SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  574 - In der Sachsenklemme am 4. August
 

 

Speckbacher zusammen. Dieser, den Leuten der Brixener Gegend unbekannt, war nicht mit dem Kommando über Kompagnien betraut, aber Haspinger und Mayr kannten ihn, mit ihm hielten sie Kriegsrat. In nächtlicher Stunde noch trennte er sich von den Freunden, um talaufwärts die Anlegung von Verhauen und die Aufschichtung von Steinlawinen zu betreiben. Ganze Waldstreifen legte man nieder, um die Straßenpassage zu sperren. Für den folgenden Tag wählte Speckbacher die Gegend rechts vom Eisack, von Puntleid und Grasstein nördlich, zu seinem Arbeitsfeld, von hier aus hoffte er auch mit Hofer im Jaufengebiet Fühlung zu bekommen.

Beim Aufbruch Rouyers aus dem Felde vor Sterzing übernahm ein weimarsches Bataillon die Vorhut. 1) Zwei andere sächsische Bataillone, zwei bayrische Eskadronen, zwei Geschütze, das Regiment Anhalt und ein Bataillon vom Regiment Waldeck, weiter noch Artillerie und Reiterei folgten. Unterhalb Mauls stiessen sie auf Speckbachers Verhaue. Die Entfernung derselben begleitete das Feuer der an den Berghängen verteilten Tiroler. 2) Ohne sich dadurch irre machen zu lassen, entfernten die Sachsen ein solches erstes Hindernis nördlich, dann ein zweites südlich vom Wirtshaus im Sack. Bei letzterem erlitt der vorreitende Major Germar eine Kopfwunde. Hinter dem zweiten Verhau verengte sich das Tal zur eigentlichen Schlucht, wo die steil abfallenden Felsen nur der Strasse und dem unter ihr tosenden Eisack Raum gaben. Hier lösten sich die auf den Höhen geschichteten Steinlawinen, deren Blöcke, von den Risen herniederdonnernd, die Strasse wieder verlegten und in die Passanten Tod und Verderben trugen. Trotz namhafter Verluste wand sich das Sachsenkorps in kurzem aus dem Bereich der mörderischen Absturzstellen und näherte sich dem Dorfe Mittewald. Die breite Fensterfront des dortigen Posthauses, der von Sterzing kommenden Strasse zugewendet, war von Bauern dicht besetzt, eine Annäherung also nur unter großen Opfern möglich. Da musste man das Geschütz zu Hilfe nehmen. Wohl an der Stelle, wo heute das Pretzsche Fabriksgebäude steht, wurden Kanonen aufgefahren, unter deren Granatenschüssen die Soldaten zum Sturm schritten. Das Posthaus ließ sich nicht halten, seine bäuerliche Besatzung floh über die nahe Eisackbrücke auf das rechte Ufer. Diese völlig abzutragen hatten die Davonjagenden nicht mehr Zeit, auf den noch stehenden Enzbäumen setzten zwei koburgische Kompagnien über das Wasser. 3) Sie übernahmen es, den Zurückziehenden nachzusetzen und

1) Militärische Quelle ist des sächsischen Majors v. Seebach Gesch. d. Feldzüge etc. (1838); der auf Tirol sich beziehende Teil abgedr. in d. Schützenzeitung 1847 p. 306 ff. Vielfach wörtlich nach Seebach handelt Schneidawind, Das Regim. d. Herzoge v. Sachsen (1852).
2) Speckbacher notiert zum 4. August: „Bei Stilfes nächst Kläusl Musketengefecht."
3) Gruber: „Ich retirierte mit Villandrern über die Enzbäume der Mittewalder Brücke und wäre fast gefangen worden." Keine Bestätigung findet Grubers Erzählung: „Wir hielten uns eine Zeitlang in Mittewald, aber der Feind ging über den Steg bei Sack und kam uns auf den Rücken." Üb. d. Übergang in Mittewald auch Schauroth a. a. O.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 574
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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