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"Der Tembl von Sulden
schlägt Rößlgulden"

Von Josef Bernhard - Heinrich Waschgler

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"Der Tembl von Sulden
schlägt Rößlgulden"

Josef Bernhard

Obiges Wort war einst im Obervinschgau so bekannt wie die Ortlerspitze, der Gehalt von Silbererz machte den Ortler nur noch volkstümlicher. Ein so mächtiges Gebirge hatte schon an sich als beredter Zeuge von seines Schöpfers Allmacht Aug und Herz unseres Volkes auf sich gezogen. Als dann zur Großartigkeit in der Erscheinung noch die Erkenntnis kam, dass unter dem glitzernden Eismantel des Tiroler Bergkönigs auch dieses Königs Schatz, Perlen von Silbererz, geborgen sind, da fand im Ortler nicht bloß der Naturfreund, sondern auch der arme und ehrlich nach irdischem Gut strebende Mensch sein Interesse. Zu letzter Menschenklasse ist auch der sogenannte Silbertembl von Sulden zu rechnen. Trotzdem ist im Namen Silbertembl mehr enthalten, als das Wort sagt. Denn man könnte meinen, es handle sich nur um einen Mann im Suldentale, der als einziger mit Erfolg nach Silber schürfte. Dem ist aber nicht so, Tembl ist sozusagen nur der letzte Ausläufer des Silbernen Zeitalters von Sulden oder besser gesagt, des engeren Ortlergebietes, der Orte Sulden, Trafoi, Gomagoi und Stilfs. In all diesen Orten wurde schon frühzeitig Bergbau betrieben, in Sulden wohl nicht später als das Land Tirol dem Hause Österreich eingegliedert worden war. Noch heute sind im ganzen Gebiete Reste von Knappenlöchern vorhanden. So ungefähr mit dem Verfalle Deutschlands im dreißigjährigen Krieg dürfte auch bei uns der Bergbau in Verfall geraten sein. Der Silbertembl hat nach Torschluß nochmals als glücklicher Finder den Silberfaden des Silbernen Zeitalters erhascht, indem er mit einigem Erfolge Silber zutage förderte. Mit seiner toten Hand aber entglitt uns dieser Faden scheinbar für immer. Denn der Fundort war nur ihm allein bekannt und ist bis heute nicht sicher bekannt geworden. An seinen Namen knüpfen sich aber alle Erinnerungen an die Zeit des Bergbaues.

Im folgenden wird nun dargelegt, was das Volk heute noch vom Tembl erzählt. Zuerst wird über Tembls Rößlgulden gesagt, was noch bekannt ist: sodann werde ich berichten, was von Tembl und dem Venediger Mandl und von Tembls Tod bekannt ist: ferner werde ich berichten, was über das Blühen des Temblerzes noch erzählt wird. Am Schlusse wird noch mit Hilfe der Tradition und der Matriken versucht werden, aus der unbestimmten Persönlichkeit des Silbertembl eine bestimmte Persönlichkeit abzuleiten. Es sei noch erwähnt, dass es sich mir bei meinen Nachforschungen hauptsächlich um letztes handelte.

Ich gehe also zum 1. Punkt der Abhandlung über. Was man unter Rößlgulden zu verstehen hat, sagt schon der Name: einen Gulden mit eingeprägtem Rößl und Reiter.

Wegen Schlagens dieser Gulden wurde Tembl durch den Gerichtsdiener zweimal aufs Gericht nach Glurns gefordert. Das erstemal entzog sich Tembl dem Gerichte, indem er den Gerichtsdiener in einem Gasthause in Prad umsonst verpflegte und ihm dabei glücklich entwischte. Bei einer zweiten Verhandlung zu Glurns wurde er von dort nach Wien beordert. In Wien fand Tembl Gnade, da seine Gulden größer und schwerer waren als die Reichsgulden, und es stand ihm sogar frei, noch weitere Rößlgulden zu schlagen. Weiter wird erzählt: Tembl warf einmal beim Schmelzwirt in Prad einen seiner Gulden im Zorn derart auf den Tisch, dass er
barst.

Zweite Frage: Was erzählt unser Volk heute von Tembl und dem Venediger Mandl? Darüber konnte ich zwei nicht ganz gleichartige und nicht durchaus klare Aussagen zu meiner Kenntnis bringen. Man erzählt: Jahrelang kam aus Venedig ein Mann ins Suldental. Dort suchte er die Quellen im Gattertauf auf, füllte dort ein Sackl mit Silbersand, worauf er talauswärts ging, Tembl beobachtete das Venediger Mandl, füllte am gleichen Orte ein Sackl mit Sand und ging ebenfalls nach Venedig, Dort angekommen, begegnete er dem Venediger Mandl, das ihn in sein Haus nahm, ihm mittels eines Bergspiegels zeigte, dass Tembls Frau in Sulden gerade Nudeln mache. Von jetzt ab schlug Tembl seine Rößlgulden. Er ging öfters noch mit Sand nach Venedig, wobei er in kurzer Zeit — in einer Nacht — immer wieder zu Hause war. Man habe aber den Tembl an der Fundstelle trotz scharfer Beobachtung nie sehen können. Er habe sich unsichtbar machen — andere blenden können.

Andere wieder erzählen: Tembl habe seinen Sildersand am Bach hinter Gampenhof genommen. In Venedig habe das Venediger Mandl zu Tembl gesagt, es sei sein Glück, dass er ihn in Sulden über Nacht behielt, sonst käme er jetzt nicht mehr nach Hause. Er ließ jetzt dem Tembl sehen, wie seine Frau in Sulden oben Nudeln machte, und bemerkte, davon werde Tembl noch essen. Auch habe das Venediger Mandl gesagt: wenn Sulden nicht verblendet wäre (die Berg- und Erzschätze nicht unbekannt wären!), so wäre es das reichste Tal im Land. Hierauf sei Tembl in einem Stalle übernachtet, in der Früh aber im Ziegenstall seines Hofes in Sulden erwacht und habe dann wirklich von diesen Nudeln gegessen.

Dritte Frage: Was erzählt das Volk heute über Tembls Tod? Es gibt hier drei verschiedene Aussagen, so weit ich unterrichtet bin. Als Tembl im Sterben lag, wollte er sein Geheimnis, d. i. die Fundstelle, seinem Sohne auf dem Kirchhofe offenbaren, Tembl habe ,da folgendes gesagt: „Hammer und Stemmeisen bei einer Seit oben..“ dann fei er verschieden. Diese Aussage scheint mir wohl der Wahrheit sehr nahe zu kommen, wie später noch gezeigt wird.

Andere Aussage: Tembl habe zu seinem Sohne gesagt: „Gehe zuerst füttern, dann sage ich es dir.“ Kaum war der Sohn fort, so habe man gesehen, Tembl sterbe, worauf der sogleich zurückgerufene Sohn den Vater bereits tot fand.

Dritte Aussage: Als Tembl im Sterben lag, habe er abends zu seinen Söhnen gesagt: „Morgen werde ich euch mein Geheimnis mitteilen.“ In der Nacht aber sei Tembl wider Erwarten gestorben. Nun wusste niemand den Fundort.

Dritte Frage über Fundort und Blühen des Temblerzes. Man sagt: Von sieben zu sieben Jahren blühe der Schatz, besonders im Advent und vom hohen bis niedern Unfern Frauentag. Als Ort wird allgemein der Kirchwald angenommen, Ortlerbesteiger gehen durch diesen Wald auf der Strecke: Altes Kirchlein — Payerhütte. Ein noch jetzt lebender Mann sah blaue und rote Lichtlein, er ging ihnen nach, fand aber nichts. Ein anderer Mann erzählte mir, dass er im Advent zweimal solche Lichtlein im Kirchwald gesehen habe. Der Vorgänger der Kathi Eller auf dem Kirchhofe (Hotel Eller) hatte eine Magd, die im Sommer abends im Kirchwalde nach ihren Kühen suchte. Dabei sei sie in eine kleine Grube unter Alpenrosenstauden hineingeraten. Da habe es geblitzt wie im Himmel (Silber!): auch Handwerkszeug habe sie gesehen. Nächsten Tag sei sie mit anderen Leuten in den Wald gegangen, indem sie meinte, gerade zu dieser Grube hingehen zu können. Habe aber weder Grube noch sonst was gefunden. Weiter wird erzählt: Ein Knabe habe die Kühe im Kirchwalde gesucht und nicht gefunden. Da ging er über die Diele (Brücke mit Baumsparren in runder Form). Unter dieser Diele aber leuchtete das Erz. Den Knaben ergriff Furcht und er lief heim zum Außerortlerhof. Nächsten Tag wollte er diesen Ort suchen, fand ihn aber nicht mehr. Es ist überhaupt in der ganzen Gegend keine Brücke. — Ein heute 75 Jahre alter Mann, ein ehemaliger Bergführer, erzählte mir, er habe im Spätsommer einmal den Schatz, das Temblerz, blühen gesehen. Er war als Führer auf der Payerhütte. Es war Nacht und kein Mond schien. Überall herrschte Dunkelheit. Da habe ihn ein Führer darauf aufmerksam gemacht, wie unten im Tale (im Kirchwalde) alles beleuchtet sei. Er überzeugte sich und sah, dass nicht bloß ein einzelner Ort, sondern ein weiter Raum beleuchtet war. Es war zwischen 15. August und 8. September. NB. Diese Begebenheiten werden auch im Volke nur zum Teil geglaubt und wohl auch mit Recht. Anderseits behaupten auch die Zeugen, sie würden es nicht glauben, wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten.

Am Schlusse sei noch die für uns Suldner wichtigste Frage kurz berührt. Es fragt sich: Welche Person ist der Silbertembl? Die älteste Frau des Tales, die heute 82 Jahre zählt und eine Nachbarin des Fidel Tembl (geboren 1782, gestorben 1864) war, bezeugt, dieser Fidel habe ihr gesagt, der Silbertembl sei sein Großvater gewesen. Ähnlich spricht sich Altlehrer Josef Tembl aus. Damit ist erhoben, dass der Silbertembl der Johann Tembl war, welcher am 24. April 1787 an Altersschwäche und unverhofftem Schlaganfall auf dem Drittel-Ortlhof in Sulden verschied (siehe Sterbebuch in Sulden). Damit stimmt auch, dass Tembl beim Sterben gesagt habe: „Hammer und Stemmeisen bei einer Seit oben...“ Das ist jedoch eine Verstümmelte Aussage, die bei einer Zungenlähmung anlässlich Schlagflusses leicht möglich ist.

Die Überlieferung sagt, dass das Geschlecht Tembl aus dem Ötztale stamme und dass der Silbertembl erst eingewandert war. Tatsächlich scheint dieser Johann Tembl der erste seines Geschlechtes in den Matriken von Sulden und Stilfs zu sein. Johann Tembl hatte als erste Frau eine Gertraud Purgaller, die 1749 starb. Noch im gleichen Jahre heiratete er eine Witwe, Anna Wallnöfer von Prad, eine Müllerstochter. Der Hof, den Tembl bewohnte, stand etwas außerhalb des heutigen Johann-Stüdl-Denkmales und oberhalb des Rübenackers des Innerortlerhofes. Dieser Hof wurde nach 1790 von einer Lawine fortgefegt.

Mit diesen Zeilen soll dem Interesse der vielen Freunde des herrlichen Ortlergebiets in der weiten Welt gedient sein. Es ist aber auch manches angeführt, was sicher in kürzester Zeit der Vergessenheit anheimgefallen wäre. Denn schon jetzt hörte man vereinzelt Stimmen, die alles in das Gebiet der Märchen verlegen wollten. Insbesondere war die Identität der Person und Lage des Hofes schon nahezu vergessen.

Sulden. Jos. Bernhard.

Quelle: Josef Bernhard, "Der Tembl von Sulden schlägt Rößlgulden", in: Der Schlern, Monatsschrift für Heimatkunde, Zeitschrift des Vereins für Heimatschutz in Südtirol. 4. Jahrgang, 5. Heft, Mai 1923, S. 156 - 158.
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"Der Tembl von Sulden
schlägt Rößlgulden"

Heinrich Waschgler

Im „Schlern“ IV, 5., S. 156 ff, [siehe oben] erschien unter obiger Aufschrift ein beachtenswerter Aufsatz. In lobenswerter Weise wird darin Sage und Meinung des Volkes über den Rößlgulden niedergeschrieben und der Vergessenheit entrissen.

Das kann aber nicht ganz befriedigen. Es sei mir daher erlaubt, an der Hand von Tatsachen, Urkunden und Büchern

1. über den ehemaligen Bergbau in der Gemeinde Stilfs,
2. vom sagenhaften Rößlgulden und vom „Silbertembl“ näheres zu berichten.

1. Im weitausgedehnten Gebiete der Gemeinde Stilfs ( — 141 Quadratkilometer) sind noch manche „Knappenlöcher“ bekannt und an vielen Stellen findet man Schlacken von geschmolzenen Erzen. Das lässt auf eine ausgedehnte und langjährige Bergbautätigkeit schließen. Diese Schlacken rühren aus der Zeit vor 1724, in welchem Jahre die Schmelzwerke bei Prad vom Aerar errichtet wurden, her; denn mit dem Auflassen dieser Werke „in der Schmelz“ 1812 hörte der Bergbau in Stilfs auf.

Man findet aber auch Schlacken in engster Begleitung mit prähistorischen Scherben usw., woraus anzunehmen ist, dass der Anfang des Bergbaues hier mehr als 2000 Jahre zurückreicht. Da die Täler dieser Gemeinde sehr hoch liegen, Stilfs 1311 Meter, Trafoi 1548 Meter. Sulden 1875 Meter) und auch dementsprechend unwirtlich sind, muss man annehmen, dass die erste Besiedlung wegen der Erzgewinnung gemacht wurde. Heute noch sagen ältere Leute: „Die Stilffer stammen von den Knappen ab“.

Die erste urkundliche Nachricht über den Bergbau erscheint erst 1352.

Lehenbrief von der Herrschaft auf Hilpranden von Tschengls „um halbe vest Tschengels unnd Prad unnd halbs eysenärtzt in Sulden."

Vermutlich waren zur Gewinnung des Eisenerzes in Sulden viele Arbeiter beschäftigt, denn 1369 wird in einem Ablassbriefe „die Kapelle S. Gertrudis in valle Suldena" erwähnt.

1382 hatte diese Gertruden-Kapelle unter dem Kirchprobst Abraham Ortla bereits ein Merkbuch, in welchem die Abgaben, die dieser Kapelle zu entrichten waren, verzeichnet standen. 1434 wird das Suldner Eisenerz wieder in einer Urkunde erwähnt.

„Tirolisch lehen-revers auf die herrschaft von Heinrichen von Liechtenstain von Corneit usw.“ „Item die sag (Brettersäge) zu Prad, das eysenerzt und mairleut in Sulden mit sambt allem waidmerch, welde und wunn, so lang die Sulden rint und der Etsch nach gen Pedramaura und hinauf biß an die jöcher und an Vitzayerpach“...

In dem Buche „Tiroler Erzbergbaue“ von Wolfsstrigl-Wolfskron, Seite 318, sind für die Zeit von 1472 bis 1659 folgende Baue des Berggerichtes an der Etsch angegeben: „ Im Vinschgau waren folgende Baue: Eyrs, Martell, Schlanders, Stilfs und Sulden. In Sulden wurde auf Eisen gebaut, die anderen Orte lieferten silberhaltige Bleierze.“

Seite 258 ist vom „perkhrichterambt“ in Vinßgew, am Eyrs die Rede (1475). Während der Regierungszeit Siegmund des Münzreichen hatte der Tiroler Erzbergbau seine Blütezeit, Die unter ihm entdeckten neuen Bergwerke bereicherten aber ausländische Pächter mehr als ihn selber. Er verlegte die Münzstätte von Meran nach Hall. 1481 mußte noch das im Vinschgau erzeugte Silber und Blei an die Münze zu Meran abgeführt werden.

1485 überließ die Gemeinde Stilfs der Gemeinde Schluderns zwei Wälder in Trafoi „zur Notdurft nicht auf Ewig“. Der äußere Wald reicht vom Selantbach bis zur Arzgrube. Diese ist heute noch bekannt und auch zugänglich, (Gem.-Archiv Stilfs.)

Im Jahre 1485 suchte Jörg Schreiber „vmb das perckhrichterambt in Vintzgew mit 30 markh par folds" an.

1496, Lehen-Revers auf die Herrschaft Matthiesen von Lichtenstain „ . . . . Item das eysenärzt in Sulden“.

Schatzarchiv 541, 1518 erscheint der gleiche Lehens-Revers für Andreen von Lichtenstain.

Eine Urkunde vom Jahre 1533 (Archiv Glurns) berichtet: „ . . . Ich Wolfgang von Lichtenstain bekenne als Schenktrager und verleihe dem Jakob Trappen und Rinkmoser das Eisenbergwerk mit samt dem Rumwaldhof in Sulden gelegen.“

Der Bergwerksbetrieb muss damals vergrößert worden sein; denn im Jahre 1536 schloss der Pfarrer von Agums mit Sulden einen Vertrag wegen der Begräbnis bei der neugeweihten Gertraudenkapelle (Org. Perg.-Archiv Sulden.) Sulden, Stilfs und Trafoi gehörten damals noch zur Pfarre Agums.

Im Archiv zu Glurns ist noch eine Bergwerksrechnung vom 31. Dezember 1540 vorhanden, „Geraitt vnnd ausgefiert dis Eysenpergwerks halben jnn Sulden, am 31. Dezember die viert Raittung des 40 Jars. „Beitten von Wechingen auf ein Sechstel Theil 27 fl. 10 kr. Manng vnd Cristl Huml 10 fl. Lorentzs Spiller, Blasy Schwartzs, Augustin Mnyr Gewerken.

Eine andere Urkunde aus dem Archive Glurns meldet: „…Georg Raffl, Wasser- und Hammerschmied in Sulden hat das Eisenbergwerk bestanden gegen Zins, da sich das Bergwerk nicht rentiert, so baten sie mich (Trapp) ich möge das Bergwerk wieder zurücknehmen.“

Ph. Reeb schreibt, dass das Eisenbergwerk in Sulden 1575 noch in Betrieb stand.

1603 bewilligt Erzherzog Maximilian den Latschern die Einhebung eines Weggeldes … Die Rodleute, die Fuhrleute und Sämer, die Metall- und Erzfuhren … sind vom Weggelde ausgenommen. Chronik von Latsch, Seite 87.

Im Jahre 1652 erwarb das Kloster Marienberg „Grundgulten aus dem Razoi und Ortlerhofe in Sulden von Kaspar von Rosenberg und Anna von Droßthurn und Griesenstein.“

Das Geschlecht der Rosenberger spielt in der Geschichte des heimatlichen Erzbergbaues eine große Rolle. Es ist daher anzunehmen, dass dieses Geschlecht wegen des Bergbaues Grundgülten in Sulden erworben resp. beim Erlöschen des Bergsegens wieder veräußert hat.

Griesenstein ist der frühere Name des runden Fröhlichturms in Mals, der Droßturm befindet sich auch dort.

1667 und 1696 erhielt die Kirche in Sulden je eine Glocke. Man sagt, dass diese Glocken von den Knappen des reichhaltigen Silberbergwerkes, das einst hier (in Sulden) blühte, bevor es durch kolossale Moränen überdeckt wurde, angekauft worden seien. (Tinkhauser-Rapp, Diözesan-Beschreibung, S. 853.)

Der Altar der Kapelle in der Schmelz bei Prad zeigt folgende Inschrift: „Der Frey Gewerkhen und Arztknappen, Perkhgericht Imst, Bruderschaft-Altar. Elias Pichler der Zeit Perkrichter Alda Anno 1677.“

Es ist zu vermuten, dass dieser Altar erst nach 1734 von Imst nach Prad (Schmelz) gekommen ist. 1745 war diese Kapelle noch nicht eingeweiht.

1724 bis 1812 bestanden die ärarischen Schmelzwerke in der Schmelz bei Prad für das Silber- und Kupferbergwerk in Stilfs, (Tinkhauser-Rapp Diözesan-Beschreibung, S. 789.)

Im Jahre 1755 wurde das Urbar des Schlosses Tschenglsburg erneuert. Dasselbe enthält 152 Blätter (einige Blätter fehlen) und befindet sich im Archiv der Gem. Eyrs. In diesem Urbar steht S. 82 …“2do Beurkunden mehr allegirt allerhöchst Landesfürstliche Lehenbrief das ganze Tal Sulden mit Wun und Waid, Holz und Bewaldungen samt dem Eisen Bergwerch daselbsten zum Leihen Verliehen, Consequenter hieraus nit unschwähr zu entnehmen, dass das Jus pascendi von Suldner Thal mit der Landesfürstlichen Lehensqualität nacher Tschengelsburg gehörig privative beschlagen seye, Dargegen die Interessenten aus Sulden antwortlichen zu vernehmen geben nicht zu gedenken, weniger zu erproben, dass man von Seiten Tschengelsburg dergleichen Jus jemalen exerciert hätte, und sofern die allerhöchste Herrschaft dahin andringete, so mußten sie arme Thal Leuth aus Sulden von ihren haußhäblichen Würden sich lassen, gestallten in einem so rauch und wilden Thal keine andere Lebensunterhaltung als der alleinige Vieh-Zigl, und die blosse Waideney."

Aus dem scheint hervorzugehen, dass 1755 das Eisenbergwerk in Sulden sehr wenig Verdienst mehr brachte oder überhaupt nicht mehr betrieben wurde.

1805 wurde von der Behörde der Antrag gemacht, den Bergbau in Stilfs wieder in Angriff zu nehmen. (Ph. Reeb.) Vom Bergbau in Sulden ist keine Rede mehr.

16. 12. 1805 wurden Vorerhebungen wegen des nötigen Holzes in den umliegenden Wäldern für die Schmelzwerke bei Prad gemacht. Es wurde festgestellt, „dass die Schmelz für etwelche 20 bis 30 Jahre mit Rücksichtnehmung des Holznachwuchses mit Holz versehen werden konnte." (Ph. Reeb.) Im gleichen Jahre noch (26. 12. 1805) kam Tirol an Bayern, welches die Schmelzgebäude 1812 verkaufte.

Damit erreichte der Bergbau in Stilfs und Sulden sein Ende.

Durch die Auflassung des Bergbaues in Stilfs verlor dieser starkbevölkerte Ort eine wichtige Erwerbsquelle und fiel der Verarmung anheim.

 

2. Vom Rößlgulden und vom „Silbertembl".

Die Sage vom Rüßlgulden ist nicht nur im Suldentale, sondern in ganz Obervinschgau verbreitet. Ja es gibt alte Leute, die sogar behaupten, einen Rößlgulden gesehen zu haben. Das Bodenständige hochhaltend, war ich schon lange begierig, darauf zu kommen, ob es wirklich solche Rößlgulden gab oder nicht.

So war ich vor einigen Jahren in einer Wirtsstube in Prad. „Ganz zufällig“ sprach man von den Rößlgulden von Tembl in Sulden. Ich bezweifelte deren Existenz. Als sicheren Gegenbeweis sagte man mir, dass in der Nähe ein alter Mann wohne, der solche Rößlgulden habe. Ich suchte den Mann auf und der zeigte mir sein Schatzgeld. Ich war hochbeglückt wie einer, der nach langer Wanderung durch eine öde Gegend endlich am Ziele steht. Das Rößl war deutlich zu sehen, die Umschrift aber sagte, dass es ein Taler aus Hannover war. Dieses Land führt eben ein Rößl in seinem Wappen wie unsere Heimat den Adler.

Die vielverbreiteten Georgsmünzen mit Roß und Reiter (St. Georg darstellend) sind auch keine Rößlgulden.

Zur Eröffnung der Suldenstraße (1832), wurde, anknüpfend an die örtliche Sage, eine Gedenkmünze hergestellt mit der Unterschrift „Der Bauer von Gulden schlägt Rösselgulden“. Das Rössl befindet sich auch auf der Münze. Dadurch wurde die Sage aufgefrischt und wacherhalten.

Th. Christomannos schreibt in seinem Buche „Sulden — Trafoi“ Seite 26 auch über die Sage vom Rößlgulden. Derselbe gibt als Umschrift an:
„Sit nomen domini benedictum“.

Die Nachfrage bei alten Leuten dieser Gegend, bei Altertumshändlern und Münzenkennern, sowie in verschiedenen Museen förderte keinen Rößlgulden vom Tembl in Sulden zutage und so muss die Existenz der Rößlgulden einstweilen als sagenhaft bezeichnet werden.

Die Sage vom Venediger Mandl tritt nicht bloß in Sulden, sondern in vielen Orten auf, wo ehemals Bergbautätigkeit geherrscht hat. Das Erzblühen ist ähnlich als Sage zu bewerten. Das Sagenbuch vom Ig. Zingerle, zweite Auflage, Seite 31 bis 99, erzählt mehrere solche Sagen. *)

*) Nr. 149, 150 — 156, 157 — 162. Das Buch „Volkssagen,, Bräuche u. Meinungen aus Tirol“ von Joh. Adolf Heyl bringt auch mehrere derartige Sagen.

Dass in Sulden Bergbau auf Eisen betrieben wurde, ist urkundlich nachgewiesen, nirgends ist aber urkundlich von einem Silberbergbau in Sulden die Rede.

Nun noch einige Ausführungen über den „Silbertembl“.

Der Familienname Tembl kommt urkundlich schon seit 1646 (nicht erst 1749) in dieser Gemeinde vor. Ob und wann der erste Tembl hier eingewandert, ist aus den vorhandenen Urkunden nicht ersichtlich. Ebenso ist auch kein urkundlicher Beleg bekannt, worin ein Tembl mit der Silbergewinnung oder mit dem Rößlgulden in Verbindung gebracht wird. Wenn auch die Fundstelle des Temblerzes ein Geheimnis blieb, so konnten doch die Rößlgulden nicht geheim bleiben.

In dem umfangreichen Unbar des Schlosses Tschenglsburg, welches im Jahre 1755 neu angefertigt wurde, ist auch vom Johann Tembl-Silbertembl die Rede. Derselbe war bei der Aufnahme selbst gegenwärtig und musste — wie alle anderen Schuldner — das Einbekenntnis seiner jährlichen Zinsleistungen machen. Wenn es nun mit den Rößlgulden seine Richtigkeit gehabt hätte, dann hätte es die Grundherrschaft auf Tschenglsburg sicher nicht unterlassen, dem „Silbertembl“
die jährliche Abgabe einiger Rößlgulden als Anerkennung der Grundherrschaft vorzuschreiben.

Da die Gulden damals eine gute Kaufkraft hatten, hätte der „Silbertembl“ ein reicher Mann werden müssen, das geht aber aus den folgenden Urkunden nicht hervor.

Bei der Gründung der Pfarre Sulden im Jahre 1743, wo doch viele einheimische Leute nach ihren Kräften Beiträge in Geld und Naturalien stifteten, fehlt die Familie Tembl ganz. Gerade der vom Glück begünstigte „Silbertembl“ hätte sicher einen großen Beitrag gespendet, wenn er die Rößlgulden selbst hätte schlagen können.

Seite 54 bringt das Urbar von Tschenglsburg Nachricht über unsern Johann Tembl.

„Ortlhof“,

„Besitzt zum Eigenthum Johannes Tembl, so besteht in der Bannrecht und Gerechtigkeit einer Behausung, Hof, Hofstatt, Stadl, revdo Stallung, Pachofen, Krautgarten, Theil und Gemein zu Berg und Thal Wießfelder, Wun und Waid, auch Wasser und andere Gerechtigkeiten, wie vor Alters nichts davon ausgenohmen, worvon seynd die Coherenzen in einem Bezirch und einem Einfang mit den Hof Morgents Josephen Schöpf, so zwo Theil aus dem Ortlhof bewohnt, und den Grundzins nacher Löblichen Kloster Marienberg geben und raichen soll, welches alda ganz unprojudicirlich und mit deme merksweiß angeführt dessenthalben Nachschlag und Untersuchung zu halten, Mittentag an Kirch- oder Santhof. Abend an den Gmain Bach und Mitternacht an den gemeinen Ohrholz. Hierüber ein jeweiliger Lehens Vasall und Innhaber des lehenbaren Schloß Tschenglsburg die ordentliche Grundherrschaft, derowegen jeder Innhaber allhie auf aignen Unkosten zu antworten alle Jahr zu St. Galli Zinßzeit gute Zinß Waar Käß 5 Scheet, und Schmalz 16 March. Diese Prostanda und was ohne das einen Grundholden vermig Lands Rechten obliget, allzeit zu prostieren der Innhaber neuerdings gegenwärtig Landsfürstlichen Comission zugesagt und versprochen, darumen auch allhie das Hand Anloben erstattet worden, mit dem berichtlichen Beysatz, daß Er Tembl zum Fingerzeig gegeben, daß in obigen Grund und Boden mitten in denen Wiesen annoch ein Feuerstatt gestanden, und allhero incorporiert ware, so dermalen aber unbewohnt lieget. *) Sage Grlmdzinß.

Schmalz 16 March. Kaas 5 Scheet. Ansonsten und sonderpar raichet dieser Hof in das Löbliche Früh-Meß-Beneficium Tschengls alle Jahr in gleichen auf Galli per Tschengls zu antworten 10 Scheet Käß, darumen auch und zugleich die Anlobung wie hie oben beschehen proftieret hat.“

Im gleichen Urbarbuch, Seite 144 steht noch folgende Notiz:

„Sohin in Sulden liegt ain nacher Schloß Tschenglsburg grundzinßbarer Hof, welchen Johann Tembl de facto bauet und hat in das Frühmeß-Urbari nacher Prad auf seine Unkosten alljährlich zu Galli Zeit richtig zu antworten 10 Scheet Käß gute Wehrung, id est Käß 10 Scheet.“

*) Diese Bemerkung wird sich auf den zerstörten Hof beziehen, der im Schlern IV 157, vorletzter Absatz, erwähnt wird.

Johann Tembl musste also von seinem Eintrittel Ortlhof und einem anderen Hof, den er bebaute, der aber nicht sein Eigentum war, 15 Scheet Käse und 16 March Schmalz jährlich zinsen.

Laut Steuerkataster der Gemeinde Stilfs vom Jahre 1787 (in welchem Jahre der Silbertembl starb) besaß derselbe als Eigentum (Cat. Nr. 1009, 1011) vom Ortlhof Eindrittel und vom Kirchhof Einhalb. Diese Höfe wurden damals bewertet: Der ganze Qrtlhof - 2370 Gulden, der ganze Kirchhof - 1600 Gulden. Das gleiche Steuerkataster gibt auch die Natural-Zinsen an, welche diese Hofanteile jährlich zu leisten hatten und die waren nicht gering. Siehe nachstehende Aufstellung:

Wenn man bedenkt, dass im Hochtal Sulden keine Brotfrucht gedeiht und dieselbe daher für das ganze Jahr gekauft wird, so muß man schließen, daß der „Silbertembl“ kein reicher Mann gewesen ist, denn seine Hofanteile wurden durch die Naturalzinsen stark belastet. Heute lebt in Sulden nur eine Familie mehr, die den Schreibnamen Tembl führt.

Wer hat einen Rößlgulden?

Stilfs, im Juli 1923. Heinrich Waschgler. Lehrer i. P.

Quelle: Heinrich Waschgler, "Der Tembl von Sulden schlägt Rößlgulden", in: Der Schlern, Monatsschrift für Heimatkunde, Zeitschrift des Vereins für Heimatschutz. 4. Jahrgang, 8. Heft, August 1923, S. 262 - 265.
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