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Die Transalpine Erdölleitung von Triest nach Ingolstadt (TAL)
Von Leni Wallner

ERDÖL IN ÖSTERREICH

Geschichtlicher Überblick:

Bereits im Jahre 1864 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Breitfeld und Evans die Floridsdorfer Fabrik für Petroleumprodukte Pilz & Co. zur Verarbeitung von galizischem Erdwachs errichtet, die 1868 auf Verarbeitung von Rohöl aus Galizien und Baku umgestellt wurde. Weitere Raffineriegründungen folgten; zwischen den beiden Weltkriegen wurden zwei Raffinerien von internationalen Konzernen übernommen.

In den zwanziger Jahren begannen Geologen das Wiener Becken intensiv nach Erdöl zu durchforschen. 1930 wurde erstmals Öl gefunden. Der wirtschaftliche Erfolg stellte sich jedoch erst 1934 ein, als die Sonde Gösting 2 fündig wurde. Weitere Entdeckungen im Raume Zistersdorf folgten.

Die politischen Verhältnisse seit den dreißiger Jahren spiegeln sich auch in der Entwicklung der Mineralölindustrie wider. In der Kriegszeit wurden Bohrung, Förderung und Verarbeitung stark vorangetrieben, die Raffinerien wurden jedoch bombardiert und größtenteils zerstört.

Nach 1945 wurde das bisher größte Ölfeld, Matzen, entdeckt.

Nach Abzug der Besatzungsmächte 1955 wurden die Vermögenswerte der Mineralölindustrie zuerst der öffentlichen Verwaltung unterstellt und dann in der Österr. Mineralölverwaltung AG zusammengefasst.


Gewinnung:


In den österreichischen Erdölgebieten sind die Österr. Mineralölverwaltung AG (ÖMV-AG), die Rohölgewinnungs AG (RAG) und die Mesa Petroleum AG tätig.

Die Bohrleistungen zeigen in den letzten Jahren eine schwach fallende Tendenz.

Die Kosten der Bohrungen steigen nicht linear mit der Bohrtiefe, sondern st ärker an. So kosten 1000 m Bohrung von 5000 m auf 6000 m wesentlich mehr als von 0 m auf 1000 m, da für große Tiefen das Bohrgerät schwerer sein muss und jeder einzelne Ziehvorgang länger dauert.

Gösting 2 war mit weniger als 1000 m fündig. Für das Feld Matzen waren weniger als 2000 m Bohrung notwendig, die letzte Tiefbohrung der ÖMV-AG, Schönkirchen-Tief, wurde auf 6009 m abgeschlossen. Bei 4800 – 5300 m traten Kohlenwasserstoffe auf.

Die Kosten einer solchen Tiefbohrung liegen bei 40 Mill. Schilling.

 

Förderung und Beförderung:

Maßgeblich für den Ölverkehr ist die Pumpfähigkeit des zu befördernden Gutes.
Die günstige Lage ihrer Betriebe gestattet es der ÖMV , alle möglichen Arten der Beförderung für den Rohstoff und die Fertigprodukte anzuwenden, nämlich: Rohrleitungen, Straße, Schiene und Wasserweg. Die Entscheidung zwischen den einzelnen Möglichkeiten hängt in erster Linie von Menge, Kosten und Kapazität ab.

Transport auf dem Rohrleitungsweg:

Die ÖMV hat, abgesehen von den notwendigen innerbetrieblichen Rohrleitungen in der Raffinerie Schwechat und im Zentraltanklager Lobau, zwei Gruppen von Leitungen in Betrieb.

Die eine Gruppe dient zur Verpumpung der in den niederösterr. Fördergebieten produzierten Rohöle in das Zentraltanklager, die zweite zur Versorgung der Raffinerie mit Rohöl bzw. zur Wegbringung der Destillate aus der Raffinerie in das Zentraltanklager.

Im Rahmen der ersten Gruppe besteht eine Doppelleitung von Neusiedl an der Zaya über Zistersdorf und Auersthal bis in die Lobau. Es sind dies zwei Rohrleitungen mit einer Länge von 60,9 km, welche in den Jahren 1941/42 gebaut wurden. Der abschnitt Neusiedl – Zistersdorf ist Eigentum der ÖMV, während der Abschnitt Zistersdorf – Lobau gepachtet ist.

Auf dem Abschnitt Neusiedl – Auersthal ist nur eine der beiden Leitungen für die Beförderung von Rohöl in Verwendung, während eine Leitung für verschiedene Gastransporte eingesetzt ist.

Außerdem besitzt die ÖMV noch eine Leitung von Auersthal in die Lobau (25,6 km), die ebenfalls für den Rohöltransport eingesetzt ist. Diese Leitung stellt einen Teilabschnitt der im Jahr 1941 errichteten Leitung Wien – Randnitz dar.

Das Paraffinrohöl des Nordfeldes (Mühlberg, Neusiedl, Gösting), das Rohöl der RAG, sowie das im weiteren Verlauf der Leitung vor Auersthal zugepumpte Rohöl des Feldes Pyrawarth werden in Auersthal in Großraumbehältern zwischengelagert. Gemeinsam mit dem Paraffinöl des Südfeldes wird es dann weiter in Richtung Lobau verpumpt. Bei Aderklaa erfolgt eine weitere Zupumpung des dort geförderten Rohöls.
Das über die Doppelleitung verpumpte Rohöl wird in die Behälter der Lobau aufgenommen. Von dort gelangt es in Kessel- oder Tankwagen in die raffinerien von Shell und Mobil in Floridsdorf bzw. Kagran. Der größte Teil wird, vermischt mit importiertem Rohöl und dem Öl aus den oberösterr. Fördergebieten der RAG, in die Raffinerie Schwechat gepumpt.

Derzeit bestehen 18 Rohrleitungen, drei für Rohöl, die übrigen für die Verpumpung von Produkten.
Diese Verbindungsleitungen wurden im Zeitraum von 1959 – 1964 verlegt. Sie überqueren die Donau und die Schwechat auf Rohrbrücken und unterfahren den Wasserlauf „Kalter Gang“.

Die Betriebsführung dieser Pipelines obliegt dem Zentraltanklager. Alle damit zusammenhängenden Arbeiten (laufende Kontrollen, Druckproben, Instandhaltung usw.) werden von dort veranlasst.

Auf den vorne genannten Rohrleitungen wurden im Jahre 1967 folgende Mengen verpumpt:

Rohöl von Neusiedl nach Auersthal ……………………..2 400 000 t
vom Zentraltl. in die Raffinerie …………………………...3 400 000 t
Produkte vom Zentraltl. in die Raffinerie …………………460 000 t
von der Raffinerie in das Zentraltl..………………………1 800 000 t

Trotz bedeutender Ölvorkommen muss Österreich Öl einführen. Die jährliche Fördermenge liegt seit Jahren unter 2,4 Mill. t. Es müssen derzeit etwa 3 Mill. t Erdöl und dessen Derivate, vor allem Benzin aus dem Ausland eingeführt werden. [Hinweis: Stand 1967]

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Quelle: Helene Wallner, Die Transalpine Erdölleitung von Triest nach Ingolstadt (TAL), Hausarbeit 1967, elektronischer Reprint 2010.
© Helene Wallner, 2010