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Historischer Abriss zum Braunkohlenbergbau St. Johann in Tirol
Nach ungedruckten Quellen zusammengestellt von Dr. Herwig Pirkl.

Das Braunkohlenvorkommen von Apfeldorf bei St. Johann i. T.

Übersichtskarte: Das Braunkohlenvorkommen von Apfeldorf bei St. Johann i. T.; dicke, schwarze Linie = Flözausbißlinie nach Plänen von 1841 und 1925 konstruiert; A = Apfeldorfer Runse A (1841: Bründlötzgraben); B = Apfeldorfer Runse B (früher Foidlgraben, 1841: Windegger Talgraben). Außerhalb der Detailaufnahme B sind heute keine Flözausbisse mehr zu finden.
Kartengrundlage: Katastralmappe. - Gezeichnet von Dr. H. Pirkl, 1988.

Bereits 1803 hatte der Kitzbüheler k.k. Oberhutmann Franz Haller bei der Suche nach neuen Lagerstätten einen Kohlenausbiß westlich vom Nasenbauern (heute Schöne Aussicht) entdeckt. Damals kam es zu keiner Beschürfung.

Im Juni 1841 brachte Haller, jetzt k.k. Schichtmeister, bei dem damals herrschenden Kohlenmangel „auf amtliche Erinnerung" Kohlenstücke von St. Johann zur Berggerichts-Substitution Kitzbühel. Nach einer Geländebegehung wurde dem k.k. Montan-Ärar für zwei Monate ein Mutschein (Schurfbewilligung) ausgestellt. In der Folgezeit wurde das höffige Gelände vermessen und 36 Bohrlöcher niedergebracht. Die Bohrungen waren teils fündig, teils nicht. Die Lagerstätte wurde als „Braunkohle mit bituminösem Holz" bezeichnet. Aus dieser Zeit stammt ein großer Plan mit geologischen Profilen. Die Mutung des Montan-Ärars wurde immer wieder verlängert, sicher bis in das Jahr 1845 hinein.

1924 hatte die "Bayerische Schurfgesellschaft m.b.H." in München das Kohlenflöz im "Foidlwiesel" (Bereich B in der Übersichtskarte) mit drei kurzen Stollen beschürft. Mit 10. Juli 1925 wurde der Schurfbetrieb mit dem "Max-Grubenfeld" unter der Bezeichnung "Braunkohlenbergbau St. Johann i. T." freigefahren. Bereits mit 18. August 1925 (genehmigt 1926) verkaufte die Bayerische Schurfgesellschaft ihren zuvor verliehenen Bergbau dem Sebastian Obermoser, Petererbauer zu Reitham, um 8.000 Schilling. Es kam zu keinem Abbau. Noch im selben Jahr wurde der Bergbau gefristet. (gefristet = der Bergbau ist vorläufig eingestellt.) Die Fristung wurde immer wieder verlängert, zuletzt bis Ende 1945. Anfang Juli 1945 - also kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges - kam es zur Wiederaufnahme des Bergbaues, eine Wohnbaracke wurde aufgestellt und 4 oberschlesische Bergarbeiter angestellt.

In der ersten Betriebsperiode 1945/46 wurde das kleine, schon 1924 erschlossene Vorkommen beim Foidlgraben oberhalb Apfeldorf abgebaut. Die Bergbauunternehmer waren A. Kosta (Inhaber der Firma Radebeule), Max Werner (Kaufmann in Kitzbühel) und Ferdinand Pierer (Wien). Vom Frühjahr bis November 1946 ruhte der Bergbau.

In der zweiten Betriebsperiode 1946/47 wurde im Rueppenwald (näher St. Johann gelegen) ein weiteres kleines Kohlenvorkommen durch kurze Stollen beschürft und dann abgebaut. Damals betrieb die Firma Radebeule den Bergbau allein.

Im Frühjahr 1947 bestand die Grubenbelegschaft aus einem Aufseher und 22 Mann. Noch immer wurde die schlechte Versorgung der Arbeiter mit Schutzkleidung und gutem Schuhwerk beklagt. Manche, die hier gearbeitet hatten, waren aus politischen Gründen zwangsverpflichtet.

Bei der bergamtlichen Nachschau vom 19. November 1947 wurde vermerkt: Der Abbau ist beendet, beim Bergbau lagern noch 150 Tonnen Kohle, die zunächst im Bezirk Kitzbühel abgesetzt werden sollen. Zur Beheizung der Gastwirtschaften und Schulen brauchte man außer der Importkohle noch dringend heimische Kohle. Die Schürfarbeiten in Richtung West sind ergebnislos verlaufen. Nach Osten konnte zwar ein Kohlenflöz nachgewiesen werden, man hätte aber unter gutem landwirtschaftlichen Boden abbauen müssen. Der Grundbesitzer und die Gemeinde sprachen sich gegen einen Abbau aus. Der Bergbau stand nun in Fristung. 1950 starb der Besitzer Sebastian Obermoser. Die Witwe Aloisia Obermoser und ihre 7 minderjährigen Kinder erbten den Bergbau. 1954 wurde der Kohlenbergbau St. Johann i. T. im Bergbuche gelöscht.

Die Produktion war gering, der Betrieb ist eigentlich nie recht über einen Schurfbau hinausgekommen, lediglich in der wirtschaftlichen Not der Nachkriegsjahre war es notwendig, auf eine derart arme Lagerstätte zurückzugreifen.

Quellenangabe:
Berghauptmannschaft Innsbruck: Schürf- Muthung- et Belehnungs Buch der k.k. Berggerichts Substitution Kitzbühel, 1873 - 1844; Pläne von 1841 und 1925; Mappe A 24 Braunkohlenbergbau St. Johann i. T.; Besitzstandbuch Bd. II. - Tiroler Landesarchiv Innsbruck: Karten St. Johann.

Quelle: Herwig Pirkl, Historischer Abriss zum Braunkohlenbergbau St. Johann in Tirol, in: "St. Johann in Tirol, Natur und Mensch in Geschichte und Gegenwart.", Band 1. Geleitet von Franz-Heinz Hye, herausgegeben von der Marktgemeinde St. Johann in Tirol. Copyright 1990 by Marktgemeinde St. Johann in Tirol.
© Digitale Version Dez. 2009 Ing. Gerd Kohler / Oberndorf in Tirol