SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  518 - Vereitelte Begegnung
 

 

einige Bauern Unterinntals, welche ihre Übereinstimmung mit den Ideen des Salinendirektors lautbar werden ließen, als Gefangene nach St. Johann abführen zu lassen. Kaum auf etwas anderes als ein Trugspiel war dasjenige berechnet, was sich Teimer gestattete. Nach längerem Nachdenken gab er an Utzschneider Antwort: er erkenne dessen freundliche Gesinnung für Tirol und lade ihn für den 14. Juli zu einer Unterredung in der Scharnitz ein, Hormayr sei mit allem einverstanden, was er im Namen der Tiroler Landesdefension, an deren Spitze er als Oberkommandant zustehen das Glück habe, mit dem Direktor vereinbare; zur bestimmten Stunde werde er sich mit mehreren Verordneten einfinden. 1) Utzschneider erbat und erhielt hiezu vom König die besondere Erlaubnis mit der Vollmacht, vollen Pardon zu gewähren. 2) Bevor er diese in Händen hatte, kündigte er Teimer sein Erscheinen an, er werde ihm und dessen Begleitern den Beweis geben, wie sehr ihm das Wohl des Landes am Herzen liege, der König habe gute Gesinnung; er hoffe aber auch, man werde ihn dafür ehren und ihn, den Unterhändler, nicht dadurch in Verlegenheit setzen, dass man der Würde des Königs irgendwie zu nahe tritt; er komme allein nach Partenkirchen und wünsche, von dort mittels einer Eskorte nach Scharnitz zu gelangen. 3) Dieser Zusage folgte am nächsten Tage noch die Mitteilung, die bayrische Regierung bestehe darauf, dass für die Zeit, während welcher Utzschneider sich außer dem bayrischen Vorpostenkordon aufhalte, zwei angesehene Tiroler als Geiseln nach Murnau geschickt werden, welche Landrichter Karl von Garmisch in Eschenloh erwarte. Wie freue ich mich, setzt Utzschneider hoffnungsvoll bei, Tirol bald ganz beruhigt zu sehen. 4) Der 14. Juli brachte Utzschneider eine bittere Enttäuschung. Er traf zeitlich morgens in Eschenloh ein, aber Tiroler Geiseln erschienen nicht. Dafür vernahm er, wie Bauernscharen täglich ihre Ausfälle bis gegen Garmisch und Partenkirchen ausdehnten und dabei von einer Friedensneigung gar nichts merken ließen. Da fand der Direktor einen Gang bis in die Scharnitz nicht geraten. Aber auch jetzt noch entbot er Teimer seine Geneigtheit, mit ihm zu verhandeln: er wolle sich noch einige Tage in der Gegend aufhalten; alles jedoch hänge jetzt von den Tirolern ab, die Zeit sei kostbar, Erzherzog Karl geschlagen. 5) Damit war Utzschneiders Aktion zu Ende. Es ward ihm nur noch

1) Teimer an Utzschneider 9. Juli.
2) Der König an Utzschneider 12. Juli.
3) Utzschneider an Teimer, München 11. Juli.
4) Ders. an dens. 12. Juli.
5) Ders. an dens. 14. Juli.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 518
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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