SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  488 – 3. Kapitel. Die dritte Befreiung.
 

 

In den Augen der Mitwelt erschienen die Tiroler als die Sieger am Iselberge, Deroy als der flüchtende, also geschlagene. 1) Das Land war ebenso wieder frei vom Feinde wie nach den glorreichen Apriltagen. Dankbaren Herzens löste Hofer das Gelübde, das er am Schönberg gemacht: in seiner Gegenwart hielt der Abt von Wilten das Hochamt am Herz-Jesufest, bei dem eine Schützenkompagnie von Fleims in Parade stand. 2) Eine große Menge, welche durch heftige Erdbebenstöße in den zwei vorausgegangenen Tagen noch mehr zu andächtiger Einkehr bewogen war, wohnte dem feierlichen Gottesdienste bei. 3) Man hatte sich jedoch diesmal nicht allein am eigenen Siege zu freuen, sondern auch an dem der kaiserlichen Hauptarmee. Die Ehre von Aspern ward im ganzen Lande ausgerufen, vom Innsbrucker Stadtturm unter Trompetenschall verkündet, durch reitende Postillione auf den Strassen verbreitet. So veranstaltete es Hormayr. Am Abend des 4. Juni hielt derselbe Abt festliches Tedeum. Ertel, Taxis, Reissenfels, Hormayr, ebenso Hofer, Teimer, Speckbacher und Eisenstecken nahmen dabei die Ehrenstühle in der Hofkirche ein. Kompagnien von Lusignan gaben auf dem Rennplatz die Dechargen, den Schluss der Siegesfeier bildete das unvermeidliche Freitheater, man spielte „Klara von Hoheneichen".

In den nächsten Wochen war überhaupt an prunkenden Festlichkeiten kein Mangel. Für den gefallenen Stachelburg ließ Hormayr in Meran großes Requiem halten, zu dem einige Tausend Schützen aufgeboten wurden. Zugleich erklärte er unter Vorbehalt der kaiserlichen Bestätigung, damit die Hinterbliebenen Mädchen versorgt wären, den

1) Über die Begeisterung in Ungarn bei den Nachrichten aus Tirol s. Hormayr II, 319.
2) Es war am Freitag den 9. Juni. Am folgenden Sonntag sollte nach Hofers Geheiss das Fest in den andern Kirchen des Landes begangen werden.
3) „Selbst die Elemente empören sich gegen uns", setzt der Chronist (Knoflach) bei.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 488
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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