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Bergordnung für die Steiermark 1336/1346
von Joseph von Sperges

Herzog Albrechts des Zweyten zu Österreich Bergordnung für die Steyermark, errichtet am Tage der Erhöhung des H. Kreutzes 1336 oder 1346

Wir Albrecht von Gottes Gnaden Herzog zu Österreich, zu Steier, und Kernden, Herre zu Chrain, auf der Windisch March, und zu Portcnaw, Grav zu Habspurg , vnd Kiburg, Landtgrav in Elsatz, vnd Herre zu Psirt, ver[l]iehen an diesem offen Prief allen den, die nun sint, oder noch kunftig werden, datz wir mit wolbedachtem Mut, vnd vollkomen Rat vnser getrewen Purger, vnd Perkleuten vnsers ersten Perckwerchs dieser vnser erblichen Landt vnd Fürstentum auf der obern Zeiring New Rechten von Anfang bestettet haben, damit der Perg soll gestift sein, also datz die Perg auf der Zeiring vnd alle Perkwerch, die in vnsern Landten ersten erfunden werden, nach dem Rechten des Perkwerchs Zeiring nutzlich sollen gehandelt werden, in selber zu Frumen, vnd vns zu Nutz vod Firderung. Auch haben wir in selbem Recht ausgenomen etlich Artikl, iedlicher besunder geschriben, darum datz si vor allen Krieg vnd Irrung sicher sein, davon der Perg vnd das Pauen hinterstellig werden möcht, oder in Saumung fallen.

Erstlich setzen und gebieten wir vestiglich bey vnsern Hulden für all unser Erben und Nachkomen, wo ein Ersts Perkwerch gefunden wird, welcherley das sey, das soll ein Pergrichter auf der obern Zeiring sechs Meil weit und brait von unsern Markt daselbs verleihen, und von im empfahen, es sey der Grund, wem er will, geistlich oder weltlich, und der, dem der Grund ist, der soll das vierzigst Teil haben, oder nemen.

Wer ein Arz find, der soll es empfahen , als hie geschriben ist, ein Pfund und zwen Schermfang desselben Tags, empfahl er aber den Schermfang desselben Tags nicht, wer in dan empfacht nach Perkwerchs Recht, ein Pau von den andern siben Klafter, das ist sein: empfacht er in zu nahent, und meldet das nicht in dreyen langen Schichten, das sint zwen Tag, so hat er als Gut recht, als ob er von ihm siben Klafter empfangen hett, für die weil und er es verschwigen hat; meldet er es aber eh, so hat der ander sein Arbeit verloren.

Wo ein plosser Gang gefunden wird an Tag, was damit ist zwischen zweyen Päuen, das soll man messen jedlichen Teil zu frumen.

Wo auch ein neues Perkwerch gefunden wird in Steierland, als weit das ist, damit soll in allen Dingen gehandlet werden nach unsern ersten Perkwerch auf der obern Zeiring, und den Eltisten daselbs.

Man soll auch das ärz führen, wo man es am allerbesten nutzen mag in den selben vnsern Landen, on Maut und alle Irrung. Auch gebieten wir, wo man in unserm Land fürt Bley ab einen Perg auf den andern zu Fiderung, es sey geprents oder frisches, da vns die Fron davon wird, das soll man nicht mauten an keiner statt im Land Steier.

Wir wollen auch, daß man auf den Perg Zeiring und allen Pergen mit andern Pfenning nicht handle , dan mit Grezer Pfenning allein.

Wo zwen Pau miteinander geschiden sint, paut man das ein vnd das ander nicht, und welches mit seinem Eisen fürkommt, das soll nehmen auf, und bis datz ander hinzu kommt, und niemand kein Schaden abtrag.

Wo ein Pau wird durchgeschlagen, da Klüft an den Durchschlag sint, da sollen die Hutleut von beyden Päuen Schidleute nemen, die den Perg scheiden nach ihren trewen, sind aber nicht Klüft da, so soll man den Durchschlag vermachen, und soll in bauen, bis sie Recht gewinnen.

Wo der Durchschlag geschiht, da soll der Richter bieten den Grubenmeistern, datz sie den Perg scheiden, teten sie das aber nicht in drey Tagen , so hat der Richter Gwalt, Schidleut zu nemen, die die Pau scheiden nach ihrer Trew.

Wo auch einer newe Pau empfacht, und arbeit er das nicht in dreyen langen Schichten, so hat er sein Recht verloren, ist aber ein Pau, das Stempel, und Joch hat, und nicht Klüft, paut er das nicht in dreyen vierzehen Tagen, er hat sein Recht verloren.

Wo ein Pau ist davon geteilt, und uns Fron geben wird, als Landsfürsten, das Paurecht hat Jar und Tag, datz in niemand fremder empfachen mag.

Wer ein Pau empfacht, davon geteilt ist, der soll ruffen zu dreyen vierzeben Tagen.

Wo ein alter Pau für das Erst Joch paut vier Klafter, und gibt einer sein Samkost nicht in acht Tagen, wer dan die acht Tag verpaut, und das bewärt, als recht ist, vor dem Perkrichter, des ist der Teil.

Auch soll der Fronman in kein Pau gen, es bedurfen die dan sein Grubenmaister, oder sie bitten ihn: er soll auch bereit sein bey Tag und Nacht, wo sie seiner bedurffen, er soll auch seiner Fron warten.

Wan man teilen will, so soll man es dem Fronman sagen, wolt er aber die Grubenmaister säumen, so soll man in in drey Stund ruffen auf den Schlif; komt er dan nicht, so soll man teilen.

Wir setzen auch und gebieten durch und bey vnsern Hulden, datz kein Hauptman, Landtschreiber, Verweser, Pfleger, noch Landtrichter, auch kein Dienstman, kein Arzman, keines Rechten jehen(?), noch begern soll Teil, noch Arz zu geben von Gewalts oder ander Sachen wegen, dann als viel im die Grubenmaister, oder Arztleut von ihren Trewen tun wollen und mit guten Willen.

Wo man auch auf einen newen Perg komt; und neue Päu paut in vnsern Lande, so soll derselbe Perg gehandlet werden nach dem Perg Zeiring.

Wer auf seinen Teil nicht gibt in dreyen langen Schichten, und wer dan auf den selben Teil gepaut hat, der soll das bewären vor dem Richter, des ist der Teil.

Wo auch ein Pau ist, davon geteilt ist, und giebt einer nicht in dreyen vierzehen Tagen, wer dann die Teil der Zeit verpaut, und bewärt vor dem Gericht des Perg, des ist der Teil.

Auch mag man niemand seine Teil, oder Päu, oder Zugehörung des Pergs abgewinnen, dan allein mit Recht des Pergs.

Auch soll man Niemand seine Pau abgewinnen durch wüst, nur durch Gengenstein.

Was auch unter zehen Massen ist, es sey Kibl, oder Sechter, da giebt man nicht Bergrecht von.

Auch soll niemand dem andern, was Perkwerch beriert, welcherley das sey, Arz oder anders, das man scheidt, davon vns geben ist worden, nicht anderst ersuchen, dan mit Recht des Perkwerchs auf der Zeiring.

Wo man auch einer Hütten Bedarf, da soll man Freiung zu haben, an Weg, Steg und Wasser Lait.

Auch wo ein Perkwerch gefunden wird, in unsern Landten in einem Holz, da soll man on alle Irrung Holz nemen, sovil man dazu bedarf, sieben Klafter um sich, zu allen vier Orten um den Pau, dan allein zu Kol nicht.

Auch wer auf einen neuen Pau komt, der soll Freiung haben um Gelt Schuld, und andere Feindschafft, doch datz er sich hut vor seinen Feindt.

Es soll sich auch Niemand auf den Perg pfenden, er hab dan auf Teil oder Arz gelihen, auch keinerley Arz oder Schidung verbieten um Spruch oder Schuld den Perkwerch zu Fiderung: es soll allezeit ausgericht werden mit Recht des Pergs.

Auch gebieten wir vestiglich bey unsern Hulden, und Vermeidung großer Straf an Leib und an Gut , für vns und vnsere Erben und Nachkomen, wer solch unser Satzung und Verschreibung des Perg Zeiring, und ander Pergen in unsern Lande Steier nicht hält und überfur, vnd anderst dazu handlet, damit der Perg hinterstelligwurd, er wer hauptman, Pfleger, Lantrichter, oder ander, zu dem es erfunden wurd, der wer vns und unseren Erben und Nachkomen verfallen funf Mark Golds on alle Gnad; wer er aber Purger, Grubenmeister, Dienstman, Arzman, wie oder was Stands er wer, dazu erfunden wurd, soll abgeschiden werden von dem Perg und von vnsern Anwalt, und Perkrichter gestraft an Leib und an Gut. Vnd datz dise Berkrecht stat und unverbrochen bleiben, des geben wir unsern Purgern und Beampten auf derZeiring disen Brief zu einer offen Urkund mit unsern anhengenden Insigl, der geben ist an des heiligen Creuz der Erhebung in unser Statt Gratz nach Christi Gepurt im M. CCC. X.X. vi. Jare. (soll seyn 1336 oder 1346.)

Anmerkung: wir werden versuchen, die fehlenden Textpassagen zu ergänzen. Hinweise willkommen!

Quelle: Joseph von Sperges, Tyrolische Bergwerksgeschichte, mit alten Urkunden, und einem Anhange, worinn das Bergwerk zu Schwatz beschrieben wird, Wien 1765. Bergordnung für die Steyermark, S. 281 - 286.
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