SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  813 - Fortgesetzte Verbindung mit Österreich
 

 

vermutete, richtete man Weisungen an ihn. Johann überlässt es seiner Einsicht, zu handeln, was zur Wohlfahrt gereicht und der Erfüllung des kaiserlichen Willens in der gegenwärtigen Lage entspricht. Der Kaiser wünscht, durch den tirolischen Kurier Plangger „auf eine unverfängliche "Art" nach Tirol wissen zu lassen, dass Roschmann zwar so lang als tunlich in Tirol „mit sorgfältiger Vermeidung aller Kompromittierung" bleiben kann, dass er und Hofer aber, „wenn sie Tirol zu verlassen bemüßigt werden sollten", in seinen Staaten willkommen seien wie die Tiroler überhaupt, nur sei jedes Aufsehen bei der Einwanderung zu vermeiden. 1) In einem zweiten erzherzoglichen Schreiben vom selben Datum kommt dieses zagende Wesen wieder zum Ausdruck. Johann ist mit der von Roschmann in Tirol bewiesenen „Klugheit und Bescheidenheit" sehr zufrieden, 2) hält es jedoch nicht für überflüssig, anzuhängen, der „Biedersinn" des Kommissärs möge stets „im ungestörten Einklang mit dem Biedersinn des guten Hofer und der übrigen Tiroler so wirken, dass die Würde des Kaisers in keinem Falle gefährdet wird". Auch mit dem Sandwirt die Korrespondenz noch fortzusetzen, drängte es den Erzherzog, und zwar weniger im Sinn einer energischen Einschärfung des Friedens als einer gemütvollen Teilnahme an allem, was immer im Lande vorgehen möge. Schon war ein Konzept als Antwort auf Hofers Hilferuf 3) entworfen, als sich der Prinz eines andern besann und, mit dem Schreiben an Roschmann sich begnügend, die Ausfertigung unterliess.4) An Kolb scheint damals noch ein erzherzogliches Schreiben gegangen zu sein. Dieses erinnert an die Tatsache des Friedensschlusses und fährt dann fort: „Schmerzlich, sehr schmerzlich ist uns Tirols jetzige Lage, und ich habe neuerdings dem Kaiser davon eine Schilderung übergeben. Was der Kaiser darüber entschließen wird, steht abzuwarten. Ich empfehle dich und jeden biederen Tiroler dem Schutze dessen, in dessen Hand das Schicksal der Menschen steht." 5) Was konnte ein Träumer „vom Schlage Kolbs aus diesen Worten nicht alles herauslesen!

1) Kaiser an Johann, Johann an Roschmann, 6. Nov. ebend.
2) Dieser Brief vom 6. Nov. ist die Antwort auf Roschmanns Berichte vom 23. und 27. Okt.
3) Hofers Schreiben vom 22. Okt. (ob. p. 735.)
4) Das noch erhaltene Conc. (dat. 6. Nov.) lautet: „Wir fühlen ganz die unangenehme Lage Tirols, aber von hier aus ist unmittelbar nicht zu helfen. Wir haben nur den einen Wunsch, Tirols Schicksal möge sich auf eine für seine hochherzigen Bewohner würdige Art ja bald ändern. Die Bestätigung des Friedens wirst du bekommen haben und daraus ersehen, dass dem Lande Amnestie zugesichert wird. Gott leite deine weiteren Schritte zu deinem und des Landes wahrem Besten." Das Stück trägt den Vermerk: „Von diesem Concept wurde kein Gebrauch gemacht und nur die Antwort an Roschmann vom 6. Nov. geschickt". A. J.
5) Conc. mit dem Datum 6. Nov. Bei diesem wie bei jenem für Roschmann steht nicht der Vermerk wie bei dem für Hofer.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 813
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.