SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  526 - Teimer in Scharnitz
 

 

Hormayrs Phantasie ging, so sollte, gleich einem sich zerteilenden Wetterstrahl, von Tirol aus ein ganzes Bündel von beunruhigenden Ausfällen in die Nachbarschaften hinausblitzen: von Pustertal nach Villach, Feltre und Belluno, von Trient wieder nach Bassano und Verona, von Vorarlberg nach Kempten, von Scharnitz gegen München, und so auch nach Veltlin. Senn und Frischmann erhielten Vollmacht zum Abschluss eines Vertrages mit den Veltlinern, welche die Verpflegung der abzusendenden Hilfskräfte versprechen mussten. 1) Allein diese Seifenblasen stiegen in dem Augenblick, als der Waffenstillstand zur Tatsache wurde.

Beim nördlichen Gebirgswall Tirols wiederholten sich die Vorgänge aus den Wochen vor Lefebres Einrücken. Wir sahen noch an der Scharnitzer Seite Arcos bayrische Jäger vor den Vintschgauern und Oberinntalern zurückweichen. Teimer, der ohnehin zur Verfolgung Deroys zu spät gekommen, litt es nicht lang im Unterinntal, er begab sich zu seinen Landsleuten in der Scharnitz, um die von ihm so gern geübte Ausfallspraxis wieder aufzunehmen. Buol überließ ihm dazu noch einen Trupp von seinen Soldaten. Aber manche Hauptleute der dort stehenden organisierten Schützenkompagnien, wie Zangerl von Prutz, fanden an solchen Expeditionen, welche zu Raubzügen auszuarten pflegten, wenig Gefallen. Sie glaubten genug getan zu haben, wenn sie den Feind von der Grenze zurückwiesen; sie beriefen sich mitunter geradezu auf die alte Wehrverfassung, die niemanden verhalte, jenseits der Landesmark zu

1) Ders. an dens. 13. Juli, ebend.: „Aus dem beiliegenden Befehl ersehen Sie die Wichtigkeit des gegenwärtigen Augenblicks und dass Ihnen als Landesoberkommissär unter Beiziehung des Majors Frischmann ein sehr wichtiger Auftrag übergeben wurde. Ich muss darauf bestehen, dass Sie binnen 24 Stunden nach Empfang dieses Briefes nach Schlanders gehen und dort alles Nötige einleiten. Beflügelte Eile und strenges Geheimnis über den Zweck sind die ersten Bedingungen zur höchst interessanten Expedition, welche vielleicht Mailand in bange Sorge versetzt und das in Piemont unter der Asche glimmende Feuer zum Ausbruch bringt." An Frischmann vom gleich. Dat.: „In strengem Geheimnis teile ich Ihnen mit, dass bei den gegenwärtigen günstigen Umständen ein allgemeiner Angriff auf den Feind beschlossen ist. Graf Leiningen bricht mit der ganzen Macht auf, um die stündlich mehr um sich greifende Insurrektion in Italien zu unterstützen. Verona ist sein Ziel. Nachdem der Banus Graf Gyulay den General Rusca bei Judenburg völlig geschlagen und sich Salzburg und Tirol bedeutend nähert, auch Villach besetzt ist, wird General Schmidt die wichtige Verbindung über Klagenfurt mit Gewalt eröffnen. Die Vorarlberger attackieren Kempten, während Oberstleutnant Baron Taxis über Scharnitz nach München vorbricht. Dem hochverdienten Senn und Ihnen wird die schöne Rolle zuteil, vereint mit dem komponierten österreichischen Militär die Eroberung des Veltlin zu vollziehen und überhaupt soweit als möglich vorzustreifen. Dieses Detachement wird von Leiningen abgegeben und marschiert von Trient über Meran nach Schlanders, wo es an Sie und den Marschdeputierten Gelmo angewiesen ist. Ich ersuche Sie, gleich nach Meran zu eilen, um mit der dortigen Kommandantschaft zu sprechen, welche Unterstützung an Schützenkompagnien von dort aus geleistet werden kann. Denn das Korps sollte jedenfalls 6 — 8 Schützenkompagnien haben. Das Geheimnis ist möglichst lange zu wahren. Es ist Todesstrafe darauf, dass das schweizerische oder Bündner Gebiet genau respektiert wird. Wenn es nötig ist, beim Einrücken ins Veltlin Proklamen zu erlassen, welche dem Volk das Ende seiner bisherigen Bedrückung und die Erfüllung seiner Wünsche verkünden, so wird Senn die Verfassung mit seiner geübten Feder besorgen, aber nur anonym oder mit dem Namen eines veltlinischen Parteihauptes wie des Grafen Paravicini oder Juvaltas." (Cop.)

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 526
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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