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Über Bergmannsbrauchtum: „Die letzte Grubenfahrt"
Von Hans Wallnöfer
© digitale Version: www.SAGEN.at


Wenn einst unsre Lieder
in dem Schacht verhallen
und die matten Glieder
ruhn vom Erden wallen;
wenn der Fäustel schweiget,
Bergmannstag sich neiget,
der Geist zum ewigen Licht entfliehet,
wo Himmelsseligkeit uns blühet,
/: dann hinaufgeschaut
und auf Gott, auf Gott vertraut! :/

     (Altes Bergmannslied)

 

Und er wurde mit „bergmännischen Ehren" begraben. —

Worin bestanden nun diese bergmännischen Ehren?

Bei den Betrieben der Bergverwaltung Klausen (Pfundererberg-Garnstein und speziell am Schneeberg-Maiern) bestand folgende Gepflogenheit:

Bei tödlich verunglückten und bei durch Tod abgegangenen aktiven Bergleuten, wenn es nicht möglich war, an ihrem Begräbnis teilzunehmen, wurde deren Name bei der Frühanstalt 1) vom Betriebsführer aufgerufen und die gesamte Belegschaft antwortete anstatt mit „Hier!“ mit lautem „Glück auf!“ In späteren Jahren wurde auch eine Minute Pause eingeschaltet. In der Regel war aber die Beteiligung des gesamten Personals Brauch; nur bei Pensionisten ging bloß die schichtfreie Knappschaft und wer sich dazu freiwillig meldete. Alles trug Bergkittel (Zunftkleid, Abb. 5), Schachthut 2) mit Federbusch und Fahrleder 3). Je nach der Entfernung von der Kirche traf man sich am Trauerhause, bei entlegenen Orten bei der letzten „Totenrast“ vor dem Friedhof, bis wohin auch die Geistlichkeit entgegenging.

Bergmannsuniform © Franz Waldmüller, Bozen

Die Bergmannsuniform
phot. Franz Waldmüller, Bozen

1. Berg- oder Schachthut. 2. Parthe oder Häckel, auch Fahrroß genannt, weil es der Steiger (Aufsichtsbeamter) bei Begehung der Grube bei sich trägt. 3. Bergsäbel. 4. Bergschwert. 5. Bergkittel.

Den Zug eröffnete die Bergmusikkapelle, den Trauermarsch spielend. Es folgte der Sarg, getragen von 4 bis 6 Bergleuten, flankiert von Knappen mit brennenden Grubenlampen. Es folgten die Angehörigen, die Werksfahne — schwarz umflort — und die Knappschaft, der rangälteste Betriebsbeamte an der Spitze; er trug das amtlich große Bergmannskleid — den Biberstollen, auch Aufhauer genannt 4) —, Bergschwert 5) und Leder sowie die Parthe 6).

Bevor sich der Trauerzug in Bewegung setzte, trat er an den Sarg, senkte die Parthe zum Gruß und sprach:

„Zum letzten Male fährst du an
und fährst nicht mehr herauf,
drum grüßt dich auf der dunkeln Bahn
ein inniges Glückauf.
Doch schloß sich auch dein Auge hier,
dort tut sich's wieder auf:
Wir alle, alle folgen dir
und grüßen dich: Glück auf!“

Kommt man zum Tor des Friedhofs, wird die Bahre niedergelassen, das Bahrtuch, das bis jetzt den Sarg deckte, entfernt und unter den Sarg gegeben. Der Sarg wird nun nicht mehr auf den Schultern, sondern in den Händen getragen. Dies soll bedeuten, daß der Bergmann, wie er auch bei Lebzeiten den Gefahren der Tiefe mutvoll entgegenging, auch der Bitternis des Todes stark und voll Vertrauen entgegensieht. Von nun an begleitet der Betriebsbeamte den Sarg mit gesenkter Parthe bis zum Grab. Es folgt die Benediktion der Leiche durch die Geistlichkeit. Am Grabe angekommen, hebt der Betriebsbeamte die Parthe und spricht: „Nach alter bergmännischer Sitte und Brauch dir, Kamerad . . . (Kategorie und Namen), zu deiner letzten Grubenfahrt ein dreimaliges herzliches Glück auf! (Im Befehlston:) Fährt Mannsfahrt!“ Der Sarg gleitet unter dem Glückauf der Belegschaft in das Grab; drei Dynamitschüsse dröhnen, die Werksfahne wird gesenkt, die Musikkapelle spielt den Fahnengruß. Ein Kranz, dessen Schleife den Text trägt: „Glück auf zur letzten Grubenfahrt!“, wird auf das Grab gelegt.

Der Betriebsbeamte nimmt den Schachthut ab, die rechte Hand stützt sich auf die Parthe. „Wir beten:

Es grüne die Tanne,
Es wachse das Erz!
Gott schenke uns allen ein fröhlich Herz —
Dir aber den Frieden. Amen!"

Die Bergleute löschen die Grubenlampen.

Bergleder

6. Bergleder

 

7. Bergrock oder Biberstollen, auch Aufhauer genannt
("Die große Uniform")

1) Verlesen der Belegschaft und Einweisung zur Arbeit in der sogenannten Zechen- oder Anstaltstube.
2) Schacht- oder Berghut aus versteiftem schwarzem Tuch, trägt im Mittelschild das Bergzeichen (Schlägel und Eisen, mit einem Bande verbunden, aus Silber und unter demselben Eichen- und Lorbeerkranz aus vergoldetem Metall). Abb. 1.
3) Es ist dies ein halbkreisförmig geschnittenes Stück Leder, das rückwärts getragen und mittels des Gürtels und einer breiten Schnalle um den Laib befestigt wird. Abb. 6.
4) Eine Art Puffjacke mit schwarzer Samt- und Goldverschnürung, gesticktem Kragen und Samtaufschlägen. Abb. 7.
5) Gerade, zweischneidige Klinge, von schwarzem und vergoldetem Draht umwunden; Griff, Parierstange und Stichplatte sind ebenfalls mit Bergzeichen und Lorbeer- und Eichenkranz in vergoldetem Metall belegt. Abb. 4.
6) Die Parthe, auch Häckel genannt, ist ein Stock mit Griff und in vergoldetem Metall ausgeführten Motiven aus dem Bergmannsberuf, Schlägel und Eisen gekreuzt oder einen Häuer oder Truhenläufer darstellend. Abb. 2.

Quelle: Hans Wallnöfer, Über Bergmannsbrauchtum: "Die letzte Grubenfahrt", in: Der Schlern, Illustrierte Monatsschrift für Heimat- und Volkskunde, 22. Jahrgang, 1948, S. 52 -53.
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