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Über alte Bergmannsbräuche in unserer Heimat.
Von Hans Wallnöfer
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Es grüne die Tanne, es wachse das Erz,
Gott schenke uns allen ein fröhliches Herz!

Wohl bei keiner anderen Tätigkeit des Menschen tritt uns in solcher Weise, wie dies beim Bergbaue der Füll ist, die Erscheinung entgegen, daß die Beschäftigung selbst einen tiefgehenden Eindruck auf jene ausübt, welche sich ihr gewidmet haben: Wir sehen den Zusammenschluß zu einem eigenen Stand, welcher eigene Sitte und Tracht trägt, eigene Gerichtsbarkeit hat. eigene Ausdrucksweise. eigene Gebräuche, Tradition und Aberglauben. Viele bergmännische Sagen bezeugen dies und mancher Brauch hat sich aus mittelalterlicher Zeit insbesondere im Erzbergbaue zu uns herüber erhalten.

Ein solcher alter Brauch war das Gebet vor dem Einfahren oder Anfahren in die Grube -das Gehen zur Arbeit.

Da in unseren Bergen noch teilweise Bergbau betrieben wird und seinerzeit das hiesige Gebiet in großer bergmännischer Blüte stand, ist es vielleicht nicht ganz unangebracht, auf ein paar solcher Einfahrtgebete aufmerksam zu machen, bevor sie gänzlich dem Gedächtnisse entschwunden sind:

Berggebet der Bergknappen am Pfundererberg bei Chiusa (Klausen):

Allmächtiger ewiger Gott, der du deine Reichthümer selbst in den Eingeweiden der Erde verborgen und die zu suchen uns dein Wille berufen hat. laß uns dir unser Herz, unsern Leib und unsere Seele schenken, bevor wir einfahren zu unserer gefährlichen Arbeit. O Gott! wir empfehlen uns diese Schicht in dein göttliches Herz, in deinen göttlichen Willen, in deine heiligen fünf Wunden. Wie wir eingeschlossen sind im Schooße der Erde, laß uns auch eingeschlossen sein in alle heiligen Seegen. in alle heiligen Ablässe, in die Verdienste frommer Herzen und in ihr Gebeth. O Gott zu deiner Anbetung und zur Ehre deines bittern Leidens und Sterbens seien dir aufgeopfert alle unsere Tritte und Schritte, alle Sorgen, aller Kummer, alles Kreuz und Leiden, alle Mühe und Arbeit. Bewahre uns vor jedem Unglück und vor jeder Gefahr. Wir bereuen aus dem innersten Grunde unseres Herzens alle unsere Sünden. Heilige Barbara bitte für uns!

Heilige Anna bitte für uns!

Unter deinen Schutz und Schirm, o heilige Jungfrau, Mutter Gottes Maria, Amen.

Am Schneeberg in Passeier betete man: Den Glauben, den englischen Gruß, drei Vaterunser, drei Gegrüßet seist du Maria und folgendem Gebet:

Himmlischer Vater! Wir opfern dir auf das kostbare Blut deines eingeborenen Sohnes Jesu Christe, wir bereuen alle unsere Sünden und durch die Fürbitte der heiligen Barbara bitten wir dich um deinen Beistand, was immer auch geschehen mag.

In Corvara in Passiria (Rabenstein) wurde bloß der Glaube, ein paar Vaterunser und der englische Gruß gebetet.

Die draußigen Bergleute hatten seinerzeit folgendes Gebet (Häring, Kitzbühel, Hall usw,):

O Gott du trägst in deinen Händen
Berge, Hügel, Tal und Kluft;
O laß’ uns nicht im Schachte enden,
Nicht Schaden nehmen in der Gruft. —
Wenn das Erz gleich bricht und fällt
Und die Wände gehen ein,
So laß' uns wieder hergestellt
Mit deiner Wohltat Gnadenschein. —
Reiß' nicht plötzlich ab das Leben,
Sondern zeige uns dein Heil
Und schenke uns daneben
Den schönsten Himmelsteil.
Amen.

Die Gebete wurden vom diensthabenden Grubenaufseher im Bergkittel und Leder vorgesprochen und von der gesamten Belegschaft nachgebetet. Der Ort des Gebetes war die Anstaltstube (Schachtstube).

Schließlich sei des Brauches erwähnt, daß die Bergleute des Pfundererberges am Gründonnerstag in die sogenannte Ölbergzeche (untertags liegender Bau im Kassianstollen, heute aus verschiedenen Gründen in den Andreasstollen verlegt) zum Rosenkranz anfuhren, und zwar „in Form einer Prozession des gesamten Personales unter Gebeth mit Grubenlichtern und Laternen bis an Ort und Stelle.“

Hans Wallnöfer

Quelle: Hans Wallnöfer, Über alte Bergmannsbräuche in unserer Heimat, in: Der Schlern, Illustrierte Monatsschrift für Heimatkunde und Volkskunde, 9. Jahrgang, 5. Heft, Mai 1928, S. 193.
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