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Bergreviere Rattenberg und Häring
von Robert R. v. Srbik

Die drei Gerichtsbezirke Kitzbühel, Rattenberg und Kufstein waren bis 1504 bayrisch und wurden erst unter Maximilian I. mit Tirol vereinigt. Der geschichtlich nachweisbare Bergbau begann in Kitzbühel und Rattenberg 1416, in Schwaz angeblich 1421. Die ersten Bergordnungen sind daher bayrisch, jedoch jener in Schladming nachgebildet, die nach dem Namen des dortigen Bergrichters die „Eckelzamsche“ Bergordnung hieß. Der Ertrag war damals jedenfalls sehr gut, denn nicht umsonst hatten die bayrischen Herzoge Heinrich und Ludwig den Beinamen „der Reiche“.

Wenige Jahre (1525) nach Maximilians I. Tod (1519) wurden die Rattenberger Baue vom Kaiser wegen Geldschwierigkeiten für eine Schuldsumme von 415.000 Gulden an die Fugger verpfändet; aber schon 1526, nach der den Bestand der Monarchie sichernden Schlacht von Mohacs, kamen sie wieder an den Kaiser.

In der Folgezeit spielen sich im Rattenberger Revier ungefähr die gleichen Vorgänge ab wie in Kitzbühel und Schwaz: Die Unzufriedenheit der Knappen mit der von den Fuggern wider den alten Brauch eingeführten mehrfachen Scheidung statt der drei Erzsorten „Kern, Klein und Untereinander“, die geringe Bezahlung von 20 bis 50, ausnahmsweise bis 72 Gulden jährlich, die bekannte Preistreiberei mit dem Pfennwert (Proviant) und ähnliche Übergriffe verursachten 1558 eine „Rottierung“ der Knappen. Das Ende war, wie damals gewöhnlich, das Gefängnis.

Von den Zechen war die mit einer Wasserkunst versehene Grube Geier am bedeutendsten. Wegen des dortigen Holzmangels musste aber den Gewerken mehrjährige Fronfreiheit zugestanden werden. Auch Streitigkeiten mit dem Erzstift Salzburg kamen hier ähnlich wie im Zillertal vor. 1579 werden im Rattenberger Revier zum ersten Mal wieder die Fugger als Gewerken genannt. Sie besaßen ein eigenes Hüttenwerk zu Achenrain, für das sie das Holzbezugsrecht aus der Umgebung der Raintalerseen hatten.

Der Betrieb von Rattenberg war recht ansehnlich. 1589 arbeiteten hier in 16 Gruben 1000 Knappen. Aber wie in den Nachbarrevieren gingen vor allem die Fugger und ihre Beamten auch hier bald wieder ebenso anmaßend wie rücksichtslos, nur auf Gewinn bedacht, gegen die Knappen und die landesfürstlichen Beamten vor. Zudem machten namentlich am Geier die Wasserhebungsarbeiten große Schwierigkeiten, denen die Fugger nicht beikommen konnten. Sie weigerten sich daher, dort den Betrieb fortzusetzen. Die Regierung übernahm ihn trotz der geringen „Höflichkeit“ (Ertrag) und der hohen „Samkosten“ (Transportkosten), um den Knappen wenigstens den notdürftigsten Unterhalt zu geben. 1657 gaben die Fugger wie in Schwaz auch in Rattenberg ihren letzten, für sie nicht mehr lohnenden Betrieb auf, der nun an die Regierung überging. Im Zusammenhalt mit den traurigen Zuständen im Schwazer Revier hatte sie mithin damals einen schweren Stand, der sich erst mit dem Regierungsantritt Leopolds I. besserte.



Bergrevier Häring


1 Häring: Eozäne Braunkohle. Teils Pechkohle mit muscheligem Bruch, teils glänzend schwarze Schieferkohle mit braunem Strich. Asche 3 - 15%, Schwefel 1,8 – 46 %; 250 - 280 kg haben den gleichen Brennwert wie 1 m3 weiches Holz. — Sehr alte Stollen. Brennendes Kohlenflöz seit 1535 bekannt. Zum Reifen des Gemüses für den Innsbrucker Hof benutzt. Bergbaubeginn ? Seit zirka 1735 regelmäßiger Betrieb. Seit 1766 eine Gewerkschaft. 1781 vom Staat erworben.

2 Angerberg: Eozäne Braunkohle. Wenig ergiebig. Mehrere Schürfe.

3 Kaiserberg (St. Nikolaus): Wie 2.

4 Kössen: Wie 2.

5 Tierseetal: Eisenbergbau zirka 1600, näheres unbekannt.

6 Kienbergklamm: Alter Schacht 190m tief im Kalkgebirge, 50m über der Talsohle, wahrscheinlich auf Schwefelkies und Braunkohle. Ausfüllungsmasse Ton mit Gipskristallen. — Am Duxer Köpfl Bergbauversuche. — Dem Bergbau bei Kufstein wurden 1453 Freiheiten wie Schwaz zugesichert. Lieferung von „Mangeneß“ (brauner eisenschüssiger Stein) für die Glashütte Hall (1583 — 1604) jährlich bis 15 Zentner. 1522 Hüttenwerk der Fugger, seit 1857 Erzeugung von Portlandzement. — Perlmoser Zementwerk bei Kirchbichl 1852 errichtet, 1836 Zement in den Häringer Schichten entdeckt. Siehe auch Beilage 5. [Bergreviere Schwaz-Brixlegg und Rattenberg].

Quelle: Robert R. v. Srbik, Überblick des Bergbaues von Tirol und Vorarlberg in Vergangenheit und Gegenwart, Innsbruck 1929, (Sonderabdruck aus den Berichten des Naturwissenschaftlich-medizinischen Vereines Innsbruck), S. 162 - 164.
Digitalisierung der Karten: Wolfgang Morscher

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