SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  673 - Schwierigkeit ihrer Erhaltung
 

 

hatte, wenn die ärarische Kasse versagte, der heimische Gerichtsbezirk zu bestreiten, also die Gemeinden. Nun konnte gerade in Hofers Tagen der Fiskus das wenigste leisten, und die Gemeinden hatten sich bisher schon auf das äußerste angestrengt. Von der Löhnung, die sehr unregelmäßig floss, konnte der Mann nicht leben, er musste aus dem eigenen, so weit es reichte, zusetzen. Viele Hauptleute kontrahierten Schulden, um ihren Trupp zusammenzuhalten. An die Leistungsfähigkeit der Orte an der Landstrasse wurden hohe Anforderungen gestellt. Dieselben waren oft ob der Menge des Volkes kaum zu befriedigen. Wohl hat man auch die Form gewählt, dass die an einem fremden Ort durchziehende Mannschaft für die dargereichte Verpflegung Quittungen ausstellte, welche die Heimatsgemeinde einlösen sollte. 1) Es ist aber begreiflich, dass damit nicht alle Schwierigkeiten behoben waren. Auch in dieser Hinsicht hat vielleicht Passeier die größten Opfer gebracht. Dieses enge Tal, durch das der vielbegangene Weg über den Jaufen führt, war die Passage für ungezählte Tausende, welche die Aufgebote nach Nordtirol riefen. Reichten die schmalen Vorräte schon hart genug für die Einheimischen, um wie viel weniger für die Menge von Durchzüglern. Und wo werden die hungrigen und dürstenden Schützen mehr vorgesprochen haben als am Hause des Oberkommandanten? Da mag es für die geschäftige Wirtin viele heiße Stunden gegeben haben. An den Vorräten des „Vaters Hofer" labte man sich vor allem. Und in dieser gewaltigen Inanspruchnahme des Hauswesens am Sand wird man den Grund zu sehen haben, dass Hofers Wirtschaft, ehemals bekannt als eine gut situierte und vermögliche, 2) zu Ende des Sturmjahres gar sehr im Abgang begriffen erscheint.

Aus Hofers Munde ist darüber nie eine Klage zu vernehmen. Desto lauter beschwerten sich seine Landsleute, sie wurden immer schwieriger. Auf einen Befehl, eine frische Kompagnie zu senden, antwortet der Ortsrichter von Passeier: „Da die Leute künftig ohne Löhnung oder gänzliche Verpflegung nicht mehr ausrücken wollen oder vielmehr nicht können, so muss ich zuerst wissen, wie ich sie darüber verbescheiden soll." 3) Selbst in Hofers nächster Umgebung, unter seinen Leibkompagnien, äußerte sich Missmut. Der Hauptmann einer solchen begehrt aus dem Heimatsorte Nachschub, damit endlich die Lücken ergänzt werden, oder Geldsendung „um die jetzigen für anderer Arbeit zu bezahlen". Erfolgt keines von beidem, „so kann ich nicht gutstehen, ob mir die Leute ausharren, denn sie sind mürrisch und verdrießlich und dringen auf die Ergänzung der Kompagnie, damit sie einen wöchentlichen Rasttag bekommen und sich,

1) Über diese Verhältnisse belehrt namentlich ein Brief des Passeirer Anwaltes Jos. Gufler an die Schutzdeputation in Meran, 5. Aug. J. M.
2) Vgl. ob. p. 245.
3) Richter Auer an Hofer, 21. Aug. J. St.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 673
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.