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Zwei alle Grubenkompasse, aus dem Museum in Hallstatt N. 15
Von Dr. Friedrich Morton

In der Bergbauabteilung des Hallstätter Museums befinden sich zwei alte Grubenkompasse, die in mehrfacher Hinsicht sehr bemerkenswert sind.

Der eine der beiden ist 1,5 Zentimeter hoch und misst in der Fläche 8,6 x 12,7 Zentimeter. Das Gehäuse besteht aus verziertem Holze, die Platte und Einfassung der Windrose sind aus Bein. Zwei ornamentierte Beinplättchen sind ferner den beiden Schmalseiten aufgesetzt. (Abb. 1 links.)

Grubenkompass - Abbildung 1

Grubenkompass - Abbildung 1

Der zweite Kompass ist 1,3 Zentimeter hoch und misst in der Fläche 7,9 x 12,4 Zentimeter. Das Gehäuse ist auf der Oberseite und den vier Schmalseiten mit Beinplatten besetzt, ebenso ist auch die Windrose und deren Einfassung aus Bein. Die Platten der Oberseite sind kunstvoll ornamentiert, die gravierten Stellen sind schwarz gefärbt. (Abb. 1 rechts und Abb. 2.) Die zwei verzierten Beinplatten der Oberseite sind von fünf verschiedenfarbigen Holzleisten eingefasst, auf die schließlich das Weiß der seitlichen Beintäfelchen folgt. An der einen Längsseite befindet sich ein eingravierter Maßstab, der in seiner Gesamtlänge von 12 Zentimeter dem zehnten Teil des Kammergut-Bergstabls entspricht. Er ist in 60 Teile eingeteilt, von denen jeder zwei Millimeter umfasst. (Abb. 2.)

Beide Kompasse sind „Hängezeug". Sie wurden, wie Abb. 2 zeigt, mittels zweier Beinhacken, die aufgeklappt werden konnten, im Bergwerk auf eine Schnur gehängt.

Grubenkompass - Abbildung 2

Grubenkompass - Abbildung 2

In einer alten, offenbar aus der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts stammenden handschriftlichen Anleitung „Die Schünn Kunst Fundamentaliter zu erlehrnen" wird unter den „Puncta zur Schünn Kunst nothwendig zu wüssen", u. a. angeführt: „Will man alsdann schünen in dem Berg auf einen Durchschlag, so fangt mann bey einem gelegensamben Wechsl an...... die Schnüre aufgezogen gegen... (das aber die Schnüre an kheine Wandl anliget) ...., den Compaß in Mittl der Schnüre angehenkhet . . ."

In dieser (gebundenen) Handschrift, die den Haupttitel „Beschreibung der Geometerischcn Kunst und Instroment" trägt, sind mit außerordentlicher Genauigkeit u. a. auch drei Hängekompasse in Tuschzeichnung dargestellt, von denen zwei unseren Kompassen sehr ähnlich sehen und an der einen Längsseite einen Maßstab tragen, der dem oben erwähnten Kammergut-Bergstabl entsprechen dürfte.

Ein Vergleich des in Abbildung 2 dargestellten Kompasses mit dem Kompasse, den Ferdinand von Andrian in seinem Werk „Die Altausseer" (A. Holder, Wien, 1905) als Abbildung 57 wiedergibt, zeigt weitgehende Übereinstimmung.

Nach v. Andrian (Seite 56 — 57) stammten Kompasse dieser Art (wie Abbildung 57) aus der Meisterwerkstätte des Berggeschworenen Matthias Grill, der in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts lebte und neben ornamentierten Kompassen mit Beingehäusen auch „Bergstabln", mit Bein eingelegt, verfertigte. Der Ausseer Kompass (Abb. 57, stammt aus dem Jahre 1755. Die beiden Hallstätter Kompasse sind leider ohne Jahreszahl, doch kann auf Grund der gleichen Technik zumindest für den Kompass Abb. 2 (= Abb. 1 rechts) angenommen werden, dass er aus der Hand Grills oder eines seiner Zeitgenossen stammt.

Beide Stücke legen Zeugnis ab von dem Kunstsinne und der Kunstfreude dieser Zeit, in der die Handwerker eine Ehre darein setzten, auch Künstler zu sein.

Quelle: Friedrich Morton, Zwei alle Grubenkompasse, aus dem Museum in Hallstatt N. 15, in: Heimatgaue, Zeitschrift für oberösterreichische Geschichte, Landes- und Volkskunde, 9. Jahrgang 1928, S. 84 - 85.
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