinwirkung erfolgten, kontrollierten Schmelzprozess) werden musste, versteht. Der Drehrohrofen war 60 Meter lang, hatte 2 Meter Durchmesser und wurde von innen befeuert (700 - 900°C).

Anschließend an den Brand wurden die Steine gemahlen. Zur Effizienzsteigerung experimentierte man immer wieder mit neuen Mühlen. Stabmühlen, Kugelmühlen, Hammermühlen, Maschinen mit kubischen oder quadratischen Mahlkörpern probierte man aus, um einen möglichst optimalen, feinen Magnesitstaub zu erhalten. Das Material kam als Steinbrocken in die Mühle, wurde dort zerkleinert und über einen Sichter abgesaugt. Nur Staub von bestimmter Körnung wurde von den Ventilatoren angesaugt. Das restliche Material blieb so lange in der Mühle, bis es ausreichend fein vermahlen war. 5)

Das "weiße Gold" (Magnesitpulver) wurde über eine, in den Jahren 1924 bis 1926 errichtete, Materialseilbahn vom Werk über den Hoarberg nach Bühel (2 km nördlich von Mayrhofen) gebracht. Die Seilbahn war 9,2 km lang und es dauerte fast 60 Minuten, bis die beladenen Kübel an der Bahnverladestation in Bühel ankamen. Im Gegenzug wurde Heizöl, das man zur Befeuerung des Drehofens benötigte, in 200-Liter-Fässern auf den Berg geliefert.

Aus Tuxer Magnesit wurde 'Heraklith' produziert: Holzwolle vermischt mit dem Bindemittel kaustisches Magnesit wurde und wird zu Baustoffplatten gepresst. Die Magnesiumsulfatlauge hält die Sägespäne bzw. die verwendete Holzwolle zusammen und kann so zu Platten gepresst werden. Man verwendet sie nach wie vor als Isoliermaterial im Baugewerbe. Durch die Verwendung des Magnesiumsulfates als Bindemittel wurde das Holz imprägniert und unbrennbar. Der Magnesit aus Tux wurde in Simbach am Inn zu Verbundplatten verarbeitet. 6)

Neben Magnesit wurde im Bergwerk ab 1971 (inoffiziell seit den 1950er Jahren) auch Wolfram (Scheelit) abgebaut. Das Wolfram kam in einer Quantität von durchschnittlich 1,8% vor, was weltweit einmalig war. 7)

1953 wurde bei der Schrofenalm in ca. 1700 m Seehöhe die "Barbarakapelle" errichtet, die von dem Innsbrucker Maler Max Weiler (1910 - 2001) künstlerisch ausgestaltet (Fresko über Fluch und Segen des Bergbaues) wurde. Die Kapelle wird vom heutigen Besitzer des Areals in bestem Zustand gehalten. 8)

1972 wurde die Stillegung des Werks beschlossen und am 21. Dezember 1976 die letzte Schicht gefahren. Das Werk wurde abgetragen und die Landschaft renaturiert und rekultiviert. 9)

Die Arbeitsbedingungen in diesem ganzjährig betriebenen Hochgebirgsbergwerk waren extrem.
Max Schneider
2001 liefert in seiner hervorragenden Arbeit über das Bergwerk ausführliche Berichte mit Erzählungen der Arbeiter, den Bergbau, der Arbeit in den Stollen, der Gefahren durch Gewitter und Lawinen (Lawinenunglück vom 21. Jänner 1951), Bekleidung und Ausrüstung, das Leben im Werk und vieles mehr.

Magnesitbergwerk Lanersbach © H. Spötl

Magnesitbergbau Lanersbach
nach der Einstellung des Bergwerks
Betriebsfeuerwehr, Werkshalle, E-Werk, Drehofen
© H. Spötl, 28. Mai 1978

 

Magnesitbergwerk Lanersbach © H. Spötl

Magnesitbergbau Lanersbach
nach der Einstellung des Bergwerks
© H. Spötl, 28. Mai 1978

 

Magnesitbergwerk Lanersbach © H. Spötl

Magnesitbergbau Lanersbach
nach der Einstellung des Bergwerks
© H. Spötl, 28. Mai 1978

In den Jahren 1980 / 1981 wurde das hier in Bildern dokumentierte Werksgelände mit Ausnahme der "Barbarakapelle" vollständig demontiert und ist heute in der Landschaft kaum mehr zu erkennen.

Magnesitbergwerk Lanersbach © H. Spötl

Magnesitbergbau Lanersbach
Im Vordergrund der Drehofen in der nach dem Brand 1941 erbauten Halle
© H. Spötl, 28. Mai 1978

 

Schrofenbahn, Lanersbach © www.SAGEN.at

Talstation der stillgelegten Schrofenbahn in Lanersbach, die als "neuer" Zubringer 1961 errichtet wurde
der verwitterte Schriftzug lautet "Schrofenbahn"
© Wolfgang Morscher, September 2004

 

Schrofenbahn in Tux @ Andreas Hepp 1987

Bergstation der stillgelegten Schrofenbahn in Tux
© Andreas Hepp, 1987

 

Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol © Dachstein 2009

Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
der übermalte Schriftzug an der Talstation
© Dachstein, Oktober 2009

 

Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol © Dachstein 2009

Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
© Dachstein, Oktober 2009

 

Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol © Dachstein 2009

Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
demontierte Talstation
© Dachstein, Oktober 2009

 

Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol © Dachstein 2009

Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
Blick von der Talstation auf die ehemalige Fahrtstrecke
© Dachstein, Oktober 2009

 

Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol © Dachstein 2009

Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
"Eingang Bergfahrt", Schriftzug übermalt
© Dachstein, Oktober 2009

 

Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol © Dachstein 2009

Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
"Bergfahrt", Schriftzug übermalt
© Dachstein, Oktober 2009

 

Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol © Dachstein 2009

Talstation der Schrofenbahn in Lanersbach, Zillertal, Tirol
© Dachstein, Oktober 2009

1) Schneider 2001, 41
2) Schneider 2001, 45
3) Schneider 2001, 94
4) Schneider 2001, 95
5) Schneider 2001, 99
6) Schneider 2001, 101
7) Schneider 2001, 116
8) Schneider 2001, 191
9) Schneider 2001, 242
Zitiert mit freundlicher Genehmigung des Autors!

Quelle: Max Schneider, Arbeiterkultur und Sozialverhalten im Bergbau am Beispiel des Magnesitbergbaues Tux im Zillertal von 1921 bis 1976, Diplomarbeit Europäische Ethnologie / Volkskunde, Innsbruck 2001
Email-Kontakt zum Autor: "m.schneider'xx'tirol.com" ('xx' durch '@' ersetzen)

Weitere Literatur: Bildband Magnesitwerk Tux von Dietmar Walch, 50 Seiten.

 

 

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Anregungen und Ergänzungen: Wolfgang Morscher