SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  506 – Münzprägung
 

 

In Hormayrs Kanzlei war berechnet, dass dieses Anlehen 300 000 G. erbringen sollte. 1) Freilich binnen drei oder acht Tagen war noch nicht viel zu bekommen. In den Städten gelang die Beitreibung leichter. Aus den Städten Trient, Bozen, Brixen, Innsbruck, Meran und Bruneck liefen schon in der ersten Woche mehr als 35 000 G. ein. In Innsbruck und Hall soll die auf sie entfallende Quote um mehr als das Doppelte überzeichnet worden sein. 2) Größeren Schwierigkeiten begegnete man auf dem Lande. Für den 14. Juli waren die Vorsteher der Gemeinden um Innsbruck zum Landgericht vorgeladen behufs Austeilung der Quoten. Viele, die erschienen, benahmen sich sehr „widerspenstig". Rapp bereiste die einzelnen Distrikte. Es waren schlechte Geschäfte zu machen, namentlich seitdem die Leute hörten, es sei Waffenstillstand. Was war aber auch in Orten zu holen wie Wörgl, wo der Finanzrat und sein Begleiter nicht einmal die Nacht verbringen konnten, weil sich in dem ausgeplünderten Dorf kein Stroh fand! Auch dort, wo das Unglück nicht so arg gehaust hatte, glaubten viele „des kargen Not- und Sparpfennigs allzu bald im eigenen Hause zu bedürfen."

Die Ereignisse der nächsten Wochen haben den Faden der Hormayrschen Aktion mit diesem Zwangsdarlehen jäh abgeschnitten. Unter ähnlichen Verhältnissen werden wir sie später wieder aufgenommen sehen. Mochte man über Wert und Berechtigung derselben denken wie immer, sie war das Diktat einer selten schwierigen Notlage, in welche das Land und mit ihm die Intendantschaft geraten war, welche einmal dem vielbeschäftigten Rapp einem Freunde gegenüber die Worte auspresste: „Du kannst dir vorstellen, wie angenehm der Dienst eines Finanzrates bei völliger Leere der Kreiskasse und beim Geheul der zahlungsbedürftigen Pensionisten und Beamten sein muss." 3)

Zur Abhilfe der sich steigernden Münznot ließ Hormayr an der alten Landesmünzstätte Hall von Meister Jolliot Silberzwanziger prägen,

1) Jeder Ort war angesetzt nach dem Steuerfuß. So entfielen z. B. auf Bruneck 1620 G. auf Antholz 250, auf Buchenstein 520. (Zahlreiche Beispiele in den Ger. Akt.)
2) Knoflach a. a. O. Zur Beurteilung des patriotischen Subskriptionseifers gebe ich einige Zeichnungen für dieses Anlehen: Kooperator Hilarion Soratroi bei der Pfarre Innsbruck 400, Josef Wenger in Hall 2000, Wachszieher Rosenbacher in Innsbruck 500, Prof. Zallinger 500, Oberlindober 500, Simon Tschurtschenthaler 1000, Dr. Perzager 500, Peter Walde 1000, Gräfin Cresz. Trapp 500, Tiefenthaler in Kematen 700 G. In M. St. liegt noch eine Obligation für die Stadt Innsbruck, lautend auf 10 250 G. „forciertes Anlehen der Intendantschaft", verzinslich vom 25. Juli an, unterschrieben von General Buol. In Bozen, wo man allerdings schon große Summen dargeliehen hatte, scheint nach einer Andeutung bei Hormayr II, 328 das diesmalige Leihegeschäft am wenigsten geglückt zu sein.
3) Rapp an Giovanelli, 5. Juli, A. G. Knoflach merkt zum 12. Juli an: „Kommt nicht bald Hilfe von Österreich, so sind wir schlecht daran; Hunderte von Pensionisten hungern schon.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 506
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.