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Die Verzollung der Früchtetransporte durch Schneeberger Samer
G. Mutschlechner
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Die beiden Bergwerksverweser in Sterzing, Johann Paul Steigenberger und Joseph Leitner, teilten 1685 der Hofkammer mit, dass alle Samer der Erzfuhr-Austeilung am Schneeberg sich über den Zolleinlanger am Lurx *) beklagten, der sie beim Durchführen bestimmter Früchte wider altes Herkommen beschwere. Sie baten deshalb, sie bei ihren alten Rechten zu handhaben. Das schrieb die Hofkammer am 19. Juli 1685 dem Einnehmer Wilhelm Orth am Lurx und verlangte von ihm einen Bericht.

Der Zöllner verteidigte sich in einem Schreiben vom 19. August mit dem Hinweis, dass er von den Samern nichts anderes einfordere, als der ihm zugestellte Zolltarif besage, worin klar zu ersehen ist, daß die Kosten **) und andere Früchte zu verzollen sind. Die Samer haben nur ihren eigenen Wein zollfrei, und zwar nur, wenn sie mit so vielen Saumpferden kommen, wie sie zu den Bergwerksfuhren am Schneeberg verwenden. Wenn sie hingegen für ihren eigenen Wein ein Saumpferd mehr haben, sind sie verpflichtet, den Wein zu verzollen. Das wurde von der Hofkammer am 22. August dem Bergrichter in Sterzing mitgeteilt, der den Befehl erhielt, die Samer zu bescheiden oder wenn es anders und dagegen etwas vorzubringen ist, das der Hofkammer zu berichten.

Inzwischen hatten sich aber die Schneeberger Erz- und Holzsamer, wie die Hofkammer dem Zöllner in Lurx am 29. August schrieb, neuerlich beklagt. Nun wurde dem Zöllner befohlen, die von den Samern durchgeführten gemeinen (gewöhnlichen) Früchte, worunter besonders die Kosten zu verstehen sind, falls nicht spezielle Befehle ausdrücklich zur Einhebung vorliegen, nicht mehr zu verzollen. In diesem Fall sollte es bei dem bisher geübten Brauch bleiben.

Quelle: Tiroler Landesarchiv, Kopialbuch
Gemeine Missiven 1685 II, fol. 171', 409' f und 465

*) Ehemalige Zollstätte an der Brennerstraße zwischen Gossensaß und Sterzing, jetzt Gasthaus.
**) Kastanien.

Quelle: Georg Mutschlechner, Die Verzollung der Früchtetransporte durch Schneeberger Samer, in: Der Schlern, Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde, 68. Jahrgang, 5. Heft, Mai 1994, S. 306 - 307.
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