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Der Höfltrager – ein vergessener Erwerbszweig
Von Fanny Reinisch

Vergessen ist ein Erwerbszweig und mit ihm sind manche Charaktergestalten aus dem Volksdasein verschwunden. Nur wenige Land- und Bergbewohner wissen noch von der Notwendigkeit der Höfltrager. Die Brauereien lieferten vor Zeiten nicht bloß den schäumenden Gerstensaft, sondern sie erzeugten noch ein ganz unscheinbares, aber für die Wirtschaft ein sehr notwendiges Erzeugnis, die Bierhefe, die heute durch die überall erhältliche Preßhefe ganz und gar aus dem Handel verdrängt wurde. Für die Brauereien bildete der Verkauf der Hefe eine nicht ganz geringe Einnahmsquelle; die Hefe wurde in den Brauereien oder Gaststätten verkauft, „um 2 Kreuzer" war das gewöhnliche Quantum. Aber nicht alle lebten an der Quelle und deshalb gingen landauf, landab die steilen Bergpfade entlang die Höfltrager oder Brottragerinnen und Bötinnen. Sie hatten in Ruckkörben oder Kraxen ihre Bitschen (Blechkannen) oder Bittiche verladen und gingen bis zu den höchsten Berghöfen, um dort den Biergerm zu verkaufen. Er fand gar mancherlei Verwendung, erstens zur Bereitung der im unteren Unterinntal gebräuchlichen Germ- und Knienudel und zum Brotbacken sowie zum Krautschnaps brennen, auch zur Erzeugung des für Mensch und Vieh als Volksarznei angewendeten „Bierputzers" und gar manche kleinere und größere Menge Hefe wurde zu Arzneizwecken, besonders bei Brandwunden verwendet.

Quelle: Fanny Reinisch, Ein vergessener Erwerbszweig, in: Tiroler Heimatblätter, 15. Jahrgang, Heft Nr. 5 / 6, 1937, S. 185.
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