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Die Transalpine Erdölleitung von Triest nach Ingolstadt (TAL)
Von Leni Wallner

DIE ADRIA-WIEN-PIPELINE (AWP)

Zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung Österreichs mit Erdöl, das in immer größeren Mengen eingeführt werden muss, da der Energiebedarf von Jahr zu Jahr steigt, haben sieben große und in Österreich tätige Ölgesellschaften den Bau der Adria-Wien-Pipeline beschlossen.

Zu diesem Zweck wurde die Adria-Wien-Pipeline Ges.m.b.H. mit folgender Beteiligung gegründet:

ÖMV 51,0 %
SHELL 14,5 %
MOBIL 12,5 %
BP 7,5 %
ESSO 6,5 %
CFP (Total) 4,0 %
ENI (Agip) 4,0 %

Der Sitz der Gesellschaft ist in Klagenfurt.

Infolge der Industrieballung im bayrischen Raum war der Bau einer Pipeline von Triest nach Ingolstadt notwendig geworden. Unter Heranziehung dieser Ölleitung als Zubringer von Triest wurde nun die endgültige Trasse der AWP festgesetzt. Sie folgt als modernstes Massentransportmittel einem Jahrhunderte alten Weg, der die österreichische Wirtschaft mit den Weltmeeren verbunden hat:
von Triest über die Alpen nach Wien.


Trassenverlauf:


Die AWP wird in Würmlach beim Plöckenpass an die TAL angeschlossen. Der Weg führt dann durch das Gail-, Drau- und Jauntal, quert die Koralpe nahe Soboth, wo der höchste Punkt mit 1350 m erreicht wird. Die Leitung verläuft dann durch das Lasnitztal, wo in Wettmannstätten die Stichleitung für die geplante Erdölraffinerie im Raume Lannach abzweigen soll. Im Bereich von Wildon kreuzt die Trasse die Mur, führt weiter durch das oststeirische Hügelland, überquert den Wechsel, das Rosaliengebirge und endet schließlich in Schwechat.

Die AWP wird mit einer Länge von 418 km nur ca. 40 km kürzer sein als die große Transalpine Ölleitung.
Auf dem Weg von Würmlach bis Schwechat unterführt die AWP 21 Bahnlinien, 170 Straßen und quert 180 Flüsse und Bäche, 300 Entwässerungsanlagen und Wasserleitungen und 600 Anlagen verschiedener Elektroversorgungsunternehmen, Kabel- und Freileitungen der Post und der Bundesbahn.

Die AWP ist mit einem Stammkapital von 100 Mill. Schilling eine der größten österreichischen Gesellschaften.
Die Bausumme wird ca. 1,6 Mrd. Schilling betragen, eine Investition, die zum Großteil der Wirtschaft Österreichs zugute kommt, da sie hauptsächlich für die Lieferung des von österr. Firmen hergestellten Materials und für die Bezahlung österreichischer Fachkräfte ausgegeben wird.

Während des Baues werden etwa 2500 – 3000 Menschen beschäftigt sein. Die Arbeit wird an vier Abschnitten gleichzeitig vorangetrieben, um sie innerhalb eines Jahres beenden zu können.

Für den Betrieb der Pipeline werden nach ihrer Fertigstellung ca. 60 Fachkräfte erforderlich sein.


Technische Daten:

Länge: Würmlach – Schwechat 418 km

Rohrdurchmesser: 46 cm

Grabentiefe: 1,5 m

Überdeckung des Rohres: 1 m

Zahl der Rohre: 35 000

Länge eines Rohres: 12 m

Gewicht der Rohre: 31 000 t

Höchster Punkt: Koralpe, 1350 m

Beförderungskapazität: zu Beginn 5 Mill. t, im Endausbau 10 Mill. Jahrestonnen

Pumpstationen: zu Beginn 5, im Endausbau 11

Stromverbrauch: Für den Betrieb der 11 Pumpstationen wird der Energiebedarf 250 Mill. kWh jährlich betragen; das ist etwa die Leistung eines mittleren Flusskraftwerkes.

Die AWP ist ein Transportunternehmen, das sich ausschließlich mit der Beförderung des in Raffinerien benötigten Rohöls befasst.

Das Rohöl wird von der TAL nach Würmlach gebracht und muss dort gelagert werden. Von diesem Tanklager rufen dann die Raffinerien das jeweils benötigte Quantum Rohöl ab. Das Tanklager wird vorläufig mit vier Tanks zu je 50 000 m³, also mit einem Gesamtfassungsvermögen von 200 000 m³, gebaut. Bis zum Endausbau der Pipeline muss auch das Tanklager schrittweise erweitert werden.

Die Pipeline wird über eine Fernmeldezentrale von Würmlach aus betrieben, die sämtliche Bewegungen des Öls, alle Schaltmöglichkeiten und die Durchführung von Arbeitsvorgängen überwacht. Technisch hochentwickelte Sicherheitsvorrichtungen sorgen für die Kontrolle aller Anlagen. Damit wird die AWP die sicherste Ölleitung der Gegenwart sein.

Mit dem Bau der Adria-Wien-Pipeline ist die Hoffnung und das Ziel verbunden, die Energieversorgung Österreichs zu sichern und damit dem Lebensstandard der Menschen dieses Landes das erwartete Niveau zu bringen. [Hinweis: Stand 1967]

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Quelle: Helene Wallner, Die Transalpine Erdölleitung von Triest nach Ingolstadt (TAL), Hausarbeit 1967, elektronischer Reprint 2010.
© Helene Wallner, 2010