SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  805 - Kolbs Agitationen
 

 

Bauernchronik, „keine Rosen bracht". 1) Mit Preisen auf die Köpfe der Rädelsführer suchte Drouet derselben habhaft zu werden. Am 5. lief noch durch die Strassen der Landeshauptstadt das Gerücht, Hofer stehe mit 10 000 Mann bei Sterzing, habe den General Beckers gefangen und werde binnen drei Tagen erscheinen. Es war „die letzte beunruhigende Nachricht". 2)

Nicht zum wenigsten hatten Kolbs Lügenberichte den Aufruhr in Passeier mit verursacht. Die dortigen Vorgänge wirkten wieder zurück auf das Eisacktal und sollten eben hier noch zu einem grausen Nachspiel führen. Die grosse Einquartierungslast, welche die in Brixen lagernde Division Moreau dem ganzen Distrikt auferlegte, machte die Leute aufreizenden Einflüsterungen zugänglicher. 3) Nicht Kolb selbst, aber der Mahrwirt war zu Hofer gegangen und konnte Zeuge sein von jenem heißen Ringen in St. Leonhard. Die Schilderung davon entfachte in manchem Herzen die frühere Kampflust. Die alten Haudegen, wie der Herzlayer von Rodenegg, der „Lamplwirt" in Vahrn, Kofler in Miland, der Kirchner in St. Leonhard, die beiden Brader in Klerant, der „Griessgarber" von Brixen, Josef Frena auf Gravetsch erhoben sich von ihren Heimstätten und begannen zu werben. 4) Kolb verließ seine Lüsener Einsiedelei, um die Freunde in Theis, Villnöss und Layen aufzuwecken. 5) Daneben schrieb er seine von Wahnwitz und Fabeleien strotzenden Flugblätter, worin er vom Vorrücken des Erzherzogs über Kärnten, 6) von schweren Verlusten der Bayern im Inntal, vom Vorrücken des Sandwirts schwätzte. Im Kuntersweg und von der Brixener Klause bis zum Brenner müsse die Strasse ungangbar gemacht und die Brixener Garnison gänzlich eingeschlossen werden. Dem Weigernden wurde Erschießung angedroht. Solche Rufe verhallten nicht. In manchen Gemeinden griff alles wieder nach den Waffen wie in Velthurns, Pfeffersberg, Verdings, Latzfons und Villanders. 7) Aus Pustertal, Gröden und von der Sterzinger Gegend machte sich schlagfertige

1) Zum 2. Dez. notiert Knoflach a. a. O.: „In der Stadt ist großer Lärm. Bei Rattenberg kam es gestern zu Feindseligkeiten. Heute wurden bis Arzl herauf die Sturmglocken geläutet. Da aber das Militär hier ruhig ist, wird nicht viel daran sein."
2) Stettner a. a. O.
3) Josef v. Tschiderer an Giovanelli d. ä., Brixen 17. Nov.: „Die hiesige Gegend leidet furchtbar, täglich sind 4000 Rationen aufzubringen, dazu noch das große Feldspital, da ist Bozen noch besser daran." A. G. So auch die „Synchron. Übersicht" in Bezug auf Rodenegg.
4) Befehl Moreaus an den Landrichter, die genannten nebst Kolb und Mayr, die alle aufreizend unter der Bauernschaft herumgehen, gefangen zu setzen. 22. Nov. J. St.
5) Meldung des Richters Klebelsberg in Klausen, 19. Nov., ebend.
6) Johann sei seinem Bruder, dem Kaiser, „meineidig geworden" und habe sich mit 60 000 Mann von ihm getrennt.
7) Kooperator Gruber wurde von den Bauern aus dem Widum geholt und gezwungen mitzugehen.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 805
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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