SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  763 - Vial in Bozen
 

 

Die Bauern machten Miene, sich Bozens zu bemächtigen. Die Kirchen wurden gesperrt, bang verbargen sich die Bewohner in ihren Häusern. Mit Wagen und Fässern verbarrikadierten die Soldaten die Eingänge zur Stadt. Von allen Seiten ringsum attackierten die Bauern. Peyri, dessen Munition am Tage vorher teils verschossen, teils verloren gegangen war, sah sich vollständig zerniert. Es schien ihm eine schimpfliche Kapitulation zu drohen. Aber seine Bedränger waren, wie der Chronist sagt, „ein Haufen braver Leute, doch ohne Ordnung". 1) Sie nahmen ihren Vorteil nicht wahr und versäumten, die hilflose Lage des Feindes auszunützen. Plötzlich sah man auf der Strasse von Süden her eine Kolonne von 2000 Franzosen sich nähern. Es war der von Vial vorausgesandte General Digonet. Scheu machten ihm die Belagerer Platz, Peyri war gerettet. Des andern Tages erschien Vial selbst mit dem Hauptkorps. Über 8000 Mann füllten die Stadt, welche bei dem noch völlig unterbrochenen Verkehr die größte Mühe hatte, die notwendige Nahrung aufzubringen. Unter den geräumigen Marktlauben kampierten einige hundert Dalmatiner. Wie Drouet, so bildete auch Vial aus der Bürgerschaft eine provisorische Administrationsbehörde, welcher außer Bozen auch die Bezirke Klausen und Meran unterstellt wurden. Dabei vernahm man aus dem Munde des französischen Generals die seltsamen Worte, bayrische Beamte und bayrisch gesinnte seien von der Verwaltung ausgeschlossen, da, wie er beisetzte, Bayern schwerlich mehr Tirol erhalten werde. Starke Militärabteilungen zogen in die Vororte und in die Gemeinden der weiteren Umgebung und forderten die Waffen. Mit Ausnahme des Ritten, auf dem es am 9. noch mit denen von Villanders einen Zusammenstoss gab, zeigten sich nirgends mehr bewaffnete Banden. Die letzten zerstreuten sich, als Hofers Heimkehr nach Passeier bekannt wurde. Selbst Eisenstecken bat um einen Pass, um sein Hauswesen wieder aufsuchen zu können. Er ward ihm bewilligt.

Nun ist es aber Zeit, den Friedensboten des Sandwirts auf ihrem Gange zum Vizekönig zu folgen. In Pustertal betraten sie heißen Boden. 2) Rusca war schon am 1. mit einer Division in Lienz eingezogen. Vor ihm zurückweichend wirkte Steger in beruhigendem Sinne, und, wie es anfangs schien, mit gutem Erfolg. Aber was er aufbaute, riss Kolb nieder. Dieser, glücklich darüber, dass er mit Haspinger den Sandwirt wieder in kriegerische Wallung versetzt hatte, kam hastig aus Steinach herbei und

1) Kompagnien des Burggrafenamtes und von Vintschgau standen an diesem Tage noch unaufgelöst in Meran, ihre Vorposten gingen bis Burgstall. Aber die Vorgänge um Bozen berührten sie nicht, obgleich sie vom Unfall Peyris im Kuntersweg schon wussten. Joh. Hofer an Jos. Gufler, Meran, 5. Nov. J. St.
2) Vgl. neben Danei und Sieberer bes. Steger und die „Synchronistische Übersicht über die Ereignisse v. 1. Nov. 1809—12. Febr. 1810", verfasst von einem ungenannten, verlässlichen Erzähler. (A. G.)

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 763
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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