SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  589 - Verhandlungen bei Mauls
 

 

lebten, traf sie aber, da er bis zu ihrem Kerker vordrang, in elendem Zustande, sie waren daran, vor Hunger zu verschmachten. Die neunzehn armen Gesellen beteilte er mit Geld. Darauf machte er dem Marschall seine Visite im Gasthof Nagele zur Krone. Wo denn Hofer sei, so lautete die Begrüßung. Gegen sein besseres Wissen entgegnete der Gefragte, das sei ihm unbekannt. Erstaunt fuhr Lefebre fort: Wie könnt ihr Bauern solches unternehmen, wenn ihr keinen Führer habt? Wir brauchen keinen; wir tun, was wir für das Beste halten, meinte der Hauptmann. Darüber wurde der Franzose zornig und befahl seinem Oberst Spaur, Aukenthaler nebst dem ihn begleitenden Trompeter zu verwahren. Den letztern ließ man bald laufen, Aukenthaler wurde noch weiteren Verhören unterzogen. Man witterte hinter ihm einen wirklichen österreichischen Offizier. Er suchte den Argwohn zu nehmen, indem er versicherte, wenn einer bei ihnen Hauptmann würde, so könne er, wenn er wolle, Uniform tragen. In der Nacht des 10. August wurde er plötzlich geweckt. Schon dachte er, es gehe ans Erschießen. Auf die Strasse tretend sah er aber, wie sich alles zum Abmarsch bereit machte. Auch er hatte mit dem Guardian der Kapuziner, den sich Lefebre zur Geisel gewählt, einen Wagen zu besteigen, um, von vier Reitern und achtzehn Fußsoldaten umgeben, die Fahrt nach Innsbruck anzutreten.

Auch an der Seite von Mauls wurden am 9. Unterhandlungen eröffnet. 1) Ein bayrischer Parlamentär forderte, der Oberkommandant möge sich zu einer Besprechung einstellen. Die Hauptleute erkoren den streitbaren Kuraten Lantschner von Weitental und gaben ihm Vollmacht, „nach seiner Einsicht für das allgemeine Wohl zu handeln". Beim feindlichen Vorposten angelangt, formulierte der geistliche Herr seine Frage: was denn ihr Begehr sei, ob sie sich endlich ergeben wollten. Der Offizier verbarg nicht sein Erstaunen über die kecke Anrede und lud den Kuraten ein, ihm zum Marschall zu folgen. Lantschner willigte erst ein, nachdem ihm freies Geleit zugesichert war. Lefebre empfing ihn mit spöttischem Blick: Was soll der Tollsinn, dass sich ein so kleiner Landesteil noch widersetzen will? Der Tiroler kam nicht aus der Fassung und wiederholte in aller Naivität auch hier die Frage wegen der Kapitulation. Darauf

1) Hierüber unterrichtet nur der Bericht Lantschners a. a. O.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 589
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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