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Über Bergbau in Brandenberg, Tirol
von Georg Mutschlechner

In dieser manche Besonderheiten aufweisenden Talschaft gibt es einen Hof Arzberg. Wenn auch der Name Arschzberg gesprochen wird, besteht meines Erachtens der Verdacht auf einen Zusammenhang mit Erz zu Recht. Auch bei Schwaz gibt es einen Arzberg. Hier zweifelt niemand an der Bedeutung Erzberg. Warum soll es nicht auch in Brandenberg so sein?

Ein „Hans von Ärczperg in dem Prantenp(er)g" kommt bereits im Rattenberger Salbuch vom Jahre 1416 vor 1). Der Namensforscher Karl Finsterwalder erklärt Arzberg mit dem althochdeutschen âruzi, das Erz bedeutet, also Erzberg 2).

Seit vielen Jahren habe ich versucht, einen Beweis — wenigstens in Form einer Erzprobe — zu finden. Der an der Erforschung seines Heimattales arbeitende Oberstudienrat Albert Atzl (Innsbruck) kannte einen kurzen Stollen unterhalb des Hofes Arzberg. Am 11. August 1975 führte mich der Genannte zusammen mit dem Besitzer von Oberriedern, Herrn Kajetan Marksteiner, zum gesuchten Stollen.

Man fährt oder geht von Brandenberg auf der nach Pinegg talein führenden Straße bis zu den beiden Bichl-Höfen und steigt dann über die Wiesen (im steilsten Teil auf Stufen) nach Riedern hinauf. Von Oberriedern, einem Haus mit Kapelle in 920 m Höhe, führt ein Ziehweg horizontal in den nahen Arzberggraben und jenseits an mehreren Laubhütten vorbei weiter gegen Norden. Bei der letzten Laubhütte zieht der Weg steil bergan. Wo er wieder flacher verläuft, verlässt man ihn und steigt weglos etwa 15m durch den Wald bergauf.

Mitten im Steilhang bemerkt man in 990 m Höhe eine kleine Halde und dahinter das offene Mundloch des sogenannten Unterbichler-Stollens. Der Besitzer von Unterbichl gewinnt hier Holz und Streu. Kriechend gelangt man über eingewehtes Laub in den fast trockenen Hohlraum. Der Stollen ist 11 m lang, 1,70 m hoch und 0,60 m breit, Bohrlöcher bzw. Schußpfeifen sind nicht zu sehen, hingegen alte, mit der Hand ausgeführte Schrämmarbeiten, so an der linken Seite, wo man eine Kluft verfolgte. Hier sieht man deutlich die in mehreren Zentimetern Abstand geführten Rillen im Gestein. Teilweise dürfte der zerklüftete Fels auch durch Abkeilen gewonnen worden sein. Im Schein der Lampe kann man stellenweise Braunfärbung des karbonatischen Gesteins und an der Ortsbrust einen leuchtend roten Belag wahrnehmen. Es sind offensichtlich Absätze von einsickerndem, schwach eisenhaltigem Wasser. Auch am Mundloch wurde eine rötliche Partie gesehen. Auf der Halde stehen bereits alte Bäume.

Etwa 30 m weiter links (nördlich) befindet sich in gleicher Höhe eine Halde und darüber eine Hohlform im Hang, die einen verbrochenen Stollen verrät. Ähnlich ist es auch rechts (südlich) vom Stollen.

Steigt man nun in östlicher Richtung durch eine Lichtung schräg bergan, wo das Gelände flacher wird, so kommt man zu einer großen Halde mit anschließender Einbuchtung in der oberhalb befindlichen Stufe. Nach der Ausdehnung der Haldenform zu schließen, muss es ein größerer Einbau gewesen sein, der mit geringer Überlagerung nach Nordosten vorgetrieben wurde. Die Einbuchtung ist mit alten Bäumen und vermoderten Wurzelstöcken bestanden und so tief mit Buchenlaub verschüttet, dass beim Aufgraben mit dem Pickel der Fels nicht erreicht werden konnte.

Noch etwas höher, auf der nächsten Verflachung, liegen nebeneinander drei Vertiefungen des Bodens, zwei große und eine kleine, die an Pingen erinnern. Auch sie sind tief mit Buchenlaub verschüttet und müssten regelrecht ausgegraben oder ausgebaggert werden.

Unweit nördlich von diesem Bergbaugebiet und nur wenig höher liegt das Gut mit dem bezeichnenden Namen Arzberg.

Der aus Brandenberg stammende Geologe Otto Ampferer (gest. 1947) hat sich mit der interessanten und geradezu einmaligen Gesteinswelt dieser Talschaft befasst und sie auf geologischen Karten dargestellt 3). Durch das behandelte Bergbaugebiet zieht eine wichtige geologische Grenze, die eine erdgeschichtlich lange Unterbrechung der Sedimentation abbildet. Die tieferen Gehängeteile bestehen aus dem weitverbreiteten hellen und meist bewaldeten Hauptdolomit der Triaszeit. Darüber lagern die als Bodenbildner wichtigen und deshalb für die Landwirtschaft eine Rolle spielenden Sandsteine und Mergel der Gosau-Schichten aus der jüngeren Kreidezeit. Die grauen, bräunlich anwitternden Sandsteine enthalten allgemein in feiner Verteilung oxydisches und sulfidisches Erz, zwischen Arzberg und Prama kleine Pyritkörner. Das waren die Lieferanten für die zahlreichen braunen Kluftfüllungen und für den roten Belag im Unterbichler-Stollen.

Es erhebt sich nun die Frage, wie und wann es hier zu einem Bergbau gekommen ist. Man darf annehmen, dass früher der Fels besser erschlossen war und dass im Laufe der Jahrhunderte die Laubdecke in den Buchenwäldern dichter und mächtiger wurde. Die Alten gingen beim Suchen nach Bodenschätzen stets von einem Erzausbiss oder wenigstens von einer Kluft aus, in der man Erz vermutete. In Brandenberg gab es zahlreiche Holzarbeiter, die für das Hüttenwerk Rattenberg, richtiger Brixlegg, Holz fällten. Einem aufmerksamen Mann wird vielleicht eine besonders starke Braunfärbung des Gesteins oder gar eine Erzkruste aufgefallen sein. Das bot dann den Anlass zu Schürfungen an der Fundstelle. Eine Fundgrube, wie man die erste Gewinnungsstelle des Erzes nannte, blieb selten allein. Andere Glücksucher fanden sich ein und begannen in der Nähe gleichfalls zu schürfen.

Für die lange zurück liegende Zeit, in der hier bergmännisch gearbeitet wurde, gibt es vorläufig nur einen Anhaltspunkt. Bei der Aufzählung der wenigen (insgesamt sechs) Erzvorkommen im Bereich des Landesgerichtes Rattenberg im erwähnten Salbuch von 1416 kommt Brandenberg nicht vor. Hingegen fand ich in einer anderen, etwas jüngeren Handschrift 4) einen wichtigen und meines Erachtens entscheidenden Beleg. Brandenberg gehörte zum Berggericht Rattenberg, das erst unter Kaiser Maximilian zu Tirol kam. Der Bergschreiber bzw. Berggerichtsschreiber Hanns Hueber hat 1462 unter seinem vorgesetzten Bergrichter Sigmund Renntl nachstehende Bergbauverleihung eingetragen:

„Prantenberg. Item Peter Slosser von kuntl hat empfangen ain gruben im prantenberg am Aertzperg, die negsten recht vnder des Rieders gruben, haist zu sand Jörgen, die han ich im verlihen als perckwerchs recht ist. An sambstag nach Symonis et Juda anno etc. 62." Das war am 30. Oktober 1462.

Demnach hatte bereits früher ein gewisser Rieder eine Grube verliehen bekommen. Der neue Bewerber erhielt das unmittelbar talwärts anschließende Grubenfeld verliehen.

Der genannte Peter Slosser (Schlosser) von Kundl scheint ein unternehmender Mann gewesen zu sein. Er hat nämlich am St.-Leonhards-Tag (= 6. November) 1462 auch eine Fundgrube bei Lueg in Inneralpbach empfangen 5).

Im Interesse der Erforschung von Brandenberg wären weitere Untersuchungen und vor allem unter Anleitung durchzuführende Grabungen an den beschriebenen Plätzen wünschenswert, zumal damit kein Flurschaden verbunden ist.

Anmerkungen
1) Hanns Bachmann, Das Rattenberger Salbuch, Innsbruck 1970, S. 79
2) Karl Finsterwalder, Die Familiennamen in Tirol, Innsbruck 1951, S. 140
3) Otto Ampferer, Geologische Spezialkarte 1 : 75.000, Blatt Kufstein
4) Tiroler Landesarchiv, Handschrift 37, fol. 213
5) Georg Mutschlechner und Kurt Ohlboth, Der Bergbau Lueg in Inneralpbach. In: Tiroler Heimatblätter, 1975, Heft 1, S. 27

Quelle: Georg Mutschlechner, Über Bergbau in Brandenberg, in: Tiroler Heimatblätter, 50. Jahrgang, Heft 4 / 1975, S. 127 - 129.
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