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Der Silber- und Kupferbergbau Röhrerbühel bei Kitzbühel in Tirol

6. Der Weiterbetrieb 1560 - 1614.

Lt. Dekret vom 13.8.1561 erhielten die Gewerken den halben Verlust im Bauen und 1000 Fl. Gnad und Hilf bewilligt.

Aus einem Auszug, was die Herren und Gewerken dies 1562er Jahr bei allen Zechen und Gebäuden am Röhrerbühel, denen das Gnadengeld ausgefolgt wurde in den ersten 7 Raitungen erzeugten: 9.097 Star Stuf, 8.982 Star Bruch und 16.742 Star Kies mit einem Silbergehalt von 5.161 Mark im Wert von fl 57.174,-. Die Haldenerze betrugen 202 Star Stuf, 186 Star Bruch, 2o8 Star Kies mit einem Silbergehalt von 98 Mark im Wert von Fl. 1.080,-.

Die Pochwerke lieferten 8.551 Star Schlich mit 879 Mark im Wert von fl 9.673.-, die Samkosten betrugen am Berg fl 54.438,-, bei der Haldenkuttung 433 und bei den Pochern fl 1.128 zusammen fl 56.700,- das Gnadengeld betrug fl  5.592,-.  Hierbei  schaut ein scheinbarer Überschuss von ca. fl 16.860,- heraus,  doch muss der Silberverlust beim Schmelzen und  die Schmelzkosten mit berücksichtigt werden, sodass eher ein Verlust als Gewinn entsteht.

Die  Schachttiefen waren 1562 am Gsöllenbau 340 Klft, Ruedlwald 215 Klft. Reinanken 180 Klft. Und im Edertal 190 Klft.

Die Schachtförderseile waren, wie aus einem Akt vom 8.7.1563 ersichtlich meist über 4oo Klft. lang, der Hanf von Bludenz, Feldkirch und Rankweil, Schweizerhanf genannt, bewährte sich am besten.

Im 1564 wurde den Gewerken von Röhrerbühel noch immer das halbe Verbauen bezahlt, hingegen im Jahr 1566 vorgeschlagen, der Kessentalerischen Gesellschaft, welche schon seit 24 Jahren am Röhrerbühel und dem Hochgebirge mit großen Kosten gebaut, 2 Hüttenwerke zu Kitzbühel und Kössen errichtet hatte und der man es vor allem verdankt, dass die Ross- und später Wassergöpl, Pochwerke und Wasserkünste am Röhrerbühel aufgestellt wurden, Wechsel und Kupferzoll nachzulassen, sie hatten innerhalb dieser Zeit zu Rattenberg und am Geyer allein fl 95.000,- verbaut.

Die Rosenberger sagten ihre 6 Neuntel bei St. Rudolf in der Haselstauden heim, da die dort gebauten Schächte schon in der Zeit ihres Aufschlagens für nicht nützlich und höflich angesehen wurden. Auch die Sulzbergischen sagten Teile bei unserer Frauen in Ruedlwald und beim alten St. Gilgen im Edertal heim. Der Bergrichter wurde aufgefordert zu sorgen, dass diese Teile von den Kessentalerischen übernommen würden.

Der von Erzherzog Karl von Österreich für die nach Tirol eingeführten Bleierze angeordnete hohe Zoll bedrohte in ernstlicher Weise den Fortbestand sämtlicher sich ohnehin schon in einer schwierigen Lage befindlichen Tiroler Bergbaue. Das zur Verbleiung der Silbererze nötige Frischwerk (Bleierze) konnte man nicht im Lande auftreiben und war besonders auf die Kärntner Bleierze angewiesen. Erzherzog Ferdinand II versuchte vergeblich die Aufhebung dieses Zolles zu erreichen. Um die Gewerken bei guter Baulust zu erhalten, wurde für den Röhrerbühel mit Ausnahme der Geistzeche das halbe Verbauen und 1.000 Fl. Gnad und Hilf bewilligt.

Die Verhältnisse waren dort in Wahrheit schon sehr schwierig. Der Röhrerbühel war „ein beschwerlicher und schmelzern und gewerken ain überlästiger perg, werd des verpauen von wegen der überschwenkliche tieffe, denn ettliche schächten umer vast zu vierhundert claffter tieff wären, von tag zu tag immer grösser die genug schmall, des ärzthauen auch je lennger je weniger, gleichwol die ärzt an Behalt noch ziemlich guet weren.“

Nachfolgende Schachtiefen vom Jahre 1567 geben Zeugnis von deren energischen Niedersenkung:

St. Daniel - Rosen

351

Klft.

 Ruedlwald

309

Klft.

Geistschacht

364

Klft.

 Reinanken

282

Klft.

Fundschacht

247

Klft. 

 Fuggerbau

207

Klft.

Gsöllenbau

377

Klft.

 St. Christof/Edertal

196

Klft.

Die Erzeugungskosten stiegen mit zunehmender Tiefe, die Ausbeute wurde kleiner, das Verbauen immer größer. Im Jahr 1568 ereignete sich in Kitzbühel eine große Rottierung der dortigen Knappschaft. Der Grund war die arge Steigerung des Proviantes durch schlechte Ernten und die Ausfuhrschikanen in Böhmen, Niederösterreich, weitaus am meisten vom bayrischen Herzog nicht unähnlich dem Verhältnis der Russen zu Berlin von 1948/49. Die Gewerken gaben die Pfennwerte weit unter ihren Gestehungskosten ab, doch war der Preis immerhin für 1 Zentner Weizen fl 1,24, 1 Zentner Roggen fl 1,18. Der Schwazer landesfürstliche Faktor Erasmus Reisländer bestätigt ausdrücklich, dass die Gewerken bei diesem Preis bedeutend draufzahlten, selbst wenn man nicht veranschlage, wie sonderlich der Schmelzer und Gewerken Diener im Fürstentum Bayern traktiert und gehalten werden. Auch musste er zugestehen, dass schon ein großer Teil der Arbeiter vor Entkräftung gestorben, noch mehr an andere Orte verzogen seien, zum Teil auch krank liegen und in Elend und Armut herumgehen.

Einen ergänzenden Überblick über die damalige Lage gibt Scheuermann S. 218 auf Grund fuggerischer Akten über die Verhältnisse im Röhrerbüheler Bergbau.

Das Erstreben der Bergherren ging auch hier auf Erhöhung der erzherzoglichen Zuschüsse, namentlich Einbeziehung der Geisterzeche in sie. Am Röhrerbühel nahm diese eine ähnliche Stellung ein, wie der Schwarzer Erbstollen am Falkenstein. Überschwängliche Hoffnungen bei ihrer Entdeckung, fieberhaftes Durchwühlen, reicher Ertrag, gutes Erz, — dann rasche Ernüchterung infolge der unheimlich steigender. Gestehungskosten, bedingt durch die zunehmende Tiefe. Bald genoss sie den für die Unternehmer recht bedenklichen Ruf des tiefsten Bergwerkes der Welt.

Ihre Einbeziehung in die Gnad und Hilf wurde schon anfangs 1567 von den Bergbeamten selbst für unvermeidlich gehalten, auch die Regierung musste die Berechtigung dieser Forderung zugeben, umso mehr tat sie sich darauf zugute, die Gewerken damit dennoch abgewiesen zu haben. Bei der starken Zersplitterung brachte es die Unternehmerschaft nie zu einem wirklich tatkräftigen Auftreten gab es doch am Röhrerbühel noch zahlreiche, am Fürstenbau sogar fast nur Kleingewerben im alten Sinn. Allerdings schwang sich auch hier die Kessentalerische Gewerkschaft immer mehr zur beherrschen Stellung auf.

1570 gewannen am Röhrerbühel in den ersten 7 Haltungen:

Die Kessentalerischen

4.429

Mark Silber

Die Kirchbergerischen

1.348

Mark Silber

Die Haslauer

643

Mark Silber

Die Rosenberger

429

Mark Silber

Die Fugger

405

Mark Silber

Am 18.11.1575 schreibt die Regierung, dass die Kessentalerischen Gewerken im ganzen Land hin und wieder außerhalb des Falkensteins treffentlich viel Bergwerk haben und einen starken Handel führen.

Am 12.12.1567 gestand die Regierung ein, dass die Kitzbüheler Bergwerke besonders beschwerlich, sorgsam und überlästig seien, auch schon namhafte Gewerken daran verdorben und zudem die Verhältnisse immer noch übler geworden seien. Am 2.11.1569 schilderte sie diese in den denkbar schwärzesten Farben, besonders am Röhrerbühel: hier wurde auch nicht bei einer einzigen Grube mehr ein Überschuss erzielt, selbst die Geisterzeche sei jetzt am Verbauen und das werde von Tag zu Tag noch schlimmer. Dazu kämen noch Schwierigkeiten in der Holz- und Kohlenbeschaffung für die Schmelzhütten, kurz es sei fraglich, ob hier auf die Dauer überhaupt noch gebaut werden könnte. Gleichwohl rieht sie von jeder Erhöhung der landesfürstlichen Leistungen ab, die sie wie nachstehend begründete:

Leistungen

 

Bezüge

 

Gnad und Hilfe

Fl.12.226

Kupferzoll

Fl. 9.000

Jährl. Pauschalzuschüsse

Fl. 1.000

Silberwechsel

Fl. 4.000

Sondergnade der Kessent.

Fl. 2.000

Fron höchstens

Fl. 3.000

 

Fl.15.226

 

Fl.16.000

Wäre noch die Beihilfe für die Geisterzeche in Höhe von 3.000 fl dazu gekommen, hatte die Hofkammer schwer draufzahlen müssen. Außer den oben angeführten Bezügen hatte der Erzherzog noch andere, so den Münzgewinn, der ganz beträchtlich war und einige Tausend Gulden im Jahr ausmachte. Der Ertrag ging die nächsten Jahre noch weiter zurück, die Regierung blieb schwerhörig.

Wir haben schon verschiedene, den Bergbau Röhrerbühel schädigende, ja mitunter dessen Existenz fast in Frage stellende üble Einflüsse kennen gelernt. Alle diese wurden jedoch von geldkräftigen, bergbaulustigen Gewerken, ihren erfahrenen tüchtigen Betriebsbeamter und einer braven wohlgeschulten Knappschaft schließlich doch immer noch glücklich überwunden. Völlig machtlos waren aber diese im Kampf mit den Elementen gestählten tapferen Kämpen gegen einen äußeren nun sich geltend machenden Gewaltakt.

Es war dieses die Verfolgung protestantischer Diener und Arbeiter durch Erzherzog Ferdinand II, welche übrigens nicht in Kitzbühel allein, sondern in ganz Tirol für den gesagten Bergbau von größtem Schaden war.

Schon die vorhergegangene rücksichtlose Konfiskation protestantischer Bücher erregte in den Grubenorten große Verbitterung, da manch armer Knappe mit schweren Opfern sich eine lutherische Bibel oder Postil angeschafft hatte und lieber das Land verließ, als von seinem  Glauben und seinen Büchern zu lassen.

Die Faktoren und Gewerken, selbst die streng katholischen Fugger wendeten sich energisch gegen dieses Beginnen und drohten für den Fall fortgesetzter Visitationen mit Aufstand oder Massenauswanderung der Knappen, wovon jedes für den Bergbau gleich schädlich sei. In anderen Bergwerken Deutschlands und Ungarns hatten Protestanten keinerlei Beschwerungen. Die Bergrichter legten auch ihr Veto ein für ihre Untergebenen. Die Lage der Visitatoren muss peinlich gewesen sein, sie sagten, sie hatten sich lieber an den Haaren über den Tisch ziehen lassen. Abgeliefert wurde fast nichts von Büchern. Im Jahre 1575 wurde die Abschaffung des protestantischen Faktors der Kessentalerischen in Rattenberg Adam Eisenschmied und aller übrigen protestantischen Diener und Arbeiter angeordnet.

Es wäre irrig zu glauben, dass derartige Gewaltakte und Verfolgung aller Protestanten dem Bergbau nicht geschadet hätte, Hunderte erfahrener Bergknappen flüchteten vom Berge in tolerantere Länder und als weitere Folge fand sich kein protestantischer Kapitalist mehr, der unter diesen Umständen im Machtbereich Ferdinands des Katholischen, noch Geld für den Bergbau hergab. Die Geldgeber waren mit Ausnahme der Fugger meist Protestanten.

In einer Eingabe der Gewerken führten sie an, dass ihre der Augsburger Konfession angehörenden Arbeiter und Diener sich stets gegen die Obrigkeit gehorsam und willig betragen hatten, sich nie größerer Freiheiten berühmt und mit den anderen Arbeitern stets gut vertragen hätten und von stillem ehrbaren eingezogenen Wandel waren.

Nachdem sie noch bemerkten, welcher Nachteil dem Bergbau erwachsen würde, wenn sie die alten vertrauten Diener, so des Bergs und der Teufe kundig und erfahren, beurlauben und mit anderen  fremden unerfahrenen Personen die Stellen besetzen, trugen sie schließlich dem Erzherzog an, dass sie unter diesen Umständen sich vom Bergbau zurückziehen und ihre großen Kapitalien auch berücksichtigen wollten, dass ihnen die Berg- und Schmelzwerkhändel, was sie getreulich und wohl wert seien gnädigst und käuflich abgenommen werden. In diesem so höflich und zuvorkommend dem Erzherzog gestellten Kaufantrag lag bei dessen bekannten schwierigen Geldverhältnissen nahezu schon bitterer Hohn, wo nicht eine versteckte Drohung, welche auch ihren Zweck erfüllte, da von nun an vorläufig Ruhe war.

Zwei Jahre später sollten die beiden protestantisch Gewerken Hans und Karl Rosenberger aus Tirol abgeschafft werden, doch verlief dies im Sande, da so mächtige Geldleute schwer entbehrlich waren.

Um das unleugbare rapiden Abnehmen der Bergbaulust zu steuern wurde für 1577 der Silberpreis von fl 12,30 auf fl 13,30 um 1 fl erhöht und den Gewerken das halbe Verbauen bezahlt.

Der Schwazer Faktor Erasmus Reisländer berichtet am 20.11.1577, dass der Röhrerbühel gänzlich auf dem Fahl steht und das halbe Verbauen für dies Jahr 11.000 fl ausmache, während Fron, Wechsel und Kupferzoll nur 9.000 fl betrage.

Dass das Erzvorkommen in der Teufe anhielt zeigt das fortgesetzte Niedersinken der Schächte, welche im Jahr 1578 nachfolgende Teufe erreicht hatten:

St. Daniel am Rosen

432

Klafter

Fuggerbau

309

Klafter

Geist

442

Klafter

Fundschacht

402

Klafter

Auch der Reinankenschacht sollte weitere 100 Klafter vertieft werden.

Obwohl für 1580 vermerkt wurde, dass die Gewerken nur im Verbauen und schlechtem Nutzen gewesen, wurde 1581 ein Gewinn von 19.000 fl ausgewiesen, der sich auf 14.940 fl verringerte, weil die Berechnung nach dem Silbergehalt im Erz und nicht nach dem tatsächlich erzeugtem Silber gemacht worden war. Das in das Kupfer übergegangene Silber konnte man nicht ausscheiden und ergab bei 4.276 zt Kupfer 400 Mark Silberverlust im Werte von 4.960 fl.

Das Erwähnenswerteste der nun folgenden Zeit ist ein sehr bedauernswertes Grubenunglück "die Prunst am Röhrerbühel bei dem Fundschacht". Am 2.5.1585 wurde an den Hof berichtet, dass sich der Brand noch immer nicht verringert habe. Abgesehen von dem traurigen Umstand, dass damals schon 14 Personen dabei ihr Leben eingebüßt haben, war auch zu besorgen, dass alle Strecken ausbrennen und dadurch verfallen würden, was deren kostspielige Wiedergewältigung und Nachzimmerung zur Folge haben müsste. Dieser Grubenbrand wütete, wie wir aus einem Bericht vom 25.5. ersehen, noch über 3 Wochen weiter fort, was auch die bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich erscheinende wohlweise Hofkommission nicht verhindern konnte, wie der Chronist bemerkt.

Trotzdem die Knappen solcher Prunst und Dampf halber in der Grube nicht arbeiten konnten, wurde die gesamte Mannschaft mit Haldenkuttung beschäftigt, sodass doch ein ziemliches Quantum Silber erzeugt wurde.

Der Erzsegen hielt zum größten Glück noch immer beharrlich an, das war auch der Hauptgrund, warum dieser unter den schwierigsten Verhältnissen leidende Bergbau überhaupt noch betrieben werden konnte und man sich sogar entschloss noch weiter, in die Tiefe vorzudringen.

Aus 17 Jahrgängen 1570 - 1586 stehen ziffernmäßige Nachweisungen zu Gebote, aus welchen hervorgeht, dass in diesem Zeitraum jährlich rund 4.000 Mark Silber und ebenso viele Zentner Kupfer erzeugt wurden mit etwa 70.000 fl Kostenaufwand im Jahr.

Eine spätere Periode der nächsten 10 Jahre bis zur Supplikation von 1596 dürfte diese Produktion nicht übertroffen haben, denn für das 1. Halbjahr 1596 beträgt die Gesamterzeugung 2.o84 Mark Silber, allerdings mit einem gestiegenen Kostenaufwand von 56.000 fl für das halbe Jahr.

Die erwähnte Supplikation der Gewerken vom Jahre 1596 sagt etwa folgend: "Nachdem dieser Bergbau seiner wachsenden Tief- und Weitläufigkeit halber an Gesamtkosten gar viel beschwerlicher und überlästiger wird, weil man immerdar mehr Göplseil, Zimmerholz, schwere Fördernis, auch Kohl- und Frischwerk und anderes alles viel teurer als vor Zeiten haben muss, wird gnädigst erkannt werden, dass wir wahrlich mit dem dritten Pfennig Gnadengeld ohne unser Verderben nicht bestehen könnten und bitten: Sie wollen uns den halben Teil Hilfs- und Gnadengeld in unser offenbar wissentlich schwer Verbauen gnädigst bewilligen."

Zur Erklärung dieser Teuerung erwähne ich den sog. Fall in der Münze. Mit Dekret vom 11.12.1576 ordnete Ferdinand II. zur Erhöhung seiner Einkünfte die Verminderung des Feinsilbergehaltes der Münzen in Hall an, dies sollte geheim bleiben, dass es niemand merkt, doch außer Landes wurde das Geld entsprechend seinem Edelmetallwert bewertet, dadurch entstand die Teuerung im Land, die zeitweise katastrophale Formen annahm und im 3o.jährigen Krieg sich  sehr gefährlich für die Bevölkerung auswirkte. Alleiniger Nutznießer war der Landesfürst, der auf Kosten des Volkes gut lebte. In dem einen Jahr 1621 stieg der Taler, dessen offizieller Kurs fl 1,08 war, von 1,5 auf 9,5 fl.

Der  Taler war Reichsmünze. Die Bezahlung in Talern zu 68 Kr. oder z.B. 90 Kr. ist sehr schwer verständlich, da jeder glaubt die höhere Kreuzerzahl bedeutet einen höheren Preis. Gerade das Gegenteil ist richtig.

Nehme ich einen Betrag von 100 Gulden zu 60 Kreuzer = 6000 Kreuzer. Wird dieser umgerechnet in Taler zu 68 Kreuzer so erhalte ich 88 Taler, 16 Kreuzer, dagegen zu 90 Kreuzer nur 67 Taler. Der Taler war Reichsmünze, dagegen der Gulden Landesmünze, im vorgeschriebenen Gewicht und Feingehalt. 68 Kreuzer entsprachen einem Taler. Der minderwertige Gulden durch die Falschmünzer in Hall hatte nur geringere Kaufkraft, sodass man mehr Kreuzer wie 68 für einen Taler zahlen musste. Auch der sogenannte Überwechsel oder Talernutz rührt davon her.

Über die Zahl der Arbeiter liegen aus der ersten Zeit keine Aufstellungen vor, ich möchte die Zeit von 1545 - 1570 etwa höchstens 1000 Mann annehmen.

Der Arbeiterstand wird angegeben:

 

1585

1586

1597

1604

1622

Lehenhauer, Scheider

307

404

395

339

 

Gedinghauer

79

78

78

---

 

Haldenkutter und Pocharbeiter

116

125

122

75

 

Herrenarbeiter

1046

942

1050

645

 

Summe

1548

1549

1645

1059

248

Es ist auch hier gleich wie beim Falkenstein in Schwaz und allen anderen Edelmetallbergbauen, dass die Zeit des reichsten Ertrages, der höchsten Metallausbeute nicht mit dem höchsten Arbeiterstand zusammenfällt. Die Höchstausbeute ist immer von sehr reichen  Erzmitteln abhängig, zu deren Förderung nicht so viel  Mannschaft gebraucht wird. Erst später, wenn die Ausbeute stark zurückgeht, versucht man dies durch verstärkte Mannschaft noch  zu wenden, allerdings vergeblich.

Ziehe ich einen Vergleich mit Schwaz aus der gleichen Zeitepoche, so entfallen 2/3 der Gesamtbelegschaft in Schwaz auf Lehenhauer, Scheider und Gedinghauer, 1/3 auf Pocherarbeiter und Herrenarbeiter. Hier ist es umgekehrt am Röhrerbühel, diese kostspielige  Schachtförderung aus  den tiefen Schächten zusammen mit der Aufrechterhaltung der vielen Strecken in schwerem Holzausbau verschlang die Überschüsse der Erzgewinnung. Die Erzanstände der Gruben müssen auch für heutige Begriffe gut gewesen sein sodass bei heutiger moderner, Abbaumethoden diese Gruben bei guter maschineller Einrichtung gut lohnend sein müssten.

In einem Bericht der Tiroler Kammer vom 22.10.1598, an den Kaiser meint diese mit vollem Recht: „will man dieses edl land kleinot, so schon 50 Jahr sein bests getan noch bei 1500 Arbeiter samt weib und kindern und villen offizianten erneret,nit under aines zu grund geen lassen“ so müsste weiter Gnad und Hilf gezahlt werden.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts  machten sich die Kriegswirren sehr geltend. Die Samkosten waren 1600 unerschwinglich hoch, auch wurde den Gewerken beim Hinlass am Stephanitag eröffnet, dass Gnad und Hilf nicht weiter gegeben werden könne.

Im August 1604 erfolgte der Zusammenbruch des Richtschachtes am Ruedlwald, dessen Gewältigung nicht mehr gelang, da er so stark verdrückt war, dass man die langen Schachthölzer nicht mehr einführen konnte, sodass man ihn aufgeben musste.

In einem außerhalb der Massen des Röhrerbühels liegenden gegen Mitternacht befindlichen seit vielen Jahren aufgelassenen Schacht "der Münzerin" wurden wieder Erze gefunden und am 16.12.1606 der Auftrag gegeben, mit einen Durchschlag von den bestehenden Bauen aus, diese Baue wieder zu erschließen. Über den Erfolg ist nichts bekannt.

Die Schachttiefen waren 1608:

Daniel oder golden Rosen

496

Klafter

= 942 m

Geistschacht

504

Klafter

= 958 m

Gsöllenbau

427

Klafter

= 820 m

Fundschacht

402

Klafter

= 772 m

Ruedlwald

309

Klafter

= 593 m

Reinankenschacht

496

Klafter

= 942 m

Fuggerbauschacht

367

Klafter

= 705 m

1610 stellten die Fugger den Betrieb des Fuggerschachtes wegen zu großer Verluste und 1618 den ganzen Fuggerbau ein.

Scheuermann schreibt darüber S. 313.  Erst gegen Ende des Jahrhunderts machte auch am Röhrerbühel der Verfall so rasche Fortschritte, dass die amtlichen Stellen sich zu größerer Rücksichtnahme auf die Unternehmer bequemen mussten. Als 1596 nach Ferdinands Tod die Gewerken dem neuen Erzherzog zu seiner Ankunft eine ausführliche Bittschrift überreichten, war nach dem Bericht der Regierung die Lage folgende: Der Silber- und Kupfererlös aus dem Röhrerbüheler Erz betrug 60.890 fl, ihm standen Unkosten ohne die Dienerbesoldung von 65.6o9 fl gegenüber, sodass ein Verlust von fast 479o fl verblieb. Andrerseits warf der Röhrerbühel an Fron, Wechsel und Kupferzoll nur 5.744 fl ab, während das Gnadengeld allein 7.911 fl betrug, die Kammer also ebenfalls 2.785 fl draufzahlte. Sie schlug daher vor, die Gewerke bis zum Hinlass noch zur Geduld zu verweisen, bat aber gleichzeitig um die Ermächtigung den Gesuchsstellern nötigenfalls die geforderte Erstattung der Hälfte ihres Verbauens zu bewilligen. Man einigte sich dann auf 1/3 des Verbauens und 1.000 fl jährlich Zuschuss. 1597 erreichte zwar der Knappenstand am Röhrerbühel mit 1692 Mann seinen Höhepunkt, allein der Erzanfall war dennoch erneut gesunken. Das 1/3 Verbauen betrug im 1. Halbjahr bereits 7.3o6 fl, also fast so viel wie im ganzen Vorjahr, überstieg mithin die Regalgefälle um 2.180 fl. Dabei waren weder die Kosten für die Besoldung der Bergbeamten in Betracht gezogen, noch die Verwüstung der Wälder, die von den Gewerken ohne jede Vergütung abgeholzt wurden. Trotzdem baten diese für 1598 um die Hälfte des Verbauens, wie das letztemal, machten aber auch noch einen anderen Vorschlag: Man möge ihnen Fron und Kupferzoll völlig erlassen, dazu noch eine Steigerung der Silberlosung in Hall und deren Bezahlung in Talern zu 68 Kreuzer gewähren. Letzteres lehnte die Regierung von vornherein ab, hingegen dachte sie an den Erlass der Fron und des halben Kupferzolles unter gleichzeitiger Auflassung der Kundler Fronhütte. Als sich jedoch die Bergverständigen auf entschiedenste für deren Erhaltung einsetzten, erholte sich Vollmacht zur Bewilligung von 1/3 des Verbauens, jedoch ohne die 1.000 fl, wobei es dann auch verblieb.

Damit war wohl der Lage der Kammer, aber nicht der der Gewerken Rechnung getragen und es blieb diesen daher nichts übrig, als durch Betriebseinschränkungen sich Luft zu verschaffen. Die Belegschaft ging 1598 auf 1510 Mann zurück. Selbst die Bergbeamten mussten anerkennen, dass dies nicht aus Unlust am Bauen geschehen sei, sondern nur um das unerträglich hohe Verbauen herunter zu drücken. Der Erfolg war recht bescheiden, das 1/3 des Verbauens belief sich immer noch auf 15.000 fl. deren an Einnahmen der Kammer aus Fron, Wechsel Kupferzoll und Talernutz nur 10.000 – 11.000 fl. gegenüberstanden. Das Bestreben der Kammer ging von nun an dahin, die unberechenbare Quote aus dem Verbauen los zu werden. Den Gewerken bewilligten sie den Nachlass des gesamten Wechsels und Kupferzolls und Silberbezahlung zu 2/3 zu 68 Kreuzer.

Dadurch ließen sich die Gewerke, die schon zu den einschneidensten Betriebseinschränkungen entschlossen waren, noch davon abbringen, die Belegschaft wurde um 245 Mann vermindert. Schon 1600 arbeiteten nur noch 1170 Mann am Röhrerbühel, die Talerbezahlung zum alten Kurs wurde bald wieder eingeschränkt, die Hilfsgelder blieb die Kammer jahrelang schuldig, so warf ein Gewerke nach dem anderen die Flinte ins Korn und als die Fugger 1610 den Fuggerbau, 1618 den im Edertal aufließen, hatten sie im Kitzbüheler Bezirk ihre Rolle im wesentlichen ausgespielt.

Zur Orientierung bringe ich noch nachstehend vom Jahre 1585 eine Aufstellung über den Fuggerschen Berghandel und


7.  des Hüttenwerkes Lützelfelden

die zufällig vollständig vorliegt.

Quelle: Albert Nöh, Der Silber- und Kupferbergbau Röhrerbühel bei Kitzbühel in Tirol, Schwaz 1949.
© Digitale Version Dez. 2009 Ing. Gerd Kohler / Oberndorf in Tirol