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Merkwürdige Begebenheiten bey dem Bergwerke zu Schwatz [Schwaz]
von Joseph von Sperges

Da in Tyrol weder Bergchroniken, noch Gedächtnißschriften von den Bergleuten vorhanden sind, ist dieser Theil der Landesgeschichte mehr arm, als reich. Erzehlungen von Begebenheiten, und Zufällen, die sich mit einzelnen Menschen in den Bergwerken zugetragen haben, wie etwa von jenem Ertztknappen zu Schwatz, von dem der Graf Maximilian Mor erzehlet, daß er im Jahr 1526 von dem Teufel, den er geruffen hatte, vor dem Angesichte des Volkes durch die Luft davon geführet worden, und nach drey Tagen wieder zurück gekommen seyn soll, sind dem Endzwecke dieser Bergwergwerksgeschichte nicht gemäß: es ist auch sonst meines Thuns nicht, dergleichen, oft fabelhafte, oder läppische dinge, zuerzehlen. Ich bleibe allein bey den Begebenheiten, die gewiß, und mit der Staatsgeschichte des Landes selbst verbunden sind.

Mit welchen Gepränge Kaiser Maximilian der Erste, im Jahr 1490 von den Gewerken und Bergleuten zu Schwatz empfangen, und wie er beschenket worden, haben wir bereits im neunten Abschnitte gesehen.

Der allgemeine Bauernaufstand in Deutschland im Jahr 1524 und 1525, dessen wüthendes Feuer auch Tyrol ergriffen hat, bracht nicht weniger unter die Bergleute im Innthal den Geist des Ungehorsams, und der Empörung. Sie lehnten sich gegen die Bergobrigkeit auf, und verfolgten dieselbe samt den Gewerken, unter dem Vorwande verschiedener Beschwerden. Es war aber vielmehr Frevel und Übermuth, der sie empörte; wenn ihre übrigen Beschwerden nicht mehr Grund hatten, als jene, die sie wider den Bergabschied vom Jahr 1490 machten. In diesem war die Zahl der Feyertage vermindert, und beschlossen worden, daß an den von der Kirche selbst abgewürdigten Festigen, oder wann von den übrigen Festagen der Heiligen zween(?) in einer Woche zusammen kommen, an dem einen derselben am Berge gearbeitet werden sollte. Das wollten die Bergknappen auf keine Weise mehr zugeben, ob schon von der Zahl der erstern die Tage S. Georg, Ulrich (welchen vermuthlich die Herren Fugger von Augspurg ausgedungen haben) Margaret, M. Magdalena, und Niclas, als noch bestehende Kirchenfeyertage, ausgenommen waren. Der Ungehorsam gieng soweit, daß sie zum Gewehre grifen, und sich zusammen rotteten. Man hat sie zwar bald darauf durch Güte wieder zur Ruhe gebracht, indem, ihren angeblichen Beschwerden durch einen Abschied gutentheils abgeholfen, und dieser ihnen auf dem Milserfeld bey Hall, wo sie sich gelagert hatten, abgelesen worden. Indessen zogen jene von Kitzbühel im besagten Jahr 1525 den aufrührischen Bauern und Bergleuten im Erzstifte Salzburg zu Hülfe, und belagerten mit diesen den Erzbischof Mattheus in seiner Festung Hohensalzburg. Der Ruf, daß noch ein viel größerer Haufen Bergleute aus Tyrol denselben nachrückte, war Ursache, daß der Erzbischof, ungeachtet er von Bayern, und dem schwäbischen Bunde Hülfe erhalten hatte, mit seinen aufrührischen Unterthanen Frieden machte. Diesen Krieg hat der dr. Egidius Ram, Domherr zu Passau [Passau], der zu derselben Zeit lebte, beschrieben. Hingegen sind auf der andern Seite die Erztknappen zu Persen in den damaligen großen Unruhen in Tyrol ihrem Herrn treu geblieben, und haben, wie ein anderer Geschichtschreiber derselben Zeit (*) von ihnen rühmet, den aufrührischen Bauern die Trient belagerten, großen Abbruch gethan, auch den Marktfleken Persen vor der feindlichen Wuth erhalten.

(*) [Zitat nicht lesbar]

Im Jahr 1530 kam Kaiser Carl der Fünfte, zum ersten male nach Deutschland, und gieng mit seinem Bruder, König Ferdinanden von Inspruck [Innsbruck] über München nach Augspurg. Zu Schwatz wurden sie den 5ten Brachmonaths von den Bergleuten mit aller Ehrbezeigung empfangen: Ursinus Velius, welcher mit des Königs Hofstaate dabey war, meldet, es seyn derselben, jung und alt, bey fünf tausend sechshundert, gewesen, die alle wohl bewaffnet, gleichsam in einer Schlachtordnung da gestanden, und bey des Kaisers Ankunft mit getheilten Haufen ein Treffen vorgestellt haben. (*) Von den Gewerken wurde dem Kaiser ein silberner Schaupfenning von ungeheurer, und unerhörter(?) Größe, worauf die Wappen aller Länder des Hauses Österreich sehr zierlich gepräget waren, zum Geschenke dargeboten. Velius sagt, er habe hundert siebenzig Pfund gewogen: Pontus Heuterus in seiner burgundischen Geschichte auf dieß Jahr giebt ihm zwanzig Pfund weniger, und Joh. Tochläus(?) schätzet ihn eilfhundert Goldkronen werth (**) Der ganze Hof hielt zu Schwatz Nachtlager.

(*) [Zitat nicht lesbar]
(**) [1.Zeile nicht lesbar]
farem summo & gaudio & splendore frater suus Rex Ferdinandus xxxx xxxx xxxx xxx xxxx
habet fodinas argenteas xxx.

Als im Jahr 1552 der Kuhrfürst Moriz zu Sachsen, und andere wider den Kaiser verbundene Fürsten mit ihren Kriegsvölkern plötzlich in Tyrol einbrachen, und, nachdem sie die kaiserlichen an den Gränzen geschlagen hatten, gerad nach Inspruck rückten, aus welcher Stadt Karl der Fünfte in größter Eile davon fliehen mußte, so entstund bey den Bergleuten zu Schwatz eine große Gährung der Gemüther, weil noch viele unter ihnen gut protestantisch gesinnt waren. Der gemeine Haufen bewegte sich mit voller Wuth, und schrie, daß er dem Feinde vorrathen wurde: die Vorgesetzten und Bergbeamten litten, wie es in den Empörungsfällen gemeiniglich geht, die meiste Gefahr: sie mußten sich mit der Flucht retten: wer von ihnen aber den Bergknappen in die Hände fiel, wurde mishandelt, und bracht kaum das Leben davon: sie plünderten die Land -und Berggerichtshäuser, und der Auflauf war um so gefährlicher, weil man den Feind im Lande hatte, welcher den gemeinen Mann zu gewinnen suchte. Nachdem aber die Sachsen, und die übrigen Bundesvölker aus dem Lande zurück gezogen, wurde die Ruhe wieder hergestellt: die vornehmsten Aufwiegler, Adam Schwager, und Alexander Mittermayer, sind mit der Flucht entronnen.

Eine andere Meuterey ist unter dem Bergvolke zu Schwatz im Jahr 1583 wegen einiger Beschwerden entstanden, die aber von dem Landesfürsten, dem Erzherzoge Ferdinand, den 20. Augustmonats desselben Jahres gedämpfet, und die Ungehorsamen mit gelinden Mitteln wieder gebändiget worden.

Wir haben nach diesem nichts mehr, als erfreuliche Begebenheiten zu bemerken. Das Jahr 1622 bracht dem Bergwerke zu Schwatz die Ehre, daß es den 20. Jäner von Kaiser Ferdinanden dem Zweyten bey Gelegenheit seiner Vermählung, die er zu Inspruck mit der Prinzeßin Eleonora von Mantua gehalten, in der Durchreise besucht und befahren wurde, wie davon das Gedächtniß bey dem Grafen Joh. Christoph Kevenhüller in den Ferdinandischen Jahrbüchern zu finden ist. Der Kaiser blieb dieselbe Nacht zu Schwatz, und fand des folgenden Tages in seiner Fortreise nach Inspruck dreytausend Mann vom Landvolke vor der Stadt im Gewehre. Es begleiteten ihn Fürst Christian von Anhalt, Wolf Sigmund Herr von Losenstein(?), Oberster Hofmarschall; Bruno Graf von Mansfeld, Oberster Stallmeister; Joh. Georg Graf von Zollern, und Sdenko Poppel von Lobkowitz, beyde Ritter des goldenen Vließes; Max Graf von Dietrichstein, Julius Nidhard Herr von Mörsberg, Hauptmann der Leibtrabanten; Carl Herr von Harrach mit seinem Sohne Leonhard, Wilhelm Graf Slawata, Wilhelm Herr von Würben, Dietmar und Georg Achatz Herren von Losenstein, und viel andere Großen des Hofes.

Ein gleiches Glück hatte Schwatz eben vor hundert Jahren, nämlich den Kaiser Leopold, seinen neuen Landesherren zu empfangen, und über Nacht zu bewirten, als er im Herbstmonate 1665, nachdem der Erzherzog Franz Sigmund, letzter Zweig der in Tyrol regierenden oesterreichischen Linie, drey Monate vorher ohne Leibeserben gestorben, sich mit einem ansehnlichen Hofstaate noch Inspruck begab, um von dem ererbten Lande Besitz zunehmen. Er wurde den ersten Weinmonats vor Schwatz an dem Fürstenbaue, wo eine schöne Ehrenpforte mit vielen auf das Bergwerk anspielenden Zierungen errichtet stund, (*) von mehr, denn zwölfhundert weiß gekleideten Erztknappen, und hernach in dem Flecken selbst von den Einwohnern mit vielem Gepränge empfangen, und auf das herrlichste bewirtet, wie es der berühmte Petrus Lambecius, der in dem Hofgefolge mit gewesen, im zweyten Bande commentar. Biblioth. Vindob. bezeuget.

(*) Die Inschrift dieser Ehrenpforte ist merkwürdig, und aus dem fünften Buche Moysis, cap. VIII. genommen: sie konnte für die Umstände nicht besser gewählet seyn. Der Herr, dein Gott, wird dich in ein gutes Land führen, in ein Land, da Bäche, Wasser und Brunnen sind cz. da du dein Brod essen wirst ohne einigen Mangel, und alle Dinge in Überfluß genießen: dessen Stein Eisen sind, und aus seinen Bergen wird Kupfer-Erz gegraben, damit wann du nun essen, und dich ersättigen wirst, daß du als dann dem Herrn deinem Gott, Lob und Dank sagest, für das gute Land, so er dir gegeben hat.

Schwatz hat sich des Jahres 1739 noch mehr zu rühmen, indem es die letzt regierende kaiserliche Maj., als damaligen Herzog zu Lothringen, und Großherzog in Toscana, auf der Zurückreise von Florenz nach Wien, mit dero Herrn Bruders, des Herzogs Carl von Lothringen königl. Hoheit mitten unter seinen Bergleuten in ganz gleichen Grubenkleidern gesehen; da sie die Grube am Fürstenbau, und den Schacht in einer Tonne sechzig Klaftern tief befahren haben.

Und wie merkwürdig wird nicht in den Jahrbüchern des Schwatzerischen Bergwerkes das gegenwartige Jahr seyn, wenn die Wünsche der dortigen Bergleute erfüllet werden, nicht allein beyde kaiserl. Majestäten, bey Gelegenheit ihres Aufenthalts zu Inspruck , in der Nähe verehren zu können, sondern auch, daß in Ansehung des Bergwerkes zu Schwatz bey seiner Majestät dem römischen Könige, und seiner königlichen Hoheit dem Erzherzoge Leopold, eben jener edle, und für künftige Länderbeherrscher so rühmliche Trieb wieder rege, und wirkend werde, der dieß erhabenste Brüderpaar im vorigen Jahr bis in die ungarischen Bergstädte gezogen hat, um die dortigen Bergarbeiten zu sehen und die Gruben selbst zu befahren. Daß doch die Gegenwart der höchsten Landesherrschaft, wodurch Tyrol sich glückselig zu schätzen hat, einen Einfluß zur Ermunterung der Bergleute haben, und eine gute Vorbedeutung des Bergsegens mit sich bringen möge! Gott verleihe ihn zur Vermehrung der Landesherrlichen Einkünfte, zum Nutzen der Gewerken, und zum gemeinen Besten der Landeseinwohner. Dahin zielet auch die auf dem Titelblatte dieses Buches entworfene Denkmünze. Ich setze zum Schluße eine Inschrift hieher, welche die Geschichte des schwatzerischen Bergwerkes kurz in sich fasset, und wozu ein Denkstein bey der Einfahrt in dasselbe, an der Landstrasse, gewidmet werden soll; und hoffe, es werde diese Inschrift bey der vorangekündigten erfreulichen Gelegenheit einen wichtigen Zusatz erhalten.

STA VIATOR
ADVENA INDIGENA
ANGUSTO HOC LIMINE
VASTISSIMA PATET REGNI MINERALIS PROVINCIA
ANTE TRECENTOS ANNOS DETECTA
AB ARGENTI AERISQUE PROVENTU CELEBERRIMA
INGREDERE METUM PONE FIRMA AC TUTA OMNIA
FORES JAM TENES CUNICULUM SEQUERE
DIVI MAXIMILIANI I. AUSPICIIS INCHOATUM
POSTEA AD IV. MILLIA PASSUUM PRODUCTUM
MIRARE IN SOLO AD SPECIEM INOPI
LIBERALE NATURAE INGENIUM
MIRARE ARTIS INDUSTRIAM
IMA TELLURIS RECLUDENTEM
HABES EXCISOS MONTIS RADICES
APERTUM IMMENSAE ALTITUDINIS PUTEUM
STUPENDIQUE OPERIS MACHINAM
AD SUBTERRANEARUM AQUARUM COLLUVIEM
NE REI METALLICAE UT OLIM LABEM ET EXITIUM ADFERAT
SUMMO TEMPORIS LABORISQUE COMPENDIO AVERTENDAM
QUISQUIS HAEC LEGIS
LOCO BENE OMINARE.
QUEM
DIVORUM MAXIMILIANI I. CAROLI V. FERDINANDI II. EXEMPLO
IMP: CAES. FRANCISCUS AUG.
SOVENDIS(?) AUGENDISQUE BONIS ARTIBUS NATUS
ANNO MDCCXXXIX. EX HETRURIA REDIENS
INVISIT LUSTRAVIT SUOQUE NUMINE IMPLEVIT.

Anmerkung: wir werden versuchen, die fehlenden Textpassagen zu ergänzen. Hinweise willkommen!

Quelle: Joseph von Sperges, Tyrolische Bergwerksgeschichte, mit alten Urkunden, und einem Anhange, worinn das Bergwerk zu Schwatz beschrieben wird, Wien 1765. Siebenzehnter Abschnitt, S. 251 - 262.
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