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Aus der Geschichte des Schladminger Bergbaues.
von Dr. Heinrich Kunnert

Dort, wo der Schienenstrang der Eisenbahnlinie Selztal — Bischofshofen durchs Ennstal der salzburgischen Grenze zustrebt, liegt hart am Austritt des tosenden Talbaches ins Haupttal das schmucke Städtchen Schladming. Es ist seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, seitdem wackere Pioniere des Alpinismus die Schönheiten dieses Fleckens deutscher Erde der Allgemeinheit kündeten, das ersehnte Ziel vieler Menschen, die in den Sommertagen durch Wandern und Bergsteigen angesichts des gigantischen Hohen Dachsteins oder der düsteren Tauerntäler ihren Körper kräftigen und ihre Seele mit neuer Zuversicht erfüllen wollen.

Einst war es anders. Da war es nicht erstrebenswert, die sonnigen Bergeshöhen jauchzend zu erklimmen, sondern in die Bergestiefen drangen die Menschen mit Schlägel und Spitzhaue, um silber- und kupferhältige Erze ans Tageslicht zu fördern. Im Innern der Tauernberge lag die wirtschaftliche Blüte, deren sich das Städtchen Schladming in früheren Jahrhunderten erfreute, begründet. Durch ein Privileg der Königin Elisabeth, der Gemahlin Albrechts I., erhielt Schladming 1304 bedeutende Rechte und Freiheiten. Auch der berühmte Bergbrief des Bergrichters Leonhard Egkelzain (1408), in welchem die Gewohnheitsrechte und Gebräuche festgelegt erscheinen, die damals beim Schladminger Bergbau in Übung standen, lässt die aufsteigende Entwicklung des Bergbaues erkennen. Der Brief wurde in weitgehendem Maße das Vorbild der übrigen alpenländischen Bergordnungen und einzelne seiner Bestimmungen blieben in der österreichischen Berggesetzgebung bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts in Kraft. Bis tief ins 16. Jahrhundert konnte der Schladminger Bergbau trotz den schweren Wirren und Schicksalsschlägen zur Zeit der Glaubenskriege eine beachtenswerte Stellung behaupten. Die folgenden wirtschaftlichen Umwälzungen, vielleicht auch ein teilweises Versiegen der Erzadern, führten seinen allmählichen, aber sichern Niedergang herbei. Seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sind die Hammelschläge, die dereinst der Stadt und ihren Bewohnern Glück und Segen brachten, verklungen — wohl auf immer.

Oberhalb der Stelle, wo der Talbach aus seiner felsigen Schlucht tritt, um in raschem Lauf der Enns zuzueilen, kann man heute noch eine turmartige Ruine in die Lüfte ragen sehen. Dort stand einst die „Vest zu Schlädming", die 1350 zum ersten Male erwähnt wird 1) und die Pforte zu den Bergrevieren bewachte. Vom Leben und Treiben des emsigen Bergvölkchens, das dort an der Arbeit war, von Gewerken und Knappen, sollen auf Grund des uns erhaltenen aktenmäßigen Materials 2) im folgenden einige kleine Skizzen gezeichnet werden.

1) In späteren Jahrhunderten diente die Festung als Staatsgefängnis.
2) An Akten wurden benützt: Hofkammerarchiv Wien, I.-Ö. Fasz. 18.335/I u. 18.332 sowie I.-Ö. Herrschaftsakten 18.389, S 1/211/2; L. R. A. Graz, Hofkammerakten; L. R. A. Innsbruck, Maxim. und Kopialbücher. Außerdem wurden noch die Gedenkbücher des Hofkammerarchives Wien herangezogen.

 

I. Schladminger Gewerken im 16. Jahrhundert.

Einen Blick gerade für diesen Zeitraum auf die Gewerken zu tun, legt nicht nur das für diese Zeit reicher erhaltene  Aktenmaterial nahe, sondern veranlasst auch der Umstand, dass sich im 16. Jahrhundert die wirtschaftlich bedeutsame Erscheinung des Eindringens des süddeutschen Kapitals in den Schladminger Bergbau zum ersten Male belegen lässt. Wollte man einen nennenswerten Ertrag aus dem Bergbau ziehen - so war hiezu in dieser Zeit mit seiner fortgeschrittenen kostspieligen technischen Betriebsführung und dem längst ausgebildeten Lohnarbeiterstand ein bedeutendes Kapital nötig. Die heimischen Gewerken brauchten Zubußen von Seite geldgebender Handelsherren. Andernfalls konnten sie ihren Betrieb nur unrentabel fortführen, kämpften stets mit Geldschwierigkeiten oder gerieten gar in Schulden. Im Handel erworbene Vermögen der „Süddeutschen" bildeten die Basis zu kapitalistischen Investitionen im Bergbau. Die süddeutschen Kapitalisten treten zuerst bei dem Kupferbergwerk in der Walchen bei Öblarn, das ja auch innerhalb des Verwaltungs- und Gerichtsbezirkes der Schladminger Bergbeamten lag, in Erscheinung. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts (1552) wendeten dort Lukas Sitzinger aus Nürnberg und Andreas Prantmair aus Augsburg große Summen zur Emporbringung des Bergbaues auf. Von Augsburg ging ja frühzeitig die kapitalistische Ausbeutung der Bergwerke aus und die Prantmair, die aus der Kürschnerzunft stammten, verzeichneten, wie aus den Augsburger Steuerbüchern der Jahre 1489 bis 1522 ersichtlich ist, einen kolossalen Aufstieg in der Vermögensbildung. Lukas Sitzinger hingegen war seit Jänner 1514 Bürger in Augsburg [handschriftliche Anmerkung vermutlich vom Autor Kunnert: „Nürnberg“], und seit 1510 mit Esther Fugger von Reh verheiratet 3). Die Augsburger „Chronika newer geschichten von Wilchelm Rem (1515 - 1527)“ berichtet von einem Nürnberger Kaufmann Laux (Lukas) Sitzinger, der am 8. September 1515 gemeinsam mit Augsburger und Ulmer Kaufleuten auf der Reise nach Frankfurt zwischen Aschaffenburg und Miltenberg von Götz von Berlichingen überfallen und gefangen genommen wurde.

3) Auf Grund der liebenswürdigen Mitteilung des Bayrischen Staatsarchives Nürnberg.

Um 1570 haben die Sitzinger und Prantmair auch den Bergbau in der Schladminger Gegend aufgenommen; vorher schon dürften Lukas Sitzinger und Andreas Prantmair gestorben sein; seit 1569 werden als Gewerken Gebrüder Hans und Lukas Sitzinger, die Söhne des obgenannten Lukas, und die Prantmairschen Erben genannt. Mit ihnen gemeinsam bauten damals auch die Gebrüder Hans und Christoph Weitmoser.

Das Schmelzen der Erze bestimmter Schladminger Gruben konnte seit 1570 von den Gewerken nicht mehr mit Nutzen durchgeführt werden; sie erhielten daher vom Landesfürsten die Erlaubnis, 200 Zentner nach Kitzbühel zu führen, um sie dort im Hüttenwerk der Kössentalerschen Gewerkschaft, die 1554 gegründet worden war und an der sie mitbeteiligt waren, versuchsweise zu schmelzen. Der Erfolg scheint ein guter gewesen zu sein, denn 1573 erhielten die Gewerken die Bewilligung zur Ausfuhr der Erze bestimmter Gruben gegen Entrichtung der üblichen landesfürstlichen Gefälle (Fron und Wechsel).

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts scheint die Verbindung der Sitzinger und Prantmair aufgehört zu haben oder vielleicht der Ankauf der Prantmairschen Anteile durch die Sitzinger erfolgt zu sein. 1590 werden die Sitzingerischen Erben nur mehr allein genannt. Zu dieser Zeit beabsichtigten sie die Wasserhebung in einem alten Stollenbau im Schladminger Obertal (unterhalb des Duisitzkars) und ersuchten unter Hinweis auf die hohen Löhne und die herrschende Teuerung um einen Kostenbeitrag der landesfürstlichen Kammer. Deren schlechte Finanzlage ließ aber eine derartige Aufwendung nicht zu. Ein Mitglied der Familie Sitzinger, Lukas Sitzinger, wurde 1605 zum Oberstbergmeister ernannt. Über seine Person sind wir durch eine Notiz in einer umfangreichen Genealogie, die sich in der Handschriftensammlung des Staatsarchives Nürnberg befindet, näher unterrichtet. Er wurde am 18. September 1556 geboren und vermählte sich im Jahre 1581 mit Judith Schlaher von Minckau. 1606 verzichtete er, wie es dort heißt, auf sein Nürnberger Bürgerrecht, nachdem er zum Bergmeister des Erzherzogs Ferdinand I. ernannt war („Ipse renunciat juri civitatis 1606, factus prefectus metallicus Ferdinandi archiducis Austriae in Stiria“ 4). Lukas Sitzinger besaß wie seine Vorfahren Anteile beim Kitzbüheler Bergwerk, wie auch in Öblarn und Schladming; die letztgenannten verkaufte er bei der Übernahme des Oberstbergmeisteramtes. Das letztemal finden die Sitzinger im Jahre 1609 eine aktenmäßige Erwähnung.

4) Auf Grund der liebenswürdigen Mitteilung des Bayrischen Staatsarchivs Nürnberg.

Etwas später als die Sihinger und Prantmair tritt die Pernstainerische Gewerkschaft in Erscheinung. Sie hieß so wahrscheinlich nach dem „Pernstain", heute Parnstein, zwischen dem Obertalbach und dem Preuneggbach, südwestlich der Hopfriesenhütten (Alm). Diese Gewerkschaft stammte ebenfalls aus Süddeutschland; denn im Jahre 1576 quittierte der Augsburger Bürger Georg Vittel im Namen der Sitzingerischen und Prantmairschen Erben sowie der Pernstainerschen Gewerkschaft eine Summe Geldes für Silber, das in die Grazer Münze geliefert worden war 5). Die Gewerkschaft investierte im Schladminger Bergbau einige tausend Gulden, musste jedoch 1578 bei der Kammer um Gnadengelder supplizieren, wobei sie die Vermittlung der im Februar dieses Jahres zu Bruck a. d. M. versammelten Ausschüsse der innerösterreichischen Länder in Anspruch nahm. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts betrieb sie den Bergbau gemeinsam mit dem Tiroler Gewerken Abraham Katzbeck.

5) G. Probszt, Innerösterreichische Münzpolitik von 1564 bis 1619, Numismat. Zeitschrift, 57, S. 40. Vergl. auch K. Kunnert, Die Silberversorgung österr. Münzstätten durch den Schladminger Bergbau im XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts, Numismat. Zeitschr. 61, S. 59 ff.

Neben den süddeutschen Gewerken trieb aber auch eine namhafte Anzahl von heimischen Gewerken Bergbau im Schladminger Gebiet, wenn auch in viel geringerem Umfange.

Da ist in erster Linie das Stift Admont zu nennen, das schon seit der Zeit seiner Gründung ausgedehnte Besitzungen im obersteirischen Ennstal besaß. Die Gruben lagen durchwegs im Schladminger Obertal und wurden von admontischen Stiftsbeamten, vom Stiftsschaffer oder Stiftskämmerer, verwaltet. Die Einschmelzung der Erze wurde in den stiftischen Schmelzhütten zu Mühlau vorgenommen. Seit 1577 schweigen die Quellen über einen Bergbaubetrieb Admonts im Schladminger Bergbaubezirk 6); erst aus dem Jahre 1645 sind uns wieder Nachrichten darüber erhalten.

6) I. Wichner, Das Kloster Admont und seine Beziehungen zum Bergbau und Hüttenbetrieb, Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch, 39.

Neben dem Stift Admont waren auch die Weitmoser aus Gastein und Rauris angesehene Gewerken. Christoph Weitmoser d. Ä., dem das Bergglück hold gewesen war und der zu den Geldgebern Ferdinands gehörte, hatte um 1559 Bergwerke und andern Besitz in Schladming und baute seit ungefähr 1557 auch im Walchental bei Öblarn. Mit Hilfe des dort gewonnenen Kieses verarbeitete er die silberhaltigen Schladminger Bleierze in seinem Schmelzwerk zu Schladming, 1569 bauten die Weitmoser, wie erwähnt, gemeinsam mit den Sitzingern und Prantmairn und 1571 vereinigten sie sich mit den „Kirchbergerischen Herren" zu einer Gewerkschaft. Seither werden sie nicht mehr erwähnt. Christoph d. J. hatte durch seine schlechte Finanzwirtschaft den Niedergang der Familie verursacht.

Von kleineren Gewerken sei noch auf den Schladminger Bürger Georg Vintzgold hingewiesen, der schon seit Beginn des Jahrhunderts gemeinsam mit dem Admonter Bürger Oettelmayr und dem Hauser Bürger Leonhard Rauscher zu Schladming Bergbau betrieb. Er gehörte zu denjenigen Gewerken, die den Bergbau aus eigenen Kräften nicht mehr führen konnten. Ihm kamen 1548 süddeutsche Gelder aus Eßlingen und Reutlingen zu Hilfe 7). Um die Mitte des Jahrhunderts begegnen wir den Besitzern der Herrschaft und Burg Strechau, Barthlmä und Jakob von Mosheim, die auch im Lungau Bergwerke besaßen, als Gewerken. Neben diesen sind uns noch eine Reihe von Namen von Kleingewerken überliefert, so z. B. Wulpenhofer, Alt, Trim, Reichenpüchler, Graf, Steffen und Koppesch. Sie alle suchten Unterhalt und Nahrung im Schladminger Bergbau.

Die Wende des 16. Jahrhunderts fand den Schladminger Bergbau im fortschreitenden Rückgang. Wohl investierte der „Kirchbergerische Handel“ aus Tirol - darunter auch der Augsburger Matthias Katzbeck - Kapitalien im Schladmingcr Betrieb, wohl waren die Bergwerksfaktoren der Legrantinischen Handelsleute und des Ratsherrn Paul Behaim aus Augsburg hier tätig; trotz all dem war der Niedergang des Bergbaues unaufhaltsam, hauptsächlich verursacht durch die schweren Erschütterungen, denen damals das gesamte europäische Wirtschaftsleben ausgesetzt war, wobei aber in unserem Falle auch die Folgen der vielfach harten und einschneidenden Maßnahmen der Regierung gegen die protestantischen Gewerken und Knappen nicht übersehen werden dürfen. Kennzeichnend für die Lage des Bergbaubetriebes ist die Verpachtung aller landesfürstlichen Gefälle an den Hof-Vizekanzler und Geheimen Rat Balthasar Layman mit Beginn des Jahres 1617. Am Ende der zehnjährigen Pachtzeit jedoch standen auch die Erben des inzwischen verstorbenen Hof-Vizekanzlers am Ende ihrer Kräfte.

 

II. Die Begrenzung des Schladminger Berggerichtsbezirkes.

Alle uns zugänglichen Quellen lassen innerhalb des Schladminger Bergbaugebietes drei Hauptbaugebiete unterscheiden: das Schladminger Bergbaugebiet im engeren Sinn, den Bergbau im Walchental (südöstlich von Öblarn) und den im Tale der Kalten Mandling, hart an der Salzburger Grenze. Das Schladminger Baugebiet erstreckte sich über die sogenannten „Schladminger Tauern" und deren nördliche Ausläufer, die längs des Obertales und des Preuneggbaches gegen das Ennstal streichen, und hatte sein Zentrum rings um den Giglachsee; der Bergbau im Walchental, das von Öblarn nach Südosten zieht, hatte seinen Mittelpunkt im rückwärtigen Teile dieses Tales, nördlich der heutigen Ortschaft Walchen am südlichen Abhang des Karlspitz; das Gebiet des Mandlinger Bergbaues erstreckte sich endlich am linken Ufer der Kalten Mandling, nördlich der Ortschaft Mandling.

Einen Schladminger Bergrichter finden wir erstmalig im „Schladminger Bergbrief" vom Jahre 1408 erwähnt. Die Baue im Walchental und an der Mandling werden erst im 16. Jahrhundert als unter die Jurisdikationsgewalt des Schladminger Berggerichtes gehörig bezeichnet.

Eine bessere Kenntnis des Umfanges des Schladminger Berggerichtsbezirkes vermittelt uns eine Quelle aus dem Jahre 1582 1). Ein „Verzaichnus der Töller und wälter im obern Enstal und soweit sich daz Perckhgericht Schlädmmg erstrecken solle, nemblich von der Mandling und Vorsta 2) (der Salzburgischen Granitzen) untzt gegen der Donspacherische Confin 3), der andern seitn hinein für Aussee wie der her Perckrichter ainzaigt auf die Pötschn hernach volgt" führt alle zum Schladminger Bergbaubezirk gewidmeten Täler an und macht es dadurch möglich, die Berggerichtsgrenze festzustellen, und zwar südlich der Enns fast lückenlos, während nördlich des Flusses der Verlauf aus der Lage der angegebenen Widmungstäler nur vermutet werden kann.

1) Landesregierungsarchiv Graz, Hofkammer, 1582, Oktober, Nr. 20.
2) Forstau, rechtes Seitental der Enns, westlich der salzburgisch-steirischen Grenze.
3) Donnersbach, Herrschaft mit Landgericht, südlich von Irdning.

Die Grenze verlief demnach vom Paß Mandling längs der steirisch-salzburgischen Landesgrenze nach Süden und erreichte im Mereck den Tauernkamm. Von hier folgte sie der Landesgrenze nach Osten 4) bis zum Preberthörl (2193 m) und weiter der Grenze zwischen den Landgerichten Wolkenstein und Obermurau bis zum Idlereck, wo die Landgerichte Wolkenstein, Obermurau, Rotenfels und Donnersbach zusammenstießen. Von hier wendete sich die Grenze gegen Norden und folgte dem Verlauf der Grenze zwischen den Landgerichten Wollenstein und Donnersbach bis dorthin, wo oberherhalb von Raumberg die Landgerichtsgrenze den Donnersbach trifft. Die Grenze folgte nun dem Donnersbach beiläufig bis zum Schloß Gumpenberg, um in nordwestlichem Verlauf, Altirdning links liegen lassend, oberhalb des Marktes Irdning den Ennsfluß zu treffen. Die Grenze folgte dann der Enns flußabwärts bis Neuhaus, wo, wie das Verzeichnis sagt, „auch das obere Enstal enden soll". Von hier aus verlief die Grenze etwa folgendermaßen: von Neuhaus in nordwestlicher Richtung hinter dem Grimming in die Klachau, von da nach Westen gegen Mitterndorf, von hier in nordöstlicher Richtung den östlichen Hängen entlang, die den Salzabach begleiten, bis ungefähr zum Lawinenstein. Von hier scheint sich die Grenze nach Westen gewendet zu haben und gegen die Pötschenhöhe verlaufen zu sein. Schließlich folgte die Gerichtsgrenze der oberösterreichisch-steirischen Landesgrenze bis zum Thorstein, (Dachsteinstock), von wo sie, der steirisch-salzburgischen Landesgrenze folgend, bei der Mündung der Kalten Mandling (beim Paß Mandling) den Ennsfluß erreichte.

4) Vergleiche hiezu und zum folgenden: Historischer Atlas der Alpenländer, Landgerichtskarte, Blätter, 9, 10, 17 und 18.

So umfaßte — zumindest seit dem 16. Jahrhundert — das Berggericht Schladming ein Gebiet von ansehnlicher Ausdehnung, das auch über die Grenzen des Wolkensteiner Landgerichtes hinausgriff.

 

III. Die Gewinnung der Erze und der Schmelzprozess.

Quellen: Akten aus dem Landesregierungsarchiv in Graz: Hofkammerakten und Innerösterreichische Sachabteilung (insbesondere Fasz. 42 und 50) sowie die österreichischen Gedenkbücher aus dem Hofkammerarchiv in Wien. — Literatur: Jugel I. G., Die vollkommene Bergwerkskunst oder der Bergmann vom Leder und der Bergmann vom Feuer, 2 Tle., Berlin 1771; Redlich K., Die Walchen bei Öblarn. Ein Kiesbergbau im Ennstal, Berg- und Hüttenmänn. Jahrb. 51, Wien 1903; Scheuchenstuel C., Idiotikon der österr. Berg- und Hüttensprache, Wien 1856, und Zycha A. Artikel „Bergbautechnik und Betriebsgeschichte" in Hoops, Reallexikon der germanischen Altertumskunde I., Straßburg 1911 - 1913.

In der Zeit der Blüte des Schladminger Bergbaues wurden die Erze durchwegs durch Tiefbau gewonnen. Trotz der hohen Gebirgslage einzelner Gruben wurde auch im Winter gearbeitet. So mussten im Dezember des Jahres 1524, als wegen eines ernsten Knappenaufruhrs der Vizedom Wolfgang Graßwein die Untersuchung führte, die Knappen durch Eilboten vom Berg zur Verhandlung gerufen werden.

Um den Abbau im festen Gestein mit dem Gezähe zu ermöglichen, war die Auflockerung der Gesteine durch einen eigenen Vorgang, „das Feuersetzen", notwendig, worüber der Artikel 7 des „Bergbriefes" besondere Bestimmungen enthält. Es wurde hiebei durch brennende Holzscheite das Gestein rasch erwärmt, dann durch Bespritzung mit Wasser oder Essig rasch abgekühlt, so dass Risse und Fugen entstanden, in die Keile und Brecheisen für die weitere Gewinnungsarbeit eingetrieben wurden. Vorschriften über das gemeinsame „Feuersetzen" waren bei der Nähe und dem teilweise unterirdischen Zusammenhang der Schächte notwendig.

Die in den Gruben geförderten Erze wurden zu bestimmten Terminen, den Raitungen — im 16. Jahrhundert waren dies Fastnacht, Ostern, Pfingsten, Jakobi, Matthäi, Martini und Weihnachten —, unter den veranteilten Gewerken verteilt, wobei der Froner, der die Aufsicht über die Teilung führte, die Frone (Bergzehent) in Empfang nahm und auch die Arbeiter ihre Löhnung von den Gewerken erhielten. Bei dieser Gelegenheit nahm der Froner von jedem Kübel oder Wagen die Probe, gab sie in Säcke, die hernach versiegelt ins Amtshaus nach Schladming geschickt wurden, wo sie in eine versperrbare Truhe gelegt wurden, woraus dann jeder Gewerke, der eine Probe haben wollte, dieselbe vom Gerichtsdiener erhielt.

Die Erze wurden sodann zu den Schmelzhütten transportiert. Vorher wurden jedoch solche mit geringer Hältigkeit („die armen und geringen Erze") zu den „Pochwerken", die sich in der Nähe der Gruben befanden, gebracht. Dort wurden mittels Stampfen, die durch Wasserkraft betrieben wurden, die Erze zu Gesteinsmehl gepocht, aus dem dann auf trockenem oder nassem Wege die edlen Erzteilchen („Schlich") von den tauben Gesteinsteilchen geschieden („in die Enge gebracht") wurden.

Der Erztransport zu den Hütten wurde in verschiedener Weise bewerkstelligt. Zu den Hütten in Schladming wurden die Erze aus dem Schladminger und Mandlinger Baugebiet durch Erzsäumer auf Pferden „gesäumt" oder geführt. In der Walchen, wo die Schmelzhütten unmittelbar am Berg lagen, wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts das Erz durch Sackzieher zu den Hütten gebracht.

In den Hütten zu Schladming wurde auf Silber und Kupfer, in der Walchen ursprünglich nur auf Schwarzkupfer (Rohkupfer), seit Mitte des 16. Jahrhunderts auch auf Silber geschmolzen. Gleichzeitig wurde hier auch Kupfervitriol gesotten.

Die Maximilianische Bergordnung bestimmte ausdrücklich, dass das Abtreiben des Silbers unter Aufsicht des Bergrichters und des Froners zu geschehen habe, die hierüber genaue Aufzeichnungen führen, das gebrannte Silber wägen und mit der kaiserlichen Präge („Schilt") versehen sollten. Ähnliche Bestimmungen traf auch die Ferdinandeische Bergordnung, die hiefür neben dem Bergrichter einen eigenen Beamten, den Silberbrenner, namhaft machte. Einen solchen Silberbrenner finden wir in Schladming schon gegen Ende des 15. Jahrhundertes. Diese Beaufsichtigung scheint aber von den Beamten nicht immer zur Zufriedenheit der Kammer ausgeübt worden zu sein. So führte die Kommission, die 1568 den Schladminger Bergbau visitierte, Beschwerde darüber, dass zu Schladming und in der Walchen die Gewerken das Silber selber treiben und brennen und erst dann nach Schladming zur Waage führen. Diese Visitation scheint eine Regelung der bergbehördlichen Aufsicht des Silberbrennens herbeigeführt zu haben, denn im Jahre 1570 führten die Walchener Gewerken das Silberbrennen nicht mehr selbst durch, sondern ließen dies durch den „geschworenen Silberbrenner" in Schladming besorgen, der nach dem Brennen das Silber abwog und einschrieb. Der Silberbrenner wurde hiefür nach der Mark gebrannten Silbers von den Gewerken bezahlt.

Der Verlauf der einzelnen Phasen des Schmelzprozesses wurde in Schichtbüchern eingetragen. Das Ergebnis jeder einzelnen Phase wurde durch Wägen und Probieren der Schmelzprodukte festgestellt.

Das erste Verfahren, dem die Kiese unterzogen wurden, war das „Rösten". Es hatte den Zweck, den größten Teil der dem Schmelzprozess nachteiligen Stoffe, insbesondere den mit Arsenik vermischten Schwefel, zur Verflüchtigung zu bringen sowie das gebundene Wasser zu entfernen. Man röstete eine Menge von 200 - 300 Kübeln Kies auf einmal, was eine Zeit von 24 - 25 Wochen in Anspruch nahm. Dem Rösten folgte das „Rohschmelzen" (auch „Roharbeit" genannt) mit Schlacken und sonstigen unreinen Schmelzprodukten. Dieser Prozess bewirkte die Konzentration des ganzen ausbringlichen Gehaltes an Kupfer und Silber durchschnittlich auf das Zehnfache. Dieses Schmelzen wurde solange fortgeführt, bis der „Rohlech", der Schwefel, Arsen, Eisen, Kupfer und Silber enthielt, erzielt war. Der Lech wurde abgestochen, während der größte Teil des Eisens und der erdigen Bestandteile als Schlacke fiel. Das Rohschmelzen wurde in der Walchen in vier Öfen, in drei aufeinanderfolgenden ansteigenden Feuerungsstärken, vorgenommen.

Sobald sich aus dem Rohschmelzen ein Lech in der Menge von 100 Zentner angesammelt hatte, wurde er noch dreimal geröstet und dann mit bleihaltigem Zeug, wie Bleiglätte 1), bleihaltigem Herd 2) und den bisher abgefallenen Zwischenprodukten umgeschmolzen („gesaigert"), wobei sich das Silber mit dem Blei zu „Reichblei" vereinigte (auch „Werkblei" genannt). Das gewonnene Reichblei enthielt einen Teil des Silbers, der andere Teil des Silbers und sämtliches Kupfer fiel jedoch als Kupferlech, Bleispeise und silberhaltiges Gekrätze 3). Sobald sich eine Menge von zirka 100 - 130 Zentner Reichblei angesammelt hatte, wurde mit dem Abtreibprozess begonnen. Das Blei wurde hierbei durch Sauerstoffaufnahme leicht schmelzbar und es bildeten sich als Endprodukte Beiglätte [Bleiglätte] und „Silberblick", ein Silber, das noch zum Teil durch Nebenprodukte verunreinigt war. Das Blicksilber wurde genauestens gewogen und beschrieben und sodann in die „Brenngaden" gebracht, wo es durch öfteres Umschmelzen im „Test" 4) feingebrannt wurde. Die Mark dieses feingebrannten Silbers („Brandsilber") hielt bei der Probe 15 Loth 2 3/16 Quintel bis 15 Loth 3 Quintel Silber 5). Mit dem Feinbrennen war das Silbermachen beendigt und das erzeugte Brandsilber konnte als „Kaufmannsgut" verwertet werden.

1) Bleioxyd, das beim Silberabtreiben entsteht.
2) Herd nennt man die Sohle bei den Blei-, Kupfer und Silberraffinerieöfen. Er ist gewöhnlich aus Sandmergel und wird beim Schmelzprozess von den Metallen durchdrungen.
3) Abfall beim Schmelzprozess.
4) Test ist eine eiserne Schale, die mit Mergel oder feuerfestem Ton ausgeschlagen ist
5) 1 Mark = 16 Loth; 1 Loth = 4 Quintel; 1 Quintel = 4,385 Gramm.

Zur Erlangung des zweiten Endproduktes, des Kupfers, musste der beim Reichbleischmelzen gefallene Kupferlech weiteren metallurgischen Prozessen unterzogen werden.

Der Kupferlech wurde mehrmals geröstet und sodann unter Beschickung mit eigenen Schlacken, Quarz und dem beim Schwarzkupferschmelzen entstandenen Spurstein 6) niedergeschmolzen. Der Prozess ergab eine weitere Entsilberung des Kupferlechs zu Kupferstein und eine Silberansammlung im „Hartwert". Der Kupferstein wurde sodann sieben- bis achtmal geröstet und dann auf „Schwarzkupfer" geschmolzen, wobei als Nebenprodukt auch Spurstein entstand; das Schwarzkupfer, das eigentliche Rohprodukt aus dem Kupferschmelzen, wurde auf offenen „Garherden" 7) nochmals umgeschmolzen und gereinigt. Dieser Prozess lieferte das handelsfertige Kupfer (Rosettenkupfer) 8).

Das Rösten der Kiese wurde in Öfen mit lebhaftem Luftzug (Flammöfen) vorgenommen, dagegen das Schmelzen in kleinen Schmelzöfen (Krummöfen).

Das Vitriolsieden ging in der Walchen derart vor sich, dass die gerösteten Kiese zuerst abgelaugt und die entstandene Lauge in Bleipfannen konzentriert wurde. Sodann wurde die Lauge durch Absitzenlassen von mechanischen Verunreinigungen befreit und in Holzbottichen der Kristallisation überlassen.

Außer den Kiesen wurden natürlich auch die gewonnenen Bleierze verhüttet. Ihre Verhüttung kann aber in Ermanglung irgendwelcher Beschreibungen und Berichte nicht quellenmäßig dargestellt werden. Wir dürfen aber wohl annehmen, dass der Verhüttungsprozess der Bleierze von dem an anderen Orten damals üblichen nicht wesentlich abwich. Die Bleierze wurden hierbei zu einer bleihaltigen Masse (Werkblei) geschmolzen, woraus durch den Treibprozess nach Ablassung des silberarmen Bleioxydes der Silberblick gewonnen wurde. Der noch stark bleihaltige Blick wurde im Test zu Brandsilber feingebrannt.

6) Spurstein, ein Halbprodukt, das aus Schwefelkupfer, Schwefeleisen und Schwefelsilber besteht.
7) Feuergrube mit Gebläsen.
8) Kupfer, das in dünnen Scheiben in Verkehr kam.

 

IV. Der Schladminger Bergbau im Bauernkrieg.

Wenn auch von einer Auswirkung des Bauernkrieges auf den Schladminger Bergbau vor dem Sommer 1525 nicht die Rede sein kann, so gehört wohl die Darstellung eines Ereignisses, das im Dezember 1524 in Schladming religiöse Unruhen verursachte, in diesen Zusammenhang, da hierdurch die Stimmung, die damals unter dem Bergvolke herrschte, eine Charakterisierung erfährt.

Es handelt sich um die Empörung der Bergknappen gegen die Verhaftung eines Priesters namens Franz, der gegen die katholische Kirche predigte 1). Dieser Priester predigte zwar „nicht wider die Evangeli oder anders als die Evangeli", fand aber scharfe Worte gegen den Geiz und die Missbräuche der Priesterschaft und erging sich in gröblichen Beschimpfungen der „reichen Pfaffen und Prälaten, die dem christlichen Volk kein gute Lehr und Exempel vortragen". Wahrscheinlich war dies ein fremder Priester — die Bergleute hatten ja ohnehin ihren Knappenbruderschaftskaplan —, der das Bergvolk um sich sammelte und ihm die Lehre Luthers vortrug. Der Stadtrichter von Schladming ließ deshalb wohl auf Befehl der Regierung diesen Priester verhaften und im Schladminger Gerichtshause in Ketten legen. Dies verursachte bei den Bergknappen ungeheure Aufregung. Sie befürchteten, dass der Priester, dessen Lehre sie anhingen, dem Salzburger Erzbischof ausgeliefert werde, verlangten, es solle mit dem Priester in Schladming selbst „disputiert" werden, und empfanden größten Unwillen darüber, dass er beim Stadtrichter, nicht beim Bergrichter gefangen gehalten werde. Die Hutleute — namentlich werden Sprinz, Schuttenperg und Krieg genannt — waren die Führer der Bewegung und gaben dem Stadtrichter brieflich bekannt, dass sie nicht dulden wollten, dass er ins Berggericht eingreife.

1) Grundlage der folgenden Darstellung ist der Bericht des nach Schladming zur Untersuchung entsandten steirischen Vizedoms Wolfgang Graßwein. Leoben 1524, 22. XII, Hofkammerarch. Wien, Fasz. 18.335/I.

Als nun der Rat der Stadt zur Verhandlung der Sache versammelt war, läuteten die Knappen Sturm und „ein ganzer Pofl von Knappen" drang unter Führung des Sigmund Kobold, eines Knappen aus Rauris, in das Gerichtshaus ein und forderte lärmend die Freilassung des Priesters. Und ohne eine Antwort abzuwarten, drangen sie in die unverschlossene Stube ein, in der der Priester gefesselt lag, schlugen die Ketten ab und führten ihn hinaus auf die Gasse. Dann zogen sie mit ihm unter Trommellärm in der Stadt herum und gelangten schließlich vor die Stadt aufs offene Feld, wo alle, die mit dem Geschehenen einverstanden waren, unter einem Spieß durchgingen, den zwei von ihnen auf ihren Hellebarden hielten. Der Großteil der Knappen ging hindurch und bekundete damit sein Einverständnis mit dem Vorgefallenen, wenn auch etliche „solches nit gern getan aber neben den andern tun und darein bewilligen" mussten.

Diese Vorfälle veranlassten die niederösterreichische Regierung, einzugreifen und den Vizedom in Steier, Wolfgang Graßwein, zur Untersuchung und Ordnung der Dinge nach Schladming zu entsenden, wo er am 13. Dezember 1524 eintraf. Der Bergmeister Konrad Räustl, der später im Bauernkrieg eine bedeutsame Rolle spielte, war von Schladming abwesend und hatte zu seiner Vertretung einen Verweser bestellt. Dieser sandte sofort nach der Ankunft des Vizedoms Eilboten an den Berg, um alle Bergleute zur Verhandlung zu berufen. Infolge großen Schneefalles und Windes erlitt die Ankunft der Knappen, von denen wegen des schlechten Wetters kaum die Hälfte erschien, eine Verzögerung. Bei den am 16. Dezember beginnenden Verhandlungen hielt zuerst Graßwein den Bergleuten den Befehl Erzherzog Ferdinands vor, den Priester sofort wieder dem Stadtgerichte zu überantworten, und bemühte sich, alle Missverständnisse aufzuklären. Hierauf trugen die Knappen durch Peter Klein, einen der besten Knappen des Schladminger Bergwerkes, ihre Beschwerden dem Vizedom vor. Besonders gegen den Vikar zu Haus, zu dessen Pfarrsprengel Schladming gehörte, richteten sich ihre Anklagen. Sie hätten nichts gegen den Landesfürsten getan und den Priester Franz nicht mit Gewalt dem Gefängnis entrissen. Der Priester sei, sie wüssten nicht wie, aus dem Gefängnis zu ihnen gekommen und sie hätten ihn nur deshalb bei sich behalten, damit er nicht nach Salzburg ausgeliefert werde. Da sie ihn aber nicht aus dem Stadtgericht genommen, könnten sie ihn auch nicht diesem wieder überantworten; das würde ihre Ehre verletzen und erschiene ihnen so, als würden sie „einen auf die fleischpangkh" liefern. Ihre Beschwerden gegen den Vikar möge Erzherzog Ferdinand vor den Salzburger Erzbischof bringen und Wandel begehren. Von fremden Herren erhofften sie selbst keine gebührliche Handlung.

Graßwein beharrte auf seiner Forderung und hielt ihnen die Strafe vor, die sie bei weiterem Ungehorsam zu gewärtigen hätten. Dies alles war jedoch vergebens. Die Knappen erklärten sich aber bereit, den Priester noch drei Wochen bei sich zu behalten, damit während dieser Zeit die Regierung Gelegenheit habe, sich über seine Predigten zu erkundigen und mit ihm „disputieren" zu lassen. Schließlich einigte sich Graßwein mit ihnen dahin, dass sie den Priester, den sie mittlerweile vor den Vizedom mitgebracht hatten und der in einer langen Rede darlegte, die Knappen hätten ihn weder aufgenommen noch bestellt, noch zwei Monate auf ihre Kosten erhalten sollten. Inzwischen könne auch mit dem Vikar zu Haus gehandelt werden.

Am folgenden Tage — 17. Dezember —, an dem der landesfürstliche Kommissär Schladming verlassen wollte und nur mehr auf die Ankunft des Bergrichters wartete, die jeden Augenblick erfolgen sollte, erschien ein Ausschuss der Gewerken bei ihm und teilte ihm mit, dass eine Anzahl von Knappen — es war Samstag — vom Berg gekommen sei, die den Priester wegen der Kosten und anderer Gründe nicht zwei Monate bei sich behalten wollten; ja, auch der Priester selbst wolle sich von den Knappen nicht so lange mehr erhalten lassen. Die Knappen seien entschlossen, ihn nur mehr über den Sonntag bei sich zu behalten und ihn dann zu entlassen. Dem so bekundeten Willen der Knappen gegenüber halfen alle Drohungen und Mahnungen des Kommissärs nichts. Endlich traf im Laufe des Vormittags der Bergrichter Räustl ein, der den Vizedom bewog, noch einen Tag Verhandlungen zu widmen. Sonntag früh kam ein Ausschuss der Bergleute zu Graßwein und brachte wieder den Priester mit. Nach langen Auseinandersetzungen, bei denen weder die Bergleute noch der landesfürstliche Kommissär nachgaben, erklärte sich schließlich der Priester bereit, sich freiwillig ins Gefängnis zu begeben, damit jeglicher Ungehorsam von Seite der Bergleute vermieden werde. Doch wurde vereinbart, dass der Priester wegen seines Krebsleidens in der Haft Begünstigungen erhalte, ferner dass er nicht nach Salzburg ausgeliefert werden solle. Nachdem dies vereinbart worden war, wurde der Priester in Ermangelung eines eigenen Stadtgefängnisses in das Haus des Stadtrichters gebracht und dort auf Befehl des Vizedoms bei Tag und Nacht von zwei Gerichtspersonen streng bewacht. Hierauf bestellte Graßwein gemäß seiner Instruktion den Wechsler Schmutzer, den vormaligen Bergrichter Gstader und einen Bürger namens Lehner, die, sobald sich „aufrühriges unter den knappen eregen würd", dies der Regierung melden sollten. Auffällig ist hierbei, dass dem Bergrichter Räustl zu einem solchen Amt anscheinend nicht mehr das nötige Vertrauen geschenkt wurde.

In seinem Bericht an die Regierung stellte Graßwein fest, dass die radikalen Elemente bei dieser Empörung nicht ortsansässige Leute waren, „der gemeine Pofel", wie er sagt. Das geht auch daraus hervor, dass der Anführer beim Sturm auf das Gerichtshaus ein Knappe aus Rauris war. Wir glauben deshalb, dass man nicht so sicher, wie dies Graßwein tut, behaupten kann, es habe kein Bündnis oder Einverständnis mit Rauris bestanden. Graßwein riet davon ab, mit den Aufrührern streng ins Gericht zu gehen. Man wollte eben jede Unterbrechung und Schädigung des Betriebes des Bergwerkes vermeiden, das im Jahre 1524 um 2000 fl. mehr getragen hatte als in den früheren Jahren. Die landesfürstliche Kammer konnte in dieser bewegten Zeit dieser Einnahmsquelle nicht entbehren.

Die Bergleute ihrerseits legten ihre religiösen Beschwerden gegen den Vikar zu Haus Wolfgang Mayr in einer Eingabe an die niederösterreichische Regierung fest. Sie warfen ihm vor, er habe sie gemeine Ketzer und Schladming „ein ketzer grueben" genannt; er habe auch behauptet, dass Knappen frevlerisch am Freitag und Samstag zu Quatember Fleisch gegessen und dass zu Ostern von 4500, die das Sakrament empfangen, nur 2700 gebeichtet hätten. Schließlich forderten sie, der Vikar solle nur „das clar Evangeli sagen oder sagen lassen und nicht fabelwerk" und gegen sie die Anzeige erstatten oder von der Kanzel aus die Anschuldigungen widerrufen und alle ihnen daraus erwachsenden Kosten gutmachen. Zur Austragung ihrer Beschwerden gegen den Vikar solle ein Kommissär und Richter eingesetzt werden, der den Priester Franz zu verhören und eine Disputation abzuhalten hätte. Tatsächlich stellte der Vizestatthalter und Hofrat am 3. März 1525 den Antrag, einen zu Schladming verhafteten Priester nach Leoben in ein anständiges Gefängnis zu bringen und daselbst durch rechtsverständige Männer eine Untersuchung zu führen, den Priester aber keineswegs an den Salzburger Erzbischof zur Aburteilung auszuliefern, vielmehr den Befehl ergehen zu lassen, dass künftig kein österreichischer Untertan, weder geistlichen noch weltlichen Standes, ohne ausdrückliche landesfürstliche Erlaubnis außer Land geführt werde. Wir dürfen annehmen, dass sich dieser Befehl auf den Priester Franz bezog. Die Ereignisse der nächsten Monate sollten jedoch die Austragung des Falles hinfällig machen. Der große deutsche Bauernkrieg verschonte auch Steiermark nicht.

Man gab vor, es widerspreche dem „göttlichen" Recht, dem rechten Evangelium, Seelgeräte, Zehente, Zinsen und Gelässe zu nehmen. Diese Ideen, die von Schwaben ihren Ausgang nahmen, griffen im Mai 1525 nach Tirol über und bereits am 25. Mai empörten sich zu Hofgastein Gewerken, Knappen und Bauern gegen den Erzbischof. Rasch griff die Flamme des Aufruhrs auch auf steirischen Boden über.

So brach der Aufstand auch in der oberen Steiermark aus. Die leichtbeweglichen Bergleute des oberen Ennstales und die von ihnen beeinflussten Bauern erhoben sich unter dem landesfürstlichen Bergrichter von Schladming Konrad Räustl, zumal dort, wie gezeigt wurde, schon Ende 1524 ein lokaler Aufruhr der Knappen ausgebrochen war.

In Schladming forderten die Knappen sofortige Auszahlung ihrer Löhnung, widrigenfalls sie sich die Vorräte in den Schmelzhütten gewaltsam aneignen wollten. Dies veranlasste damals den Schladminger Gewerken Vintzgold, da er kein Bargeld hatte und die Knappen nicht zu befriedigen waren, seinen Silbervorrat zu Geld zu machen, und da sie ihm mit Brandschatzung drohten, nahm er Weib und Kind mit sich und zog nach Passau, wo er das Silber in die Münze verkaufte, da der Silbereinkauf von Graz aus eingestellt werden musste 2). Die niederösterreichische Kammer konnte den finanziellen Anforderungen, die in dieser kritischen Zeit an sie gestellt wurden, nicht mehr nachkommen. Der Bergbau lieferte keine Erträgnisse mehr. In Schladming wurden weder Erze geschmelzt, noch Silber erzeugt, da die Gewerken fürchteten, des Silbers von den Aufrührern, die bereits bei 70 Mark in Beschlag genommen hatten, beraubt zu werden 3).

2) Hofkammerarch., Gedenkb. 25, fol. 152 f.
3) Oberleitner K., Öfterreichs Finanzen und Kriegswesen und Ferdinand I. vom Jahre 1522 bis 1564. Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen XXII, 22. Vgl. Kunnert, die Silberversorgung österreichischer Münzstätten durch den Schladminger Bergbau im XVI. u. Anf. d. XVII. Jahrh., Numism. Zeitschr., LXI, 61.

Diese Ereignisse machten ein schnelles Handeln der Regierung notwendig. Auf dringende Vorstellungen der Hof- und Kammerräte übernahm der von seinem Amt bereits enthobene, schwer gichtkranke steirische Landeshauptmann Sigmund von Dietrichstein die Anführerschaft im Kampfe gegen die Rebellen 4). Bei dem zu Graz tagenden Landtag fand er nur geringe Unterstützung. Mit einer Anzahl mühsam geworbener Knechte und einigen Landherren zog er von Graz weg, um den Aufruhr im Enns- und Murtal sowie in deren Seitentälern mit Gewalt niederzuwerfen. Über Bruck zog er nach Leoben, wo er mit den Fußknechten, die Hauptmann Sigmund Leuffer von Wien nach Leoben geführt hatte und die sich weigerten, gegen die Erzknappen und die Bauern ins Feld zu ziehen, verhandelte. Sein Tun war aber ergebnislos, ja ein Teil der Knechte ging offen zum Feind über. Nachdem noch 300 Böhmen zu ihm gestoßen waren, wandte er sich gegen Trofaiach. Währenddessen erreichten ihn ungünstige Nachrichten aus dem Ennstal. So entschloss er sich, durch das Liesingtal gegen Rottenmann zu ziehen. In der Gegend von Gaishorn wurden drei Knappen gefangen, die er peinlich verhören ließ. Unter ihnen befand sich auch Peter Klein, der uns als Sprecher der Schladminger Knappen bereits bekannt ist und von dem es im Befehl des niederösterreichischen Hof- und Kriegsrates vom 22. Juni 1525 heißt: „das ir gegen den Petern Klein, so ir gefangen habt, auch allen Haubtleuten und rädlfüerern, wo die ankhomen oder betretten werden, mit spissen, schinden, viertaillen und aller grausamen straff handeln und verfarn lasset" 5). Diese drei Knappen sagten übereinstimmend aus, dass 1200 Knappen von Schladming und die Bauernschaft von Gaishorn da seien. Ihr oberster Hauptmann, es ist wohl Räustl gemeint, stehe mit 300 Mann zu Admont, bei Trieben aber würden 1200 Knappen zusammenkommen. Daraufhin beschloss Dietrichstein, die Bauern und Knappen bei Gaishorn anzugreifen. Dieser erste Zusammenstoß sollte aber für den Landeshauptmann kläglich enden. Die Flucht und die Meuterei seiner Soldaten verursachten seine Niederlage. Nun wollte er mit dem Bergrichter Räustl, der mit den Bauern bei Rottenmann lag, verhandeln, dieser schlug dies aber aus und zog sich in der Folge in den Lungau zurück. Mittlerweile zog Dietrichstein durch das Ennstal, wo sich ihm die Bauern um Irdning und die Abgesandten von Schladming sowie die Bauern der dortigen Gegend unterwarfen. Die Knappen des Bergwerks waren jedoch keineswegs zur Unterwerfung zu bewegen, sie zogen sich vielmehr an die Mandling zurück und stachelten die Salzburger Aufständischen, die dort unter ihrem Hauptmann Michael Gruber standen, zum Angriff auf steirisches Gebiet auf.

4) Stülz, Bericht des Landeshauptmannes Sigmund von Dietrichstein an Erzherzog Ferdinand über den Überfall zu Schladming am 3. VII. 1525. Archiv XVII, 141. ff. Cod. germ. 4925 F. 224 der Staatsbibliothek München, abgedruckt bei Jahn „Zur Geschichte der Bauernunruhen in Steiermark", Beitr. z. Kunde steierm. Geschichtsquell. XIV, 125 f.
5) Leist, Quellenbeiträge zur Geschichte des Bauernaufruhrs in Salzburg 1525 und 1526. Mitt. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde XXVII., 280.

Schon wollte Dietrichstein, nachdem er das Ennstal unterworfen hatte, von Irdning abziehen, da übersandten ihm die Schladminger Bürger einen „veindbrief", den ihnen die Salzburger auf Anreizung der Schladminger Knappen gesandt hatten, in welchem den Schladmingern gedroht wurde, dass sie, falls sie sich nicht ihrem Bund anschlössen, „sew sy selbst uberziehen und verderben" wollten. Auf diesen Hilferuf brach Dietrichstein sofort nach Schladming auf, hier aber stellten die Fußknechte aus Kärnten und Wien neue Soldforderungen, was ein rasches Handeln verhinderte. Dietrichstein schrieb daher an den salzburgischen Hauptmann Gruber, dass er im Hinblick darauf, dass Erzherzog Ferdinand Mittler und Unterhändler zwischen dem Erzbischof und der salzburgischen Landschaft sei, keinen Befehl habe, gegen Salzburg vorzugehen, sofern Gruber die flüchtigen Rebellen nicht aufnehme und keinen Übergriff auf fremdes Land unternehme. Gruber antwortete, er habe die Sache der salzburgischen Landschaft angezeigt und könne erst nach deren Antwort Bescheid geben. Nun beschloss Dietrichstein, den Feind anzugreifen. Da kam die Nachricht, der Oberste Feldhauptmann Niklas Salm sei im Anzuge. Entgegen der Ansicht Dietrichsteins beschloss man, auf Salm zu warten. Inzwischen trafen — es war Sonntag, der 2. Juli — aus Salzburg Boten der erzherzoglichen Räte ein und rieten, mit Salzburg einen Waffenstillstand zu schließen. Dem wurde auch im Schladminger Lager zugestimmt, doch wurde den Boten vertraulich angedeutet, es würde Salm, sobald er komme, „gewalt und bevelch haben auch sonder zweifl gegen denen veinden was furnemen und nit feyren". Indessen erhielten auch die Salzburger Aufständischen Nachricht vom Herannahen Salms, brachen in der Nacht von der Mandling auf und drangen Montag frühmorgens durch die offenen Stadttore in Schladming ein. Jede Gegenwehr war vergeblich, Dietrichstein und die steirischen Adeligen ergaben sich den zu den Salzburgern übergegangenen deutschen Knechten unter der Bedingung ritterlichen Gefängnisses. Ihnen hatte er es auch zu verdanken, dass er von einer auf dem Marktplatz tagenden Versammlung von Bauern und Knappen nicht dem Tode überliefert wurde. Er wurde vielmehr gemeinsam mit dem Grafen von Monfort, Wolf von Stubenberg, Christop Weltzer und anderen Adeligen nach Schloss Werfen ins Gefängnis gebracht. Erst nach Besiegung der Salzburger Rebellen wurde er am 8. September freigelassen.

Die Nachricht von der Niederlage Dietrichsteins erreichte den anrückenden Feld-Hauptmann Salm in Rottenmann. Da infolge der ihm zur Verfügung stehenden geringen Truppenmacht an einen Entsatz Schladmings nicht zu denken war, schlug er zur Sicherung des Innerberger Gebietes zu Leoben sein Lager auf. Indes erließ Ferdinand am 10. Juli ein strenges Mandat, in welchem er vor jedweder Verbindung mit den aus Salzburg eingefallenen Rebellen warnt. Wer den Befehlen Salms nicht Folge leiste, solle „gebrandschatz werden an leib, hab und gut".

Die Bürgerschaft Schladmings und die „Gemeinde" des Ennstales, die eine Strafe des Landesfürsten fürchteten, sandten an Erzherzog Ferdinand ein Entschuldigungsschreiben, in dem sie erklärten, sie hätten sich nur zur Wehr des Landes versammelt, als Dietrichstein mit seinen böhmischen und ungarischen Knechten hereingebrochen sei und ihnen vielen Schaden verursacht habe. Sie seien aber auf den Befehl des Erzherzogs schnell abgezogen und bäten um Schonung.

Im oberen Ennstale standen nach wie vor die Aufständischen. Um Radstadt waren 2000 Knechte beisammen und die Bauern arbeiteten am Bau neuer Klausen. Schon hatte am 5. August der Vizestatthalter und der Hofrat die Weisung erhalten, Niklas Salm zu befehlen, den „aufrührerischen Flecken Schladming an der Enns" zu zerstören, als Salm infolge Mangels an Streitkräften noch immer untätig in Leoben lag. Endlich war auch für Salm die Zeit des Handelns gekommen. Am 30. August erging ein landschaftliches Aufgebotspatent für ganz Steiermark zur Sammlung der Streitkräfte in Leoben. In den ersten Septembertagen fühlte sich Salm stark genug, um gegen die Rebellen vorzurücken. Sein Befehl, den er vom niederösterreichischen Hofrat erhalten hatte, lautete dahin, das Erzstift nicht anzugreifen, sondern nur Schladming zu überziehen und dessen Einwohner zu bestrafen. Am 14. September erhielt er neuerdings den Befehl, die noch immer im Ungehorsam und im Bündnis mit den Aufrührern verharrenden Schladminger mit Truppenmacht anzugreifen und zu züchtigen, zu welchem Zwecke neuerlich 400 Knechte aufgenommen wurden. Am 20. September erhielt schließlich Salm den endgültigen Befehl, Schladming niederzubrennen, am 28. September wurde die Konfiskation aller Berg- und Hüttwerke, die die Bürger und Inwohner von Schladming besaßen, samt allen Vorräten, nichts ausgenommen, angeordnet. Eine Beschreibung derselben sollte durchgeführt und ein Auszug daraus der Raitkammer nach Wien eingesendet werden. In den letzten Septembertagen erhielt der gegen Schladming vorrückende Salm Bericht, dass die Aufrührer bei Schladming ein Bollwerk errichtet hätten und dass dort bei 4000 Mann versammelt seien. Sein anrückender Vortrab fand 300 Knappen vor der Stadt versammelt, die angesichts des Gegners in die Stadt zurückwichen. Sie wurden aber verfolgt, an die 50 erstochen. Vor der nachrückenden Heeresmacht Salms flohen die Knappen in die Häuser oder beim oberen Stadttor ins Gebirge. Da also ein Überfall seitens der Knappen nicht zu befürchten war, verbot Salm jede Plünderung und lieh den Wechsler, den Fröner und den Fronschmelzer auf deren Begehren unter sicherem Geleite ins Lager führen. Sie zeigten ihm an, dass alles Gut aus der Stadt gebracht sei und kein Bürger in der Stadt weile. Die meisten Bürger waren in die Klause an der Mandling auf salzburgischen Boden geflohen, den Salm befehlsgemäß nicht angreifen durfte 6). Hierauf ließ er die Stadt anzünden und bis auf den Grund niederbrennen. Allen Vorrat an Schmelzwerk hatte er vorher vergraben lassen. Dies alles hatte in den ersten Oktobertagen stattgefunden, denn schon am 6. Oktober berichtete Salm darüber von Gröbming aus an den niederösterreichischen Hofrat 7).

6) Die Behauptung, dass Schladming damals erstürmt und die Bewohner erschlagen oder gehängt wurden, die neulich wieder Wamprechtsamer „Kurze Geschichte der steirischen Landwirtschaft". Graz 1929, S, 26, vertrat, erscheint uns nicht haltbar.
7) Oberleitner, Regesten zur Geschichte des Bauernkrieges in Steiermark und im Stifte Salzburg. Notizenblatt IX.

So war nun die blühende Bergstadt, in der einst ein bedeutendes alpenländisches Bergweistum entstanden war und von der in die landesfürstliche Kammer reichliche Einkünfte geflossen waren, dahingesunken. Ihre flüchtigen Bürger und Einwohner waren ihres Eigentums, aller ihrer Berg- und Hüttwerke verlustig geworden. Andere sollten an ihre Stelle treten.

Schon am 2. November fertigte Ferdinand in Tübingen einen „Gabbricf der Sladmingischen confiscierten guettern" 8). Einer Reihe seiner Räte und Sekretäre galt diese Schenkung für ihre aufrichtigen und fleißigen Dienste. Es waren dies: Felizian von Petschach, Hans Hofmann, Jörg Krembser, Einnehmergeneral und Vizedom in Österreich u. d. E., Dr. Jakob Spiegel, Niklas Rabenhaupt von Suchie, Pfleger zu Wachsenberg, Johann Ferenberger, Pfleger zu Eggenberg und Vizedom o. d. E., Johann Löbl, Pfennigmeister, und Desiderius de Symandres. Diese sollten aus dem Erlös der Bergwerke, Hüttwerke und Vorräte der Schladminger Bürger Andreas und Stephan Lamer, Klemens Gapperg und Georg Vintzgold 9) 6000 fl. rhein. in barem oder deren Bergwerke, Hüttwerke und Vorräte bis zur Höhe dieses Schätzungswertes erhalten. Falls aber deren Wert nicht so hoch sein sollte, sollten noch andere Schladminger Güter und Werte, liegend oder fahrend, wie sie auch heißen mögen, herangezogen werden. Die Aufteilung sollte so vorgenommen werden, dass Petschach, Hofmann und Krembser miteinander 4000 fl. und Spiegel, Rabenhaupt, Ferenberger, Löbl und Symandres miteinander 2000 fl. in Bargeld oder in Gütern und Werten erhalten und sie erblich besitzen und wie eigene Güter nutzen sollten.

8) Hofkammerarchiv, Gedenkb. 25, fol. 73.
9) Am 26. Februar 1526 wurde Vintzgold von Ferdinand I., „begnadet, in den Landen seiner Notdurft nach frei sicher handeln und wandeln zu dürfen", da er ja zur Zeit der Schladminger Niederlage in Passau weilte, wo er sein in Schladming erzeugtes Silber in die Münze verkaufte. Dies bezeugte auch der Administrator des Bistums Passau. Hofkammerarchiv, a. a. O.

Die alte Bergstadt lag zerstört darnieder, doch alsbald sollte in dieses, stille Tal neues Leben einziehen, worüber bei einem besonderen Anlass berichtet werden soll.

Quelle: Dr. Heinrich Kunnert, Aus der Geschichte des Schladminger Bergbaues, in: Blätter für Heimatkunde, 7. Jahrgang, 1. Heft, 1929, S. 1 -4, 7. Jahrgang, 3. Heft, 1929, S. x, 7. Jahrgang, 5. Heft, 1929, S. 1 - 3, 7. Jahrgang, 6. Heft, 1929, S. 1 - 7.
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