SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  550 - Freie Strasse durch Unterinntal
 

 

abziehen. Wollte er sie zurückhalten, so wurde ihm zur Antwort, die Dienstzeit sei aus, man habe sie nicht rechtzeitig abgelöst. Bei Teimer und beim Haller Stadtrat betrieb er die Ausrüstung von Nachschüben. Aber niemand mehr wollte sich vom Fleck bewegen. Hauptmann Fischler in Hall brachte einige Mann zusammen; es ist nicht zu beschreiben, versichert der Bürgermeister, welche Schwierigkeiten es hatte, diese wenigen Leute fortzubringen. 1) Bei Rattenberg langten Lefebre und die von Kufstein zurückkehrenden Sieberer und Speckbacher fast zur selben Zeit an. Unter dem Feuer feindlicher Geschütze riss Speckbacher die dortige Innbrücke ab, um, wie er meinte, am linken Ufer einen weniger gestörten Rückmarsch zu gewinnen. Allein schon in Jenbach musste er sich durchschlagen, weil die Division Montmarie durch das Achental eben herangekommen war. 2) Von einem Aufhalten Lefebres an der Zillermündung durch Straub konnte keine Rede mehr sein. Mit dem in letzter Stunde noch herbeigekommenen Schwazer Landsturm machte er sich auf den Heimweg. In Volders gab es noch eine Stauung. Man erinnerte sich der Ansammlung der Stürmer in den Maitagen und glaubte, ähnliches auch jetzt wieder zu erreichen. Auch Oberstleutnant Taxis hatte sich mit seiner Mannschaft hier eingefunden. Nun sah man aber, wie sich die starken feindlichen Kolonnen auf der Strasse von Schwaz näherten, der Zuzug war im Vergleich zum Mai ein geringer, Taxis und der jetzt auch zum Glauben an die Waffenruhe bekehrte Roschmann boten alle Beredungskunst auf, um die Bauern von der Fruchtlosigkeit ihres Beginnens zu überzeugen. So folgte denn die Verabschiedung der Kompanien. Speckbacher und Sieberer begaben sich über die Ellbögener Strasse nach Matrei, wo sie schon bekannte Flüchtlinge wie Teimer und Aschbacher trafen. Die Verwünschungen der Bauern, die ihnen nachfolgten, hinderten Straub, das Gleiche zu tun. Taxis erwartete Lefebre beim Kloster Volders, um gleichsam formell noch den Akt der Übergabe des Landes vorzunehmen, und wählte hierauf denselben Weg wie die Bauernoffiziere. 3)

Nach der Passierung Rattenbergs begegnete Lefebre keinen feindlichen Anzeichen mehr. So wie in Rattenberg unter Führung Inamas stellten sich an mehreren Orten Deputationen vor, welche ihre Unterwerfung erklärten. Ohne jegliches Hindernis betrat der Marschall auch die Stadt Hall. Als wäre ihm schon der grause Befehl seines kaiserlichen Herrn zuhanden, begann Lefebre hier mit einem drastischen Revancheakte. Den

1) Korrespondenz Straubs in J. M. und in seiner Selbstbiographie.
2) Diese Division bestand aus den Korps der Grafen Arco und Oberndorf. Letzteres hatte die Besetzung Rattenbergs zu übernehmen.
3) Sieberers Journal (Handschr.), die Stelle ist bei Hormayr stark gekürzt. — Ludw. Rapp a. a. O. p. 29.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 550
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.