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Die Baue des Berggerichtes Schwaz zur Zeit ihres beginnenden Verfalles (1540 - 1594)
von Max Reichsritter von Wolfstrigl-Wolfskron

Es wäre wohl im höchsten Grade irrig, wollte man zur Beurteilung der Zeit, wann ein Verfall im Bergbaubetrieb eingetreten, ohne Berücksichtigung der Gruben- und Gesteinsverhältnisse, der Erzhaltes und anderer Vorkommnisse am Berg nur die nachweisbare Silbererzeugung allein in Betracht ziehen.

Weit entscheidender ist hier die Rentabilität eines Bergbaues.

Aus diesem Grund konnte man nicht gleich nach dem Jahr 1523, wo die Silbererzeugung mit 15.675 kg ihren Höhepunkt erreicht hatte, und von da an weit darunter blieb, schon von einem Verfall des Bergbaues reden, sondern erst von einer Zeit an, wo sich der bisherige Gewinn in einen Verlust verwandelte, und dieses ist, wie das nachfolgende kleine Tabellchen zeigt, eben nach dem Jahr 1540 der Fall. Die Silbererzeugung innerhalb der Jahre 1540 - 1594 war übrigens mit einer durchschnittlichen Jahreserzeugung von 7329 kg noch immer eine ganz stattliche zu nennen.

Auszug am Falkenstein
was die Schmelzherrn und Gewerken außerhalb des Erbstolln die vier hernach benannten Jar verpaut und Überschuß gehabt, ain yedes Jar hiemit in Sunderhait antzeigt.

Auszug am Falkenstein was die Schmelzherrn und Gewerken außerhalb des Erbstolln die vier hernach benannten Jar verpaut und Überschuß gehabt, ain yedes Jar hiemit in Sunderhait antzeigt

Trotzdem kann man von dieser Zeit an, insbesondere nach dem im Jahr 1564 erfolgten Tod Kaiser Ferdinand I., einen stetigen Niedergang des Schwazer Bergbaues nachweisen. Derselbe hatte übrigens weniger in einer Erschöpfung der Erzmittel, als vielmehr in einem unheilvollen Zusammenwirken schädigender Umstände seinen Grund.

Im Beginne jener Periode machte sich am Tiefbau des Falkensteiner Erbstollens vorerst die Wassersnot in unangenehmster Weise geltend und bedrohte nahezu das Bestehen jenes wichtigen Bergbaues. Es war also im hohen Grade begreiflich, dass man hier Wandel schaffen musste, da bei fortschreitender Teufe des Tiefbaues sich diese Kosten geradezu unerschwinglich zeigten und schon dessen Existenz bedrohten 1).

1) Vergl. J. v. Sperges tyrolische Bergwerksgeschichte p. 103, 108, 115 - 118.

Als daher am Ende des Jahres 1539 dort in einer neuen Zeche wieder Wasser angefahren wurde, befürchtete die Kammer wieder ernstlich, dass die Gewerken den Bau gänzlich einstellen könnten, man versprach ihnen daher am 2. Jänner 1540, zu der schon im Jahre 1538 zugesicherten Gnade und Hilfe von 18 Kreuzern für jedes Star gefröhntes Erz, noch für jede Raitung vom Rattenberger Zoll- und Wechselamte, eine Zahlung von 100 Gulden, wenn sie mit dem Bau fortfahren und das Wasser heben würden 2).

2) e. u. b. 1540 f. 246.

Fünf Jahre später schien man wenigstens in der früher erwähnten neuen Zeche mit der alten primitiven Wasserhebung gebrochen und sich mit Handpumpensätzen beholfen zu haben, da sich die Verpflichtung der Gewerken, in derselben das Wasser nicht höher als „5 Züge“ zu heben, denn doch nicht anders auslegen lässt. Dagegen wurde denselben der „ringe Wechsel“, d. i. 30 Kreuzer für die Mark Brandsilber, zugesagt 3). Infolge dieser Zugeständnisse arbeiteten die Gewerken ruhig fort, fanden dabei neue Gänge und Klüfte und gingen 15 Klafter unter das Gestänge nieder. Um sie zu bewegen, noch einen Zug zu setzen, wurde ihnen am 12, April 1550 erlaubt, noch fernerhin auf dem ringen Wechsel zu schmelzen 4).

3) m. a. h. 1545 ff. 57, 125.
4) e. u. b. 1550 f. 320.

Trotz alledem blieb die Wasserlosung am Erbstollen noch immer eine missliche, bis sich im Jahre 1553 „ein wasserwerchmeifter von Saltzburg Anthony Lewscher (Lasser) genannt, welcher die wassergäppl bey dem perckhwerch an Rörererpühl zu Kitzpühl gemacht, angepoten hat, das Wasser aus den ertrunnckhnen zechen und schächten des perckhwerchs bey dem Erbstollen zu Swatz durch ain new werch mit wenigern cossten, wie deren man es vormalen haben hat müessen, zu heben vnd zu truckhnen“.

Bisher hatte man mit 5 Zügen nur 15 Klafter unter den Erbstollen kommen können, und ist unten „vil edler Gots gab, dazu man wasser halben nit khumen khan“, vorhanden.

Ein Akt vom 4. Oktober 1553 gewährt sowohl einen Einblick in die geradezu elende Arbeitsleistung der Schwazer Wasserheber, als auch über das neue von W. Lasser aufgestellte Wasserschöpfwerk. Während man 60 Fußpfund als die Arbeitsleistung eines kräftigen Mannes annimmt, und nach A. v. Millers Bergbaukunst II. Bd. p. 414 bei einfachen Handpumpen eine Leistung von 28 Fußpfund erzielt wird, hoben 15 Wasserheber aus einer Teufe von 15 Klaftern in 24 Stunden nur 350.000 ζ Wasser, war also die Arbeitsleistung eines solchen nur 24,4 Fußpfund. Das von W. Lasser aufgestellte neue Wasserschöpfwerk zog hingegen nach seiner Angabe in derselben Zeit aus einer Teufe von 40 Klaftern 350.000 ζ Wasser, was 35,53 Pferdekräften (à 430 Fußpfund) und einer Arbeitsleistung von 629 Wasserhebern entsprach.

Man stellte den Gewerken vor, einen Versuch mit Lasser zu wagen, allein sie wollten kostenhalber darauf nicht eingehen. Um sie dafür zu gewinnen, wurde ihnen zwar keine Geldhilfe, aber für 12, 15 - 20 Jahre der ringe Wechsel im Silber am 18. Oktober 1553 versprochen, worauf sie dann dem Werkmeister nach Salzburg schrieben, um unter Beihilfe einer kaiserlichen Kommission mit ihm das Nötige zu vereinbaren. Lasier begann noch in der 10. Raitung desselben Jahres den Bau jener Kunst und beendete ihn in einem Jahre. Nach einem Bericht des Schwazer Bergrichters und anderer Beamten vom 19. Jänner 1555 betrugen nach den Raitbüchern die Kosten hiefür ausschließlich des Geleuchtes 10.026 ζ pr.  — kr. 4 d.; da der Kaiser nachträglich versprochen hatte, ein Drittel darein zu zahlen, war sein Anteil 3342 ζ pr. — kr. 1 f. oder 668 Gulden, 24 Kreuzer, 1 Vierer 1).

1) m. a. h. 1553 f. 338 — P. A. XI. 658.

So war denn Dank der Energie der von der Kammer beordneten kaiserlichen Schwazer Bergbeamten, trotz des hartnäckigen Widerstandes der Gewerken 2) endlich eine Wasserkunst geschaffen, die wegen ihrer riesigen Dimensionen und ausgezeichneten Leistung, im sechzehnten Jahrhundert als ein wahres Weltwunder angestaunt wurde. Stefan Vinand Pighius konnte sie mit seiner Reisegesellschaft im Jahre 1574 nicht genng bewundern und hinterließ darüber in seinem Hercule prodicio eine weitläufige Beschreibung. Der berühmte Kanzler Mathias Burglechner schildert sie in seinem bekannten Tyroler Adler (Bd. III, 3. pag. 1305) folgendermaßen:

2) Die Gewerken am Erbstollen waren damals die Mannlich, Dreyling, Linngen, Hauggen, Fugger und schließlich der Herwardter, die dort mit je 190/64, 190/64, 139/64 und 56/64 beteilt waren.

„Das kunststückh ist ein oberschlechtig doppelt Wasserrad, daß jetzt auf diese, bald auf jene seiten von dem wasser durch die stangenknecht getrieben wird. An dem wellpaum sein kibel und söckh. Durch die kibel wird das ärzt sambt dem perg, und dann in den söckhen, so von zweyen der greßten oxenheiten, so man haben mag gemacht eine große menge wasser auf 125 claffter hoch erhebt und volgendts durch den perg an tag hinaus geleittet. Ainer dergleichen söckh hat 10 oder 11 Yhren, deren jede 96 Innsbrucker maß haltet (c. 1408 lt.)."

Max von Isser berichtet im 37. Bd. der Zeitschrift des Ferdinandeums unter pg. 153 (leider wieder ohne Quellenangabe), dass dieses Kehrrad einen Durchmesser von 30 Werksschuhen gehabt habe.

Das Aufschlagwasser rührte, wie aus einem Akt vom 4. Oktober 1553 zu ersehen ist, von etlichen Gruben am Falkenstein, als bei St. Andrä im Walde, St. Georgen, unser Frauen, bei St. Antoni, St. Michael im Wolfganggässel her, welche zusammengeleitet und durch den Fürstenbaustollen hinab zum Erbstollen auf das Kunstwerk geführt wurden. 3).

3) P. A. XII 711.

Dieses Wasserschöpfwerk erfüllte in befriedigendster Weise am Erbstollen durch volle 46 Jahre seine Aufgabe und wurde erst viel später, als es bei zunehmender Schachtteufe nicht mehr genügte, nach langen vergeblichen und  kostspieligen Versuchen durch eine kräftigere Pumpenkunst ersetzt.

Der Wassernot war nun wohl auf lange Zeit hinaus ein Ziel gesetzt; wir wollen jetzt andere den Bergbau schädigende Vorkommnisse ins Auge fassen.

Das schöne patriarchalische Verhältnis, das man bei manch anderen Bergorten, so z. B. in Idria zwischen Knappen und Gewerken noch heutzutage bewundert und in Lied und Bild feiert, war leider in Schwaz, wo ein erbitterter, nicht selten zum offenen Aufstand sich steigernder Kampf zwischen denselben herrschte, völlig unbekannt. Die Tage des üppigen Knappenlebens, welche uns das berühmte Ettenhardische Bergbuch in anschaulicher Weise zeigt, waren längst vorbei, und wenn in Akten dieser Zeit von der Knappschaft die Rede ist, treffen wir fast immer den Ausdruck „arme Gesellschaft“ und die dringende Bitte, mit ihr barmherzig umzugehen. Dass aber die Gewerken den Arbeitern die mühsam erhauten Erze schlecht ablösten, ist nachweisbar 1), ebenso dass sie mitunter durch völlig unberechtigte Steigerung des Pfennwertes (Proviantes) den ohnehin schon sehr kargen Verdienst noch mehr herabsetzten. Es darf daher nicht Wunder nehmen, wenn die Knappen ihrerseits durch betrügerische Manipulationen den Erzgehalt der Einlöseposten zu erhöhen suchten, so gut sie eben konnten, und bei ihrem niederen Bildungsgrad und Rechtsgefühl vermutlich darin gar nichts Übles fanden, sondern nur für eine notgedrungene Schadloshaltung ansahen. Ein sehr beliebter Kniff derselben bestand darin, das reichste Fahlerz zu zerschlagen, es dem sonst uneinlösungswürdigen Erz beizumischen und dieses dadurch auf den einlösungswürdigen Metall-Halt zu bringen. Der Schaden, den sie damit anrichteten, war ein doppelter, da sie damit einerseits eine ungebührliche höhere Zahlung erschwindelten, andrerseits aber, und was noch weit schwerer ins Gewicht fällt, zu arme Erze, welche die Hüttenkosten nicht tragen konnten, zum größten Schaden verschmelzen ließen.

1) P. A. III 261.

Die Abhilfe der Gewerken gegen diesen Betrug war übrigens eine sehr einfache; sie unterwarfen die Erze vor ihrer Einlösung einem Durchsieben (Röbben genannt), wobei das betrügerisch zugesetzte zerkleinerte reiche Erz ausgeschieden wurde und man nun beim Probieren den wirklichen Metallgehalt erhielt.

So lange man nur einerlei Scheidwerk hatte, d. h. alles Erz ohne Unterschied seiner Größe gleichmäßig eingelöst wurde, hatte der Arbeiter, abgesehen davon, dass seine betrügerische Absicht vereitelt wurde, durch das Robben keinen Schaden, da ihm das Silber im nun angereicherten Erzklein bezahlt wurde und keineswegs für ihn verloren ging. Die Regierung hatte deshalb auch gegen diese völlig berechtigte Maßregel nichts einzuwenden. Anders war es jedoch mit der von den Gewerken beabsichtigten Einführung von dreierlei Scheidewerk, wo das Erzklein nach einem viel niedrigeren Tarif eingelöst morden wäre 1). Ein Dekret an den Schwazer Bergrichter vom 18. Juni 1554 besagt darüber Folgendes:

1) e. u. b. 1254 f. 380.

„Wiemol sich die Schmöltzer und gewerckhen zu Schwatz auf den abschied, so jenen jüngstlichen in dem hinlaß geben worden, bewilligt haben, diß jar hinumb bis daz wir auf jr supplicieren von wegen der dreyer schaidwerch am Valckhenstain als stuef, kern und klain entschließen, das ärzt bey einem schaidwerch bleiben und die lechenschafften auf die alt spanzettl hinlassen wölln, so seyn wir doch bericht, wie sy unangesehen solcher jrer bewilligung jre diener und ärztkauffern disen gemesnen beuelch geben haben, daz sy von den lechenheuern die dinge also und dergestalt anners sollen. Nemblichen daz der stueff und kern in yeden ärzt auf das peßte gemacht, und was an jene selbs det, daz nit klain die 2/3 ärzt und erst 1/3 öd sein, wo aber der gang grembsig und die ärzt nit ganz prechen daz in dem klain derhalb tail ärzt sein, und bei wöllichen grueben und teillungen sy die ärzt nit dermassen gemacht finden, daz sy alsdann dauer kains annemen sondern ligen lassen.“

Der Bergrichter, heißt es in demselben Erlass, möge ernstlich Sorge tragen, diesen Unfug, der die Knappschaft höchlichst beschwerte, gleich „von stund an abbestellen“ zu lassen.

Ich brachte diese Verordnung deshalb nach ihrem Wortlaut, weil sie das einzige Schriftstück ist, aus dem man ersehen kann, wie die Gewerken das dreierlei Scheidwerk ausgeführt haben wollten. Dasselbe (Stuf, Kern und Klein) war in anderen Bergbauländern, so z. B. Salzburg, seit langen Jahren anstandslos im Gebrauch, die von den Schwazer Gewerken beabsichtigte Festsetzung eines gewissen Prozentsatzes von gutem und ödem (taubem) Erz in der Einlösungspost öffnete jedoch der Willkür Tür und Tor und musste begreiflicherweise bei der von ihr betroffenen Knappschaft den erbittertsten Widerstand finden.

Hätte die Regierung Sorge getragen, dass ihr so gut gemeinter Erlass gewissenhaft ausgeführt werde, so wäre dadurch ein unabsehbares, den Bergbau schwer schädigendes Unheil vermieden worden. Leider geschah dies aber, sowie auch in anderen Fällen 1) nicht, woran wohl die Abhängigkeit der überschuldeten Regierung von den Gewerken der Hauptgrund gewesen sein dürfte. Das dreierlei Scheidwerk, welches sowohl vor als auch nach den dadurch hervorgerufenen Knappenaufständen oftmals in energischster Weise verboten wurde, tauchte doch in kürzester Zeit wieder auf, um Ursache zu neuerlichen ernsten Aufständen zu geben und die besten Arbeiter vom Berge zu vertreiben.

1) e. u. b. 1555 f. 309.

Im Jahre 1545 wurde in Schwaz eine Verschwörung der Knappen entdeckt, die sich auch auf weitere Bergwerke erstreckt haben dürfte. Um was es sich dabei gehandelt, ist nicht zu ersehen, da die Untersuchung in besonders geheimnisvoller Weise betrieben wurde. Es muss aber eine politische, sehr ernste Sache betroffen haben, da sonst nicht der Hauptschuldige hingerichtet und vier minder Schuldige aus Tirol verbannt worden waren.

Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass man dabei schmalkaldischen Umtrieben auf die Spur gekommen, aber aus Staatsklugheit davon nichts vermerken lassen wollte. Als ein Jahr später 6000 Schwazer Knappen beim schmalkaldischen Einfall aufgeboten wurden, zeigten sie sich im Gegensatz zu ihrer früher weltbekannten Kriegstüchtigkeit derartig, dass man mit gutem Grunde annehmen konnte, dass sie dem einfallenden Feinde sympathisch gegenüber standen. Bei dieser Gelegenheit fing man auch schmalkaldische Boten an die protestantischen Schwazer Gewerken, vor Allem die Dreylings, ab, welche aufforderten, ihr Silber zu Gunsten des Feindes abzuliefern. Dass man daher dasselbe sowohl in Schwaz, als auch Kitzbühel und anderen Orten einstweilen in Beschlag legte, war weniger ein Akt zelotischer Gehässigkeit, als vielmehr eine dringende Staatsnotwendigkeit, die aber den Gewerken zu großem Schaden gereichte, da sie von nun an all ihr Silber, wenn auch zu billigem Preise, bei der Haller Münze einlösen mussten und dabei den bisherigen Münzgewinn verloren. Obwohl sich in den Kopialbüchern dieser Zeit davon Nichts ersehen lässt, behauptet Sperges, dass sich beim Einfall Moriz von Sachsen in Tirol im Jahre 1552 unter den Schwazer Knappen eine große Erregtheit gezeigt habe, die sie zu bedauerlichen Ausschreitungen gegen die landesfürstlichen Beamten verführt habe (Sperges pag. 256).

Die Gewerken befanden sich damals, wenn auch nicht ohne ihr eigenes Verschulden, in keiner guten Lage, denn sie baten im Jahr 1556 den Kaiser, eine freie Bergsynode abhalten zu dürfen, was derselbe aber am 17. Oktober 1556 rund abschlug 1). Nichtsdestoweniger kam dieselbe ein halbes Jahr später dennoch zustande; wir entnehmen einer langen Instruktion darüber, dass sie im Monat April nach den heiligen Osterfeiertagen ihren Anfang nehmen sollte „und daz alsdann vor den verordneten des sinodi alle und yede gemeins wesens nottwendigkhaiten, mengel, gepröften und beschwerden schrifftlichen und mündlichen fürgebracht und angehört werden“. Die dazu Verordneten waren von der Regierung und Kammer: Dr. jur. Mathias Alber, tirolischer Kanzler, Blasius Khuen von Belasy, Ritter, Kammerpräsident Jakob v. Brandis zu Lionburg, Georg Füeger der Ältere, Salzmayr zu Hall und kaiserlicher Rat, und schließlich der kaiserliche Diener Sigmund Schönberger. — Von Landräten aus dem Stande der Prälaten: Herr Johann Abt zu Wilten, Herr Jenewein, Propst zu Neustift. — Von der Ritterschaft und dem Adel: Herr Sigmund v. Thun, Herr Jakob v. Trapp, Pfleger zu Glurns und Mals, kaiserlicher Rat. — Von den Städten: Balthasar Wieser, Bürger zu Bozen, Michel Hueber der Ältere, Bürger von Innsbruck. — Von den Gerichten: Jakob Sauerwein, Landrichter zu Sonnenburg, Peter Kerschpaumer, Landrichter auf dem Ritten. — Von inländischen Offizieren: Erasmus Reislander, Bergrichter von Schwaz, Thoman Haßl, Bergmeister daselbst, Mathias Gärtner. Bergrichter zu Kitzbühl, Sigmund Winter, Bergrichter zu Rattenberg, Hans Erlacher, kaiserlicher Diener und Hans Reichl, Berggerichtsgeschworener zu Schwaz. — Unverpflichtete Bergverständige waren: Hans Wohlgeschaffen zu Sterzing und Matheis Fentsperger zu Schwaz. — Von ausländischen Bergverständigen wurden noch Georg Singer, Obristbergmeister von Niederösterreich, der früher in Schwaz gedient hatte, Sigmund Nidrist, Bergrichter zu Schladming, Benedikt Volandt, Silberwechsler von Lebertal, und Gregor Haid, ebendortiger Berggerichtsgeschworener in Vorschlag gebracht.

1) P. A. XIV 571.

Der Präsident der Synode wurde vom Kaiser ernannt und wurden vom Hof aus Schmelzer und Gewerken zu derselben eingeladen 1).

1) m. a. h. 1557 f. 118.

Über den Verlauf dieser Synode liegt nichts Näheres vor.

Um die Grubenverhältnisse des Bergbaues am Falkenstein in dieser Zeit beurteilen zu können, teile ich folgende Tabelle Nr. 2 aus dem Jahre 1556 mit, welche dem bekannten Ettenhardischen Bergbuche entnommen ist; wir ersehen daraus die riesige Ausdehnung, welche dieser Bergbau innerhalb 135 Jahren genommen. Abgesehen von den Querschlägen und Aufbrüchen betrug damals die gesamte Länge aller Stollen und Strecken in den 36 Bergbauen am Falkenstein 8379 Lehen (à 7 Klafter oder 13,259 m), was einer Längenausdehnung von 14,66 österreichischen Meilen oder 111,24 km gleichkommt.

Hernach das Abziehen
der volgenden Gepew am Valkenstein so auf der Gewerken beuelch durch die Hue leut in der Vierten Rt. des 1556 Jars beschehen, umb erkundigung Willen wie Teuff ermelte Stölln und ausprich was darudter zutzimern. wie uil örter unnd hülffen gebaut auch wie beschwerlich die fürdernus sey.

Hernach das Abziehen Schwaz Bergbau Tirol

 

Diese Tabelle leistet uns aber auch gute Dienste, um eine bisher kritiklos nachgeschriebene Übertreibung desselben Autors über die Zahl der Schwazer Knappen, die er mit 30.000 Mann angibt, auf ihr richtiges Maß zurückzuführen. An Hand einer später erscheinenden Zusammenstellung des Schwazer Personalstandes vom Jahre 1582 lassen sich aus der Anzahl sowohl der Truhenläufer als auch der Gedingorte ganz gut Verhältniszahlen berechnen, welche zur Lösung dieser Frage ausreichen. Im Jahre 1582 waren bei einem Gesamtpersonal von 4056 Mann 460 Truhenläufer, was bei 1132 Truhenläufern des Jahres 1556 einem Arbeiterstande von 9980 Mann entspricht.

Ein noch niedrigeres Resultat von 7318 Mann erhält man, wenn man das Verhältnis der Lehenschaften  beider Jahre in Erwägung zieht; es dürfte daher das arithmetische Mittel von beiden Zahlen — 8649 Mann so ziemlich der Wahrheit am nächsten kommen. Der Unterschied zwischen der hier berechneten und der offenbar irrig angegebenen Arbeiterzahl ist jedoch zu groß, als dass nicht der Wunsch nach einer Gegenprobe erklärlich wäre. Der sonst sehr naheliegende Gedanke, aus dem Verhältnisse der in beiden Jahren bekannten Silbererzeugungen den Mannschaftsstand zu berechnen, setzt ein Gleichbleiben der Silberhälte voraus, was aber keineswegs der Fall ist, da im Jahre 1556 noch verhältnismäßig reiche, im Jahre 1581 aber schon weit ärmere Erze erhaut und verschmolzen wurden. Man würde also in diesem Falle voraussichtlich eine viel zu hohe Ziffer (hier 10.639) erhalten, welche höchstens einen Wert als Maximalgrenze hat, aber in unserem Falle doch die vorherige Behauptung bestätigen hilft.

Alle diese Zahlen beziehen sich übrigens nur auf die Bergbaue am Falkenstein und den Erbstollen, und keineswegs auf das ganze Schwazer Berggericht, zu dem noch die Baue Zapfenschuh und Altzech, Ringerwechsel, h. Kreuz bei Pill, Palleiten, Schwaboden, Reintal, Radaun, weißer Schrofen, Raschl gehörten.

Max v. Isser führt in seiner schon früher angezogenen Abhandlung auf p. 155 an, dass im Jahr 1535 nach einer Angabe Kolars damals am Falkenstein 10.000 Knappen angelegt waren 1). Für die übrigen oben genannten Bergbaue gibt er weitere 10.000 Mann an, was, wenn man den Umstand berücksichtigt, dass diese Baue, außer dem Ringerwechsel und allenfalls noch weißen Schrofen gegen den riesigen Bergbau am Falkenstein doch kleinere Baue waren, jedenfalls viel zu hoch gegriffen sein dürfte.

1) Nach p. 45 im Jahre 1526 kaum die Hälfte.

Da Kolars Zahlen sich offenbar auf das ganze Schwazer Berggericht und nicht auf Schwaz allein beziehen, so irritieren sie die vorherige Berechnung um so weniger, als sie der Zeit der höchsten Blüte des dortigen Bergbaues entstammen und auch keinerlei aktenmäßiger Beweis für ihre Richtigkeit vorliegt.

Ich halte deshalb meine Behauptung aufrecht, dass die Zahl der Schwazer Knappen nach der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im besten Falle nur ein Drittel der bisher angegebenen und allgemein geglaubten Menge war.

Außer dem Umstand, dass aller Wahrscheinlichkeit nach infolge der vorerwähnten freien Bergsynode das vermutlich dort neuerlich begehrte dreierlei Scheidwerk wohl wieder abgelehnt, dafür aber zum Schutze der Gewerken gegen die beständigen Probefälschungen, ja sogar Erzdiebstähle der Knappen nun sehr strenge vorgegangen wurde und man auch der unverschämten Bestechlichkeit der Hutleute bei Teilungen und Vergebung der Arbeiten ein Ziel setzte, kam nun durch mehrere Jahre in Schwaz nichts Erwähnenswertes vor 1).

1) e. u. b. 1560 ff. 23, 43, 489. – P. A. I. 208

Die Zustände am Berge hatten sich jedoch, wie ein nachfolgender Zusammenzug der Falkensteiner Erzeugung an Erz in den Jahren 1560 — 1563 ausweist, gegen die Zeit 1539 — 1542 wesentlich verbessert, da die Erzeugung an Erz in diesen 4 Jahren um 41,588 Star und dessen Wert um 565.151 Gulden gestiegen waren und statt der früheren Einbuße von 6028 Gulden 22 Kreuzern ein Überschuss von 86.857 Gulden 57 Kreuzern erscheint.

Wir sehen auch aus beiden Tabellen, wie der Landesfürst die Gewerken mit Gnade und Hilfe unterstützte und so ihre Bergbaulust erhielt. Weil sich schon im Jahre 1559 statt des frühere Verbauens ein Überschuss ergab, wollte man diesen seit langen Jahren üblichen Beitrag einstellen. Der Schwazer Faktor Erasmus Reislander sowohl als andere kaiserliche Bergoffiziere wiesen jedoch in einem längeren Bericht vom 21. Oktober 1559 rechnungsmäßig nach, dass der für 9 Raitungen dieses Jahres erscheinende Überschuss von 24.000 Gulden nur ein scheinbarer gewesen sei und seinen Grund einzig in den bewilligten 30 Kreuzern Hilfsgeld habe. Wollt man diese Summe einstellen, so würde sich ein Verbauen von wenigstens 14,000 Gulden ergeben. Da die Gewerken am Falkenstein durch die meiste Zeit an 84 Feldorten und 200 Hilfsorten arbeiten dort viel Arbeiter und Volk sei und viel Erz erhauen werde, so käme dieses ihren schon lange im Verbau stehenden Bergbauen am Schneeberg, in Gossensaß, Klausen und Terlan, welche die Glaserze zum Verschmelzen der Schwazer und auch Kitzbüheler Erze liefern zugute. Mit Rücksicht auf diesen Umstand wurde eine Gnade mit Hilfe von doch wenigstens 24 Kreuzern pro 1 Zentner gefröhnten Erzes befürwortet. Wie wir aber aus Tabelle III ersehen, verblieb es noch durch 4 Jahre bei den früheren 30 Kreuzern. Nach einem beigelegten Rechnungsstück erzeugten die Gewerken in diesen 9 Raitungen im Ganzen 23.613 Mark Brandsilber und 7884 Ztr. 15 ζ Kupfer. Die Wechsel- und Hüttenkosten betrugen 64,200 Gulden 1).

1) P. A. XVII, 913 — VI, 476.

Leider hielt dieser erfreuliche Zustand nicht lange an; wir sehen schon aus der jähen Abnahme der Erzeugung des Jahres 1563, dass hier ein besonders ungünstiger Umstand eingewirkt haben musste. Und so war es auch.

Eine entsetzliche pestähnliche Seuche, „Infektion“ genannt, herrschte durch nahezu 3 Jahre in Schwaz, Vomp, Stans, Fiecht, Maurach, Galzein, Rotholz, Weer und Pillerberg und raffte dort innerhalb dieser Zeit bei 6000 Einwohner, darunter fast 1000 Lehenhäuer, „viel guetter starckher arbaiter“, hinweg. Nicht wenige derselben ergriffen übrigens vor der Seuche auch die Flucht. Trotzdem ging damals Alles beim Berge in größter Ordnung vor sich, doch war er allenthalben „in schmalen bauen und wenig vor augen“. Nach einem Bericht der kaiserlichen Schwazer Bergoffiziere vom 26. November 1563 stand übrigens der dortige Bergbau schon längere Zeit nicht mehr in so schönem Augenschein, da die Erze „krembsiger“ auftraten und weniger als im Vorjahr an Silber ergaben. Die Gewerken hatten zwar mit Schluss dieses Jahres eine Einbuße, arbeiteten aber dennoch mit der verringerten Mannschaft (1563 waren allem innerhalb 8 Monaten 460 Knappen gestorben) weiter fort; es wurde aber der Bergbau noch immer sehr „hoffentlich“ befunden, da, was bei einer Grube ausblieb, desto besser in anderen Gruben vorkam, so z. B. an der Herrengrube, St. Wolfgang-Hütten, St. Antoni und heiliges Kreutzbrünndel und noch mehrere. Nach den Aufschreibungen des Erzfröhner und Silberbrenners waren für dieses Jahr am Falkenstein 56,000 Star Erz mit einem voraussichtlichen Halte von 20.000? Mark Brandsilber zu erwarten. Die Erze hatten durchschnittlich nur 4 Lot bis 4 Lot 1 qt. (70,16 — 75,54 gr.) Silber, woran jedoch nur die schlechtere Scheidung während dieser Drangsepoche Schuld trug.

Die kaiserlichen Bergwerksteile hatten 1563 bei 13.580 Star Gruben- und Haldenerz mit einem Gesamtwert von 46,921 Gulden, den 44,276 Gulden 58 Kreuzer Ausgaben entgegenstanden, erzeugt. Die Erzeugung von Brand- und Lösungssilber betrug 5719 Mark 10 Lot und 1737 Ctr. 40 ζ Kupfer, was nach Abzug der Schmelzkosten für die kaiserlichen Bergwerkteile einen reinen Nutzen von 2884 Gulden 14 Kreuzer ergab 1).

1) P. A. XVII. 883 — P. A. XII. 660.

Die üblen Nachwirkungen jener Seuche hielten noch jahrelang an. So wurde dadurch im Vergleich zum Jahre 1562 die Erzeugung des Jahres 1564 um 6000 Mark und an Kupfer um 3000 Ctr. heruntergebracht 2).

2) m. a h. 1565 f. 636.

Ein Akt vom Jahre 1565 hingegen meldet, dass in diesem Jahr voraussichtlich 18.000 Mark Silber erzeugt werden dürften, „Hat aber diß jar die pürden und beschwerung mit den sterbleussen nit gehabt, wie das verganngen jar gewest" 3).

3) m. a. h. 1564 ff. 4,584.

Da die Knappen trotz der Aufforderung des Bergrichters vom 5. Juni 1566 von den Gewerken nicht bezahlt wurden, rotteten sie sich zusammen, was wohl von der Regierung sehr missfällig aufgenommen wurde. Später ging sie jedoch gegen die Aufrührer in mildester Weise vor und ließ die einstweilen Verhafteten sogleich in Freiheit setzen 1).

1) m. 1566 ff. 697, 788 — e. u. b. 1566 f. 183.

In Rücksicht auf die schwierigen Bergbauverhältnisse hatte man am 25. Februar 1566 zwar die Gnade und Hilfe für 1 Star Erz von 30 auf 36 Kreuzer erhöht, jedoch in demselben Jahre beabsichtigt, dagegen Frohn und Wechsel zu steigern. Die Frohn am Falkenstein war schon durch lange Jahre statt des gesetzmäßigen zehnten Stars des erhauten Erzes nur das neunzehnte Star gewesen. Der Schwazer Faktor Erasmus Reisländer, ein in jeder Beziehung vorzüglicher und erfahrener Beamter, wies jedoch in seinem Bericht vom 23. November 1567 nach, dass dies nicht gut angehe, da sich die Gewerken außer den gut stehenden Gruben von Abraham, St. Gilgen, zu der Fiedlerin und St Martin, an ihren anderen Gruben schwer verbauten und der bei den ersteren erzielte Überschuss dadurch völlig aufgehe; auch rücksichtlich ihrer anderen Tiroler Bergbaue außer dem Geyer und Falkenstein, als Kitzbühel, Rattenberg, Ringerwechsel, Schneeberg, Gossensaß, Klausen, Terlan und Imst, welche alle „im schmalen ansehen und verpawen waren“, wäre dieses untunlich 2).

2) e. u. b. 1567 f. 30 - P. A. XII 679.

Kaum hatte sich der Schwazer Bergbau etwas von den unseligen Folgen der Infektion erholt, als ihn die Sperrung der bayerischen Getreidezufuhr nach Tirol in ein neuerliche, fast seine Existenz bedrohende Gefahr — eine enorme Teuerung und Hungersnot — brachte. Obwohl den Gewerken kurze Zeit vorher Gnade und Hilfe erhöht und auch die Mark Silber um einen halben Gulden besser eingelöst wurde, zeigten sie doch eine große Neigung den Bergbau einzustellen, und erklärten — es möge daraus erfolgen, was da wolle — nicht weiter mehr die Knappschaft verproviantieren zu können. Die Negierung ließ einstweilen, um die ärgste Not zu steuern, 1000 Gulden unter die ärmsten Arbeiter verteilen, während der Kaiser am 30. Mai 1571 sowohl um einen Paßbrief für Getreide aus Österreich und Böhmen, als auch um die Verfügung gebeten wurde, 2 Regimentern, welche durch Tirol hätten durchziehen sollen, eine andere Marschroute anzuweisen. Die Gewerken legten übrigens auch, um wenigstens die Lehenhäuer verproviantieren zu können, den größten Teil der Herrenarbeiter ab, was die Notlage der letzteren natürlich noch mehr vergrößerte.

Um Mittel und Wege zur Abhilfe dieser traurigen Verhältnisse zu finden, sandte der Erzherzog eine Kommission erprobter Räte an Ort und Stelle ab. Dieselben waren Christof Freiherr von Wolkenstein-Rodenegg, Blasy Khuen von Belasy zu Ganndegg, Ritter Simon Botsch zu Auer, der tirolische Kanzler Christof Kleckhler, der Kammerprokurator Jakob Holzapfel und der Pfleger zu Freundsberg und Schwaz Rochus Lasstner [Astner?], samt mehreren bergverständigen Personen. Wie arg die Not war, entnehmen wir nachfolgenden Worten:

„Nunn aber yetzt bey zway jaru her in disem unnsern lannd der fürstl. graw. Tyrol ain unerherte teurung, mangl und not an profanndt eingrießen, also und dermassen, daz dieselb profanndt und sonderlichen das liebe trayds in höchste staigerung gestigen und dannacht unangesehen aller menschlicher und müglicher fürsehung und daz man sich gleich aller orts auf äusserist darumben beworben, und kain verlag gfar müeh und arbait darunter angesehen oder bedacht hat, die gnüegen bey weiten nit bekhomen mügen werden. Daraus erfolgt, daz die arme perckhwerchsgesellschaft in hechste armuet und unvermüegen geraten und jrer vil, auch fast die pessten und nützlichsten arbaiter vom perg weggezogen und sich an anndere ort begeben, dann sy allda am Valckhenstain bey der übermässign teurung und wie man das ärzt uon jnen gelost, nit bestem noch bleiben khünnden“ 1).

1) e. u. b. 1569 f. 50 — m. a. h. 1571 ff. 292, 310, 327 — e. u. b. 1571 ff. 360, 499.

Wir haben nun gesehen, wie Seuchen und Hunger dem Bergbau übel mitgespielt, und die früher so lebenslustigen und übermütigen Knappen in eine so bedauerliche Lage gebracht, dass ihrer Viele vom Berg ausstanden. Nicht viel besser erging es in Tirol mit den Gewerken, deren Herrlichkeit auch schon lange zu Ende gegangen war.

Kurz vor Beginn der Regierung Erzherzogs Ferdinand II. hatten mehrere angesehene Bergherren bankrott gemacht und waren vom Berge gezogen, so die Füeger, die Tänntzl, Reiff und Gradt, sie waren am Bergbau, wie die Kammer sich ausdrückte, „gestorben und verdorben“. Noch kurze Zeit vorher konnte sich Hans Stöckel rühmen, er habe dem Ärar in 40 Jahren 800.000 Gulden an Frohn und Wechsel gezahlt. 1564 fallierte das Haus Mannlich. So war der bei weitem größte Teil des gesamten Berghandels in die Hände von Ausländern gekommen. Von Seite der landesfürstlichen Kammer hatte man diese Veränderung schon vom Anfang an mit Beunruhigung wahrgenommen.

Die ehemaligen inländischen Gewerken, sagt dieselbe, waren in Ehren zu halten, aber die jetzigen fremden sehen nur auf eigenen Gewinn; sie haben sich nur so lange baulustig gezeigt, bis die einheimischen „vom berg gekommen“, und so werden auch noch „die gesellen“ den Berg verlassen, da man ihnen das „gewinnst so entzieht“, dass sie nicht mehr bestehen können.

Leider trafen diese Befürchtungen in Wirklichkeit auch später alle ein; man sah insbesondere in der neugebildeten Jenbacherischen Gewerkschaft, in welcher die Fugger dominierten, und neben ihnen noch die Haug, Langenau und Katzbeck größere Teile besaßen, eine große Gefahr für den Bergbau.

Um doch einigermaßen ein Gegengewicht gegen das mit allem Grunde zu befürchtende eigenmächtige Treiben der Ausländer zu haben, hatte Erzherzog Ferdinand II., um dabei doch wenigstens eine mitberatende Stimme zu haben, zum großen Verdrusse der Jenbacher die Teile der Hörwarter an sich gebracht, und war es ihm daher sehr gelegen, als Hanns Dreyling, der Einzige, der sich dieser Jenbacherischen Gesellschaft nicht angeschlossen hatte, ihm seine 16 Bergviertel zum Kaufe antrug. Da die gewichtigsten Gründe sowohl für als gegen diesen Kauf vorgebracht wurden, entschloss sich der Erzherzog erst nach monatelangem Schwanken dazu. Obwohl Dreyling versicherte, diese Teile seinerzeit von Stöckl um 80.000 Gulden übernommen zu haben, fand er sich schließlich doch bereit, 20.000 Gulden und 12.000 Gulden für den damit abgetretenen Bergvorrat, alles zusammen in achtjährigen Raten zu 4000 Gulden ohne Verzinsung dafür anzunehmen. Nach diesem Kauf besaß also Erzherzog Ferdinand II. 26 Viertel des Falkensteins, also fast ein Drittel des gesamten Berges 1).

1) Vergl. J. Hirn, Erzh. Ferdinand II. Bd. II P. 548 — 550 — e. u. b. 1571 f. 722 — e. u. b. 1578 f. 11.

Mittlerweile war jedoch, wie wir aus einem Bericht des Faktors Erasmus Reislander vom 27. Jänner 1575 ersehen, die Lage am Falkenstein eine sehr missliche geworden, da „die yetzigen gwerckhen zum pawen ettwas unlustig sein und andere herein nit trachten, so unnd die yetzigen immer weg unnd mitl suechen, ob unnd wie sy mit pesster gelegenhait unnd wenigisten jren nachtl widerumben davon uund daraus khomen mechten“. Er fand es auch bedenklich, dass der Erzherzog den ganzen Berg für sich allein übernehme und belege, riet ihm jedoch 3 Gruben, St. Florian im Ried, St. Wolfgang ober der Kron und unser Frau im Koglmos, welche nach seiner Ansicht ohne Schaden gebaut werden konnten, zum Ankauf an 2).

2) m. a. h. 1575 f. 47.

Die Lage am Schwazer Bergbau war damals eine derartige, dass die Hoffnung, mit diesen Ankäufen einen Gewinn zu erzielen, nahezu ausgeschlossen erscheint; sie waren vielmehr in erster Linie nur in der edlen Absicht vollzogen worden, den bedrohten Schwazer Bergbau selbst mit den größten Opfern aufrecht zu erhalten und dadurch das Brotloswerden Tausender von Knappen und deren armen Familien hintanzuhalten. Diese Rücksicht war den ausländischen Gewerken völlig fremd, denn sie bauten, wie auch Hirn a. a. O. angibt, nur jene Gruben und Örter, die sich hinreichend rentabel zeigten, während sie die anderen eingehen ließen.

Zog Ferdinand, wie aus einer nachfolgenden Tabelle Nr. 4 zu ersehen ist, auch aus seinen Bergteilen bisher einen ganz ansehnlichen Gewinn (innerhalb 41 Jahren 1,049.672 Gulden 5 Kreuzer 1 Heller), so wogen die großen Opfer, die er zur Erhaltung des Bergbaues brachte, denselben gewiß nahezu auf. Wie er sich selbst seinerzeit den Kitzbühler Gewerker darüber geäußert, möge man dort nachlesen.

Anlässlich des Ansuchens des Königs von Spanien, ihm für seine Bergbaue eine Anzahl guter Tiroler Berghäuer zu senden, ist aus einem Akt vom 11. Mai 1575 zu ersehen, dass man demselben deshalb nicht entsprechen konnte, weil der Tiroler Bergbau noch immer wegen der früheren Seuche und Hungersnot „an der Mannschaft und fürnemblich gueten, nützlichen, geschickhten, tauglichen, erfarnen und geybten heyern und anderen brauchigen personen seer ersaigt und emplöst und der dritt thail nit mer, als vor jaren vorhannden, also daz vil notwendiger auf solche mitl zugedenckhen, damit man volckh unnd sonnderlich guete lehenheyer zu den perckhwerchen gebracht, erzüglet und verursacht würden, als daz man dieselben an anndern ort weisen solle; est ist auch zu besorgen die schmeltzer und gwerckhen würden sich desselben wie nit ungiltig, wenn man die arbeiter hinweckh nemen solle, nit wenig beschweren“ 1).

1) m. a. h. 1575 f. 296

Es scheint übrigens, wenn wir den später nachfolgenden Falkensteiner Auszug aus dem Jahre 1582 betrachten, im Verlaufe der Jahre auch wirklich gelungen zu sein, die Lücken im Mannschaftsstande so ziemlich auszufüllen.

Man ersieht aus letzterem Umstande auch, dass die Gegenreformation, vermutlich, weil sie nicht in so rücksichtsloser Weise wie in Kitzbühel gehandhabt wurde, in Schwaz auch weniger Schaden gebracht habe. Die Konfiskation protestantischer Bücher im Jahre 1570 regte zwar die protestantischen Knappen nicht wenig auf, und sie drohten auch, eher das Land zu verlassen, als die Bücher auszuliefern; es liegt aber keinerlei Akt vor, aus dem zu ersehen wäre, dass sie mit ihrer Drohung wirklich Ernst gemacht und der Mannschaftsstand in bedenklicher Weise abgenommen hätte. Da hier nicht wie in Kitzbühel förmliche Proskriptionslisten der auszuschaffenden andersgläubigen Diener und Knappen angelegt wurden und man, mehr den Weg der Güte betretend, durch Predigten der Innsbrucker Jesuiten die Knappen zum alten Glaubensbekenntnisse zurückzuführen trachtete, war auch der Schaden der Gegenreformation in Schwaz nicht so einschneidend wie in Kitzbühel (wo die Bergbautätigkeit nach derselben nachweisbar rasch auf nur ein Fünftel der Vorjahre herabsank).

Der Tiefbau am Falkensteiner Erbstollen bereitete jedoch sowohl den Gewerken, als auch der Kammer nicht geringe Sorgen, da der Erzsegen in der Teufe weit hinter den Erwartungen zurückblieb, die man sich seinerzeit beim Einbau des kostspieligen großen Wasserschöpfwerkes gemacht hatte. Der bekannte Faktor Erasmus Reisländer hatte zwar nie viel von diesem Bergbaue gehalten, „dann die chalch und die striff ye lenger ye schneller, die ärzt am halt armer und der schön erpawt und gehawt worden, sey entgegen der schwer unertreglich last und groß uncosten mit dem wasserheben der schwären fürderung vorhanden und fresse das andere hinwegckh“.

Diese Grube war übrigens auch „des schweren und besen weters halben“ in hohem Grade ungesund. Trotzdem drängten sich, da der nahen und leicht erhaubaren Gänge wegen dort ein leichterer und größerer Verdienst war, die besten Häuer dorthin, die aber dafür „baldt wedersichtig werden und sterben“.

Einzig und allein die Rücksicht auf die in diesem Bau seit langen Jahren eingezahlten Kosten, das große Kunstwerk und weit mehr noch die Sorge wegen Unterbringung des dort angelegten Personales (bei 450 Mann), sowie der Umstand, dass im Jahr doch bei 8000 Star Erz erhaut wurden, waren der Grund, dass man diese Grube nicht aufließ, sondern beschloss, auf 2 — 3 Jahre weiter zu bauen. Innerhalb dieser Zeit hoffte man mit dem Kaltenbrunner Stollen durchschlägig zu werden und dadurch einen guten Teil das Wassers abzuziehen 1).

1) m. a. h. 1576 f. 3.

Nachfolgender „Sumari Beschlus über das Valckhenstainer Arztschmelzen“ aus dem Jahre 1582 gibt ein sehr gutes Bild über die Jenbacher Hüttenmanipulation dieser Zeit und das Ausbringen an Silber. Wir lernen daraus auch das Gewicht des in allen Rechnungen vorkommenden Stars Erz, das immer approximativ mit einem Wiener Zentner (56 Kg) angenommen wurde, genau mit 105,9 ζ oder 59,3 kg kennen.

Wir begegnen nun immer häufiger auftretenden Klagen der Gewerken über das schlechte Scheidwerk der Knappen. Dieselben mochten zwar mitunter ihre volle Berechtigung haben, erfolgten aber offenbar in erster Linie, um die mit vollem Recht gegen das dreierlei Scheidwerk eingenommene Kammer zur endlichen Gestaltung desselben zu drängen. Dass diese jahrelang angestrebte Neuerung aber keineswegs im Interesse des Bergbaues gelegen, sondern sich sogar als sehr schädlich herausstellte, ersehen wir aus einem Abschiede der Kammer vom Jahr 1571 über eine in diesem Sinne lautende Eingabe der Gewerken, wo es u. a. heißt: „So hat man auch bisher bey den glaß perckhwerchen und ärzten sonnderlichen am Ringerwechsel zu Schwatz durch die fürgenomben newerung der angerichten dreyerlay schaidwerch, so wider den von alters hergebrachten brauch fürgenommen worden, nit vermerckht noch befunden, daz solliche newerung denselben perckhwerchen nutzlich und fürtreglich gewest, sondern vil mer im werckh und im augenschein leider gesehen und gespürt, das ärzehawen von jarn zu jarn nur immerzue abgenommen, weniger worden, die merern pew und grueben in feyern und in erligen geraten, und was schon noch in arbeit gar wenig ärzt dabei gehawt und theilt und beschließlich nun der abfal und nit das aufnemen darbey vermerckht wirdet“. Bei den schmalen grembsigen Erzvorkommen am Falkenstein findet es dieser Abschied besonders schädlich, da es dort schließlich „ain entliche erligung und abfal des perges sein würde“ 1).

1) e. u. b. 1571 f. 715 — e. u. b. 1580 f. 1.

Da die Knappschaft sah, dass die Regierung sich nur damit begnügte, das dreierlei Scheidwerk zu verbieten, aber den mächtigen Gewerken gegenüber nie den Mut fand, dieses Verbot mit Strenge aufrecht zu erhalten, griff sie in ihrer Verzweiflung zum letzten Mittel — und es erfolgte nun der bekannte Knappenaufstand vom Jahre 1583. Es liegt zwar über denselben im k. k. Statthalterei-Archiv massenhaftes Material vor — ich glaube aber besser zu tun, wenn ich mich an Hirn's lebensvolle Darstellung desselben halte und sie hier im Auszug mitteile.

Anläßlich der Zurückweisung von 600 Star des gelieferten Erzes und eines späteren derben Wortwechsels zwischen dem Faktor Reisländer und zwei Häuern, rückten 1700 Knappen, zwar noch unbewaffnet, nach Innsbruck, wo sie der Erzherzog am 19. Juli empfangen und ihre Klagen gegen das „Reben“, über rohes Betragen der Faktoren und die Teuerung des „pfennwertes“ anhören musste. Da er die baldige Entsendung einer Kommission zusicherte, zogen sie am andern Tag wieder ruhig nach Hause. Die zugesagte Kommission erschien auch, aber ohne irgendwelche Vollmachten. Da sie aber den Beschwerden nicht abhalf, sondern die Knappen nur mit schönen Worten vertröstete und zur Fortsetzung der Arbeit bewegen wollte, vergrößerte dieses die Unzufriedenheit. 600 Rattenberger Knappen, welche den Schwazern zu Hilfe kommen wollten, wurden zwar durch die Zusprache der beiden erzherzoglichen Räte zur Rückkehr bewogen, doch wählten sie vorher noch einen Ausschuss von 8 Mann, der sich dem Ausschusse der Schwazer Knappen anschloss, um die gemeinsamen Klagen zu vertreten.

Da die Antwort auf eine von der verstärkten Repräsentanz der Knappen eingereichte Beschwerdeschrift zu lange von Innsbruck ausblieb, drohten sie der Kommission mit einem abermaligen, aber nun bewaffneten Zuge nach der Hauptstadt. Es wurden dagegen alle tunlichen Vorsichtsmaßregeln getroffen, ja sogar die Aufbietung des Landsturmes von Imst und Kufstein in Aussicht genommen. Da sich aber letzteres nicht durchführen ließ, versuchte es die Kommission, vor allem der als alter Kriegsmann bei den Knappen sehr beliebte und hochangesehene Hauptmann Kripp von Freudenegg, durch kluge Verhandlungen mit diesem Ausschuss, „den ehrlichen gesöllen des ausschusses am Falkenstein“, wie sie sich nannten, zum Ziel zu kommen. Der Letztere verlor  übrigens bald das Vertrauen der Knappschaft, da er sich in vielen Punkten zu entgegenkommend zeigte und auch innerhalb einiger Wochen aus dem Bruderladenfond mehrere hundert Gulden verzechte. Einige Knappen, welche früher unter dem Befehl des Hauptmanns v. Kripp gestanden, trugen sich sogar an, falls er es wünsche, den Ausschuss zu sprengen. Da gleichzeitig die Kommission die Versicherung gegeben, man werde es mit den „Reben“ nicht gar zu strenge nehmen, und der Fuggerische Faktor auch an 500 Knappen Vorschüsse auszahlte, beruhigte sich das  aufgeregte Bergvolk um so mehr, als auch Erzherzog Ferdinand II. den bei der Knappschaft sehr verhassten Bergrichter Steigenperger absetzte, den Faktoren einen Verweis erteilte und ihnen ein klügeres Vorgehen gegen die Arbeiter einschärfte.

Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, die Schwazer Knappen von dem völlig ungerechtfertigten Vorwurf, sie hätten im Jahre 1525 Brand- und Raubzüge gemacht, und wären auch anlässlich des Aufstandes von 1583 sengend und raubend durch die umliegenden Orte gezogen — nachdrücklichst in Schutz zu nehmen. Dass in der Erregung des Jahres 1525 mancherlei Exzesse und Gewalttaten vorkamen, ist historisch festgestellt, aber von Brand- und Raubzügen weiß die Geschichte ebenso wenig etwas in diesem Jahr, als auch bei dem schließlich in aller Ruhe verlaufenden Knappenaufstande vom Jahre 1583 zu berichten. Wenn man übrigens bedenkt, dass von den Schwazer Beamten alle, selbst die unbedeutendsten Exzesse und Notierungen der Knappen sogleich an die Kammer berichtet wurden, hätte sich in den Akten von solchen Gräueltaten doch auch etwas vorfinden müssen — ich fand aber in den vielen Hundert Akten dieser Zeit auch keine Spur, die eine derartige grundlos vorgebrachte Beschuldigung bestätigen würde.

So war, um aus unser altes Thema wieder zurückzukommen, wenigstens äußerlich die Ruhe wieder hergestellt. Befriedigt war aber eigentlich in Wahrheit niemand, am allerwenigsten die Fugger, denen die konziliante Haltung des Erzherzogs gar nicht gefiel. Da man es aber mit ihnen aus mehrfachen Gründen nicht verderben durfte, begütigte sie Ferdinand auf den Rat der Kammer mit einem schmeichelhaften Schreiben.

Auch die Knappen hatten keinen sonderlichen Grund zur Zufriedenheit, da das verhasste „Reben“ keineswegs abgeschafft wurde, sondern sie nur die vage Zusicherung einer weniger drückenden Durchführung desselben erhielten, es also im Ganzen und Großen beim Alten sein Verbleiben hatte. Diese dumpfe Gährung machte sich noch nach Jahren durch anzügliche feindliche Äußerungen der Knappen bemerkbar, die eine Reihe von Untersuchungen und Strafakten zur Folge hatten 1).

1) J. Hirn, Erzh. Ferdinand II., Bd. II, p. 562 - 563 — m. a. h. 1583 f. 524 — m. a. h. 1584 ff. 513, 565, 638, 788.

Obgleich sowohl der Schwazer Faktor Erasmus Reisländer als die dortigen kaiserlichen Offiziere am 8. November 1586 dringendst abrieten, den Gewerken das verlangte dreierlei Scheidewerk an Falkenstein und Erbstollen zu bewilligen, „und sunnderlich yetzige bey den schmalen perckhwerche und daz solches bey den armen lehenheyern einen großen verlust, daraus bald meiterung und schwierigkhait volgen, abgeben möchte“, so scheinen sie mit ihrem Rat doch nicht durchgedrungen zu sein, da aus eben jenen Ursachen am 13. Jänner 1589 ein neuerlicher vergeblicher Aufstand der Knappen erfolgte. 2)

2) m. a. h. 1586 f. 476 — e. u. b. 1589 f. 7

Infolge der traurigen Erkenntnis, bei der den Gewerken gegenüber ohnmächtigen Regierung keinerlei Schutz gegen die völlig ungesetzlichen Übergriffe der ersteren zu finden, gingen die Arbeiter massenhaft vom Berg.

Vergleichen wir den nachstehenden Bergauszug vom Jahre 1582 mit dem der Jahre 1589 und 1590, so treffen wir gegen den Mannschaftsstand am Falkenstein und Erbstollen des ersteren Jahres mit 4065 Mann dort mehr je 2833 und 2757 Arbeiter an. Das kann freilich nicht Wunder nehmen, da die Tiroler Knappen eben so sehr als tüchtige Arbeiter wie als tapfere Kriegsleute damals nahezu einen Weltruf besaßen und das lustige, abenteuerliche, oft Gewinn bringende Leben im Kriegslager jedenfalls verlockender war, als in Schwaz bei anstrengender Arbeit im dunklen Schoße der Erde kaum das Leben fristen zu können, wo nicht gar zu verhungern.

Letztere Gefahr war, wie wir aus Akten vom Jahr 1587 ersehen können, wenigstens für den österreichischen Faktorhandel in Schwaz, der damals nahe vor seinem Untergang stand, allen Ernstes zu befürchten.

Die Ursache dieser beklagenswerten Tatsache war, wie es in einem Akt trocken und bezeichnend heißt, dass „Ewr frl. Dlcht. Hofwesen perckh und schmeltzwerchshandel mit proviant aufs äußerist erseigerten“.

Die am 3. Juli dieses Jahres vorgebrachte Bitte der Kammer an den Erzherzog, „darumb auch Ewr frl. Dlcht. desto mer ursach dero gnedigisten väterliche achtung zu haben, unnd sich desto weniger mit anndern weitläufigkhait und unnotwendigen außgaben unnd zueziehen zu beladen“, kam leider schon viel zu spät, da „ainich (kein) traid (Getreide) und allain ain wenig schmalz beim faktorhanndl vorhanden, allso daz man bey äußerist hungersnott mit dem traid nit mer fürzusetzen, auch khain bezalung an gelt zu ordennlicher und raitunglicher zeit zuethuen hat, welches nun ein merckhlichen abfall der perckhwerch und arbeiten geben würde“.

Diese Zustände mussten in jener Zeit schon im hohen Grade bedenklich gewesen sein, da sonst die Kammer in demselben Akt nicht die Befürchtung ausgesprochen hätte, „daz nit die fachen zu unrue gereichen oder aus dem großen Hunger und not geuerliche krankheiten und sterbläuff ernolgen“.

Selbstverständlich verblieb in dieser verzweifelten Lage kein anderes Mittel, als neuerlich Schulden zu machen, was wir aus einem Akt vom 19. Oktober 1587, der nebenbei einen sehr guten Einblick in die geradezu hoffnungslose Geldwirtschaft und dadurch bedingte Abnahme der Bergbaugefälle gibt, entnehmen können. Es heißt dort u. a.: „So hat der handl zu Schwatz auf das new einkhauffen an Schmalz und trayd über 30.000 gulden schulden, außerhalb was die vorigen schulden und ausstenndt sein, von newen gemacht“.

Die Folgen dieser Misswirtschaft blieben nicht aus — es brach zwei Jahre später der von der Kammer befürchtete Aufstand der Knappen, der aber für sie resultatlos verlief, in Wirklichkeit aus.

Dass sich diese Zustände keineswegs verbesserten, zeigt ein Akt der Kammer vom 16. Dezember 1594, der sich dahin äußerte, „daz es solcher gestalt die lenng nit zu erschwingen ist, sonderlich lestiglich der hanndl mit schimpf und verlurts treweu und glauben, wie auch zuerligung der perckhwerch würdt müeßen abgehen“.

In welcher Weise diesem schrecklichen Zustand schließlich ein Ende gemacht wurde, ist aus den Akten leider nicht zu ersehen.

Außer den beständigen Klagen der Gewerken über das schlechte Scheidwerk, welche aber doch nicht den gewünschten Erfolg — die endliche amtliche Bewilligung des dreierlei Scheidwerkes — hatten, der beabsichtigten Aufstellung eines beeideten Scheidwerksaufsehers, fiel während dieser Zeit in Schwaz nichts besonders Erwähnungswertes vor. 1)

1) P. A. Suppl. 946 – m. a. h. 1587 ff. 325, 489, 502 – m. a. h. 1593 – 95 f. 324.

Quelle: Max Reichsritter von Wolfstrigl-Wolfskron, Die Tiroler Erzbergbaue 1301 - 1665, Innsbruck 1903. S. 57 - 89.
© digitale Version: www.SAGEN.at

Abkürzungsverzeichnis:

Gemeine Missiven . . . m
Von der fürstl. Durchlaucht . . . v. f. d.
Missiv an Hof . . . m. a. h. Causa Domini . . . C. D.
Missiv von Hof . . . m. v. h. Pest-Archiv . . . P. A.
Entbieten u. Befelch . . . e. u. b. Schatz-Archiv . . . S. A.
Bevelch vom Hof . . . b. v. h. Brixner Archiv . . . Br. A.
Geschäft von Hof . . . g. v. h. Trienter archiv . . . Tr. A.
Geschäft an Hof . . . g. a. h. Miscellanea . . . M.

Die römischen Ziffern bezeichnen die Faszikel, die Zahl im Nenner die Aktennummer, f. mit nachfolgender Zahl Folio des betreffenden Kopialbuches.
Maximilianea, Ferdinandea, Leopoldina erscheinen völlig ausgeschrieben, die vereinzelten Codices sind im Kontext erwähnt.