SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  652 - Hofer von Parteien überlaufen
 

 

fasslichen Extrakt anlegte. Sogleich erntete dafür der Geistliche des Sandwirts Lob: „Dös ist brav Paterl, Sie warn a Mandl! Sie håbn iatz a Schrift gmåcht, dö versteh i gånz. Die Hearn von der Administration schickn mer oft Såchn hear zum unterschreibn, wo i nit s'hålbe dervon verstea." Danei, geschmeichelt, entgegnete, er schreibe eben keinen Kanzleistil. Hofer aber fuhr ihm in die Rede: „A was Kanzleistil, die Hearn solln Deutsch schreibn, dass es die Baurn verstien." Und zum Lohn für den geleisteten Dienst folgte noch die Einladung: „Kemmen Sie geistlicher Hear, iatz gien mer a Hålbe trinkn!"

Besonders laut ging es im Audienzsaale her, wenn er sich zur Aula verwandelte, in welcher die streitenden Parteien ihre Händel auskramten und verfochten. Natürlich handelte es sich selten um förmliche Prozesse, 1) sondern um den Kleinkram des bürgerlichen und häuslichen Lebens. Danei hat eine solche Szene, deren Zeuge er war, mit stenographischer Genauigkeit festgehalten. Vor Hofer — er war eben nicht gut gelaunt, da er sich zur Ader gelassen — erschien ein Bauer mit seiner Ehehälfte, mit Magd und Knecht. Sogleich erhebt sich gellendes Gekreische. Die Bäuerin beschwert sich über die Kälte des Mannes und ungebührliche Vertraulichkeit desselben mit der Dirne, diese und der Bauer ergehen sich in Anspielungen auf verdächtige Beziehungen der Hausfrau zum männlichen Dienstboten. Eine Zeitlang lässt der Sandwirt sie keifen, endlich reißt ihm die Geduld, Ruhe gebietend überschüttet er sie mit folgendem Strafsermon: „Schamts enk nit ös Fåken? Ist iatz dös a Streit? Seids ös Christn? Lumpnleut seids! Wie tiet denn ös beichten? Marschirt enk, und wenns mer no amål mit sollen Fåkereien kemmts, låss i enk ålle viere einspörrn. Marsch fort ausn Gsicht ös Saumagen!" Solche Sprache verstanden die Querulanten, der Kasus war erledigt. 2)

Manche Erlässe, welche unter Hofers Namen hinausgingen und Unordnungen zu steuern bestimmt waren, führen eine kräftige Sprache. Im Gericht Landeck bildete sich eine Strömung gegen den Richter Johann Linser. Gerichtsuntertanen brachten dem Sandwirt ihre „Bedenklichkeiten" vor. Es wurde ihnen bedeutet, sie müssten sich, wenn sie Beschwerden hätten, an den Dynasten 3) wenden, den zu umgehen sie kein Recht besäßen. Der Gerichtsausschuss wird verantwortlich gemacht, dass dem Richter an Person, Vermögen und Familie keine Beschimpfung und keine

1) An das Prozessführen zu denken hatten die Bauern in diesem Jahre wenig Zeit. Von Passeier wird versichert (J. St.), dass nach dem ersten Quartal anno 9 kein einziger Prozess vorgekommen sei.
2) Nicht immer imponierte Hofer den Leuten. Knoflach erzählt von einem Silzer Bauern, „einem hellen Kopf", welcher, von der Audienz bei Hofer abtretend, gesagt habe, „nein, der Bauer soll bei seinem Pflug bleiben".
3) Landeck war spaurisch.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 652
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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