SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  503 - Die Montangefälle
 

 

Der Intendant musste sich mit den Mitteln, die das Land bot, zu behelfen suchen. Vor allem wurden nur die dringendsten Auslagen bar bestritten, es waren die für die Landesdefension. Aktive Beamte erhielten nur einen Teil des Gehaltes, Auszahlungen für Pensionen und Stiftungen blieben sistiert. 1) Auch auf die Zinsen für die Landesschuld mussten die Gläubiger — und darunter waren viele kleine Leute, fromme und wohltätige Anstalten — in der Regel Verzicht leisten. 2) Das wesentlichste Erträgnis lieferten noch die Bergwerke, das Einkommen aus Salz und Messing. Bei reichen Kaufleuten fand Hormayr bereitwillige Abnehmer. Die Firmen Martin Tschurtschenthaler, Franz Josef Habtmann und Simon Kapferer in Innsbruck, Alois Mayer in Wilten und Franz Kaltenhauser in Bozen übernahmen um 37 000 G. Ware aus der Messinghütte in Achenrain. 3) Auch Salz wurde in Großem verkauft, die Anweisungen auf die Saline stiegen bis auf 45 000 Zentner. Freilich stockte dann deshalb der Salzhandel in Hall selbst, so dass dort zu einer Herabsetzung des Preises geschritten werden musste. So hat Hormayr, wie er einmal von sich rühmt, aus Stein Geld geprägt. 4) Buol hat es ihm dankend quittiert; nur dadurch, versichert er, sei es ihm erlassen geblieben „zu extremen Mitteln zu greifen". Aber damit waren noch lange nicht alle Verlegenheiten des Intendanten behoben. Hormayr und Rapp, den jener sich als Berater in Finanzsachen an seine Seite genommen, mussten nach neuen Quellen Ausschau halten. War auch für Buol das Nötigste beschafft, so riefen die Deputationen um so lauter nach Geld. Man versuchte es mit der Ausschreibung eines freiwilligen Anlehens. Für Beiträge von 50 G. sollten Empfangsscheine, für größere Summen Obligationen ausgestellt werden. 5) Aber das Publikum

1) Hormayr ließ im Juli an die Schwazer Bergbeamten doppelte Gage zahlen auf Rückzahlung in Raten, wobei noch Hoffnung auf völligen Nachlass gemacht war. Es sollte wohl eine Entschädigung sein für den Brand. Gesuch der Beamten an den König, 1810. M. K. In einer Menge von Gesuchen wurde der Intendant von Notleidenden angegangen. Auch Theaterdirektor Rossi bat um den unter Bayern gezahlten Jahresbeitrag von 1200 G. Hormayr resolvierte: „So sehr auch Menschlichkeit und Großmut für dieses Gesuch das Wort führen, so kann doch nichts gewährt werden, weil man nicht einmal jene Parteien befriedigen kann, welche gesetzliche Ansprüche haben." 19. Juni. J. St.
2) Dem Vormund der Kinder Margreiter, welche beim Brand in Schwaz fast alles verloren hatten, wird bewilligt, dass für eine ihnen gehörende Landschaftsobligation auf 2115 Gulden der fällige Zins per 80 G. 36 kr. aus den Intendantschaftsgeldern gezahlt und als Vorschuss für die Schuldentilgungskasse in Verrechnung gebracht wird. 27. Juli 1809. J. St.
3) Verkauft wurden 495 Z.
4) Ein Anlehen, das Salinenrat Wallpach in der Schweiz auf das Tiroler Montanistikum aufnehmen sollte, scheiterte. Hormayr II, 328.
5) Stettner a. a. O.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 503
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.