SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  830 - Strafexekution im Iseltal
 


Aineth, ist dort kein Schuss mehr gefallen. Während der folgenden vier Tage lösten sich die letzten Haufen auf. Ein drohender Brief des Untergenerals Teste aus Lienz redete von schwerer Bestrafung, stellte jedoch Verzeihung in Aussicht, wenn Wallner binnen 36 Stunden eingeliefert und die Abgabe der Waffen erfolgen würde. 1) Richter Kienberger unterhandelte darüber mit der Gemeindevertretung von Windischmatrei und mutete ihnen zu, selbst Hand anzulegen an den Insurgentenchef. Das wiesen sie zurück, drangen jedoch in Wallners Frau, sie möge vor Broussier einen Fußfall wagen und um das Leben ihres Mannes, der bereits mit zweien seiner Söhne flüchtig geworden, bitten. Die mutige Frau erwiderte, ihr Hauswirt habe ihr sagen lassen, sie brauche sich um ihn nicht zu kümmern, er werde wohl gegangen sein, den Hofer aufzusuchen, Furcht habe sie zwar keine, vor dem General zu erscheinen, aber ihre Umstände erlaubten ihr eine Reise nicht. Nun beredete der Pfleger die Gemeinde, Deputierte nach Lienz zu senden. Broussier rasselte gewaltig, er sprach nur vom „Totschiessen aller Spitzbuben". Die Angedonnerten zogen sich schnell zurück und suchten nur noch in Bürgermeister Rock einen Anwalt vor dem General zu gewinnen. Kienberger begann ernstlich für seine Untertanen zu fürchten und suchte durch eifrige Exekution begütigend auf Broussier zu wirken, das Tal vor neuerlichem militärischen Besuch zu bewahren. Wallners, der sich in Kals aufhielt, wurde er freilich nicht mächtig, auch nicht der beiden Panzl, die sich ebenfalls salviert hatten; dafür verhaftete er die beiden Hauptleute Franz Obersamer und Johann Weber. Die Häuser der Entkommenen legte er in gerichtliche Sperre, die zwei Gefangenen lieferte er nach Lienz. Überall wurde nach Gewehren gesucht, eine Fuhre mit solchen ging an Broussier und ein diensteifriger Bericht des Pflegers über seine erfolgreiche Tätigkeit. Der Gerichtsschreiber Segele, welcher von der Eskorte der beiden Hauptleute am 19. Dezember zurückkam, brachte dann auch tröstliche Kunde: weitere Exekution werde nicht folgen. nur Lieferungen wollten die Franzosen ausschreiben. .Am folgenden Tage schon stellte sich ein Bote des Generals ein, welcher meldete, 5000 Mann und 300 Pferde würden nachkommen und müssten von den Talbewohnern verpflegt werden. Richter und Gemeinde ratlos. Kienberger selbst eilte nach Lienz, um Vorstellungen zu erheben. Zu Broussier wurde er gar nicht vorgelassen, aus dem Munde des Adjutanten vernahm er die Weisung, augenblicklich heimzureisen und für die erscheinenden Truppen alles bereit zu halten. Am 22. sah man eine ganze Division auf der Iseltalstrasse sich fortbewegen. Alle Hände regten sich, um den Bedarf zusammenzutragen, der die

1) Dies und das Folg. nach den Tagesaufzeichnungen Kienbergers a. a. O.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 830
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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