SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  826 - Finanzielle Verluste
 

 

an die Reihe. Von ihren Vorräten zehrten Feind und Freund. Äcker und Wiesen am Wege lieferten in diesem Jahre keinen Ertrag, weil die Frucht von den Vorübergehenden genommen, zertreten und verwüstet wurde. 1) Bekannt sind die Vermögensverluste, welche Männer wie Straub, Wintersteller und Sieberer erlitten haben. 2) Der Notlage im Sandwirtshause werden wir noch begegnen. Zu den vermöglichsten Wirtschaften in einer Gemeinde zählten gewöhnlich die Postmeistereien. Zu Ende des Jahres präsentierte sich ein Teil von ihnen als Stätten der Plünderung und des Brandes. Das Posthaus am Brenner war gänzlich ausgeraubt, das in Mittewald völlig zerstört, die in Zirl, Seefeld, Schwaz, Waidring und Kufstein lagen in Asche, der Postmeister in Sterzing vermisste seine Pferde, Geschirre und Kutschen, Lavis, Kolman, Wörgl, Söll und St. Johann waren gänzlich entleert. 3) jedes durch Feuer zerstörte Haus zog auch die vom Brand verschonten Nachbarn in Mitleidenschaft, denen es als selbstverständliche Pflicht galt, dem Verunglückten beizuspringen. 4) Man weiß, welch reichliche Gaben für Schwaz geflossen sind, wären sie dem Markte nur auch zugekommen.

Welche Kosten die Gemeinden für die Landesverteidigung zu tragen hatten, mag das Beispiel mit Sillian bezeugen, das Gericht wies an solchen 57400 G. aus. 5) Eine eidliche Schätzung über den im Innkreis allein angerichteten Schaden, wobei Defensionsauslagen nicht mitgerechnet sind, ergibt die Summe von 1 650 000 G. 6) Noch im November 1809 wurde folgender Kalkül aufgestellt: „Nimmt man an, dass nur 8000 Tiroler durch 213 Tage unter Waffen standen, von denen jeder täglich 36 kr. verdient hätte, so macht es 782 400 G. Nach geringem Anschlag beträgt die Zahl der verbrannten Häuser 2000, der Ausfall im Transithandel über 400 000, die Verpflegung der österreichischen Truppen wenigstens 150 000, die der Bayern und Franzosen über 300 000 G., vielen andern Schaden ungerechnet." 7)

1) Gesuch des Jos. Willy, Wirt zu Loretto bei Hall. J. St.
2) Dar. Straganz und Vordermayr a. a. O.
3) Akt v. 5. Dez. 1809 „Über den Zustand der Posten am Ende des Aufstandes" in M. K.
4) Assekuranzen, die freilich für den Kriegsfall kaum in Frage kamen, gab es in Tirol noch nicht. Seit alters war es Brauch, für ein abgebranntes Haus 11 G. 26 kr. und für ein halbes 5 G. 43 kr. aus dem Steuergefälle zu zahlen und die Gewerbesteuer für 3 - 10 Jahre nachzulassen. Diese Entschädigung gewährte Bayern 1811 den 1809 Verunglückten, und sie waren, wie die Regierung nach München meldete, dessen so zufrieden, dass sie nicht um weiteres nachsuchten. M. K.
5) Rechnungslegung (1817) über die „Insurrektionskosten des Gerichtes Sillian": An barem Geldvorschuss 5154, für Wein 78, für Schützenlöhnungen 24 728, für Sturmmannschaft 26 050, für Schanzarbeiten 1400 G. J. St.
6) Die Schätzung wurde 1811 vorgenommen. M. K.
7) Epistel an die Tiroler (gedr. 1809) p. 27. Eine Berechnung nimmt für den gesamten finanziellen Schaden die Summe von 20 Millionen an.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 826
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.