SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  566 - Erstürmung von Lienz
 

 

österreichischen Generals harrte noch auf der letzten tirolischen Etappe eine Demütigung. Dass er die mitgeführten Gefangenen dem Gegner übergab, welche dann dieser sogleich bei sich einreihte, mochte kaum zu umgehen sein. Allein Rusca erhob mit „hitzigem und beleidigendem Ungestüm" die Forderung, Buol habe ihm Banitza und sein mitgeführtes Geschütz auszuliefern, widrigenfalls der vorangegangene General Schmidt entwaffnet und den österreichischen Truppen im französischen Okkupationsgebiet die Verpflegung verweigert würde. Rusca, an Mannschaft viel schwächer als Buol, konnte sich solches nur erlauben, weil er die Österreicher durch den Waffenstillstand gebunden wusste. Viellaicht war ihm auch Buols moralische Depression nicht unbekannt. 1) Wohl begriff Buol, dass die Zumutungen „gegen die Gesetze des Krieges und der Menschheit" seien. Allein er fügte sich und überließ den Franzosen eine Anzahl Geschütze. Als Rusca sich noch nicht befriedigt zeigte, sprang Leiningen ein und drohte, den Durchzug mit der Waffe zu erzwingen. Darauf konnte Buol, auch hinreichender Verpflegung vergewissert, den Marsch fortsetzen. Er tröstete sich, dem Gegner Artilleriezeug überlassen zu haben, so „schwach und schlecht", dass er kein Stück gebrauchen könne und, sollte er es versuchen, ihm ganz sicher „noch mehreres Unglück" passieren würde. „Auf diese Art wurden ohne Nachteil des allerhöchsten Ärarii alle sonst sicher entstandenen unangenehmen Weitläufigkeiten vermieden." In Czakathurn traf Buol auf die Armee des Erzherzogs Johann.

Rusca war in Oberdrauburg von geistlichen und weltlichen Verordneten der Stadt Lienz begrüßt worden mit dem Gelöbnis friedlicher Gesinnung. 2) Alle Beredungskunst aufbietend und mit eigener Lebensgefahr bewogen diese städtischen Deputierten die von dem Lienzer Schmied Adam Weber 3) und von Blasius Nagele aus Aineth erhitzten Bauern, die Schanzwerke von Chrysanthen zu verlassen. So näherte sich Rusca auf der Strasse von der Grenze her unter klingendem Spiel der Stadt Lienz. Bei den ersten Häusern empfingen ihn Schüsse. Peter Wieland, unbekümmert um Buols Mahnungen, hatte Stürmer von Anras, Sillian und Innichen gesammelt und sich unter dem Geläute der Sturmglocken nach Lienz geworfen, wo auch noch eine Sterzinger Kompagnie (Hauptman Winkler) lag. Jedes der 200 Häuser wurde mit wenigstens einem Dutzend Mann belegt, welche aus Türen und Fenstern den ankommenden Feind mit ihrem Feuer

1) Der bayrische Richter Bram bezeichnet die Verhandlung Buols als „komischen Zwischenfall“.
2) Nach Hormayrs Bericht an Zichy hätte Rusca dieser Deputation versprochen, Tirol gar nicht zu betreten. Dies ist sehr unwahrscheinlich. Überhaupt haben Hormayrs Berichte über Tirol für die Zeit, nachdem er das Land verlassen, nur sekundären Wert.
3) Weber war vorher mit Wallner in Pongau tätig; er hat die salzburgischen Pfleger in Radstadt und Gastein arretiert.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 566
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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