SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Bergbau und Hüttenwesen

   
 

Tiroler Bergverwandte
von Robert R. v. Srbik

Unter diesem alten, der Bergmannssprache entnommenen Ausdruck verstand man die Gesamtheit der mit dem Bergbau unmittelbar beschäftigten, hiebei „verwendeten“ Personen. Es sind das die Bergrichter, die landesfürstlichen Bergbeamten, die Knappen und die Gewerken. Zum Verständnis der Geschichte des Tiroler Bergbaues ist die Kenntnis der Eignung, des Wirkungskreises und der Lebensverhältnisse dieser Personen notwendig.

Die Bergwerke Tirols unterstanden dem Regiment und der Raitkannner in Innsbruck. Die Leitung des gesamten landesfürstlichen Bergwesens in Tirol verlieh bereits 1419 Herzog Friedrich seinem Kanzler Ulrich Putsch, Bischof von Brixen. Ende des 15. Jahrhunderts erscheint Hans Maltitz, Pfleger auf Freundsberg, als „Obrister Bergmeister in Österreich, Steier, Kärnten und Krain“; zu seinem Bereich gehörten auch die „Bergwerke in der Grafschaft Ortenburg und zu Lienz“. Letzteres Gebiet war damals noch im Besitz der Grafen von Görz und wurde erst 1500 mit Tirol vereinigt. Der oberste Bergmeister war Mittelbehörde zwischen dem Innsbrucker Regiment und den einzelnen Bergrichtern. Ihre Ernennung erfolgte auf seinen Vorschlag, er nahm sie in Eid und Pflicht. Seine technischen Obliegenheiten waren die Errichtung von Schmelzhütten und die Beschaffung des zur Silberabtreibung nötigen Bleies. Er überwachte die Fron- und Wechselgebarung und scheint auch die Berufungsinstanz gegen Urteile des Bergrichters gewesen zu sein. Maltitz kam dann als oberster Bergrichter nach Schwaz, wo er 1505 starb. Es bestand somit auch in Tirol diese Bergbehörde, wenn auch bisher nur wenig darüber bekannt ist. Erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts tritt als landesfürstlicher Bergwerksinspektor die dunkle Persönlichkeit jenes Joseppo de Crotta mehr hervor, der in der Geschichte des Bergbaues von Schwaz unrühmlich erwähnt ist.

In die Betriebs- und Arbeitsverhältnisse der Tiroler Bergwerke im 16. Jahrhundert gewährt den besten Einblick das „Schwazer Bergwerksbuch“ vom Jahr 1556, nach seinem früheren Besitzer auch „Ettenhardtischer Codex“ genannt. Es ist eine Deutsch verfasste und mit zahlreichen Abbildungen versehene Handschrift im Besitz des Museum Ferdinandeum zu Innsbruck (hier auch 2 Kopien, je l ferner in der Bayr. Staatsbibliothek zu München, der Nationalbibliothek in Wien und im Landesmuseum Klagenfurt). Das Ziel des Autors, vermutlich des Bergwerksbeamten L. Läßl, ist eine Orientierung der Gewerken über den Bergwerksbetrieb in Tirol, vor allem in Schwaz, „Haubt und muetter aller anderen Perkwerch des Landts“ genannt, aber auch in Kitzbühel, Rattenberg, Brixlegg, Hall, dann in den kleineren Bauen des Inntales, ferner am Schneeberg nächst Sterzing, in Klausen und Terlan. Es ist bezeichnend, dass im selben Jahre 1556 auch das berühmte zwölf bändige Werk von Agricola (Georg Bauer aus Sachsen, 1494 — 1555) de re metallica erschien. Während dieses aber eine namentlich auf Beobachtungen in Joachimsthal beruhende allgemeine Darstellung des Bergbaues und der Hüttenkunde enthält, verfolgt das Schwazer Bergwerksbuch vorwiegend praktische, auf Tiroler Verhältnisse beschränkte Zwecke. Es stellt den Betrieb dar in der Übergangszeit von den bescheidenen mittelalterlichen Formen zum Großkapitalismus, der besonders durch die Fugger in Tirol zu Herrschaft gelangte.

Wie in allen Ländern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ernannte der Kaiser als oberster Bergherr auch in Tirol die Bergrichter. Sie sprachen in seinem Namen Recht und belehnten mit Gruben, Wasser und Wald. Nur in den Bereichen der drei geistlichen Reichsfürsten von Salzburg, Brixen und Trient gestand diesen der Kaiser eine gewisse Einflussnahme zu, deren Umfang wechselte; er wird an entsprechender Stelle zur Sprache kommen. Diese gemeinsame Verwaltung führte wiederholt zu Kompetenzkonflikten, so namentlich zwischen Salzburg und Tirol.

Die Ernennung der Bergrichter erfolgte nach Bedarf, wenn sich in einem bestimmten Gebiet die Notwendigkeit zur Bildung eines Berggerichtes ergab. Amtssitz und Wirkungsbereich des Bergrichters wurden verlegt, wenn in einer anderen Gegend ergiebigerer Bergbau umging, und aufgelassen, sobald die Mehrzahl der Betriebe zum Erliegen kam. Die Organisation war daher keine feststehende und planmäßige, sie konnte es nach der Natur des Bergbaues auch nicht sein. Selbst die oberste Regierungsbehörde für alle Tiroler Bergbaue, die Innsbrucker Kammer, musste z. B. 1540 erst beim Bergrichter in Klausen anfragen, ob Deutschnofen zu seinem Gerichtsbezirk gehöre oder zu jenem des Bergrichters in Persen (Pergine). Deutschnofen ist auch ein Beispiel für die Auflassung eines Berggerichtes, da der dortige Bergbau zurückging. Infolge der Zunahme der Betriebe von Terlan wurde der Amtssitz des Bergrichters von Nals hierher verlegt. Mit Ausnahme des Berggerichtes Sterzing-Goßensaß (1540) ist bis ins 17. Jahrhundert kein Akt bekannt, in dem der Umfang eines Berggerichtes genau bezeichnet worden wäre. Der vorgenannte Bereich erstreckte sich lange Zeit über den Brenner selbst bis in die Umgebung von Innsbruck, da das Stubai- und Navistal noch zu ihm gehörten. Doch besorgte wegen der weiten Entfernung ein dem Sterzinger Bergrichter unterstellter Berggerichtsanwalt im Raum nördlich des Brenners die Obliegenheiten des Bergrichters. Allmählich jedoch erfolgten ohne förmliche Abtrennung hier die Belehnungen durch den Bergrichter in Hall. Ähnliche Beispiele ließen sich noch in weit größerer Zahl anführen.

Der Bergrichter war eine hochangesehene Persönlichkeit, bei der sogar der Landesfürst wegen Belehnungen ansuchen musste. Seine Stellung erforderte einen Mann von großen technischen und juridischen Kenntnissen sowie einen nach oben und unten hin festen Charakter, der Gerechtigkeit, Strenge und Wohlwollen im richtigen Maße anzuwenden wusste. Dabei war sein Einkommen von dem Ertrage seines Bereiches abhängig, es wurde von der Kammer erniedrigt, gelegentlich aber auch erhöht; sein Amt erheischte darum besondere Gewissenhaftigkeit. Über die Parteien gestellt und doch mit ihnen in steter Berührung, war der Bergrichter oft in schwieriger Lage, der gerecht zu werden an ihn in jeder Beziehung hohe Anforderungen stellte.

Zu den landesfürstlichen oder — wie sie, weil das Bergregal kaiserlich war, auch hießen — kaiserlichen Beamten zählten die Berg- und Schmelzwerksinspektoren für Tirol.

Im Rang nach ihnen kamen die Faktoren des österreichischen Handels in Schwaz, durchwegs gediegene Fachleute, deren Berichte über die Bergbaue Tirols mustergültig und entscheidend waren.

Ihnen folgten die Bergmeister, Schiener (Markscheider), Hüttenverwalter, Hüttenmeister, Fröner, Erzkaufer und Silberbrenner, dann das Schreibpersonal.

Die Geschworenen waren von der Knappschaft aus ihrer Mitte gewählte Beisitzer des Berggerichtes. Sie erhielten für diesen Dienst eine kleine Entschädigung und wurden zeitweise abgelöst. Es waren ältere, erfahrene Bergleute, die sowohl bei den Gewerken wie bei der Knappschaft in großem Ansehen standen und mitunter auch an Kommissionen in fremden Gruben teilnahmen.

Die Tiroler Bergbeamten und Knappen hatten schon im 15. Jahrhundert wegen ihrer beruflichen Tüchtigkeit Weltruf. Nach dreihundertjähriger Pause wurden die Beziehungen zwischen dem römisch-deutschen Kaiser und dem Zaren von Russland damals wieder aufgenommen. Friedrich III. entsandte 1486 einen Ritter zu Iwan III. nach Moskau. Als Erwiderung kam 1489 eine russische Abordnung u. a. auch zu Maximilian nach Innsbruck, um des „Perckwerchs verstendige Personen“ in des Zaren Dienst zu nehmen. Es gelang ihr, zwei Sterzinger Bürger mit einem Schmelzer und einem Knappen auf ein Jahr gegen Entgelt nach Russland zu verpflichten, um dort Bergwerke aufzusuchen und den Schmelzbetrieb zu leiten. Die Tiroler Bergverwandten wurden häufig auch in andere, für die damalige Zeit oft weit entfernte Bergreviere des Reiches zu Begutachtungen, bzw. zum Bergbau entsendet. So z. B. im 16. Jahrhundert aus Schwaz, Kitzbühel und Kirchberg nach Prag, Kuttenberg, Idria und Neusohl, ja 1575 hätten Schwazer Knappen sogar nach Spanien kommen sollen. Das scheiterte jedoch am Widerstand der Gewerken, die wegen Teuerung, Hungersnot, Krankheiten und Kriegen ohnedies nur mit einem Drittel der Knappschaft auskommen mussten.

Die Fugger warben 1529 Tiroler Bergleute für ihre Besitzungen in Venezuela an, 1564 — 1574 arbeiteten Tiroler in den Kohlen- und Eisengruben Englands, 1620 in der Schweiz. In dem Mitte des 16. Jahrhunderts erschienenen Tiroler Landreim von G. Rösch steht der Bergbau im Vordergrund.

Sehr bezeichnend ist die militärische Verwendbarkeit der Tiroler Bergleute. Vom Kriegsdienst waren die Knappen zwar befreit; doch verwendete man auch sie im Fall ernster Kriegsnot wiederholt zu Befestigungsarbeiten und als Mineure, einmal sogar als Artilleristen. Tiroler Bergleute waren es, die bei der ersten Türkenbelagerung von Wien (1529) durch ihre Gegenminen zum Enderfolg wesentlich beitrugen. Als der Sultan bis Gran und Stuhlweißenburg vorstieß (1541), erging der Befehl, hundert gute Tiroler Erzknappen zu Schiff von Hall aus nach Wien zu senden. Beim Schmalkaldeneinfall 1546 wurden außer den Knappen aller anderen Berggerichte auch 6000 Schwazer Knappen aufgeboten; letztere vor allem deshalb, weil man sie wohl nicht ohne Grund der Sympathien für die Anhänger der neuen Lehre bezichtigte und ihrer sicherer zu sein glaubte, wenn man sie im Feldlager zu Zirl versammle. Trotz Geldversprechungen eilten sie jedoch von dort noch vor jedem Zusammenstoß nach Hause. Überdies hatten die in Kitzbühel allein zurückgebliebenen Weiber der Knappen dem dortigen Bergrichter wegen dieser Verfügung so energisch zugesetzt, dass es beinahe zu einem Aufstand gekommen wäre. Nach diesen üblen Erfahrungen ruhte ein Menschenalter die Heranziehung der Knappen zu Kriegsdiensten. Aber 1575 wurden sie wieder zu Befestigungsarbeiten nach dem Pass Strub und 1632 in die Ehrenberger Klause gesendet. Damals durften ausnahmsweise auch 100 Bergknappen aus Schwaz, Rattenberg und Kitzbühel „zur Aufrichtung einer Artolleria“ angeworben werden. Im weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1637) entsandte man sogar den Spaniern nach Mailand aus obigen Orten Knappen als Mineure, die jedoch wegen schlechter Behandlung desertierten. Zuletzt in diesem Krieg (1647) musste Schwaz 40 ausgerüstete Knappen zur Belagerung von Memmingen als Mineure schicken.

Die Tiroler Bergknappen hatten sich als tüchtige Kriegsleute schon in den Kriegen Maximilians in der Schweiz, namentlich in Graubünden, um die Wende des 15. Jahrhunderts hervorgetan, selbst die eidgenössischen Chronisten erwähnten dies rühmend. In- und ausländische Werbeoffiziere trachteten daher wiederholt, sie zu Kriegsdiensten zu bereden, was ihnen zum großen Ärger der Kammer und der Gewerken bisweilen auch gelang. Es ergingen daher strenge Verbote gegen diese „Aufwiegelei“ der Knappen. Obwohl ihnen schon die alten Bergordnungen das Waffentragen, insbesondere die Fernwaffen, Armbrust und Pfeil, streng untersagten, unterhielt die Regierung dennoch für sie in einzelnen Berggerichten Waffen, die freilich nur für festliche Gelegenheiten, Ankunft des Landesherrn, Leichenbegängnisse, Prozessionen usw. hätten dienen sollen. Begüterte Knappen durften ihre Wehr im eigenen Hause aufbewahren. Bei den erwähnten Anlässen erschien die Knappschaft in ihrer historischen Tracht (langer, vorne geschürzter Bergkittel samt Kapuze aus weißem Tuch, darüber das Bergleder), die zum Beispiel auf den Gemälden des Kreuzganges im Schwazer Franziskanerkloster zu ersehen ist, und mit vollem Waffenschmuck.

Nach altem Herkommen war ihnen in früherer Zeit die Jagd und Fischerei mit gewissen Einschränkungen gestattet. Wegen vorgekommener Missbräuche wurde das aber später abgestellt.

Sie waren raue, aber biedere Gesellen, tüchtig bei der Arbeit, jedoch auch lebensfroh, dem Gesang, Saitenspiel und theatralischen Vorstellungen keineswegs abgeneigt, deren Stoff zumeist einer Heiligenlegende entnommen war. Für ihre Frömmigkeit zeugen die zahlreichen Knappenkapellen, häufig ihren Schutzpatronen, der hl. Barbara oder dem hl. Daniel, geweiht. Viele wandten sich der neuen Religionslehre zu und verließen lieber, ihrer Überzeugung folgend, die Heimat, als dass sie reumütig in den Schoß der Kirche zurückgekehrt wären. Mit ihrer Gottesfurcht vertrug sich aber ganz gut ihre Vorliebe für Karten- und Würfelspiel, für das lange Sitzen im Wirtshaus und den Alkoholgenuss, gegen welche Gewohnheiten mehrere Regierungserlässe schon zu Maximilians Zeiten — freilich ohne Erfolg — einzuschreiten versuchten.

Von Kind auf an harte Arbeit gewöhnt, fingen die meisten Knappen schon mit 10 bis 12 Jahren als Säuberjungen an, arbeiteten sich als Truhenläufer zum Häuer und Hutmann empor und manche erreichten auch höhere Beamtenstellen. Viele Praktiker der Vergangenheit von großem Wirkungskreise waren in ihrer Jugend einfache Tiroler Bergleute gewesen. So verdanken Eisenerz und Steyr ihre Entwicklung dem Bergzimmermann Hans Gasteiger: auf ihn geht die Schiffbarmachung der Enns für den Eisen- und Stahlhandel zurück, er legte die großen Holzrechen bei Reifling, Hieflau und Palfau an, Gasteiger erbaute das Schöpfwerk für die Schmelz- und Hammerwerke in Eisenerz. Auch in Ungarn waren wiederholt Tiroler Bergbeamte als Kammergrafen Leiter des dortigen Bergwesens.

Im Bergwerk arbeitete der Knappe oder Häuer mit seinem „Gezähe“ (Werkzeug) entweder als Herrenhäuer im Taglohn bei einer von Maximilian I. festgelegtent achstündigen Arbeitszeit oder als Lehenhäuer auf Akkord, der nach dem erhauten Erz oder nach der Strecke bemessen war. Die Arbeit wurde bei Talglichtern vornehmlich mit Schlegel und Eisen in geradezu erstaunlicher Gleichmäßigkeit durchgeführt. Das Feuersetzen wandte man nur bei besonders zähem Gestein zu seiner Auflockerung an. Es wurde sodann mit Brechstangen losgewuchtet. Die Sprengarbeit kam erst verhältnismäßig spät zur Anwendung. Die Streckenförderung erfolgte mit den sogenannten Bergtruhen, die zum Teil auf Schienen (Reibeisen) liefen.

Die Vergebung der Lehenschaften und die Annahme oder Zurückweisung des erhauten Erzes durch die Gewerken fand beim „Hinlasse“ mehrmals im Jahre unter freiem Himmel statt. Wegen der sich häufig ergebenden Streitfälle war der Bergrichter anwesend. Hiebei nahm er Klagen entgegen, verlautbarte die landesfürstliche Genehmigung oder Abweisung von „Gnad und Hilfe“, teilte Fronfreiheit mit, Änderung des Silberwechsels usw. Ein häufiger Gegenstand des Streites zwischen Gewerken und Knappen war das von ersteren verlangte „mehrfache Scheidwerk“, wodurch sich die Knappen mit Recht benachteiligt fühlten. Die Geschichte von Schwaz berichtet mehr über diese namentlich von den Fuggern vertretene Forderung.

Nach der Bergordnung hätten die Gewerken jährlich etwa achtmal bei der Raitung den Bergleuten ihren Lohn auszahlen sollen, was aber nur sehr unregelmäßig erfolgte; ja es dauerte oft jahrelang, bis sie ihre gerechten Forderungen bei den Gewerken durchsetzten. Es handelte sich hierbei um das sogen. „Freigeld“, d. i. den in Geld auszubezahlenden Teil des Lohnes oder den Gebührenrest, der nach Abzug des „Pfennwertes“ und sonstiger Rücklässe verblieb. Denn einen Teil des Lohnes bekamen die Knappen von den Gewerken als Pfennwert in Naturalien (Getreide, Schmalz, Käse u. a.) zur Erhaltung ihrer Arbeitskraft und notdürftigen Fristung des Lebens, daher ziemlich regelmäßig, jedoch sehr häufig zu stark übertriebenen Preisen. Die saumselige Ausfolgung des Freigeldes und die rücksichtslose Steigerung des Pfennwertes riefen wiederholt Knappenaufstände hervor. Die Innsbrucker Kammer sicherte zwar dem Schwazer Metzger auf allen Viehmärkten Österreichs das Vorkaufsrecht zu, um dem Fleisch- und Talgmangel vorzubeugen; denn Talg brauchte man ja notwendig auch für die Grubenbeleuchtung. Aber Kriege sowie Zoll- und Grenzstreitigkeiten mit den Nachbarn verursachten öfters Schwierigkeiten in der Beschaffung des Proviants für die Knappen.

Wie auf anderen, das Wohl des Staates vermeintlich aufs tiefste berührenden Gebieten wurde auch bei den Bergwerken mit größter Strenge gegen Ausspähung der Grubenverhältnisse vorgegangen. Ein Dekret Ferdinands I. vom Jahre 1544 sieht hiefür Folter und Todesstrafe vor, und zwar in besonders grausamer Weise; denn der Schuldige sollte dreimal rittlings auf einem „schneidenden Dramen“ (scharf zugespitzten Balken) um den Schacht herumgetragen und „nachmals in den faulen Wasserschacht mit dem Kopf fürwärts hineingestürzt werden“.

Die Gewerken waren die Unternehmer, die mit ihrem Geld Lehen erwarben und dort den Betrieb auf eigene Kosten führten oder vielmehr führen sollten; denn immer wieder begegnen wir ihren Bitten an den Landesfürsten um Fronfreiheit sowie um Gnad und Hilfe, was von der Kammer im Interesse der zu erhoffenden Abgaben fast immer auch gewährt wurde. Landesfürsten, Bischöfe, adelige Geschlechter, Beamte, bürgerliche Patrizier, Bauern und kleine Leute, die bald und mühelos reich werden wollten, finden sich unter den Gewerken. Sie waren auch im Bereich des Bistums Trient bis ins 17. Jahrhundert fast durchwegs deutscher Nationalität, erst von da an nimmt die Zahl der Welschen unter den Gewerken und der Knappschaft in Südtirol zu. Von den einheimischen Patriziergeschlechtern seien nur die Familien Stöckl, Tänntzl, Jöchl und Geizkofler erwähnt, die rationelle Bergwirtschaft pflegten und den Knappen zukommen ließen, was ihnen gebührte, bis ihr Kapital erschöpft war.

Hingegen betrieben die als Geldgeber der Kaiser und Landesfürsten berüchtigten Fugger schonungslosen Raubbau und bedrückten die Knappen in jeder erdenklichen Weise. Die Geschichte der einzelnen Bergreviere enthält hierüber genauere Angaben. Sobald sich aber der Tiroler Bergbau als nicht mehr so lohnend wie bisher erwies, zogen sie sich zurück und brachten ihren erwucherten Gewinn in Sicherheit. Alles in allem hat das Land Tirol darnach durchaus keine Ursache, dieses Geschlechtes anerkennend zu gedenken.

Die kleinen, weniger kapitalskräftigen Gewerken vermochten natürlich in der kritischen Zeit des drohenden Niederganges nicht solche Summen aufzuwenden, die für die Fortführung der Betriebe notwendig gewesen wären. So fiel dem österreichischen Handel eine Reihe von Bergbauen wieder zu, die mangels an Geldmitteln und wegen unzureichender Technik unlöhnig geworden waren. Es bedurfte erst geänderter Verhältnisse im Lauf sehr vieler Jahrzehnte, ehe sich ein wenn auch bescheidener Bergbau in Tirol wieder entwickeln konnte.

Quelle: Robert R. v. Srbik, Überblick des Bergbaues von Tirol und Vorarlberg in Vergangenheit und Gegenwart, Innsbruck 1929, (Sonderabdruck aus den Berichten des Naturwissenschaftlich-medizinischen Vereines Innsbruck), S. 142 - 151.
© digitale Version: www.SAGEN.at