732 - Nach Innsbruck


halten. 1) Den Major Pühler entsandte er mit Geld und Weisungen nach Pustertal, um die Einschließung Sachsenburgs zu betreiben, dessen Übergabe er täglich erwartete. In seinem Berichte versichert Roschmann, bei all diesen Schritten mit seinem Namen im Hintergrund geblieben zu sein, um den Kaiser nicht zu kompromittieren. Aber eine offene Ordre, datiert aus Bozen vom 20. Oktober, liegt vor, worin Roschmann alle Kompagnien im Lande unter die Waffen ruft und welche er unterschreibt als „Sr. k. k. apost. Maj. bevollmächtigter Oberlandes- und Armee-Kommissär". 2) War dies etwa, besonders wenn der Friede geschlossen war, nicht kompromittierend? Dieses Aufgebot aber erging, weil Speckbachers Niederlage auch zu Roschmanns Ohren gedrungen war. Den Kommissär trieb es nach Nordtirol. Während der Fahrt über den Brenner malte er sich noch im Geiste aus, wie er, „in einem sehr gut unterhaltenen Verhältnis mit Hofer", auch die nötigen Verbesserungen in der Administration vornehmen werde. Aber bei seiner Ankunft in Innsbruck sah er sich vor einer Wirklichkeit, vor der seine Verwaltungspläne keinen Bestand mehr haben konnten. Der Feind war schon über Rattenberg hinaus. Scharen zurückkehrender Stürmer, Wagenzüge mit fliehenden Leuten füllten die Strasse von Unterinntal her. In der Stadt herrschte unbeschreibliche Aufregung. Die Bayern sengen und brennen, so verbreiteten klagend die einen; andere, so auch der schwertumgürtete Danei, durchrasten die Gassen und predigten wütend Kampf und Sieg. In der Hofburg musste man an Abzug denken, es wurde gepackt. 3) Die stündlich sich drängenden Meldungen aus Unterinntal, eine schlimmer wie die andere, drückten Hofer völlig danieder. Aus dem Gewirr der ihn durchstürmenden Gedanken gewann immer wieder der eine die Oberhand, den Feind am Iselberg zu empfangen. Die schon seit einiger Zeit dort aufgenommenen Schanzarbeiten wurden eifrig fortgesetzt, ein eroberter bayrischer Achtpfündner und eine sechspfündige Feldschlange zur Armierung der Höhe aufgepflanzt. Der unter

1) S. ob. p. 693. Über Roschmanns Aufenthalt in Bozen handelt ein von Holzknecht geschriebenes P. S. in dem oben angeführten Brief Joh. Hofers an Gufler vom 17. Okt. J. St. Das Tagebuch eines Sohnes Dipaulis, 1809 in Bozen geschrieben, erzählt, Roschmann habe versichert, dass der Krieg schon am 2. Okt. wieder angegangen, weil Napoleon zu schwere Bedingungen gestellt; in Frankreich sei ein Aufstand ausgebrochen. A. D.
2) J. M.
3) Während der zwei Monate hatte sich in der Burg allerhand Ballast angesammelt. So lagen dort auch drei Kisten mit Büchern, Eigentum des amovierten Professors Breitenlechner. Er hatte sie in der Spedition Oberlindober deponiert. Ein Brief Breitenlechners, worin er um Aushändigung ersuchte, wurde im September von den Bauern aufgefangen und hatte so sehr ihr Misstrauen erweckt, dass Hofer die Kisten dem Spediteur abforderte. Holzknecht verwahrte sie in seinem Gemach. Bei der Auflösung des bäuerlichen Hauptquartiers in der Hofburg wurden sie ebenso verschleppt wie vieles andere.



Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 732

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.