SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Bergbau und Hüttenwesen

   
 

Der Silber- und Kupferbergbau Röhrerbühel bei Kitzbühel in Tirol

2. Örtliche Lage und geologische Verhältnisse.

Ruprecht schreibt darüber: "Der heute verfallene Silberbergbau Röhrerbühel ist heute noch wegen seines ungeheuren, für das 16.Jahrhundert geradezu märchenhaften Erzreichtums und der deshalb so tief gewordenen Schächte berühmt. Die Leistungen der damaligen Techniker und Bergleute müssen noch heute unsere Bewunderung erregen. Der Röhrerbühel ist eine der wenigen alpinen Lagerstätten, die ganz im Tal liegen und daher ausschließlich auf Schachtbau, schon bei den ersten Schurfarbeiten sich einrichten mussten. Der Bergbau liegt etwa 2 km westlich der Haltestelle Wiesenschwang — Oberndorf an der Bahnlinie Innsbruck - Salzburg, 7 km nördlich Kitzbühel und ca. 5 km SW von St. Johann."

Auch Posepny schildert: "Mitten im hohen Schiefergebirge tritt zwischen den beiden großen Quertälern des Bezirkes, zwischen dem Sperten- und dem Kitzbühelertal ein niederes Hügelland auf, welches den bezeichnenden Namen Bühlach führt. Diese merkwürdige Terrainform bildet einen 2 km breiten und 7 km langen Streifen, der im Osten und Westen von den genannten Quertälern, im Süden von dem Sattel, an welchem der Schwarzsee gelegen ist, im Norden von der am Fuß der Kalkalpen sich fortziehenden Depression begrenzt wird. Sie besteht aus einem durch zahlreiche kleine Gräben durchfurchtem Terrain, aus welchem sich eine große Anzahl runder Kuppen oder Bücheln erhebt, welche nur bis etwa 100 m über die Sohle der beiden Quertäler reichen. Das Bühlach besteht vorwiegend aus Schutt, und nur an wenigen tieferen Einrissen kommt das feste Gestein, der Tonschiefer zum Vorschein. Die mitunter großen Granitblöcke, die hier zerstreut herumliegen lassen auf Eiszeitbildung schließen.

In diesem merkwürdigen Terrain ist der einstige berühmte Bergbau am Röhrerbühel situiert und seine Lagerstätten durchschnitten in der Richtung von Ost nach West das Gebiet.

Dichter Wald bedeckte die Oberfläche, bloß um die am ganzen Bühlach verstreuten Bauernhöfe herum liegen einige Wiesen und Äcker. Ein Laie ahnt kaum, dass hier noch vor 150 - 200 Jahren ein großartiger Bergbau bestand, der an Tiefe in der ganzen Welt nicht seinesgleichen hatte, so sind die Spuren dieser Tätigkeit bereits verwischt.

Einem Eingeweihten hingegen werden die zahlreichen großen Haldenplätze und Pingen, welche sich von einem der bereits erwähnten Quertäler zum anderen erstrecken, nicht entgehen. Eigentliche Haldenhügel in ihrer charakteristischen Form sind allerdings vorzüglich nur am Ostrande nächst Oberndorf zu bemerken. Offenbar mussten aber in diesem flachen Terrain die Schächte aufgesattelt worden sein um Sturzraum für die Halden zu gewinnen, allein von diesen ursprünglich gewiss hohen Haldenhügeln ist gegenwärtig nur wenig zu sehen, da die 2 Jahrhunderte hindurch betriebenen Haldenkuttungen das Material über weite Flächen zerstreuten. Diese Kuttungen wurden planmäßig betrieben, bis sämtliche Halden durchgewaschen waren, zu diesem Ende wurde die Wasserleitung, welche vom Schwarzsee ausgehend aber das Bühlach laufend, ursprünglich zum Betrieb der Maschinen an den Schächten bestimmt war, in einzelne Stränge abgeteilt für die Haldendurchwaschungen benützt.

Santo-Passo beschreibt die Geologie des Röhrerbühels. Das von alters her berühmte Erzvorkommen ist ein Glied aus der Kette der Vererzung einer der markantesten tektonischen Linie der Alpen, der Inn - Salzach - Ennstal - Linie, welche die Grenze der sedimentären Gesteine im Norden gegen den kristallinen Kern der Zentralalpen kennzeichnet.

Diese Grenze wird gebildet von silurischen kontakt-metamorphen Tonschieferschollen mit Diabas-Porphyriten, welche infolge des von Süden erfolgten Schubes und Druckes über die jüngeren Gesteinsschichten geschoben wurden.

So entstanden eine ostwestliche Aufblätterung der Schichten und die durch die seitliche Einpressung bedingten Kluft Systeme in der Gegenstunde des Hauptstreichens.

Die Vererzung ist natürlich an diese Lockerungszone gebunden, sie ist abhängig von der physikalisch-chemischen Beschaffenheit des Gesteins und von dem Grad der mechanischen Zertrümmerung desselben, also vom Verhalten der Gesteinsmassen gegen Bruch.

Besonders wichtig sind die Verschneidungen und Scharungen der Längs-OstWest mit den Quer—NordSüd-Brüchen, welche im kleinen zur Erzanreicherung, Bildung von Erzschläuchen und Adelszonen, im großen aber zu Beckeneinbrüchen geführt haben, deren Formbestandteile nur schwer eine Gesetzmäßigkeit erkennen lassen.

Um diese Grundlagen für eine zuverlässige Beurteilung zu gewinnen, darf man sich nicht mit einer Einreihung eines Erzvorkommens, so auch des Röhrerbühels in eine der gut bekannten  und gut aufgeschlossenen Lagerstättentypen begnügen, wenn auch die ostalpinen Erzvorkommen auf der großen tektonischen Aufbaulinien so eng durch Übergänge verknüpft sind, dass an ihrer genetischen Einheit nicht, gezweifelt werden kann.

Ist die Bildung von Erzlösungen aus einem Magma nur eine Phase in der kontinuierlichen Bildung einer Reihe von Gesetzmäßigkeiten bei der Abkühlung von Restmagmen, so ist die Vielspältigkeit der Erscheinungen in welchen die Erzführungen auftreten wie überall in der Natur so auch auf diesem Gebiet eine derart mannigfaltige, dass nur sehr schwer eine Übersicht gewonnen wird und nur so leicht der Versuch einer Deutung zu Fehlschlüssen führt.

Mit der ganz allgemein ergründeten Gesetzmäßigkeit der infolge eines Systems von Kreuz- und Querklüften wie die Maschen eines Netzes in den Lagerstätten angeordneten Erzführungen ist den praktischen Bedürfnissen des Bergbaues allein nicht Genüge getan. Für das Aufsuchen des abbauwürdigen Erzes selbst gilt nach wie vor, in erster Linie der Grundsatz, innerhalb der eigentlichen Lagerstätte jede Kluft auf Erzführung hin zu verfolgen. Probieren geht leider auch hier über studieren.

Quelle: Albert Nöh, Der Silber- und Kupferbergbau Röhrerbühel bei Kitzbühel in Tirol, Schwaz 1949.
© Digitale Version Dez. 2009 Ing. Gerd Kohler / Oberndorf in Tirol