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Bergbau in Bludenz und Nüziders
von Walter Weinzierl

Bevor wir dem einstigen Bergbau von Bludenz nachgehen, wollen wir im Talgebiet jene Stätten aufsuchen, die mit ihm zusammenhingen.

Gegen das Ende des Bludenzer Bergbaus lagen seine Schmelzhütten, Kohlplätze und Schmieden in Brunnenfeld, dem Butiens von 1355, wo Silberer und Walser in jenem Jahre sesshaft waren. Dieses Brunnenfeld umfasste das ebene Gebiet zwischen der Alfenz und der Ill, unterhalb von St. Peter.

Noch 1810 hieß in Brunnenfeld, dort wo die Schmieden standen, eine Flur „Mahd auf dem Kohlplatz"; 1480 befand sich eine Schmelzhütte bei der Schmiede zu Bings und um 1530 eine andere bei Altklarenbrunnen. Auch unter der Bahnlinie bei St. Peter fand man die Schlacken von einer weiteren Eisenschmelze.

Südlich von St. Peter stand an der alten Straße nach Brunnenfeld eine St. Loykapelle und eine andere in Bings.

Nun wenden wir uns den früheren Bergwerken von Bludenz zu und gehen von der Brazer Grenze walgauauswärts.
Westlich des Allmatobels stoßen wir an der sogenannten Römerstraße auf die Flur „Gawdina", von gava-d-ina, die kleine Erzgrube.

Gehen wir auf der Römerstraße gegen Radin, so kommen wir zur „Clusifara" (1516 „das Gut Glusifera"), die Eisenklause.

Unter Clusifara liegt die „Gafadura", die Eisenerzgrube. Über sie ist anno 1450 zu lesen: „stößt das Gut Gafferdura auf Barbiel abwärts an die Landstraße (die alte Landstraße); 1524 der Hof zum Winkler in Gavadura; 1642 Gauerdura, das Gut des Leonhard Walser auf Barbiel und 1747 Gafuta auf Gant im Winkel".

Zwischen dem Grupsertobel und Runggelin haben wir rechts und links der Hochgasse, dem alten Römerweg, etliche Lochnamen, die auf ehemalige Stollen deuten können: Südlich von Gastra haben wir das „Schmalzloch" und auf Gasünd „das Kessi- und das Nesslaloch". -

Über Rungelin erhebt sich die Furkla. An der unteren Furkla liegt „Gafadura", (1497 das Gut und Maiensäß Gafaudura und auch Gauadura genannt). Auf diese Gafadura dürfte sich die Miteilung Srbiks beziehen, dass unter dem Furgglerjoch und zwar am „Roteisenstein" und am „Masmer" auf silberhaltiges Fahlerz gebaut worden ist. –

Nunmehr begeben wir uns in das große Bergbaugebiet am Elskopf.

Östlich des Elskopfes lag in der Nähe der Elsalpe der Wald „Gafara" von 1610, von gava-fera, die Eisenerzgrube. Dort müssen sich auch die Knappenunterkünfte befunden haben, denn 1688 heißt es: „Das Grubsertobel aufwärts ist ein Platz bis zum Elskopf, der Stiergrind genannt und bis an das Maiensäß (Elsalpe) hinter den „Bürgen" und 1533 „hinter den Burgen".

Und damit sind wir nochmals beim Grupsertobel und will ich auf „Valar" auf Grups hinweisen.

Wenn Stefan Müller mit seiner Ansicht recht hat, dass falar und falaruna sich von ferraruna, der großen Eisengrube, ableiten, dann hätten wir auf Valar ein sehr altes Eisenbergwerk vor uns.

Wandern wir auf die Westseite des Elskopfes, dann kommen wir in ein erzreiches Gebiet.

Am Fuße des Elsschrofens und zwar „im Rost" im Roschttobel wurden, nach Artur Schwarz, Braun- und Toneisenstein abgebaut.

Nordöstlich über Rost liegt die „Erzgrube" beim Grünegg. Auf sie bezieht sich wahrscheinlich die Kunde, dass noch im Jahre 1813 auf Furkla, über dem Marktobel, zur Elsspitze hin, ein Vitriolwerk in Betrieb gewesen ist.

Über der Erzgrube haben wir das „Knappenkärle", darüber die Flur „Schmelzofen" und noch höher oben die „Ronna", in der wohl die einstigen Kohlenmeiler waren.

Im Roschttobel liegt ferner die „Pochi" das alte Pochwerk zum Zerkleinern des Erzes.

Westlich der Pochi begegnet uns wieder eine Flur „Schmelzhütte", auch „Kupferhütte" genannt, und nördlich unter ihr die erzhältige „Rotwand".

Westlich des Marktobels und der Erzgrube kommen wir zum „Blackaloch" und höher oben zu den „Kesselöchern". Noch weiter westlich gelangen wir zu den „Mistlöchern" und auf „Ronna"; lauter bergbauverdächtige Namen.

Wo das Marktobel und das „Armatintobel" zusammentreffen, finden wir die Flur „Armatin" und darüber das „Kohlbödili".

Armatin wurde 1356 Armentin und 1450 schon Armatin geschrieben. Weil aram rätoromanisch Kupfer und mat Berg bedeutet, ist es nicht unmöglich, dass in Armatin ein aramontin, ein aramatin, also ein Kupferberglein steckt. Nebenbei bemerkt stand früher neben dem Schloss Sonnenberg eine Kupferschmiede.

Die zu diesen Bergwerken gehörenden Schmelzöfen haben wir in „Daneu" zu suchen, einer Parzelle von Nüziders, am Wege zum Galgen- oder Armatintobel.

Daneu hieß 1544 „die Allmain Thanew" und 1690 „Danöw", auf deutsch „zu den Öfen", also gleich, wie Danöfen im Klostertal.

Über Daneu ist der „Kegelgraben" und östlich von ihm das „Kriegerloch". Möglicherweise waren sie ehemalige Stollen.

Gehen wir von Nüziders das Nieztobel (1592 Niztobel), vom Niezbach durchflossen, bergauf, so gelangen wir auf „Niezegg", das 1570 „der Berg, das Niezle" und 1783 „Niz, die Eggen" genannt worden ist.

Die „Kesslilöcher" über dem Rütischrofen beim Niezegg, können auf alte Erzstollen hinweisen.

In der Nähe vom Niezegg werden wohl die einstigen Schmelzen zu suchen sein, denn niez ist der Wortrest des lateinischen fornaces, nämlich naces, nez, niez, die Schmelzöfen.

Südwestlich vom Niezegg war die „Kohlgrub", wo die Meiler brannten und nordöstlich von ihm, über dem Bach drüben, liegt die Flur „Gavar" etwas unter der Höhe des Sattels.

Gavar schrieb sich 1504 Gafera, aus gava-fera, die Eisengrube; 1541 Gaffära; 1544 Gauarn und 1783 Gavar.

Diese Grube muss sehr alt sein, wie die lateinischen Wörter ferrum, das Eisen, und fornaces, die Schmelzöfen, anzeigen.

Vermutlich gab es dort oben bei Gavar noch mehrere Bergbaue, die in Vergessenheit geraten sind.

Die Bedeutung der Schmelzöfen in diesem Gebiet geht schon daraus hervor, dass sie namengebend waren für das „Niezegg", das „Nieztobel", die „Niezmähder", den „Niezkopf" und endlich für das Dorf „Nüziders" selber, das sich zwischen 820-850 Nezudre und Nezudere, und 949 Nezudra geschrieben hat.

In diesem Ortsnamen dürfte ein fornacedura stecken, also ein Schmelzofen, mit der noch nicht deutbaren Endung dura.

Aus fornacedura wurde nacedura, nezedura, nezudera, nezuderes, nizidures, niziders, Nüziders. Im Dialekt sagt man noch heute z'Niziders.

Dass nez, über niez zu niz wurde, bezeugen genug urkundliche Namen: 1397 Hanny Lamparth zu Nitziders, 1458 Hanns Lorenz von Niziders, 1496 Hans Tavorna (also der „Hans zum Schmelzofen") von Niziders, 1539 Corona Trächsslin zu Nitziders und um 1600 ist die Rede von der Nizider Allmein.

Im hohen Mittelalter werden sich dann die Schmelzöfen herunten in Nüziders befunden haben, vielleicht beim St. Vinerhof, worauf die Eisenschlacken- und Eisenfunde in seinem Keller deuten.

Hier ist es am Platze, von den Adelsgeschlechtern in Nüziders kurz zu berichten.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts finden wir einen Zweig der Edlen von Bürs in Nüziders und außerdem die Edlen von St. Viner und die Vaistli. Diese Geschlechter hatten mit dem Bergbau zu tun, wie ihre Wappen beweisen. Die Edlen von Bürs führten 6 feuerspeiende Berge in ihrem Wappen, während die Edlen von St. Viner und die Vaistli deren 3 im Wappen hatten. Das deutet darauf hin, dass bei der Wappenverleihung die ersteren 6 und die letzteren je 3 Schmelzöfen besaßen.

In Nüziders selbst scheint auch ein Bergwerk gewesen zu sein, denn dort hieß 1803 ein Mahd „Gavad", von gavadura, die Erzgrube oder gavadina, die kleine Erzgrube.

Nach der Überlieferung wurde ober dem Nieztobel auf dem Muttersberg auf Silber gegraben.

Vom Bergbau oben beim Nieztobel kündet auch eine Sage, die erzählt, dass der Lehensmann, der auf dem Feldhof, dem ersten Anwesen des Ortes saß, einstens beim Holzfällen am Hange des Hohen Frassens in einer Schutthalde einige goldhaltige Steine entdeckt habe und nun dem Berg mit Pickel und Schaufel zu Leibe ging, um reich zu werden.

Ein schweres Gewitter kam, doch der Goldsucher hörte nicht auf die Warnung und grub weiter, bis unter Blitz und Donner gewaltige Felstrümmer und Schuttmassen zu Tal fuhren. Sie begruben den Lehensmann und unten den Feldhof bis zum ersten Stock. —

Damit verabschieden wir uns von Nüziders und gehen auf die andere Seite der Ill nach Bürs am Eingang ins Brandnertal.

Quelle: Walter Weinzierl, Über den alten Bergbau in Vorarlberg, Dornbirn 1972, S. 46 - 50.
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