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Das Schwazer Bergbuch
Von Ludwig Lässl
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Schmelzwerk

Schmelzwerk im Schwazer Bergbuch; Malerei von Jörg Kolber, Schwazer Bergbuch

Schmelzwerk im Schwazer Bergbuch; Malerei von Jörg Kolber

Gern möchte ich auch einen guten, zuverlässigen Bericht vom Schmelzen geben und zeigen, wie Silber, Kupfer und Eisen mit den geringsten Unkosten am schnellsten gewonnen, aus dem Erz geschmolzen und gebracht werden. Ich traue mich aber als ein Unerfahrener nicht daran. Die zur Zeit darin arbeitenden Gewerken und ihre Diener tun damit sehr geheim. Fast alle haben ein besonderes Fürmass. Sie sind darin sehr erfahren und bringen viel mehr Silber aus den Schlacken und vom Kupfer als vor Jahren. Daher kann ich über das Schmelzen und das Fürmass weder klar berichten noch Erfahrungen mitteilen, würde ich mich dessen unterfangen und einen Fehler hineinschreiben (was im Schmelzen und in der Alchimie schnell geschieht), so möchte jemand dadurch Schaden nehmen, wie schon vielen geschehen ist. Es würde mir darum übel nachgeredet werden. So lässt es sich auch nicht gut schriftlich niederlegen. Es ist am allerbesten, aus täglicher Arbeit und Erfahrung zu lernen. Oft wird jemand dazu bestimmt, der die Arbeit viele Jahre eigenhändig verrichtet hat. Nichtsdestoweniger wollte ich, wenn ich darüber schreiben sollte und mir eine geschickte Person, die das umsonst und aus Kurzweil macht, darüber berichtete, meinerseits treu dabei helfen.

Es wäre aber nicht schade, sondern schiene mir fast gut zu sein, wenn man die Schmelzhütten mit ihrem Zubehör und die Schmelzverfahren mit Abbildung und Zeichnung in einem Buch zusammenzöge. Das könnte den Bergwerken, die mit des Allmächtigen Hilfe künftig erbaut werden, und den Gewerken nützlich sein, um daraus um so besser Hilfe und Ordnung zu empfangen und das Schmelzen zu erlernen. Obwohl es viele unternommen haben, darüber zu schreiben, sind diese Schriften aber nicht genau oder so gut verständlich, um danach ein beständiges Werk machen und abschließen zu können. Daraus ist manchem großer Schaden erwachsen und Unlust gekommen.

Ich will es aber dennoch nicht unterlassen, einen kleinen Bericht vom Schmelzen zu geben, wie das Falkensteiner Erz im schweren Wechsel zu Silber, Kupfer und Kaufmannsgut verschmolzen wird. Dies ist aber eine sehr kurze Zusammenfassung.

Falkensteiner Erz für den Schweren Wechsel schmelzen

Zuerst werden auf eineinhalb Erzschicht 16 Ster Falkensteiner Erz und drei Bahren Schlacken und Schiefer, soviel wie nötig ist, für einen Ofen vorgemessen. Daraus kommen 450 Pfund Reicher Stein und 50 Pfund Kobalt. Diesen Stein wiegt man auf einen Haufen.

Auf die Bleischicht werden vorgewogen:
Zum ersten auf eine reiche Bleischicht Reicher Stein, Bleierz und anderer Bedarf, wie hiernach folgt.

1 700 Pfund Reicher 5tein enthalten im Zentner                     12 ½ Lot
1 100 Pfund Herd, Glätte und Lech enthalten im Zentner          ½ Lot
200 Pfund Schneeberger Bleierz enthalten im Zentner               2 Lot
200 Pfund armes Gossensasser Bleierz enthalten im Zentner       2 Lot
200 Pfund allerlei gewöhnliches Bleierz enthalten im Zentner    1/2 Lot
200 Pfund Villacher Bleierz enthalten im Zentner                      — Lot
450 Pfund Feistes Hartwerk enthalten im Zentner                     9 Lot

und feine Saigerkrätze oder Kienstöcke vom Saigerofen.
Daraus bekommt man 900 Pfund gesaigertes Blei; der Zentner enthält 16 Lot Silber.

Zum anderen wird der erwähnte Reiche Stein wieder vorgemessen. Er wird Mittelschicht oder erster verbleiter Stein genannt. Darauf werden geschlagen:

1 200 Pfund Herd, Glätte und Lech enthalten im Zentner             ½ Lot
200 Pfund Schneeberger Bleierz enthalten im Zentner                  2 Lot
200 Pfund armes Gossensasser Bleierz enthalten im Zentner          2 Lot
200 Pfund gewöhnliches Bleierz enthalten im Zentner                  ½ Lot
100 Pfund Villacher Erz enthalten im Zentner                             — Lot
450 Pfund Feistes Hartwerk enthalten im Zentner                    7 ½ Lot
und feine Kienstöcke vom Saigerofen. Daraus erhält man 1 100 Pfund reines Blei, den Zentner zu 9 Lot Silber.

Die dritte, letzte oder arme Bleischicht.
Zum dritten wird der erwähnte Reiche Stein wieder vorgemessen. Er enthält im Zentner ungefähr bis an vier Lot. Man nennt ihn den zweiten verbleiten Stein. 700 Pfund Herd, Glätte und Lech, im Zentner ½ Lot, und feine Kienstöcke vom Saigerofen ergeben an Blei ungefähr 400 Pfund, im Zentner 7 Lot.

Silbertreiben

Wenn von dieser erwähnten Bleischicht fünfzehn reich und arm geschmolzen sind, werden die gesaigerten Vleie ungefähr bis zu 126 Zentner Blei zusammengetan. Diese legt man auf gemessene Teste des Treibeherds und dazu 10 Zentner Kobalterz. Der enthält bis zu 38 oder 39 Lot. Man treibt all dieses geschmolzene Zeug durcheinander, bis das Silber blickt. Der Stein der letzten Bleischicht kommt zurück. Man nennt ihn den dreimal verbleiten Stein. Es sind ungefähr 30 Zentner; davon enthält ein Zentner bis drei Lot. Dieser Stein wird zum Abdarren vorgemessen. Darauf werden sechs oder sieben Zentner grobes Hartwerk geschlagen. Daraus kommt feistes Hartwerk, das auf die Bleischichten aufgeschlagen wird. Es enthält 9 Lot.

Der Stein wird einmal gedarrt und heißt dann Mittlerer Hartwerkstein. Darauf werden neun Zentner dürres Hartwerk zu 4 Lot geschlagen. Dann wird der Stein zum zweitenmal gedarrt und Hartwerkstein genannt. Der Zentner davon enthält 1 Lot und 3 Quintel.

Dieser Stein wird weiter auf den Hartwerkrost gelaufen. Von dem Stein lässt man fünf Schichten zusammenkommen und setzt ihn in einen Rost. Er wird, soweit nötig, mit Holz geröstet. Danach nennt man den Stein Rösthartwerk. Für eine Schicht werden fünfzehn Bahren vorgemessen. Daraus kommt der Kupferstein. Der Zentner davon enthält 1 Lot, 1 Quintel Silber. Das dürre Hartwerk wird täglich zum Abdarren gebraucht.

Der erwähnte Kupferstein wird dann auf einen Haufen geworfen. Ungefähr vierhundert Zentner werden in einen Rost gesetzt und etwa sechsmal umgeschlagen, bis sie genügend geröstet sind und sich zu Kupfer schmelzen lassen.

Quelle: Ludwig Lässl, Bergwerk usw., 1556 (Das Schwazer Bergbuch).
© Transkription Dr.-Ing. Heinrich Winkelmann, Bochum 1956.
Korekturgelesen und behutsam an die neue Rechtschreibung angepasst: Wolfgang Morscher.
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