SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  596 - Rückzug bis Zirl
 

 

vorgeschoben worden, wurde aufs heftigste bedrängt und musste sich auf das Gros zurückziehen. 1) Und nun litt es die Bayern auch in Landeck nicht länger. Beide Bataillone traten den Marsch nach Innsbruck an. Er sollte ihnen schwer genug werden. Die Kunde vom nächtlichen Ereignis bei Pontlatz flog talabwärts von Dorf zu Dorf und brachte alles in Bewegung. Auch die Seitentäler entsandten ihren Landsturm gegen die Reichsstraße, damit er sich neckend und schädigend an die Abziehenden hänge. Rast gab es für die Truppen nirgends. Bei Zams donnerte schon wieder ein Steinhagel herab und zertrümmerte ein Geschütz nebst Pulverwagen, der Beschießung von den seitlichen Höhen her war kein Ende. Es gab eine Menge Verletzter. In Imst erhofften sich die abgehetzten Soldaten eine Stunde der Erholung. Statt derselben stießen sie auf die Stürmermassen der auch schon herbeigekommenen Ötztaler. Da schien es schon gar nicht mehr geheuer, den Weg, der sich an den kahlen Felswänden von Karres hinzieht, zu beschreiten. Büllingen, an den sich auch die Imster Besatzung anschloss, wählte daher die Richtung über Nassereit. 2) Aber die Tiroler ließen nicht von ihrer verderbenbringenden Begleitschaft, ihre Zahl vermehrten die Leute des Mieminger Mittelgebirges. Das schluchtartige Strassendefilee nach Telfs, im Volksmunde das Mörderloch benamst, verdiente sich jetzt wirklich diesen Namen, ununterbrochen flogen Kugeln in die Linie der Marschkolonnen. In Telfs war gleichfalls keines Bleibens. Es ward beschlossen, diesen Ort anzuzünden, aber es fand sich nicht die Zeit dazu, und die hineingeworfenen Granaten zündeten nicht. Erst Zirl war das Ende des Leidensweges, wo Büllingen um 9 Uhr abends, genau nach einem 36stündigen Marsch, anlangte. Sein Bataillon hatte beim Ausrücken 700 Mann gezählt, 258 zogen in die Nachtstation ein, 3) wo sie sich todmüde hinwarfen, um eines stärkenden Schlafes zu genießen. Mehr als 1000 Mann hat die Bayern diese Expedition gekostet.

Zirl füllte sich diese Nacht mit retirierenden Soldaten. Zu den aus Landeck und Imst kommenden Bataillonen gesellte sich noch das Regiment

1) Graf Karl Preysing, Zivilkommissär bei Beaumont, meldet 10. Aug. aus Lindau: „Man hört, dass die Tiroler die Truppen Burscheids angegriffen haben. Es ist noch nichts Genaues bekannt Aber die Straße bei Pettneu ist abgegraben und die Verbindung mit Innsbruck unterbrochen. Es sollen einige hundert Mann gefallen sein. Aber das ist nicht wahrscheinlich, weil sie Reiterei und Geschütze bei sich hatten und ihnen ja der Rückzug nach Innsbruck freistand." M. St.
2) Firler meint in der großsprecherischen „Beschreibung seiner Waffentaten" (J. M.), die Bayern wären über Tarrenz nicht hinausgekommen, wenn der dortige Kurat den von Firler aufgerufenen Wirt Bernhard Juen nicht abgeredet hätte.
3) So Sundahl; seine Zahlenangabe deckt sich genau mit der von Deroy (Maretich II, 7) entworfenen Verlustliste. Nach dieser kostete den Bayern der Rückzug durch Oberinntal (außer den Verlusten des 10. Regiments) 11 Tote, 80 Verwundete und über 100 Gefangene.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 596
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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