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  577 - In der Sachsenklemme am 5. August
 

 

suchen. Und nun war das ganze sächsische Kontingent am linken Flussufer vereinigt. Schon schloss sich um dasselbe die verhängnisvolle Kette. Den Notsteg hatten zwar die Soldaten noch abwerfen können, aber nur die Breite des Eisack trennte sie von denen, welchen sie eben entronnen und die nun in so naher Distanz das Pulver nicht sparten. Wollten sie vor deren Kugeln sich hinter Feldmauern decken, so krachte es auch ober ihnen, da Haspingers Scharen aus den Höhen links von Oberau herniederstiegen. Und ebenso ungestüm näherte sich Speckbacher von Norden her, dem die durch Rouyers Rückzug geschaffene Situation nicht entgangen war. Wer sich also von den Sachsen im Freien sehen ließ, den konnten die auf den Höhen ringsum postierten Schützen bequem aufs Korn nehmen. Am ehesten gewährten noch die paar Häuser des Ortes Deckung: Pfarrhof, Wirtshaus und Schmiede. In ihnen lagen bekanntlich die Verwundeten vom vorigen Tage, neue gesellten sich ihnen zu, neben ihrem Schmerzenslager mussten die Kampffähigen das Feuer ihrer Angreifer erwidern. Auch die Offiziere griffen nach Gewehren, um die Zahl der schussbereiten Mannschaft zu erhöhen. Zu kommandieren gab es sonst an diesem Orte des Todes nichts mehr. Wenn noch etwas die sich heranschiebenden Massen aufhalten konnte, so waren es die zwei Geschütze, deren verderben drohende Kartätschenschüsse in das Büchsengeknatter hineinbrummten. Munitionsmangel jedoch brachte sie nach einigen Stunden zum Schweigen. Die Bauern drückten noch gewaltiger herzu. Von einem Ausfallsversuch, den Leutnant Seebach mit einer Freiwilligenschar wagte, musste im nächsten Augenblick abgestanden werden.

Die Not der armen Sachsen stieg aufs höchste. Nicht einmal ein frischer Wassertrunk konnte ihren quälenden Durst stillen, da die Brunnenleitung nach Oberau zerstört war. Kurier um Kurier war von Egloffstein entsendet worden, um Rouyer an das gegebene Wort zu mahnen. Keiner konnte passieren vor den wachsamen Schützen des Mannes von Rinn. So verfloss der Vormittag, auch die Mittagsstunde. 36 Stunden fast standen die Bataillone im Feuer, ebenso lang entbehrend jeder Erfrischung. Mit Entsetzen denkt man sich den Zustand der verschmachtenden Blessierten. Der Blick auf das Elend der Seinigen und die Hoffnungslosigkeit auf Befreiung zeitigten in Egloffstein einen ähnlichen Entschluss, wie Rouyer die Nacht vorher gefasst. Er nimmt einen Teil seiner Leute und die zwei munitionslosen Kanonen, um sich nach Sterzing zu retten. Ob er wohl ernstlich gerechnet, auf dem Wege dahin den versprochenen Nachschüben zu begegnen? Der Marsch der Todmüden vollzog sich unter unausgesetzten Attacken Speckbachers bis zum Kogel der Feste Sprechenstein. Auch jene zwei Kompagnien in Mittewald hatten sich angeschlossen. Kugeln und Steine richteten noch in ihren Reihen Unheil an. Alle die

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 577
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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