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Das Schwazer Bergbuch
Von Ludwig Lässl
© digitale Version: www.SAGEN.at

Erbstollen am Falkenstein

Weiland Kaiser Maximilian hochlöblichsten Gedächtnisses hat im vierzehnhundertneunzigsten Jahr von dem Bergmeister die Verleihung des Fürstenbaues und Erbstollens mit den Rechten und Gerechtigkeiten zweier Gruben begehrt. Sie sind Ihrer Majestät nach Erfindung und Bergwerksrecht verliehen worden. Ihre Majestät haben beide Gruben in eigener Person besichtigt und angeschaut, auch aufgeschlagen und erschürft; die erste, außerhalb von St. Martins Kirchen, gleich an der Landstraße, haben sie über die Halden hinaus gegen den Inn in das Schwazer Feld strecken lassen. Diese Grube, genannt St. Sigmund beim Fürstenbau, haben sie auch heute noch inne. Sie wird am Tage und im Gebirge gebaut. Die andere Grube haben Ihre Majestät näher am Steinbruch hinab im öden Feld, gleich an der Landstraße, aufschlagen und erschürfen lassen und sie Zum Erbstollen genannt.

Diese beiden Gruben haben alsdann die Gewerken mit Hilfe Ihrer Majestät in das Gebirge getrieben. Sie sind mit offenen Durchschlägen auf Klüften und Gängen zusammengekommen, haben sich aber wegen des Vorbringens der Maße entzweit und gerichtlich auseinandergesetzt. Die Gewerken beider Gruben haben sich dann im fünfzehnhundertfünfzehnten Jahr auf Veranlassung von Statthalter, Regent und Räten der oberösterreichischen Lande sowie der Bergamtleute zu Schwaz gütlich verglichen und miteinander vertragen. Im Tagstollen auf St. Sigmund beim Fürstenbau ist ein Vertragseisen geschlagen worden. In dem Vertrag ist dem Erbstollen das Gebirge unter dem Gestänge zuerkannt worden.

Nach diesem Vertrag und Vergleich ist der Erbstollen zur Ersparung der Holzkosten und anderer beschwerlicher Unkosten eingeschlagen und verlassen worden. Die Gewerken des Erbstollens haben dann alles, was sie unter dem angeführten Vertragseisen innerhalb ihrer Maße gewinnen und abbauen konnten, und Berg-, Erz- und Wasserförderung auf den Fürstenbaustollen umgestellt und zutage gebracht, wie es heute noch geschieht.

Weil vor Jahren die Tätigkeit auf diesen Gruben so groß gewesen ist, haben die Gewerken die Stollen groß auffahren und mit doppelten Gestängen belegen lassen, damit ein Teil den anderen bei seiner Arbeit um so weniger behindert.

Die Gewerken beim Fürstenbau und Erbstollen haben gemeinsam von dem Tagstollen des Fürstenbaus aus in das Gebirge ein Ort, den Stollen „Auf dem unteren Boden", auf dreihundert Lehn, das sind zweitausendeinhundert Klafter, gebaut. Sie bearbeiten das Ort noch heute; ihre Hoffnung, dass die Klüfte und Gänge von den oberen Gruben durch das Gebirge zu diesen Bauen niederfallen, hat sich erfüllt. Mit Hilfe des Allmächtigen konnte als Gottesgabe ein größeres und ansehnlicheres Bergwerk geschaffen und erbaut werden.

Dazu haben die Gewerken des genannten Erbstollens mit ihren Bauen eine Teufe von einhundertfünfundzwanzig Klaftern seigerabwärts  erreicht und ersunken.

Darin haben sie eine große Menge Erz gehauen. Um fünfzehnhundertzweiunddreißig haben sie allein auf dem Erbstollen in einem Jahr bis zu fünfzehntausend Mark Silber gemacht. Danach ist das Erzhauen etwas zurückgegangen, und auch im Silbermachen ist ein Abbruch erfolgt.

Dabei haben die Gewerken zu derselben Zeit täglich fünfhundert bis sechshundert Wasserknechte unterhalten und bezahlen müssen. Die Unkosten dafür haben in einem Jahr über zwanzigtausend Gulden betragen. Diese und andere große Unkosten sind allda aufgelaufen. Die Gewerken klagen auch, dass die Erze in der Teufe ärmer werden und nicht viel Silber erbringen. Daher falle ihnen der Wechsel oder Silberverkauf an die Münze für ein so geringes Geld schwer. Deshalb haben sie im Jahre fünfzehnhundertfünfundvierzig nach Bewilligung durch die hochlöbliche Regierung Ihrer Römisch-Königlichen Majestät die Baue in der Teufe verlassen und die Wasserheber abgelegt. In den Fahrten und Bauen der Zechen unter dem Gestänge, welche die Gewerken auf fünfzehn Klafter noch aufrechterhalten haben, sind die Wasser aufgegangen. Die Baue sind ersoffen, so dass niemand mehr hinunter kann. Die fünfzehn Klafter haben die Gewerken noch etliche Jahre durch Wasserheben erhalten. Darin ist noch so viel Erz gehauen worden, dass sie einen Überschuss hatten und nichts verbaut haben.

Als dann auf den Bergwerken am Röhrerbühel zu Kitzbühel einige sehr künstliche und beständige Werke und Wassergöpel gebaut worden sind, haben sich die Gewerken des Erbstollens das überlegt und erst einen Meister aus Salzburg, Wolfgang Löscher genannt, berufen. Auch ich habe das von mir aus sehr gefördert. Den Erbstollen haben sie, wie notwendig war, befahren und besichtigen lassen. Dabei hat Löscher sorgfältig geprüft, ob in der Nähe ein fließendes Wasser ist, das ein Werk oder einen Göpel treiben kann. Das wurde fleißig erwogen und geprüft. Dabei wurde festgestellt, dass der Mühlbach am Falkenstein (nahezu eine halbe Meile Wegs) in Rinnen und Gräben gut dahin gebracht und geführt werden kann. Löscher hat berichtet, er wolle, wenn er Wasser habe, gewisslich ein gutes, richtiges Werk machen, damit die Grubenbaue des Erbstollens wieder vom Wasser befreit werden. Darauf ist er wieder nach Salzburg gezogen und bald danach verstorben.

Die Gewerken sind aber dennoch den Ratschlägen Löschers und anderer verständiger Leute nachgegangen. Das ist auch vor Ihre Römisch-Königliche Majestät und deren Regierung der oberösterreichischen Lande gekommen. Die haben auch die Gewerken aufgefordert, das ersoffene Gebirge im Erbstollen wieder zu trocknen und zu gewältigen. Zwischen den Gewerken und der königlichen Majestät ist dann ein Vertrag und Vergleich geschlossen worden. Demnach bewilligte Ihre Majestät den Gewerken des Erbstollens, zehn Jahre im Ringen Wechsel zu schmelzen und zahlte selbst ein Drittel der Unkosten des Werks, wie es mit genügender und ausführlicher Erläuterung der gleiche Vertrag und die aufgesetzten Schriften ausweisen. Um das ersoffene Gebirge zu trocknen, ist das Werk für die Wasserhebung in diesem sechsundfünfzigsten Jahr errichtet und in Betrieb genommen worden. Gott gebe, dass es beständig bleibe. Es kostet insgesamt gegen fünfzehntausend Gulden. Es ist nicht wenig verwunderlich, dass der Allmächtige durch seine göttliche Gnade dem Menschen so viel Kunst und Vernunft verliehen hat, ein so großes Werk mit der Wasserleitung und allem Zubehör so tief in ein Gebirge zu bringen und darin betriebsfähig anzulegen, damit seine Gottesgabe zur Erhaltung vieler Menschen aufgesucht und erbaut werden kann.

Man könnte von diesem Werk (wie es mit Wellbäumen, Rädern, Wasserkehren, Vor- und Rückwärtsbremsen, Seilkörben, Tonnen, Seilen, Scheiben und der anderen Zurüstung von Holz- und Eisenzeug Stück für Stück gemacht wurde) viel schreiben. Aber es ist nicht gut möglich, alles in die Zeichnung und Feder zu bringen, wer ein Bild davon haben möchte, der muss es aus Holz schneiden und zusammensetzen lassen.

Eine Zeichnung des Werkes ist diesem Buche zum Schluss beigefügt.

Quelle: Ludwig Lässl, Bergwerk usw., 1556 (Das Schwazer Bergbuch).
© Transkription Dr.-Ing. Heinrich Winkelmann, Bochum 1956.
Korekturgelesen und behutsam an die neue Rechtschreibung angepasst: Wolfgang Morscher.
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