SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  490 - Gedrückte Stimmung, Spendensammlung
 

 

nicht schon so manche Enttäuschung? Und einzelne Landesteile wie Schwaz, zahlreiche Orte Unterinntals und das Dorf Scharnitz, sie mahnten mit ihren verkohlten Trümmerhaufen an den schrecklichen Gewittersturm, der allerdings jetzt vorübergebraust war, aber vielleicht sich wiederholen konnte. Und wieder begann, nachdem die bayrische Regierung, kaum installiert, neuerdings entfernt war, ein Zustand großer Verwirrung. Am Volkswohlstand zehrten solche Katastrophen gewaltig. Die meisten Bauern, so verzeichnet ein Chronist, sah man mit leerem Beutel nach Hause gehen. „Man geht nur einige Schritte auf der Strasse und man begegnet einem Bauer, der um eine Wegzehrung bittet. Sie haben ja großen Schaden gelitten; die meisten sagen, sie ziehen nicht mehr aus." Aller Enthusiasmus konnte trübe Gedanken nicht bannen. Gerade während Hormayr das Tedeum in der Hofkirche singen lässt, werden einem Tagbuchschreiber die Worte ausgepresst: „Wie wird das enden, heute hat mich die Schwermut ergriffen." 1) Unter den Leuten liefen Reden, welche starke Ernüchterung bekundeten: „Durch alle Opfer ist noch nichts gewonnen, wer wird uns den Schaden ersetzen?" Oder jener Gastgeb in Vintschgau zu einem Einkehrenden bei verschlossener Wirtsstube: „Und die Esel wollen noch immer rebellieren?" 2) Den Namen Chasteler durfte man schon gar nicht mehr nennen. 3)

Das Elend der abgebrannten Orte fand im Lande innige Teilnahme. Die Geistlichkeit übernahm es, allenthalben Liebesgaben zu sammeln. Nicht ohne Rührung ist in den Akten zu lesen, wie Stadt und Land wetteiferten, den Unglücklichen beizuspringen. Selbst von den ärmsten Berggemeinden wurde Namhaftes gesteuert. Binnen wenig Wochen liefen gegen 30 000 G. ein, eine Summe, welche beim notorischen Geldmangel gewiss als eine ansehnliche gelten muss. In manchen Orten wurde wiederholt solche „Brandsteuer" getrieben, und stets wurde wieder gegeben. Es gehört zur Tragik in der Fortentwicklung des Tiroler Aufstandes, dass infolge der später einreißenden Unordnung nur ein Bruchteil dieser Sammelgelder denen, welchen sie gewidmet waren, zugute kam. 4)

1) Knoflach a. a. O.
2) Schatz (Eberhöfer) a. a. O. p. 103.
3) Aussage eines Deserteurs von Lusignan, aufgenommen 26. Juni 1809 in Murnau: „Die Tiroler sind sehr schlecht zu sprechen auf das Militär, sie halten sich betrogen, da ihnen Erzherzog Johann und Chasteler keine Verstärkung schicken auch glauben sie den Aufrufen nicht mehr." M. St.
4) Im Gericht Welsberg spendete Toblach allein 496 G., das Gericht Bruneck 1843, davon Altrasen 302, Taufers 740, Niederdorf 252, Abtei 40, Kolfuschg 37 G. (Ger. Akten, J. St.) Von Strassen und Untertilliach liefen 113 G. ein, von Brixen 2300, Rodenegg 501, Kartitsch 93, Tesselberg 36, Abfaltersbach 94, Innichen 210, Obertilliach 81, St. Justina 35, Panzendorf 35, Asling 183, Kastelrutt 394 G. Die Kaufleute des Bozener Merkantilmagistrats sammelten unter sich 3550 G., außerdem gab die Stadt 4261 G. Aus Passeier verzeichnen St. Leonhard 100, St. Martin 113, Walten 11, Moos 19, Rabenstein 15, Schweinsteg 9, Platt 21 G. J. St. Bei Hofers Flucht aus Innsbruck im Oktober verschwand ein großer Teil des in der Burg noch deponierten Geldes. In Brixen lagen im November noch 5500 G., welche momentan zur Auszahlung von Beamtengehalten verwendet wurden.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 490
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.