SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  819 - Französische Übergriffe
 


das Baraguay einstmals Danei gegeben hatte. Aber nicht bloß im Militärischen, sondern auch im Zivilen stieß man bei Vintschgau auf französische Einsprache. Die von Innsbruck aus verfügte Eintreibung der Dominikal- und Rustikal-Steuer wurde durch Baraguay für das Landgericht Fürstenburg inhibiert; man schloss daraus, dass damit die Zuweisung dieses Gerichtes vom Innkreis an den Eisackkreis angedeutet sei. Amtliche Eingriffe der Bayern abzuwehren, war Drouet jeden Tag bereit, Baraguay ließ er gewähren. Es bedurfte eifrigster Vorstellungen Ritters, bis Drouet die letzte Verfügung seines Kollegen über Fürstenburg widerrief. Wie die Städte, so suchte Baraguay auch die Landgerichte in Vintschgau zu einer Begrüßung des Vizekönigs zu bekanntem Zwecke zu gewinnen. Hierzu fand er in Danei ein bereitwilliges Werkzeug, 1) der sich seit seiner Befreiung in Passeier immer offener als Freund, ja Vertrauten der Franzosen aufspielte. Dieser sollte die einleitenden Schritte treffen. Aber schon war Bayern zur Stelle. Ritter entsandte den Finanzrat Rapp nach Vintschgau, um für Bayern Stimmung zu machen. Baraguay wusste den Emissär gleich zu entfernen. In Schlanders hatte Danei an Rapp ein Dekret zu übergeben, das ihn zum augenblicklichen Antritt seines ihm jüngst verliehenen Amtspostens in Brixen verhielt. 2) Danei hatte aber nicht bloß abzuwehren, er sollte die Gemeindevorsteher zu einer Sendung nach Mailand bereden. Er brachte es auch zu einer Konferenz, wo man gewisse Wünsche formulierte, deren Überbringer Danei sein sollte. Aber zur Mailänder Reise ist es dann doch nicht gekommen. 3)

In der Veranstaltung von Kundgebungen aus der Bevölkerung war Bayern jedenfalls glücklicher als die Franzosen. Die Gerichte Wolkenstein, Kastelrutt, Aichach, Gufidaun, Trostburg, Villanders, Ampezzo, auch Enneberg, Salurn und Neumarkt wurden zu Resolutionen veranlasst, in denen sie das Verlangen, mit Deutschtirol, also mit Bayern, vereinigt zu bleiben, niederlegten. Das kann man, also begleitet Ritter diese Stimmen vor dem König ein, in Paris gegen Napoleon benützen, um nachzuweisen, wie man sich gegen die Wünsche des Volkes und gegen die Sprachverhältnisse versündigen würde. 4) Selbst Bozen stellte sich endlich mit einer loyalen Erklärung ein. Das Verdienst gebührt Dipauli. Noch

1) Danei: „Ich war ohnehin für die italienische Regierung mehr eingenommen als für die bayrische und ich wirkte in diesem Sinne, obgleich ich wohl einsah, dass wir nur Gerste mit Hafer vertauschen würden."
2) Rapp hat nach seiner Ernennung erklärt, die Stelle nur mit Erlaubnis des Königs antreten zu wollen. Ritter hat darauf, um einem neuen Konflikt auszuweichen, die Erlaubnis erteilt.
3) Mautkommissär Reisner an Ritter, Bozen 18. Febr.: „Empörend ist dieses nicht ermüdende unverschämte Streben (Baraguays) gegen das bayrische Interesse und den Wohlstand des Landes."
4) Ritter an den König, 18. Febr.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 819
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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