SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Bergbau und Hüttenwesen

   
 

Die Blaue Grotte in Hochimst
© Edgar Mersdorf

Blaue Grotte, Hoch Imst, Karte nach Sidiropoulos 1980

"Blaue Grotte", Hoch Imst 1030 m
Karte nach Sidiropoulos 1980
Zuordnung der Fotos von Edgar Mersdorf 2007

 

Kurzbeschreibung:

Um 1430 setzte in Tirol ein grosser Bergbau-Boom ein. Ausgehend von den Aufsehen erregenden Funden in Schwaz begann man überall im Land nach Erzen zu suchen. So auch im Raum Imst. Hier gab es Bleiglanz, ein für die Trennung des Silbers vom Kupfer der Unterländer Fahlerze wichtiges und gesuchtes Erz („Frischerz“).

Unsere „Blaue Grotte“ ist so ein kleines, altes Bergwerk, vermutlich spätmittelalterlich (15. oder 16.Jhd.). Vergleichbare Einbauten sind am Tschirgant ab 1450 dokumentiert, der Höhepunkt des Bergbaus im Raum Imst war um 1500 (Bau der Pfarrkirche ab 1490 durch die Knappschaft des Berggerichtes Imst). Die Vortriebsarbeit erfolgte, wie damals üblich, ausschliesslich durch Feuersetzung, und/oder durch mühsamste Schrämmarbeit mittels Schlägel und Eisen. Darauf deutet die Tatsache, dass in dem gesamten Bau kein einziges Bohrloch gefunden werden kann, es wurde hier also niemals gesprengt („geschossen“). Das bedeutet: der Bau muss vor 1635 (= erstmalige Sprengversuche im Imster Berggericht) beendet worden sein.

Geschichtliches ist derzeit nichts bekannt. Wir kennen nicht die Prospektoren, die in derart unwegsamem Gelände diese Lagerstätte entdeckt haben, wir wissen nichts über die Betreiber der Grube und nichts über die Knappen, die hier gearbeitet haben.

Wir können aus den gegebenen Länge des Schrämmstollens (vom Mundloch 09 bis zum Ende 21 sind es ca. 30m) auf eine Mindestbetriebsdauer schliessen. Vortriebsgeschwindigkeit in diesem harten Gestein (Dolomit) betrug etwa 7 – 8mm pro Tag (!). Daraus ergibt sich eine Bauzeit (nur für den Stollen) von 12 – 14 Jahren (wegen Sonn- und Feiertagen auf 300 Tage pro Jahr gerechnet). Man muss aber natürlich noch etliche Jahre für den Abbau in den Räumen zwischen 09 und 11, bzw. die Vortriebe von 10 nach 26 und den Abbau dazwischen einkalkulieren.

Auch der ursprüngliche Name der Grube ist nicht überliefert. Die Bezeichnung „Blaue Grotte“ stammt von den schönen, blauen Eisgebilden in der oberen Höhle, die sich bei längeren Frostperioden aus dem zufliessenden Wasser bilden.

Abgebaut wurde Bleiglanz (Galenit = PbS) und Zinkblende (Sphalerit = ZnS).

Die eroberte Menge an Erz kann nicht besonders groß gewesen sein, betrachtet man die verhaute Kubatur, der Schrämmstollen führt überhaupt durch taubes Gestein.

Begleitminerale sind Pyrit (FeS), Flussspat (CaF), Quarz (SiO2), Calcit (CaCO3). Sekundärminerale: Cerussit, Smithonit, Hydrozinkit. Limonit.

 

Lage:
            Rechtswert (BMN): 179.690
            Hochwert (BMN):    233.410

Bevor der Weg von Hochimst (Parkplatz) nach Gungelgrün/Sonnberg auf die Brücke über den Malchbach führt, links durch den Wald Richtung Bach, dann über ein kleines, steiles Felsstück etwa 5m nach unten auf eine kleine Geländeverflachung.(Bild1). Dahinter ist der obere Zugang (Bild 5).

Am Weg zur "Blauen Grotte" in Hoch Imst © Edgar Mersdorf

Bild 1: Am Weg zur "Blauen Grotte" in Hoch Imst
© Edgar Mersdorf

 

Am Weg zur "Blauen Grotte" in Hoch Imst © Edgar Mersdorf

Bild 5: Am Weg zur "Blauen Grotte" in Hoch Imst, der obere Zugang
© Edgar Mersdorf

Exkurs:
Teilnehmer: Hassan Neinavaie und E. Heinz Mersdorf, beide vom Institut für Mineralogie der Universität Innsbruck. September 1978

"obere Höhle" der "Blauen Grotte" in Hoch Imst © Edgar Mersdorf

Bild 2: "obere Höhle" der "Blauen Grotte" in Hoch Imst
© Edgar Mersdorf


"obere Höhle" der "Blauen Grotte" in Hoch Imst © Edgar Mersdorf

Bild 3: "obere Höhle" der "Blauen Grotte" in Hoch Imst
© Edgar Mersdorf

 

 

Bild 4: "obere Höhle" der "Blauen Grotte" in Hoch Imst mit Tageslicht
© Edgar Mersdorf


Die „obere Höhle“ hat einen Durchbruch nach oben, von wo ständig Wasser rinnt, welches im Boden versickert. (Bilder 2,3) aber auch das Tageslicht hereinlässt (Bild 4). Eventuell diente diese Öffnung auch dem Abzug der Rauchschwaden, sollte dort (wie vermutet) mit Hilfe der „Feuersetzung“ gearbeitet worden sein. Vom oberen Teil führt ein niedriger, breiter Aufbruch nach unten zum unteren Teil.

 

Bau am Beginn der "Blauen Grotte" in Hoch Imst mit Wasserfall © Edgar Mersdorf

Bild 6: Bau am Beginn der "Blauen Grotte" in Hoch Imst mit Wasserfall
© Edgar Mersdorf

 

Wasserfall bei der "Blauen Grotte" in Hoch Imst © Edgar Mersdorf

Bild 8: Wasserfall bei der "Blauen Grotte" in Hoch Imst
© Edgar Mersdorf

Der Bau ist direkt am Beginn der Schlucht angesetzt, zwei Wasserfälle befinden sich direkt davor (Bilder 06, 08).

 

geschrämtes Mundloch bei der "Blauen Grotte" in Hoch Imst © Hassan Neinavaie

Bild 7: geschrämtes Mundloch bei der "Blauen Grotte" in Hoch Imst
© Hassan Neinavaie

 

Bild 9: geschrämtes Mundloch bei der "Blauen Grotte" in Hoch Imst, Ausblick von Innen
© Edgar Mersdorf

Ein geschrämtes Mundloch ist etwas unterhalb (Bild 07, Ansicht von innen Bild 09). Der daran folgende kurze Lauf ist zweigeteilt und mündet in einen grösseren Abbau (zwischen 07 und 11, bzw.26).

Rinne zur Wasserableitung bei der "Blauen Grotte" in Hoch Imst © Edgar Mersdorf

Bild 10: gegrabene Rinne zur Wasserableitung bei der "Blauen Grotte" in Hoch Imst
© Edgar Mersdorf


Von oben rinnt andauernd Wasser in den Bau. Um dieses abzuleiten, wurde eine Rinne gegraben, die durch eine kleine Öffnung ins Freie führt (Bild 10).

Diese Rinne ist durch Sand und Schotter verlegt, sodass tiefere Teile der Anlage ersoffen sind (Bilder 25, 26). Auch der von Haus aus niedrige Zugang zum Schrämmstollen steht im Wasser (Bild 11). Dahinter eröffnet sich der in Handarbeit präzise geschlagene Stollen in den bekannt engen Dimensionen von 140 cm Höhe und 40 cm Breite (Bild 12). An der Firste ist die Bildung kleiner Tropfsteine zu erkennen (Bild 13), wie überhaupt der ganze Lauf starke Sinterbildungen aufweist (z.B Bild 19,20,23). Nach etwa 5m gibt es einen Kreuzungspunkt. In gerader Fortsetzung geht es ca. 1.5 m weiter und endet dann an einer mit Kalksinter überzogenen Stollenbrust, an der man noch gut die Spuren der verwendeten Werkzeuge (Schlägel und Eisen) beobachten kann (Bild 24). Nach links (W) ist ein rasch wieder verlassener (1 m) Seitenschlag zu sehen (Bild 22, 23).

Man erkennt die Verhautechnik: Zuerst die obere Hälfte (teilweise liegend!) etwa 1m in das Gestein, danach der untere Teil. So konnten sich zwei Arbeiter gleichzeitig vorarbeiten, was den Vortrieb beschleunigte.

Von hier geht es nach rechts (NO) noch 12 m weiter (Bild 14, 15). Auch hier das gleiche Bild: es ist dunkel, eng und feucht. Überall starke Sinterbildungen, der Bau wächst langsam, ganz langsam wieder zu (Bild 16,17,18,19, 20,21), und man staunt über den enormen Aufwand, der hier getrieben wurde, um eine geringe Menge Erz zu gewinnen.
An der gegenüberliegenden Bachseite wurde eine Fortsetzung der Lagerstätte gesucht (Bild 27,28), aber nach etwa 2m wieder aufgegeben.

Flussabwärts (Bild 29) gibt es weitere Bergbauspuren: einen kurzen (3m) Verhau (Bild 30), wo noch ein eiserner Ring (für eine Lampe?) (Bild 31) im Felsen steckt, sowie Schürfversuche auf der anderen Bachseite (Bild 32,33).

[in Arbeit - Dezember 2007]


Quelle: Edgar Mersdorf, Die 'Blaue Grotte' in Hochimst. Freundlicherweise exklusiv für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
© Edgar Mersdorf 2007