SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  600 - An den nördlichen Pässen
 

 

Frauen zweier Obersten, Epplen und Spaur, wurden im Reisewagen überfallen und gefangen abgeführt, 1) zwei bayrische Postbeamte sollen damals auf derselben Strecke verschwunden sein. 2) Margreiter sammelte seine Wildschönauer, Zillertal und der Bezirk Rattenberg wurden aufgeboten. Kam es da noch nicht zum Auszug, so war es nur der Klugheit des jetzt in Rattenberg kommandierenden Grafen Taufkirchen zuzuschreiben, der die bäuerlichen Führer unter dem Schein einer Beratung zu sich zu locken und als Geiseln zu behalten verstand. 3)

Die Oberinntaler legten sich, nachdem ihnen der Fang bei Pontlatz gelungen, nicht zur Ruhe. Sie machten sich auf zum Grenzschutz. Paul Handle bezog mit 10 Kompagnien von Landeck, Ried und Pfunds die Wache am Arlberg, die Paznauner unter Wendelin Kathrein beobachteten das Zeynisjoch, nicht weniger als 24 Kompagnien der Lechtaler unter Joh. Georg Wille lagerten am Fernpass und auf den benachbarten Jöchern. Und hier kam es in den folgenden Tagen zu wiederholten Begegnungen mit einer feindlichen Abteilung des Generals Piccard, der als Reserve Beaumonts Immenstadt, Sonthofen und Füssen besetzt hielt. Vils und Reutte erhielten feindlichen Besuch, wurden aber von den Tirolern alsbald wieder befreit. 4) Den Seefelder Sattel versahen die dortigen Bergbewohner im Verein mit den Telfsern und Hörtenbergern. Wenig oder gar nicht geschützt war der Achenpass. Da spürte man den Abgang

1) Die dabei erbeuteten vier Schimmel wurden dem Sandwirt geschenkt und von ihm zur Leibequipage gebraucht.
2) Nach einem Akte in M. K. waren die zwei gefangenen Postbeamten Kommissär v. Kray und Justitiär Bäumler, die trotz allen Nachforschens verschollen blieben.
3) Maretich II, 327. Richter v. Pichl in Zell wagte nicht mehr, die Vorsteher samt den gesammelten Waffen nach Salzburg zu senden, denn das Unglück im Oberland sei schon bekannt. (Pichl an Kister, 12. Aug. M. K.). Er legt folgenden Zettel bei, welcher den Leuten von Strass nach Kaltenbach geschickt wurde: „Liebe Freunde! ich teile euch mit, dass der Feind bis Innsbruck verdrängt wurde. Bald wird er in voller Retirade sein. Schon viele Wagen voll Verwundeten sind vorbeigezogen, den ganzen Tag hörte man kanonieren. Ihr sollt das überall bekannt machen. Versammelt euch alle, Schützen und Sturmleute, damit wir den prahlenden Räubern den Rückweg abschneiden. Wir sehen, dass Gott dem Tapfern hilft, der nur für die Religion kämpft. Lasst euch durch keine Lügen täuschen. Bei der Gnadenmutter auf der Brettfall kommen wir zusammen. Besonders bringt den bösen Oberschreiber von Fügen in Verwahrung, aber tut ihm nichts. Wir liefern ihn dem Hofer aus, der wird schon verfahren mit ihm wie er es verdient. Wer nicht mit uns hält, wird als Landesverräter behandelt. Die salzburgischen Zillertaler haben den Auftrag, bei der Zillerbrücke sich zu setzen, die andern sollen sich uns anschließen. Soviel in Eile." Ein Bericht aus Hopfgarten (M. K.) meldet: „Vor Mitte August kam die Nachricht vom Ereignis bei Pontlatz, und geheime Boten aus Oberinntal forderten die Hopfgartner auf, den zurückziehenden Bayern in die Flanke zu fallen. Aber die Vorsteher entschuldigten sich mit dem Mangel an Waffen und lehnten ab aus Furcht vor den bösen Folgen."
4) Maretich II, 124 ff. Über eine Affäre in Reute am 9. Aug. Staffler, Tirol II, 297

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 600
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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