SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  530 - Wallner
 

 

die Tiroler „auf die verwerflichste Art elektrisiert," „die Stimmung, durch die Not noch vergrößert, immer fürchterlicher“; diese „Halbmenschen", so berichtet er, sind voll Erbitterung, und „hoffen wie die Juden auf den österreichischen Messias". 1)

Rechts vom Austritt des Inn in das bayrische Hochplateau sollten die Pässe Hirschbüchel und Luftenstein, ebenso auch Strub und Lueg besetzt und gesperrt werden. Danach war das Absehen Roschmanns und des seine Weisungen ausführenden Aichbergerwirtes Wallner gerichtet. Bis nach Radstadt und hinein nach Abtenau dehnte Wallner seine Exkursionen aus. Die Salzburger Bauern sollten ihre Passagen ebenso verwahren, wie es die Tiroler an ihren Grenzen machten. Allein da hatte Aichberger mit den widrigsten Verhältnissen zu kämpfen. Schon auf Tiroler Seite, östlich von Kufstein, reichte die Mannschaft bei weitem nicht zu einer kräftigen Passhut. Weiter drüben im Pinzgau und Pongau war die Bevölkerung nicht kampfesfreudig. Die Pfleger verteilten fleißig Aufrufe Utzschneiders und des Bischofs von Chiemsee und fanden Anklang. Wohl ist mancher von ihnen dafür gewaltsam entfernt worden, aber wenn nicht tirolische Scharen selbst einiges Leben in die salzburgischen Dörfer brachten, blieben dieselben meist teilnahmslos. Als General Rusca Mitte Juli sich Radstadt näherte, sammelte Wallner den Landsturm Pongaus und führte ihn über den Buchberg zur Fritzmühle, um dort die Franzosen an der nahen Brücke aufzuhalten. Aber Rusca richtete seinen Marsch wieder nach Kärnten, nach eintägigem Harren löste sich Wallners Schwarm auf. 2)

Je mehr das Land auf sich allein angewiesen war und je stärker die Schraube seiner eigenen Leistungsfähigkeit angezogen werden musste, desto weniger wählerisch war die Intendantschaft in der Wahl der Mittel. In einer solchen Lage, so bekennt Hormayr, war es das erste Gebot der Pflicht und der Notwendigkeit, das Volk unaufhörlich zu bearbeiten und in jener Spannung zu erhalten, in die es einmal versetzt war. An populären Künsten dieser Art wurde nichts verabsäumt, jede gute Nachricht auf das eiligste und feierlichste verkündet, jede in gutem Sinn geschriebene Schrift nachgedruckt. Hormayr beschuldigt Teimer „die lächerlichsten Übertreibungen und angenehmen Lügen" verbreitet zu haben. 3) Kolb hielt es auch so und Hormayr selbst nicht viel anders. 4) Epochemachend in dieser Beziehung kann man die Rückkehr Johann Georg Schennachers nach Tirol nennen. Dieser, seines Zeichens Schiffmeister und Spediteur,

1) Preysing an den Generalkommissär des Isarkreises 12. Juni, 2. Juli. M. St.
2) Üb. Wallners Tätigkeit Berichte des Richters Jos. Francisci und des Försters Sigmund v. Gutrath in Werfen v. 28. Juni und 13. Juli, dazu die Journalnotizen Franciscis und Werenspachers. M. K.
3) Hormayr II, 263.
4) Üb. Kolb s. Rapp p. 445 Anm. 82. Brarns Aussage im Protokoll v. 22. Aug. 1809. M. St.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 530
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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