SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  823 - Teilung des Landes
 

 

bayrischen Herrschaft betrieben wurde. Dazu kommt noch die große Animosität Baraguays und Vials gegen alle bayrischen Beamten. Ich wage also, bis ich Befehle bekomme, in den beiden südlichen Kreisen gar nichts vorzunehmen. Ja selbst Drouet scheint noch Befehle abzuwarten, bis er sich von den bisherigen Einmischungen fern hält." Der König erklärte sich mit der Auffassung seines Kommissärs durchaus einverstanden, sein letztes Wort war noch der Befehl, trotz allem ein gutes Auskommen mit den Franzosen zu suchen. 1)

Ritter hat richtiger gesehen als Thürheim. Nicht Mailand gab den Ausschlag, noch weniger die in Tirol kommandierenden Generale, die nur nach Befehlen handelten, sondern Paris. Dem Franzosenkaiser war schon 1805 der Gedanke einer Zerstückelung Tirols nicht fremd gewesen. Aber damals waren noch Rücksichten auf Bayern zu nehmen, die es jetzt nicht mehr gab. Außerdem standen ja vom Schönbrunner Frieden her noch Ländergebiete für eine Entschädigung Bayerns zur Verfügung. Nach zwei Seiten hin wollte der Imperator durch die Aufteilung des Landes seine strafende Hand fühlen machen: nach Tirol, das sich zum Aufstande erkühnt, und nach Bayern, dessen unkluger Regierung er die Schuld an der Volkserhebung beimaß. 2) Nach seiner brutalen Manier des Seelenschachers befahl Bonaparte, es seien „zur Konvenienz von Italien und Illyrien" 300000 Menschen des „italienischen Tirols" und „nach seiner Wahl" abzutreten. So statuierte der mit Bayern am letzten Februar aufgerichtete Pariser Vertrag. Drei Monate später vereinigte ein kaiserliches Dekret „das südliche Tirol" unter dem Namen des Departements der obern Etsch mit Italien. Und der italienische Senat votierte dem Kaiser den Dank, dass er dem Königreiche die norischen Alpen als Grenze bestimmt habe. Mit derselben Willkür verfuhr die im Juni zusammentretende Kommission bei der Grenzregelung. Für Dipauli war es wohl die schmerzlichste Amtshandlung seines Lebens, dass er neben Thürheim, Raglovich und Hörmann als bayrischer Delegierter dabei mitwirken musste. Einwendungen gegen die französisch-italienischen Kommissäre waren in den Wind erhoben. Um die ausbedungene Anzahl reichlich voll zu machen, wurde ohne Rücksicht auf nationale, physische und ökonomische Verhältnisse herumgezirkelt, gedrittelt und halbiert, dass es nur so seine Art hatte. Den Etschkreis und die Hälfte des Eisackkreises musste Bayern dahingehen, von letzterem Bozen, das es so gern festgehalten hätte — nur einen Teil von Sarnthein und Tisens ausgenommen — Stücke vom Landgericht Klausen (Tiers und Völs), solche auch von den Gerichten Welsberg und Bruneck, die Gerichte Ampezzo, Buchenstein

1) König an Thürheim. 2. März.
2) Napoleon an Minister Champagny 9. Januar 1810, wo der bezeichnende Satz vorkommt: „le Tirol se serait révolté contre la Maison d'Autriche si elle eût agi comme les Bavarois." Corresp. de Nap. XX, p. 121.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 823
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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