|
SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Bergbau und Hüttenwesen |
|
|
Über Bergmannsbrauchtum: „Die letzte Grubenfahrt"
Und er wurde mit „bergmännischen Ehren" begraben. — Worin bestanden nun diese bergmännischen Ehren? Bei den Betrieben der Bergverwaltung Klausen (Pfundererberg-Garnstein und speziell am Schneeberg-Maiern) bestand folgende Gepflogenheit: Bei tödlich verunglückten und bei durch Tod abgegangenen aktiven Bergleuten, wenn es nicht möglich war, an ihrem Begräbnis teilzunehmen, wurde deren Name bei der Frühanstalt 1) vom Betriebsführer aufgerufen und die gesamte Belegschaft antwortete anstatt mit „Hier!“ mit lautem „Glück auf!“ In späteren Jahren wurde auch eine Minute Pause eingeschaltet. In der Regel war aber die Beteiligung des gesamten Personals Brauch; nur bei Pensionisten ging bloß die schichtfreie Knappschaft und wer sich dazu freiwillig meldete. Alles trug Bergkittel (Zunftkleid, Abb. 5), Schachthut 2) mit Federbusch und Fahrleder 3). Je nach der Entfernung von der Kirche traf man sich am Trauerhause, bei entlegenen Orten bei der letzten „Totenrast“ vor dem Friedhof, bis wohin auch die Geistlichkeit entgegenging.
Die Bergmannsuniform 1. Berg- oder Schachthut. 2. Parthe oder Häckel, auch Fahrroß genannt, weil es der Steiger (Aufsichtsbeamter) bei Begehung der Grube bei sich trägt. 3. Bergsäbel. 4. Bergschwert. 5. Bergkittel. Den Zug eröffnete die Bergmusikkapelle, den Trauermarsch spielend. Es folgte der Sarg, getragen von 4 bis 6 Bergleuten, flankiert von Knappen mit brennenden Grubenlampen. Es folgten die Angehörigen, die Werksfahne — schwarz umflort — und die Knappschaft, der rangälteste Betriebsbeamte an der Spitze; er trug das amtlich große Bergmannskleid — den Biberstollen, auch Aufhauer genannt 4) —, Bergschwert 5) und Leder sowie die Parthe 6). Bevor sich der Trauerzug in Bewegung setzte, trat er an den Sarg, senkte die Parthe zum Gruß und sprach:
Kommt man zum Tor des Friedhofs, wird die Bahre niedergelassen, das Bahrtuch, das bis jetzt den Sarg deckte, entfernt und unter den Sarg gegeben. Der Sarg wird nun nicht mehr auf den Schultern, sondern in den Händen getragen. Dies soll bedeuten, daß der Bergmann, wie er auch bei Lebzeiten den Gefahren der Tiefe mutvoll entgegenging, auch der Bitternis des Todes stark und voll Vertrauen entgegensieht. Von nun an begleitet der Betriebsbeamte den Sarg mit gesenkter Parthe bis zum Grab. Es folgt die Benediktion der Leiche durch die Geistlichkeit. Am Grabe angekommen, hebt der Betriebsbeamte die Parthe und spricht: „Nach alter bergmännischer Sitte und Brauch dir, Kamerad . . . (Kategorie und Namen), zu deiner letzten Grubenfahrt ein dreimaliges herzliches Glück auf! (Im Befehlston:) Fährt Mannsfahrt!“ Der Sarg gleitet unter dem Glückauf der Belegschaft in das Grab; drei Dynamitschüsse dröhnen, die Werksfahne wird gesenkt, die Musikkapelle spielt den Fahnengruß. Ein Kranz, dessen Schleife den Text trägt: „Glück auf zur letzten Grubenfahrt!“, wird auf das Grab gelegt. Der Betriebsbeamte nimmt den Schachthut ab, die rechte Hand stützt sich auf die Parthe. „Wir beten:
Die Bergleute löschen die Grubenlampen.
6. Bergleder
7. Bergrock oder Biberstollen, auch Aufhauer genannt 1) Verlesen der Belegschaft und Einweisung zur Arbeit in der sogenannten Zechen- oder Anstaltstube. Quelle: Hans Wallnöfer, Über Bergmannsbrauchtum: "Die letzte Grubenfahrt", in: Der Schlern, Illustrierte Monatsschrift für Heimat- und Volkskunde, 22. Jahrgang, 1948, S. 52 -53.
|
|
|
| |
| |