792 - Franzosen über den Jaufen


wir miteinander leben und sterben." 1) Das sind nicht mehr die elektrisierenden, klassischen Laufzettel von einstmals. So mancher Sermon dieser Art scheint ihm abgerungen worden zu sein. Das Auftauchen der Franzosen in Passeier rief den Sandwirt von Saltaus zurück. Im ersten Schreck hatte er sich, das Tal von Verteidigungsmannschaft entblößt sehend, in die Kellerlahn zurückgezogen.

Den Abstieg vom Jaufen zum Dorf Walten vollzog die französische Kolonne (Majore Dorelli und Klippfeld) bis zum 17. abends, ohne Schwierigkeiten zu begegnen. Unter Zurücklassung einer Kompagnie trat sie am folgenden Morgen die Talwanderung an. Die spärliche Mannschaft, welche die Verfolgung Ruscas nicht von ihren Gehöften weggelockt hatte, wurde noch bei Nacht durch Glockenzeichen oder Lärmboten aus dem Schlafe geweckt. 2) Immerhin waren ihrer genug, um der feindlichen Truppe einen knallenden Empfang zu bereiten. Bald außer Walten, auf Obereck, blitzte es von den Seiten und im Rücken in die Dahinziehenden hinein. Ohne sich dadurch aufhalten zu lassen, gelangten sie bis St. Leonhard und, als sich ihnen die Stürmer allzu unbequem nahten, trieben sie dieselben in die Ruinen der Jaufenburg ab. Musste ja Rusca nach ihrer Berechnung nahe sein. Eben deshalb setzte die Hälfte unter Klippfeld den Marsch nach St. Martin fort, während Dorelli in St. Leonhard rasten wollte. Ersterer konnte sein Marschziel schon nicht mehr erreichen, rings um ihn bevölkerte sich das Tal mit kampfbereiten Männern. Georg Laner und Holzknecht, die das Kommando an sich genommen, hatten nicht vergeblich nach den im Etschtal abwesenden Freunden gerufen. Bis zum 18. abends waren sie alle zur Verteidigung des eigenen Heimattales eingetroffen.

Die Franzosen sahen sich alsbald eng umschlossen, selbst die von ihnen noch besetzte nahe Jaufenburg mussten sie räumen und auf das Dorf sich beschränken. Eine ganz eigenartige Kampfesszene entwickelte sich. Die festgebauten und höher ragenden Dorfhäuser wandelten sich in Festungstürme, in denen sich die einzelnen Soldatentrupps einnisteten.

1) Hofers Schreiben v. 17., 19. und 20. Nov. bei Danei a. a. O. Hofers Anteil an diesen Briefen ist nicht genau festzustellen. Von einer ähnlichen Ordre, von Hofer und Wintersteller gezeichnet (20. Nov.), hat Kustos Fischnaller festgestellt, dass Hofers Unterschrift kopiert, nur jene Winterstellers echt ist. (Das Or. im Besitz des Grafen Ballestrem.)
2) Die Brüder Thurnwalder weckte ihre tapfere Mutter und reichte ihnen die Gewehre, Joh. Thurnwalders Aufzeichnungen (Prem und Simeoner a. a. O.) sind für diese Passeirer Kämpfe eine schätzenswerte Quelle. In der Lesung weichen Prem und Simeoner mitunter von einander ab. So hat Prem: (ging ich) zum Kommandanten der Lawiser Jäger; Simeoner: zum Kommandanten, dem Souiser Jäger. Man weiß mit keiner der beiden Lesearten viel anzufangen. Simeoner hat übrigens die vorausgegangene Arbeit Prems ignoriert.



Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 792

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.