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  Christliche Symbole auf Grabsteinen
 

von W. Maisch

Symbole sind bildliche Kurzformeln einer Idee oder eines ganzen Gedankenkomplexes. Auf christlichen Grabsteinen und -tafeln haben sie naturgemäß zwei Vorstellungen zum Thema: Die Vergänglichkeit des irdischen Daseins und die Hoffnung auf das himmlische Leben.

Wegen ihrer Einfachheit und dem Fehlen verbaler Erklärungen sind sie mehrdeutig. Sie wurden zu verschiedenen Zeiten verschieden benutzt und interpretiert; auch variiert die Bedeutung im Kontext mit anderen Symbolen, den Texten auf dem Grabstein und mit den verschiedensten Gegebenheiten im Leben des Verstorbenen, seiner Familie und den Beziehungen untereinander, die für uns unzugänglich sind.

Auf modernen Gräbern sind die alten Symbole selten geworden; allgemein üblich ist eigentlich nur noch das Kreuzzeichen. Auf älteren Grabtafeln aber lassen sich bei etwas Aufmerksamkeit noch viele Symbole finden. Die häufigsten sind hier mit Bildbeispielen aufgeführt:

Totenkopf

Das bekannteste, wohl kaum erklärungsbedürftige Todessymbol, oft in Verbindung mit (gekreuzten) Knochen, seltener mit einem Wurm, der sich durch die leeren Augenhöhlen ringelt.

Totenkopf als Todessymbol

Links: Gesandtenfriedhof Regensburg (Oberpfalz, Bayern)
Rechts: Grabmal von 1771, Sebastiansfriedhof Salzburg


Sanduhr

Das Stundenglas misst die verrinnende Zeit und erinnert so an die Kürze des Lebens. Dieses Symbol erscheint auffallend häufig in enger Verbindung mit dem Totenschädel.

Flügel

Flügel finden sich oft an Sanduhren, aber auch an Totenschädeln. Gemeint ist: Die irdische Zeit verrinnt nicht nur, sie fliegt davon! Wahrscheinlich sind die Flügel in diesem Zusammenhang eine Erinnerung an den geflügelten Chronos, den antiken Gott der Zeit.

Flügel, Schädel, Sanduhr als Symbole der Grabsteine

Oben links: Geflügelter Schädel, Sanduhr, 1740, Eichstätt (Oberbayern)
Oben rechts: Schädel mit gekreuzten Knochen, Sanduhr, 1722, Dillingen (Schwaben, Bayern)
Unten links: Schädel, geflügelte Sonnenuhr, München (Oberbayern)
Unten rechts: Schädel, Sanduhr, Ingolstadt (Oberbayern)


Anker

Er gilt als Symbol für Christus als festen Grund des Glaubens, als Anker, der in den Hafen der Erlösung führt.
In der Dreiheit Glaube-Liebe-Hoffnung (visualisiert durch Kreuz, Herz und Anker) steht er für die Hoffnung – auf dem Grabstein als Hoffnung auf das ewige Leben.

Anker, Glaube, Liebe, Hoffnung

Links: Anker, Evang. Friedhof Augsburg (Schwaben, Bayern)
Rechts: Glaube-Liebe-Hoffnung, Ungersheim (Elsass, Frankreich)


Fackel, gesenkt und/oder gelöscht

Zeichen für das erloschene Leben.

Kranz

Als geschlossene Form ohne Anfang und Ende ein sehr altes und in vielen Kulturen bekanntes Symbol für die Unendlichkeit, im Rückgriff auf die Antike auch Zeichen des Sieges (über den Tod).

Fackel, Kranz als Symbol am Grabstein

Links: Fackel und Kranz, Dorotheenfriedhof Berlin
Rechts: Kranz, Marville (Lothringen, Frankreich)


Hände, betend

(in unserem Beispiel ergänzt durch Gebetbuch und Rosenkranz)
Zeichen für Frömmigkeit und Gottvertrauen, auch Bitte um Gnade im Jenseits.

Hände, ineinandergelegt

Treue über den Tod hinaus (vor allem bei Eheleuten), Hoffnung auf das Wiedersehen in einer anderen Welt.

Hände als Symbol auf Grabstein

Links: Betende Hände mit Rosenkranz und Gebetbuch
Rechts: Ineinander gelegte Hände
Beide Fotos aus Marville (Lothringen, Frankreich)


Kelch

Gnade und Sündenvergebung; oft auf Gräbern von Priestern als Zeichen ihres Amtes

Kelch auf Grabstein

Links: 1810, Regensburg (Oberpfalz, Bayern)
Rechts: 1813, Wörgl (Tirol)Links: 1810, Regensburg (Oberpfalz, Bayern)
Rechts: 1813, Wörgl (Tirol)


Kerze, geknickt oder gelöscht

Zeichen für das erloschene Leben

Kerze auf Grabstein

Links: Monheim (Schwaben, Bayern)
Mitte: 1769, Lauda (Baden-Württemberg)
Rechts: 1786, Dillingen (Schwaben, Bayern)


Kind, liegend und auf einen Totenschädel gestützt

Ein Memento-mori-Symbol: Der Tod kommt gewiss – auch wenn der Mensch scheinbar noch ein langes Leben vor sich hat.

Kind auf einen Totenschädel gestützt

Links: Villach (Kärnten)
Rechts: 1998 (!), Bad Reichenhall (Oberbayern)


Palmzweig

Bei den Römern war die Palme Zeichen militärischer Siege. Auf frühchristlichen Grabsteinen Symbol des Sieges (über den Tod); man denke auch an die Palme als Attribut der christlichen Märtyrer. Als immergrünes Gewächs steht die Palme für das Leben, das stärker ist als der Tod.

Rose, geknickt oder abgebrochen

Symbol für das frühzeitig beendete Leben, für die Vergänglichkeit des Schönen.

Lyra

Als Memento-mori-Symbol steht sie für den Ton, der im Augenblick des Entstehens schon wieder verklingt, also für die Kürze des Lebens. Als Sinnbild für Musik und Poesie auch zur Kennzeichnung des Verstorbenen als auf diesen Gebieten Tätigen.

Palmzweig, Rose, Lyra auf Grabstein

Links: Palme, Memmingen
Rechts oben: Palme und Lyra, Pragfriedhof Stuttgart (Baden-Württemberg)
Rechts unten: Rose, Hauptfriedhof Würzburg (Unterfranken, Bayern)


Säule, abgebrochen

Zeichen für ein zu früh zerbrochenes Leben.

Säule Grabstein

Links: Abgebrochene Säule, Evang. Friedhof Augsburg (Schwaben, Bayern)
Rechts: Trauernde, auf eine abgebrochene Säule gestützt, Detmold (Nordrhein-Westfalen)


Schiff

Das Schiff ist in vielen Kulturen ein Symbol für die letzte Reise des Menschen. Bei den christlichen Schriftstellern der Antike steht es auch für die Kirche.

Schmetterling

Schon in der vorchristlichen Antike Sinnbild für die vom Leibe geschiedene unsterbliche Seele, später auch Hoffnung auf die Auferstehung: Wie aus der Larve über die Puppe der Schmetterling entsteht, so befreit sich die Seele nach Leben und Tod zum ewigen Leben.

Schiff und Schmetterling auf Grabstein

Links: Schiff und Schmetterling, 20. Jh., Krumbach (Schwaben, Bayern)
Rechts oben: Schiff, 1780, München (Oberbayern)
Rechts unten: Schmetterling, 1810, Regensburg (Oberpfalz, Bayern)


Schlange, zum Kreis gerundet

Die Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt und so mit ihrem Körper einen geschlossenen Kreis bildet (Uroboros), war schon im antiken Ägypten und Griechenland ein Zeichen für Unendlichkeit, Ewigkeit, Wiedergeburt.

Sense

Schon im Mittelalter übliches Attribut des Todes, des "Sensenmannes". Herkunft wohl aus der Bibel (Jeremia 9,22: "Der Menschen Leichname liegen wie ... Garben hinter dem Schnitter").

Sense auf Grabstein

Dorotheenfriedhof Berlin


Seifenblasen

Symbol der Kurzlebigkeit, Nichtigkeit, Vergänglichkeit. Als Todessymbol in der Renaissance eingeführt durch die Wiederaufnahme eines antiken Sprichworts: "Homo bulla", d. h. der Mensch ist eine Luftblase.

Seifenblasen auf Grabstein

1551, Tittmoning (Oberbayern)
1761, Monheim (Schwaben, Bayern)


Trauerweide

Wegen ihrer "traurig" zur Erde geneigten Zweige ein vor allem in der Zeit der Romantik verbreitetes Symbol der Trauer, der Klage um den Verstorbenen.

Trauerweide auf Grabstein

Links: Münsingen-Gruorn (Baden-Württemberg)
Rechts: 1876, Ascona (Tessin, Schweiz)


Urne

Ursprünglich ein antikes, nichtchristliches Todessymbol – die Römer verbrannten ihre Toten. Bei uns wurde das Symbol aber lange vor Wiedereinführung der Kremation wieder gebräuchlich, oft als Bekrönung von Grabmälern.

Urne auf Grabstein

Links: Matthäusfriedhof Berlin
Rechts: Westfriedhof Aachen (Nordrhein-Westfalen)


Mitunter findet sich eine ganze Reihe von Symbolen auf einem einzigen Grabdenkmal. Hier zwei Beispiele:

Grabmal mit mehreren Symbolelementen

Detail eines Epitaphs von 1827. Der Verstorbene war ein "bürgerlicher Handelsmann, gewesener Bürgermeister und patentierter Landwehr-Haupmann" in Osterhofen (Niederbayern). Als Pendant zur Trauerweide findet sich hier ein verdorrter, also ein "toter" Baum.

 

Grabmal mit mehreren Symbolelementen

Oberer Teil des Grabmals (1791) für eine "bürgerliche Handelsfrau" in Landshut (Niederbayern).


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  © w. maisch, 2013.