SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  564 - Abmarsch Buols
 

 

Den ungünstigsten Eindruck von all den Abziehenden hat Teimer hinterlassen. Von ihm, der sich so gern zum ersten der Führer aufwarf, erwartete das Volk, dass er am längsten ausharre. Als sich Lefebre Innsbruck näherte, suchte er das Weite zu gewinnen. Die Bauern wollten ihn nicht ziehen lassen. Da stellte er ihnen vor, die Verteidigung des Landes erheische gebieterisch seine Anwesenheit in Südtirol. Damit log er sich glücklich über den Brenner. In Sterzing umschwärmten ihn neue Scharen, die sein Bleiben forderten. Um sie zu beschwichtigen, berief er sich auf einen wichtigen geheimnisvollen Brief, den er bei sich trage und den er ihnen übergab mit dem Beding, ihn erst zu öffnen, wenn er von dannen wäre. So entkam er auch hier. Sobald jedoch danach die Neugierigen das Siegel erbrachen, lasen sie — den Znaimer Vertrag mit einer Aufforderung zur Ruhe. Voll Grimm sandten sie ihm Verwünschungen nach. Als Rapp und Knoflach auf der Rückreise von Sachsenburg einer sie anhaltenden Bauernrotte bei Sterzing entrinnen wollten und dabei Teimers Namen nannten, wären sie bald übel angekommen. Wäre einer von euch der Teimer, so bekamen sie zu hören, diese Kugel da wäre bereits für ihn gerichtet. 1) Auch im Sandwirt hat es noch geraume Zeit wider Teimer gekocht. 2) Als der von Lefebre Geächtete musste Teimer heimlich mit Buols Truppen („in einem Brotwagen") das Land verlassen. 3)

Neben und nach den abziehenden Tirolern trat das österreichische Militär seinen Ausmarsch an. Im Unterschied zu dem einst so wortreichen Intendanten, dem bei seinem sang- und klanglosen Abgang Stimme und Feder versagte, hatte Buol „blutenden Herzens" vom Lande offenen Abschied genommen. 4) Leiningen war aus Trient nach Brixen gerufen. Bevor dieser ankam, marschierte Buol ab. Es war ihm von vertrauenswürdiger Seite hinterbracht, dass ihn das Volk nicht ziehen lassen wolle.

1) Knoflach und Stettner a. a. O. Zu gleicher Zeit mit den abreisenden Tirolern erschienen in Pustertal 14 Freiburger Studenten, um nach Österreich zu fliehen. Sie hatten sich seit Ende Juni an einzelnen Affären in Vorarlberg beteiligt. Am 29. Juli passierten sie Innsbruck. Der fragwürdige Baron Luxheim, der sich ihnen angeschlossen, beredete sie, in Pustertal zu bleiben und bei der Defension mitzutun. Georg Haugers Manuskr. in J. M. Einige Notizen v. Herrn. Mayer, Freiburger Studenten u. d. Tir. Erhebung, in der Vereinsgabe Schauinsland, Freiburg i. B. 1903 p. 21 ff.
2) Am 4. Aug. schreibt Hofer: Auf Teimer soll man sich nicht verlassen, „das heiss ich abweichen oder Verräter des Tirols".
3) In seinem „Attest" (A. A.) hebt Teimer besonders die Hilfe des gut gesinnten Gerichtsbeamten Caspar von Ottenthal hervor.
4) Benitius Mayr lässt in seinem zit. Drama Buol zu Hormayr sagen: „Herr Intendant, Sie haben uns mit Proklamationen ins Land gebracht; ich fürchte, die Proklamationen, die uns mit Ehren hinausbringen sollen, werden Sie mehr Mühe kosten."

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 564
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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